News und Termine

Mental Rebound: Gutes Gewissen trotz schlechter Ökotaten

Die Olympischen Spiele sind vorbei und Deutschland hat es im Medaillenspiegel auf Rang 5 geschafft. Glückwunsch! Von der Organisation lief nicht alles rund in Rio. Aber die Weltuntergangsszenarien trafen ebenfalls nicht ein. Die Spiele gingen gut über die Bühne, man hatte die Improvisationsgabe der Brasilianer wohl unterschätzt. Allerdings gab es bei der der Eröffnungsfeier einen abrupten Stimmungshemmer. Die Organisatoren spielten einen klimaalarmistischen Videoclip ein, der den Menschen kräftig Angst einjagen sollte:

 

The Daily Caller kommentierte:

The opening ceremony Friday of the 2016 Olympic Games in Rio de Janeiro included a lengthy video intended to “raise awareness” of global warming. The video, narrated by actress Judi Dench, included maps and graphics of the Antarctic ice sheet and claimed that steadily rising sea levels could flood much of the globe. Environmental activists, including the founder of the environmental group 350.org, immediately took to Twitter to praise the video. A conservative columnist noted on Twitter that the video ignored Brazil’s serious corruption problems, and a meteorologist noted that the display was extremely hypocritical given Brazil’s horrible environmental record, tied in no small part to the aforementioned corruption. Extreme corruption punctuates the Olympics, as Brazil goes through one of the largest political scandals in the country’s history.

Weiterlesen auf The Daily Caller

—————-

Ende Juli 2016 erschien im Juwelen-Verlag das neue Buch “Die erfundene Katastrophe: Ohne CO2 in die Öko-Diktatur” von Günther Vogl. Amazon-Top-Rezensent Andreas Tögel beschreibt das Buch wie folgt:

Zur Zeit des real existierenden Sozialismus’ wurde jedermann fortwährend mit Lektionen in Marxismus-Leninismus traktiert. Dieser Tage kommt niemand mehr an der omnipräsenten Frage des vermeintlich menschengemachten Klimawandels vorbei. Der Kampf gegen die angeblich durch CO2-Emissionen erzeugte Erderwärmung trägt – wie der Marxismus – den Charakter einer weltlichen Religion. Und wie es bei Religionen halt so ist: Fakten zählen wenig, wenn der Glaube alles gilt.

Der Autor zieht mit einer Fülle wissenschaftlich gesicherten Materials gegen die Klimareligion zu Felde. Am Ende möchte man nicht glauben, wie hocheffizient der politisch-mediale Komplex sich darauf versteht, mit dem Kampf gegen das CO2 ein Vehikel zu schaffen, das einem einzigen Zweck dient: Der Zementierung und Ausweitung der (Welt-)Herrschaft über die Bürger. Wie zur Zeit des Realsozialismus geht es letztlich um die zentrale Planung und Beherrschung aller Lebensbereiche durch eine erleuchtet Nomenklatura.

Als ob Immanuel Kant niemals gelebt hätte, gilt der Gebrauch des Verstandes plötzlich nichts mehr. Im Gegenteil: Wer kritische Fragen zur Klimareligion stellt, wird ausgegrenzt, verächtlich gemacht – ja mittlerweile sogar mit der Todesstrafe bedroht. Man fühlt sich in jene finsteren Zeiten zurückversetzt, in denen die alleinige Deutungshoheit bei den Geisterbeschwörern lag. Der Diskurs ist tot. Es lebe die Einheitsmeinung!

Nicht wenige Umweltbewegte sind der Meinung, Menschen seien brandgefährliche Schädlinge, die sich gegen die Natur verschworen hätten. Ihre Zahl muss daher – Thomas Malthus lässt freundlich grüßen – drastisch reduziert werden. Der hinter der Tarnkappe des Umweltschutzes hervorblitzende Zynismus ist (etwa im Zusammenhang mit dem weltweiten Bann des DDT, eines einzigartig wirksamen Mittels zur Bekämpfung der Malaria) mitunter haarsträubend.

Weiterlesen auf Amazon. Leseprobe des Buches hier (pdf).

—————-

Wasser predigen und Wein saufen. Markus Schär beschrieb einen solchen Fall in der Weltwoche Nr. 30/2016 im Dossier “Personenkontolle”:

“Mit dem Bundesratsjet flog Doris Leuthard (CVP) nach Abu Dhabi. Sie feierte Bertrand ­Piccard und André Borschberg, die mit ihrem Monsterflugzeug «Solar Impulse» die Welt umrundet haben, von einem 65-köpfigen Tross mit einem mobilen Hangar im Charterflugzeug begleitet, und dies in nur 425 Tagen mehr als Jules Vernes’ Held («In 80 Tagen um die Welt») im Jahr 1872. Dem Blick-Reporter sagte Leuthard, die Schweiz müsse der Welt «irgendwie zeigen, wie wir ohne fossile Energien die Zukunft gestalten». (Sie räumte auf die Frage, weshalb Abu Dhabi Start- und Zielort sei, allerdings auch ein, die Schweiz sei «einfach kein Sonnenland».) Der Bundesratsjet stiess bei diesem Flug mindestens achtzig Tonnen CO2 
aus, so viel wie dreissig Jahre Autofahren. Leuthards eigenes Bundesamt für Zivilluftfahrt empfiehlt gegen Emissionen: «Reduktion der persönlichen Reisedistanzen.» Und: «Verzicht auf mittlere bis lange Reisen.» (sär)”

————————————–

Weltwoche Nr. 31/2016, Auszug aus “Die grüne Lebenslüge” von Markus Schär:

“Der eigene Solarstrom vom Schulhausdach reicht für Sonja und Joachim, ein «Öko-Klischee-Leben» wollen sie nicht führen. Mit gutem Gewissen fahren sie deshalb ihren «lieben 89er VW-Bus» und fliegen «nicht wenig», um Ferien zu machen und ihre «in ganz Europa verstreuten» Familien zu sehen. Mit einer guten Tat als Ablass sprechen sie sich selber von ihren Sünden frei: dass ihr VW-Bus mit Baujahr 1989 bis zu 15 Liter verbraucht und dass – wie der Tages-Anzeiger kürzlich vorrechnete – allein ein Flug nach New York und zurück einen CO2-Ausstoss von 2,6 Tonnen verursacht, so viel wie ein Jahr Autofahren.

