Um Antwort wird gebeten: Weshalb lässt sich die Pressestelle des Hamburger Max-Planck-Instituts in grüne Lobbyarbeit hineinziehen?

An: Dr. Annette Kirk, Pressstelle Max-Planck-Institut für Meteorologie, Hamburg
Von: Dr. Sebastian Lüning

Gesendet: 20.8.2015

Sehr geehrte Frau Dr. Kirk,

Mit Interesse sah ich einen Artikel auf feelGreen.de vom 2. Juli 2015, in dem Sie zitiert werden:
http://www.feelgreen.de/klimawandel-verlaeuft-drastischer-als-gedacht-keine-pause/id_74584820/index

Dort heißt es:

“Die Redaktion von feelgreen.de hat mit Dr. Annette Kirk gesprochen. Sie ist Pressereferentin des Max-Planck-Instituts für Meteorologie. [...] Laut der Klimaexpertin ist seit Beginn der Industrialisierung die Temperatur um etwa ein Grad angestiegen. “Das klingt nicht viel, ist regional aber durchaus sehr drastisch, insbesondere in der Arktis. Beeindruckend ist vor allem die Geschwindigkeit, mit der die Werte in die Höhe klettern.” Als Vergleich nennt Kirk die Erwärmung von der Eiszeit hin zur Warmzeit. Über zehntausende Jahre hinweg hätte der Temperaturanstieg gerade einmal etwa fünf Grad betragen – und sei wesentlich langsamer vonstatten gegangen.”

Es ist allgemein anerkannt, dass ein Teil dieser Erwärmung von knapp einem Grad seit 1850 der natürlichen Wiedererwärmung nach der Kleinen Eiszeit entspricht. Die feelGreen-Autorin Ann-Kathrin Landzettel lässt es fälschlicherweise so aussehen, als wäre das gesamte Grad anthropogen. Wie kam es zu diesem Fehler? Ich vermute, Sie konnten den Artikel vor Veröffentlichung gegenlesen?

Weiterhin vermisse ich in dem Artikel jeden Hinweis auf natürliche holozäne Klimaschwankungen. Weshalb wird die Mittelalterliche Wärmeperiode nicht erwähnt, als es bereits einmal so warm war wie heute? Oder das mittelholozäne Klimaaoptimum vor 6000 Jahren, als es sogar wärmer war als heute? Frau Landzettel (und Sie als Interviewpartner) lassen es so aussehen, als hätte es “über zehntausende von Jahren” eine langsame und stetige Erwärmung seit der Eiszeit bis heute gegeben. Dies ist nicht der Fall.

Ich würde mir wünschen, dass die Pressestellen staatlicher Institute hier aufklärend mitwirken und helfen, derartige Fehler und Verzerrungen in der Presseberichterstattung auszumerzen. Nur eine realistische und transparente Darstellung des Klimawandels kann uns weiterbringen. Es wäre schön, wenn Sie zu dem Artikel Stellung nehmen könnten. Ich möchte Ihre Antwort gerne im Blog www.kaltesonne.de bekanntgeben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. habil. Sebastian Lüning