Das gute Gewissen trotz schlechter Taten kennt die Wissenschaft als mental rebound. Dazu forscht der grüne Zürcher Nationalrat Bastien Girod an der ETH (siehe Seite 28). «Dieses Konzept geht davon aus, dass die Haushalte ­eine mentale Buchhaltung der Umweltbelastung führen, die sie verursachen», schreibt er in einer Studie von 2009. «Das erlaubt den Haushalten, umweltfreundliche Taten mit mehr Konsum zu kompensieren. Wer zum Beispiel ein Hybridauto kauft, verbucht dies als starke Reduktion seiner eigenen Umweltbelastung; so fühlt er sich ermächtigt, dafür mehr zu fahren.»

In seiner Studie weist Girod nach, dass Leute, die in einem Minergie-Haus wohnen, deutlich mehr fliegen, nämlich fast die  Hälfte mehr als der Schweizer Durchschnitt: «Ein eindrückliches Ergebnis», wie der Forscher staunt. Denselben Effekt sah auch das Team von Econcept, das die Pioniere in der Siedlung Kalkbreite ein Jahr nach ihrem Einzug befragte. Es stellte fest, dass diese Vorbilder jetzt tendenziell mehr flogen, in bis zu zwei Grad wärmeren Räumen wohnten und mehr Nächte im Ferienhaus schliefen. Das könnte auf den Rebound-Effekt deuten, schlossen die Forscher aus ihren Daten, also darauf, dass sich die Bewohner, «weil sie sich in vielerlei Hinsicht im Vergleich zu früher etwas stärker einschränken, mehr Ferien gönnen». Insgesamt seien sie deshalb «im Jahr 2015 noch weit von den Zielen der 2000-Watt-Gesellschaft entfernt».”

————————————

Weltwoche Nr. 31/2016, Auszug aus “Am Anfang war die Frauendisko” von Rico Bandle:

“Bei der Berichterstattung (von Radio SRF) hält man sich gerne an die Agenda von Behörden und Nichtregierungsorganisationen, deren Verlautbarungen oft eins zu eins transportiert werden. Am Montag zum Beispiel wurde in der Nachrichtensendung «Heute Morgen» verkündet: «Ab heute lebt die Menschheit von den Ressourcen des Planeten.» Was wie News daherkam, war in Wahrheit eine PR-Mitteilung der Umweltorganisation WWF, die ungefiltert verlesen wurde.”

 

Die Dekarbonisierung der Welt – Teil 3: Der Welthandel

Von Uli Weber

Noch bis weit in die 60-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts hinein war die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln, natürlich ohne Südfrüchte, weitgehend regional organisiert (Abbildung 1).

Abbildung 1: Schematische Versorgungslogistik bis in die 60-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts

 

Am Beispiel der Molkereien kann man den Verlauf der nachfolgenden Entwicklung ganz gut nachvollziehen. Viele dörfliche Gemeinschaften und Kleinststädte verfügten zu Beginn dieser Entwicklung nämlich noch über eigene Molkereien zur Versorgung der örtlichen Bevölkerung mit Milchprodukten. Rationalisierungen und Konkurrenzdruck haben dann im Laufe von wenigen Jahrzehnten zu einer Zentralisierung auf einige wenige nationale Anbieter geführt. Dazu dürfte sicherlich auch der steigende Marktanteil der Supermarktketten und deren steigende Einkaufsmacht beigetragen haben. Heute werden die Milchprodukte von wenigen zentralen Herstellern zu ihren Verbrauchern in ganz Deutschland transportiert. Und die einzelnen Versorgungsnetze dieser wenigen Großproduzenten dürften sich dabei fast vollständig überschneiden. Die Effizienzsteigerung auf der Verarbeitungsseite ist also mit einer deutlichen Ausweitung der Verteilungslogistik erkauft worden.

Rationalisierungen in der Produktion und die Vereinheitlichung von Produkten haben so oder ähnlich in vielen Bereichen der Nahrungsmittelproduktion zu einer Konzentration auf wenige Anbieter bei einer erheblichen Ausweitung der logistischen Verteilungsnetze geführt. Durch die Globalisierung hat sich dieser Prozess über Ländergrenzen hinaus immer weiter fortgesetzt (Abbildung 2). Das gilt auch für die Produktion von technischen Geräten, die sich dabei immer stärker auf die Schwellenländer mit industriellen Minimallöhnen konzentriert. Alle diese Rationalisierungsprozesse haben am Ende aber zu einer Ausweitung der Verteilungslogistik geführt und damit zu einem erhöhten CO2-Ausstoß.

Abbildung 2: Schematische Versorgungslogistik nach der Globalisierung

 

Heute fährt der Verbraucher in seinem Einkaufswagen also eine bunte Mischung von Produkten herum, deren Herkunft sich auf die halbe Welt verteilt. Diese Entwicklung war nur möglich, weil Rationalisierung immer als eine reine Reduzierung von direkten Kosten aufgefasst worden ist, und zwar auf Basis der Verbraucherpreise für das betreffende Produkt selbst inklusive der zugehörigen Verteilungslogistik.

Die Kosten für den Wegfall von Arbeitsplätzen in einer Region, für den Straßen-, Hafen- und Flughafenbau und für die CO2-Emissionen der Logistikketten werden dabei den Produkten selbst nicht zugerechnet. In den Verbraucherpreisen erscheinen vielmehr lediglich die anteiligen Nutzungsentgelte für diese Transportkette. Und so können dann schließlich Schnittblumen aus Brasilien auf einem Hamburger Wochenmarkt preislich günstiger angeboten werden als die Blumen aus dem Alten Land.

Grundsätzlich betrachtet lässt sich der Anfangszustand vor Zentralisierung und Globalisierung der Nahrungsmittelproduktion also als eine regionale Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln, regional angesiedelten Arbeitsplätzen in der Nahrungsmittelproduktion und jahreszeitlichen Einschränkungen in der Produktverfügbarkeit beschreiben. Im Verlauf von Zentralisierung und Globalisierung wurden dann nationale und internationale Logistikketten aufgebaut, die, bei einer Einschränkung der regionalen Produktvielfalt, zu einer generellen und ganzjährigen Verfügbarkeit von Nahrungsprodukten geführt haben. Diese Entwicklung hat für den Einzelnen sicherlich zu einer Steigerung der Lebensqualität geführt.

Die beschriebene Entwicklung ist natürlich nicht ohne eine gewaltige volkswirtschaftliche Umverteilung abgelaufen. Eigentlich haben wir dabei am Ende ja regionale Arbeitsplätze, regionale Kaufkraft und kurze Verteilungswege in internationale Arbeitsplätze und internationale logistische Verteilungsnetze umgewandelt, wobei der wirtschaftliche Ertrag dieser Optimierung am Ende den Verbrauchern und den internationalen Konzerne zugutegekommen ist. Seit 1980 hat sich der internationale Außenhandel fast verzehnfacht und damit auch der CO2-Ausstoß für die entsprechende Transportlogistik. Die Abbildungen 3 und 4 zeigen diese Entwicklung für den Zeitraum zwischen 1980 und 2008. Man erkennt hier am Ende ganz deutlich das globale Nullsummenspiel, weil ja ständig genauso viele Produkte ein- wie ausgeführt werden.

Das heißt nun allerdings zwingend, dass wir die weltweite Logistik in den Maßnahmenkatalog für eine Dekarbonisierung der Welt aufnehmen müssen. Schließlich muss uns der für unsere Versorgung mittelbar notwendige CO2-Ausstoß ebenfalls anteilig zugerechnet werden.

Abbildung 3: Entwicklung des internationalen Importaufkommens für die Jahre 1980 – 2008       (Datenquelle: Statistisches Bundesamt)

 

Abbildung 4: Entwicklung des internationalen Exportaufkommens für die Jahre 1980 – 2008       (Datenquelle: Statistisches Bundesamt)

 

Bei einer Dekarbonisierung unserer Welt müssen wir also auch zwingend die weltweiten logistischen Verteilungsnetze aufgeben und wieder zu einer regionalen Verteilung von Nahrungsmitteln und Industriegütern zurückkehren. Der bisherige Globalisierungsprozess hatte sich über etwa ein halbes Jahrhundert entwickelt und dürfte sich jetzt gar nicht mehr so einfach umkehren lassen, jedenfalls nicht ohne ganz erhebliche Einschränkungen unseres Lebensstandards und unserer persönlichen Ansprüche. Insbesondere die Liebhaber von ökologischen Nahrungsmitteln, Vegetarier und Veganer müssen dann im Winter auf das Einfliegen von Produkten aus südlichen Anbauregionen verzichten und mit eingelagerter regionaler Ware vorlieb nehmen  -  also viel Spaß bei der Dekarbonisierung der Welt!

 

Literaturnachweis:

Abbildungen 1-4 und Teile des Textes  aus „Klimahysterie ist keine Lösung“ (ISBN 978-3844806625)

Daten zum Welthandel: Zahlen des Statistischen Bundesamtes, Statistisches Jahrbuch 2010, A.18.1 Welthandel, Quelle dort: World Trade Organization, Genf

 

Um Antwort wird gebeten: Inhaltlicher Fehler in Harald Leschs Klima-Video

Von: Dr. habil. Sebastian Lüning
An: ZDF-Fernsehrat

Gesendet: 19.7.2016
Antwort: 8.8.2016

Sehr geehrter Fernsehrat,

Im Youtube-Kanal “Terra X Lesch & Co” veröffentlichten Prof. Harald Lesch und die Terra X-Redaktion am 29. Juni 2016 den Video-Beitrag “Das AfD-Programm wissenschaftlich geprüft”.
https://www.youtube.com/watch?v=legMiI6RUuQ

Ich bin kein Anhänger der AfD, erwarte jedoch eine wissenschaftlich korrekte Darstellung der Klimaproblematik. Im Video behauptet Prof. Lesch ab Minute 4:10, dass die gängigen Klimamodelle die historisch-geologisch ermittelte Klimaentwicklung gut reproduzieren können. Hier irrt Lesch. Der Weltklimarat IPCC hat in seinem letzten Klimabericht AR5 in Kapitel 5.3.5 der Arbeitsgruppe 1 ausdrücklich eingeräumt, dass die Modellierung der Mittelalterlichen Wärmeperiode (MWP) vor (1000 n.Chr.) misslungen ist.
https://www.ipcc.ch/pdf/assessment-report/ar5/wg1/WG1AR5_Chapter05_FINAL.pdf

Die MWP stellt eine wichtige Vergleichsperiode für die moderne Erwärmungsphase dar. Jüngere Arbeiten haben die unerwartete Schere zwischen Modellen und realer Temperaturentwicklung noch einmal bestätigt:

–Wilson et al. 2016: http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0277379115301888?np=y
–Luterbacher et al. 2016: http://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/11/2/024001

Es geht um den folgenden Punkt im AfD-Programm:

Der IPCC versucht nachzuweisen, dass die von Menschen verursachten CO2-Emissionen zu einer globalen Erwärmung mit schwerwiegenden Folgen für die Menschheit führen. Hierzu beruft man sich auf Computermodelle, deren Aussagen durch Messungen oder Beobachtungen nicht bestätigt werden.

Die [folgende] Aussage von Prof. Lesch im Video hierzu ist daher nachweislich falsch:

“Diese Aussage ist nicht korrekt.”

Die AfD-Aussage ist vielmehr richtig. Aus wissenschaftlicher Sicht ist einzuräumen, dass es bedeutende Probleme mit den Modellen bei der sogenannten Rückwärtmodellierung (“Hindcast”) gibt, die Prof. Lesch hier irreführenderweise unerwähnt lässt. Angesichts der großen Bedeutung des Themas ‘Klimawandel’ für die Gesellschaft und der großen Multiplikatorwirkung des ZDF (bislang eine Viertel Millionen Zuseher des Videos), möchte ich Sie bitten, das Video so lange aus dem Netz zu nehmen bzw. mit einem gut sichtbaren Korrekturhinweis zu versehen, bis der bedauerliche inhaltliche Fehler behoben ist. Vielen Dank im voraus.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. habil. Sebastian Lüning

———-

Von: Dr. Norbert Himmler, Programmdirektor des ZDF
An: Dr. habil. Sebastian Lüning

Gesendet: 8.8.2016

Am 8.8.2016 antwortete der Programmdirektor des ZDF, Dr. Norbert Himmler. Er hatte die verantwortliche ZDF-Fachredaktion Naturwissenschaft und Technik gebeten, den Fall zu prüfen. Wenig überraschend stritt die Redaktion jeglichen Fehler ab. Himmler teilte dementsprechend mit, das Video werde folglich weder entfernt, noch geändert.

Das Originalschreiben können Sie als pdf hier abrufen.

———-

Von: Dr. habil. Sebastian Lüning
An: Dr. Norbert Himmler

Gesendet: 10.8.2016
Sehr geehrter Herr Dr. Himmler,

Vielen Dank für Ihre Antwort und die Veranlassung der inhaltlichen Prüfung. Wir stimmen beide darin überein, dass der Forschungsgegenstand Klimawandel hochkomplex ist. Umso wichtiger ist die fachlich korrekte Berichterstattung, wobei Vereinfachungen natürlich stets notwendig sind, um dem breiten Publikum die wichtigsten Erkenntnisse vorzustellen.

Im krassen Gegensatz zu den klaren Aussagen aus der Wissenschaft, sieht Ihre Fachredaktion Naturwissenschaft und Technik überraschenderweise keine Probleme bei der Rückwärts-Modellierung der Mittelalterlichen Wärmeperiode. Ich hatte konkrete Literaturzitate angegeben, offenbar haben Ihre Kollegen jedoch die entsprechenden Stellen nicht gefunden bzw. nicht erkannt. Das ist bedauerlich, kann aber passieren, wenn Journalisten eine breite Palette an Disziplinen abdecken müssen. Ich möchte Ihnen daher die Textstellen konkret nennen, um die es geht. Zur Erläuterung: “Rekonstruktion” = Messdaten (Proxies), “Simulation” und “CMIP5” = Klimamodelldaten

5. Klimabericht des IPCC, Arbeitsgruppe 1, Kapitel 5.3.5:
The reconstructed temperature differences between MCA and LIA […] indicate higher medieval temperatures over the NH continents […]. . The reconstructed MCA warming is higher than in the simulations, even for stronger TSI changes and individual simulations […] The enhanced gradients are not reproduced by model simulations … and are not robust when considering the reconstruction uncertainties and the limited proxy records in these tropical ocean regions […]. This precludes an assessment of the role of external forcing and/or internal variability in these reconstructed patterns.
https://www.ipcc.ch/pdf/assessment-report/ar5/wg1/WG1AR5_Chapter05_FINAL.pdf

 

Wilson et al. 2016
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0277379115301888?np=y
“N-TREND2015 indicates a longer and warmer medieval period (∼900–1170) than portrayed by previous TR NH reconstructions and by the CMIP5 model ensemble…”

 

Luterbacher et al. 2016
http://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/11/2/024001
Temperature differences between the medieval period, the recent period and the Little Ice Age are larger in the reconstructions than the simulations.”

Dazugehörige Pressemitteilung: https://www.uni-giessen.de/ueber-uns/pressestelle/pm/pm19-16
“Die Belege deuten drauf hin, dass die natürliche Veränderung der Sommertemperaturen größer ist als bislang angenommen, so dass Klimamodelle das volle Ausmaß von zukünftig eintretenden Extremen, einschließlich Hitzewellen, unterschätzen könnten….”

Ich hoffe, Sie stimmen mir zu, dass die aufgeführten Textstellen wenig Raum für die abweichende Interpretation Ihrer Fachredaktion lassen. Ich möchte Sie daher erneut bitten, das bemängelte Video mit einem deutlich sichtbaren Hinweis darauf zu versehen, dass es in der Tat Probleme bei der Rückwärtsmodellierung der Klimamodelle gibt. Es wäre unvernünftig, dies abzustreiten und hilft der wichtigen Klimadebatte nicht weiter, selbst wenn es scheinbar im Sinn der guten Sache ist. Der Klimawandel ist real und erfordert unsere höchste Aufmerksamkeit. Umso wichtiger ist es, dass die vorgebrachten Argumente und die mediale Darstellung fachlich belastbar sind.

Mit freundlichen Grüßen

Sebastian Lüning

———-

Von: Christiane Götz-Sobel, Leiterin der Redaktion Naturwissenschaft und Technik im ZDF
An: Sebastian Lüning

Gesendet: 19.8.2016

 

Sehr geehrter Herr Dr. Lüning,

Ihre Mail vom 10. August 2016 an den Programmdirektor Herrn Dr. Norbert Himmler bezüglich unseres Beitrags auf YouTube mit dem Titel „Das AfD-Programm wissenschaftlich geprüft“ wurde mir zur direkten Beantwortung zugeleitet.

Wie Sie richtig anführen, müssen komplexe wissenschaftliche Sachverhalte gelegentlich vereinfacht dargestellt werden, um sie für interessierte Laien verständlich zu machen. Dabei ist selbstverständlich auch bei einer verkürzten Darstellung auf die wissenschaftliche Korrektheit zu achten. In dem von Ihnen angesprochenen YouTube-Clip sind wir diesem Prinzip gefolgt und tun dies auch bei allen anderen Publikationen. Die von Ihnen zitierten Veröffentlichungen sind uns bekannt. Im genannten IPCC-Bericht sind Rückwärts-Modellierungen durchaus ein Instrument, um wissenschaftliche Aussagen zu treffen. Für weit zurückliegende Zeiträume ist es nicht verwunderlich, wenn Lücken in Proxydaten zu entsprechend vorsichtigeren Aussagen führen. Dennoch ist das Instrument der Rückwärts-Modellierung ein übliches und ein anerkanntes, um zu wissenschaftlichen Aussagen zu gelangen. Unsere Position bezüglich des von Ihnen angesprochenen YouTube-Clips ist daher unverändert.

Mit freundlichen Grüßen

Christiane Götz-Sobel

 

PS ein Zitat aus dem IPCC-Bericht

aus Kapitel 5.3.5 Temperature Variations During the Last 2000 Years

“The last two millennia allow comparison of instrumental records with multi-decadal-to-centennial variability arising from external forcings and internal climate variability. The assessment benefits from high-resolution proxy records and reconstructions of natural and anthropogenic forcings back to at least 850 (Section 5.2), used as boundary conditions for transient GCM simulations.”

———-

Von: Dr. habil. Sebastian Lüning
An: Christiane Götz-Sobel, Leiterin der Redaktion Naturwissenschaft und Technik im ZDF

Gesendet: 19.8.2016

Sehr geehrte Frau Götz-Sobel,

Danke für Ihre Mail vom 19. August 2016. Ich bin natürlich sehr verwundert darüber, dass Sie die Behauptung im Lesch-Video aufrecht erhalten wollen. Wie dargelegt, steht sie im krassen Gegensatz zum IPCC AR5-Bericht und neuesten Publikationen von Fachwissenschaftlern, die eine signifikante Diskrepanz zwischen Proxydaten und Klimamodellierung der Mittelalterlichen Wärmeperiode identifiziert haben. Entgegen Ihrer Darstellung werden hier nicht etwa die Proxydatenlagen als Problem gesehen, sondern die fehlerhaften Ergebnisse der Modellierungen. Der von Ihnen zitierte Satz aus dem AR5 bestätigt dies sogar noch einmal (“high-resolution proxy records …back to at least 850 [AD]”).

Mir bleibt nichts anderes übrig, als Ihre Position zur Kenntnis zu nehmen. Angesichts der großen gesellschaftspolitischen Bedeutung der Klimafrage und im Zuge der Transparenz würde ich Ihre Antwort und jene von Dr. Himmler gerne auf www.kaltesonne.de bekanntgeben. Ich hoffe, dies geht in Ordnung. Für den Fall, dass ich bis zum 26. August 2016 nicht von Ihnen oder Dr. Himmler höre, gehe ich davon aus, dass ich Ihre Antworten veröffentlichen darf.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. habil. Sebastian Lüning

———-

Von: Christiane Götz-Sobel, Leiterin der Redaktion Naturwissenschaft und Technik im ZDF
An: Sebastian Lüning

Gesendet: 22.8.2016

Sehr geehrter Herr Dr. Lüning,

gegen eine ungekürzte Veröffentlichung gibt es keine Einwände.

Mit freundlichen Grüßen

Christiane Götz-Sobel

 

Unmenschliche Klimaalarmisten: Bitte keine Klimaanlagen in heißen Regionen der Erde!

Der Deutschlandfunk ist ständig auf der Suche nach neuen Klimaalarmthemen. Am 19. Juli 2016 war dieses Thema dran:

Wie der Klimawandel die Produktivität mindert
Uta Dietrich von der UN-Universität warnt vor einem Produktivitätsverlust wegen des Klimawandels. Immer heißere Temperaturen führten dazu, dass Arbeiter in Fabriken beispielsweise unter Hitzezuständen litten, sagte sie im DLF. Sie fordert einen effektiven Arbeitsschutz – denn Klimaschutz sei auch Gesundheitsschutz.

Man muss kein Raketenwissenschaftler sein, um zu erkennen, dass sich zu große Hitze negativ auf die Arbeitsproduktivität auswirkt. Bei 40°C sucht man sich lieber schnell ein schattiges Plätzchen als Unkraut im Garten zu jäten. Dass man für dieses Thema nun ein eigenes Forschungsprogramm mit (fünf- bis) sechsstelligem Budget benötigt, überrascht. Haben die Forscher auch heiße Gebiete wie Texas im Programm, wo die Arbeitsproduktivität trotz Hitze hoch ist? Stichwort Adaption: Wenn es heiß ist, installiert man Klimaanlagen und passt sein Verhalten entsprechend an. So tritt man auf der Arabischen Habinsel erst abends um 21 Uhr aus dem angenehm temperierten Haus. Im Mittelmeerraum hatt man vor Erfindung der Aircondition mittags lange Siestas eingelegt, einfach um die unproduktiven heißen Mittagsstunden zu überbrücken. All dies wird im Interview allerdings ausgespart.

Stichwort Klimaanlage. Es ist regelrecht erschreckend, wie realitätsfern Uta Dietrich argumentiert:

UTA DIETRICH: [...] Klimatisierung der Räume ist wichtig, dass die Räume kühl gehalten werden, aber nicht unbedingt durch Klimaanlagen. Da diese ja auch viel Energie selber benutzen und damit es zu so einem Teufelskreis kommt, dass die Klimaanlagen mehr Hitze produzieren und dadurch die Hitze in den Städten zum Beispiel auch hochtreiben und die Leute, wenn die Temperaturen zwischen draußen und drinnen zu groß sind, sich schlechter an höhere Temperaturen auch anpassen können.

Können angesichts dieser ideologischen Beschränktheit überhaupt brauchbare Resultate einer solchen Studie erwartet werden?

—————-

Immer wieder Leonardo diCaprio. Von seinen Mitmenschen fordert er bedingungsloses klimabewusstes Verhalten, selber düst er in Privatjets um die Welt und jagt mit seiner Luxusyacht durch die Wellen. Nun kam noch eine weitere ‘Heldentat’ ans Licht. Offenbar filmte er seinen Antikapitalismus-Streifen “The Wolf of Wall Street” mit schmutzigen Dollars. Konkret wird vermutet dass die Filmproduktionsfirma mit illegalem Geld aus dem Dunstkreis des malaysischen Premierministers gegründet wurde.

—————-

Wie lange kann sich die alarmistische Klimareligion noch halten? Wer Lust am Stöbern hat, dem sei Alfred Brandenbergers Link-Sammlung zu Glaube und Hysterie empfohlen. Im selben Internet-Vademecum gibt es auch Interessantes über die Verbandelung von führenden Klimawissenschaftlern mit der (Extremwetter-) Versicherungsindustrie zu bestaunen.

—————-

An alte Sünden möchte der Mensch lieber nicht erinnert werden. Das gilt sicher auch für die österreichische Tageszeitung Der Standard, die sich 2007 folgenden Artikel leistete:

Größter See Nordamerikas auf tiefstem Wasserstand seit 81 Jahren
Zusammenhang mit Klimawandel wird befürchtet

Nun ist der Wasserstand der Great Lakes in den letzten Jahren wieder auf mysteriöse Weise nach oben gestiegen. Diesmal schweigt der Standard. Zu peinlich vermutlich. Eos hat das Thema am 21. Juli 2016 aufgegriffen:

What Caused Record Water Level Rise in the Great Lakes?
[...] Following a 15-year period of consistently below average levels of water in Lakes Superior and Michigan-Huron—the planet’s two largest lakes by surface area—their shorelines rose dramatically during 2013–2014. In 24 months, the water level in Superior rose almost two thirds of a meter, and the Michigan-Huron level rose 1 meter, the fastest rates ever recorded there during a period of 2 calendar years. [...] Their analysis indicates that the rapid rise in water levels in both lakes in 2013 was largely driven by increased spring runoff and precipitation over the lakes. By contrast, in 2014 the rise in Superior was predominantly due to reduced evaporation above it, whereas the increase in the Michigan-Huron system was due to a combination of all three of these factors, plus high inflow from Lake Superior via the St. Marys River, which links the two water bodies.

Ganzen Artikel in Eos lesen.

Siehe auch unsere früheren Beiträge:

—————-

Soziologische Studien kamen in den letzten Jahren zu einem unbequemen Ergebnis: Klimaskeptiker sind im Durchschnitt gebildeter als Anhänger des Klimaalarmismus. Oder anders ausgedrückt: Wer ernsthaft mitdenkt, kann den Klimaalarm relativ leicht entlarven.

Eine Gruppe der ETH Zürich hat lange gegrübelt und sich überlegt, wie man das unbequeme Resultat wohl aus der Welt schaffen könnte. Die Lösung: Man muss einfach den Begriff “Wissen” bzw. “Bildungsgrad” umdefinieren, dann kommt das Wunschergebnis heraus. Sicher nicht ganz zufällig erschien die Umdefinierungs-Studie im Fachblatt Nature Climate Change, das eine sehr strenge IPCC-Linie fährt. Hier der Abstract:

Knowledge as a driver of public perceptions about climate change reassessed
It is intuitive to assume that concern about climate change should be preceded by knowledge about its effects1, 2. However, recent research suggests that knowledge about climate change has only a limited effect on shaping concern about climate change3, 4, 5, 6. Our view is that this counterintuitive finding is a function of how knowledge is typically measured in studies about climate change. We find that if it is measured in a domain-specific and multidimensional way, knowledge is indeed an important driver of concern about climate change—even when we control for human values. Likewise, different dimensions of knowledge play different roles in shaping concern about climate change. To illustrate these findings, we present the results from a survey deployed across six culturally and politically diverse countries. Higher levels of knowledge about the causes of climate change were related to a heightened concern. However, higher levels of knowledge about the physical characteristics of climate change had either a negative or no significant effect on concern. Efforts aimed at improving public knowledge about climate change are therefore not the lost cause that some researchers claim they may be.

 

British Antarctic Survey: Antarktische Halbinsel kühlt sich seit 1998 ab

Immer wieder wird den Klimaskeptikern vorgeworfen, sie hätten den Erwärmungs-Hiatus der letzten anderthalb Jahrzehnte nur erfunden. Ein schlechtes Argument, denn der Hiatus ist mittlerweile ein eigenes Forschungsgebiet an dem eine Vielzahl von Wissenschaftlergruppen arbeitet. Die neueste Untersuchung zum Thema stammt von einer Gruppe des British Antarctic Survey (Turner et al. 2016), die am 21. Juli 2016 in Nature eine Studie zum Hiatus auf der Antarktischen Halbinsel vorlegte. Ja, sie haben richtig gelesen, auch hier scheint es einen Hiatus zu geben. Die Verwunderung ist berechtigt, denn von Presse und deutsche Behörden wird regelmäßig behauptet, die Antarktische Halbinsel wäre derzeit eine der sich am stärksten erwärmenden Regionen der Erde.

Kostprobe gefällig? Artikel auf der Webseite des deutschen Umweltbundesamtes (UBA) vom 23.7.2013:

Das Klima der Antarktis
Antarktika ist der trockenste und kälteste Kontinent der Erde. Die Temperaturen erreichen nur im Westen während des wärmsten Monats Januar Werte um den Gefrierpunkt und liegen ansonsten im Jahresdurchschnitt mit – 55°C weit darunter. Jedoch ist auch die Antarktis vom globalen Klimawandel betroffen und erwärmt sich vor allem im Bereich der antarktischen Halbinsel stärker als der Rest der Welt. [...] Nur einige Gebiete der Antarktischen Halbinsel erreichen im Sommer regelmäßig Temperaturen über dem Gefrierpunkt. Jedoch ist vor allem die Antarktische Halbinsel im Westen des Kontinents stark vom globalen Klimawandel betroffen. Keine Region der Erde wärmt sich derzeit schneller auf. So geben Temperaturdaten des „Oak Ridge National Laboratory” von Forschungsstationen auf der Antarktischen Halbinsel eine Erhöhung der Jahresmittelwerte von bis zu 2°C in den letzten 50 Jahren an. Für den gesamten Kontinent wurde eine Erwärmung von etwa 0,12°C pro Jahrzehnt nachgewiesen.

John Turner und seine Kollegen vom British Antarctic Survey (BAS) haben nun die Temperaturmessdaten diverser Forschungsstationen auf der Antarktischen Halbinsel zusammengefasst und gemittelt. Anhand dieser Daten können Sie die Entwicklung in eine Erwärmungsphase 1979-1997 und eine Abkühlungsphase 1999-2014 unterteilen. Letztere stellt den Hiatus dar. Das Ergebnis schreiben die Autoren sogar in den Titel ihrer Nature-Arbeit:

Absence of 21st century warming on Antarctic Peninsula consistent with natural variability
Since the 1950s, research stations on the Antarctic Peninsula have recorded some of the largest increases in near-surface air temperature in the Southern Hemisphere1. This warming has contributed to the regional retreat of glaciers2, disintegration of floating ice shelves3 and a ‘greening’ through the expansion in range of various flora4. Several interlinked processes have been suggested as contributing to the warming, including stratospheric ozone depletion5, local sea-ice loss6, an increase in westerly winds5, 7, and changes in the strength and location of low–high-latitude atmospheric teleconnections8, 9. Here we use a stacked temperature record to show an absence of regional warming since the late 1990s. The annual mean temperature has decreased at a statistically significant rate, with the most rapid cooling during the Austral summer. Temperatures have decreased as a consequence of a greater frequency of cold, east-to-southeasterly winds, resulting from more cyclonic conditions in the northern Weddell Sea associated with a strengthening mid-latitude jet. These circulation changes have also increased the advection of sea ice towards the east coast of the peninsula, amplifying their effects. Our findings cover only 1% of the Antarctic continent and emphasize that decadal temperature changes in this region are not primarily associated with the drivers of global temperature change but, rather, reflect the extreme natural internal variability of the regional atmospheric circulation.

Abbildung: Temperaturentwicklung auf der Antarktischen Halbinsel seit 1979 (schwarze Kurven). Rote Linien stellen Trends dar. Grauer Balken bei 1998 markiert Trendumkehr von Erwärmung auf Abkühlung. Quelle: Turner et al. 2016.

 

Turner und Kollegen machen deutlich, dass auf der Antarktischen Halbinsel eine starke natürliche Variabilität herrscht, die das anthropogene Temperatursignal weit übersteigt. Der Wechsel von natürlichen Erwärmungs- und Abkühlungsphasen ist ein bekanntes Phänomen auf der Halbinsel, wie Eisbohrkernstudien zur Entwicklung der letzten 1000 Jahre zeigten. Die BAS-Forscher warnen vor einer simplistischen Sichtweise zur Erwärmung im späten 20. Jahrhundert. Neben natürlicher Variabilität (Ozeanzyklen) und CO2 könnte hier auch das Ozonloch eine Rolle gespielt haben. Im Haupttext der Arbeit heißt es:

The recent change in SAT [surface air temperature] trend can be set in a longer-term perspective through examination of regional ice core records. An ice core from James Ross Island, which is close to Marambio station, showed that the region experienced several periods of rapid warming and cooling in the last 1,000 years, and that the warming trend over the last 100 years was ‘highly unusual’, although not unprecedented. However, the period since the late 1970s includes the ozone hole, which is unique in the record.

Die Erwärmungsrate der Antarktischen Halbinsel im späten 20. Jahrhundert ist zwar hoch, jedoch hat es laut Eiskernmessungen im 18. Jahrhundert wohl ein 50-Jahresintervall gegeben, als die Temperaturen schon einmal schneller nach oben schossen als 1979-1997:

The Ferrigno ice core from the coast of West Antarctica shows a warming from the 1950s to the early twenty-first century that agrees well with the warming observed at Vernadsky. In the longer term, this record revealed marked decadal variability and, importantly, resolved a 50-year period in the eighteenth century when SATs increased at a faster rate than observed at Vernadsky over the second half of the twentieth century

Hier die die wichtigste Erkenntnis der Studie: Die angeblich so außergewöhnlich starke Erwärmung der Antarktischen Halbinsel im späten 20. Jahrhundert liegt voll und ganz im Bereich der natürlichen Schwankungsbreite:

Therefore all these studies suggest that the rapid warming on the AP since the 1950s and subsequent cooling since the late-1990s are both within the bounds of the large natural decadalscale climate variability of the region.

 

Siehe auch Artikel auf t-online von Andreas Lerg

 

Eine kleine Sensation, von der Presse unbemerkt: Sonnenaktivität erreichte im späten 20. Jahrhundert nun doch Maximalwerte

In der Vergangenheit wurde uns stets erklärt, die Sonnenaktivität könne nichts mit der Erwärmung im späten 20. Jahrhundert zu tun haben, denn die beiden Kurven würden ja vollkommen entgegengesetzt zueinander verlaufen. Zum Beweis wurden dann Graphiken wie die folgende aus Wikipedia verwendet:

Abbildung 1: Vergleich der Entwicklung von globaler Temperatur, CO2 und Sonnenaktivität. Aus Wikipedia. Quelle: Leland McInnes at the English language Wikipedia [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons

 

Das Problem: Die Sonnenaktivität wird mittlerweile gar nicht mehr allein an den wackeligen Sonnenflecken festgemacht. Das oben dargestellte Diagramm ist ein Update von 2014, das offenbar von einem User mit dem wenig vertrauenserweckenden Namen “Kopiersperre” zur Verfügung gestellt wurde. Die aktualisierten Verlaufskurven der Sonnenaktivität gibt es bei der Österreichischen Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) sowie der Forschergruppe PAGES:

 

Abbildung 2: Schwankungen des solaren Klimaantriebes in Jahrtausenden, Jahrhunderten und Jahrzehnten. Oben: Im 20. Jahrhundert war die stärkste Sonnenaktivität seit 11.000 Jahren (hier 7.000 Jahre) zu verzeichnen. Mitte: Dem starken Antrieb des Hochmittelalters und dem geringeren in den Jahrhunderten danach folgte der ungewöhnliche Anstieg zum aktuellen Niveau. Unten: Erst im kurzfristigen Maßstab tritt der elfjährige Zyklus deutlich hervor (Fröhlich 2000 aktual., Wagner u.a. 2007). Abbildungs-Quelle: ZAMG

 

Abbildung 3: Sonnenaktivität während der vergangenen 400 Jahre.Weiße Kurve gibt die Total Solar Irradiance (TSI) an, die gelbe Kurve repräsentieren die Sonnenflecken. Abbildungsquelle: PAGES.

 

 

Die starken Veränderungen im Verständnis der Sonnenaktivität haben Matthes & Funke Ende 2015 bereits in einem Konferenzbeitrag auf Seite 9 dargestellt (alte Kurve SATIRE-TS in rot):

Abbildung 4: Neue und alte Kurven zur Sonnenaktivität während der vergangenen 165 Jahre. Quelle: Seite 9 in Matthes & Funke 2015.

 

 

Aber es kommt noch besser. Die Sonne erzielte am Ende des 20. Jahrhundert nicht nur ihre Maximum der letzten Jahrhunderte, sondern war offenbar so stark wie nie zuvor in den vergangenen 10.000 Jahren. Matthes et al. zeigten es in einer aktuellen Publikation von 2016 im Fachblatt Geoscientific Model Development Discussions:

Abbildung 5: Sonnenaktivität während der letzten 10.000 Jahre. Quelle: Abb. 20 in Matthes et al. 2016

 

Die außergewöhnlich starke Sonnenaktivität in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert hatte übrigens bereits Sami Solanki vor mehr als 10 Jahren in Nature berichtet. Danach zog er sich jedoch auf mysteriöse Weise aus der Klimadiskussion zurück. Ist dies vielleicht der Grund, weshalb die Sonnenforscher nun nahezu unbemerkt unterhalb des medialen Radars operieren? Die unerwartet starke Sonne wirft unbequeme Fragen auf, denen man gerne ausweicht. Könnte die hohe Sonnenaktivität vielleicht doch irgendetwas mit der starken Erwärmung 1980-2000 zu tun haben?

Auf jeden Fall kann uns nun niemand mehr erzählen, dass Sonnenaktivität und Temperatur divergieren und daher der Zusammenhang widerlegt sei. Die Attribution muss auf jeden Fall neu aufgerollt werden, das ist alternativlos.

 

MIT: Klimawandel hat positive und negative Auswirkungen auf die US-Landwirtschaft

In einer kürzlichen Studie in den Environmental Research Letters erklärte eine Gruppe um Erwan Monier, dass der Klimawandel sowohl Vor- als auch Nachteile für die US-amerikanische Landwirtschaft mit sich bringt. In einer dazugehörigen Pressemitteilung des MIT heißt es:

Gauging the impact of climate change on U.S. agriculture
New approach tracks key factors affecting crop yields, enabling early adaptation. [...] Under a scenario in which greenhouse gas emissions are unconstrained, the model projected that the U.S. will experience fewer frosts, a longer growing season, more heat stress, and an earlier start of field operations by the end of the century. When greenhouse gas emissions reduction policies — one aimed at capping the rise in global mean surface temperature between pre-industrial times and 2100 at 2 degrees Celsius, the other targeting a 2.5 C cap — were applied, projected changes in four out of the five indices were cut in half. This suggests that aggressive greenhouse gas mitigation could sharply reduce the effects of climate change — both adverse ones, such as increased heat stress, and beneficial ones, such as a longer growing season.

Hochspannend: Emissionsreduktionen würden sowohl die negativen als auch die positiven Folgen des Klimawandel auf die Landwirtschaft verringern. Schön, dass dies endlich einmal jemand so deutlich sagt.

—————-

Lesenswerter Artikel von Ludger Kusenberg am 10. Juli 2016 auf Tichys Einblick:

„Gerade DAS zeigt doch, dass ich Recht habe!“
Auch das exakte Gegenteil dessen, was bislang als Argument genutzt wurde, wird kackendreist als Trumpfkarte auf den Tisch gelegt. Zeigt Ludger Kusenberg aus dem Leben gegriffen. [...] Als vor knapp 10 Jahren die Sommer in Mitteleuropa überbordend heiß waren (endlich mal hatte der ARD-Brennpunkt zumindest eine namentliche Berechtigung), war die Schlussfolgerung naheliegend: eindeutiges Indiz für den weltweiten Klimawandel! Logisch? Zumindest kann dem sogar der Skeptiker was kurzfristig Nachvollziehbares abgewinnen. Bald jedoch folgte eine Phase mit eher niedrigen Temperaturen, die nun in einen deutschen „Sommer“ gemündet ist, dessen wochenlange Usseligkeit jeden deutschen Kleingartenbesitzer spätestens zum Public Grilling in den Carrell-Appell getrieben hat. (Für die Jüngeren: suche „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“ bei wikipedia.) Kurz bevor es jüngst auf dem Thermometer endlich ein bisschen nach oben ging, erreichte mich als Mailanhang ein Bild: zwei Gummistiefel mit der Unterzeile „German Flip Flops 2016“.

Ganzen Beitrag auf Tichys Einblick lesen.

—————-

Bucherscheinung Anfang August 2016 zum Klimathema von Gerhard Breunig und Dieter Ber:

Klimasozialismus: Massenarmut – Millionen Tote – Niedergang der Kulturen Was bezweckt der weltweite CO2-Schwindel wirklich?

Inhaltsbeschreibung auf Amazon:

Die Reduzierung von CO2 bedeutet weniger Pflanzenwachstum und somit auch die geringere Produktion von Nahrungsmitteln. Sie bedeutet ebenso wachsenden Energiemangel und sinnlosen Verzicht auf Wohlstand, besonders in den ärmsten Ländern der Welt. Immer weniger CO2 bedeutet die absichtliche Förderung weltweiter Hungersnöte. Dient das alles nur der offensichtlich beabsichtigten Reduzierung von Leben auf dieser Erde oder ist es gar ein von langer Hand geplanter Völkermord verrückt gewordener, selbsternannter Gutmenschen? Die beiden Autoren Gerhard Breunig und Dieter Ber führen den Kampf gegen die Mär der drohenden, vom Menschen verursachten Klimakatastrophe faktenreich fort. Sie legen schlüssig dar, dass die Schauermärchen nur einer kleinen Machtelite und den davon – vor allem – profitierenden NGOs nützen und zeigen auf, wie notwendig es ist, sich gegen den modernen „großen Sprung nach vorn“ zu wehren. Denn tun wir das nicht, ist der Weg in eine ungeahnte Armut für Millionen von Menschen nur noch eine Frage der Zeit.

—————-

Die deutsche Bundeskanzlerin Merkel hat anlässlich des VII. Petersberger Klimadialogs am 5. Juli 2016 eine Rede gehalten, die auf bundesregierung.de in voller Länge nachzulesen ist. Kurze Zusammenfassung: Nichts Neues.

—————-

Ende Januar 2016 erschien eine Pressemitteilung zur Adaption von Korallenfriffen an den Meeresspiegelanstieg in der Südsee, über die wir hier zeitnah berichteten. Siehe unseren Beitrag “Bremer Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie: „Unsere Daten lassen keine Rückschlüsse darauf zu, dass sich der Anstieg des Meeresspiegels bei den Takuu-Inseln in den letzten 70 Jahren negativ bemerkbar gemacht hat““. Es hat ein halbes Jahr gedauert, dann hat es “klick” gemacht, zumindest bei den Stuttgarter Nachrichten, deren Autor Roland Knauer sich der Geschichte am 7. Juli 2016 annahm:

Klimawandel: Eine Südseeinsel trotzt dem Untergang
Steigt der Meeresspiegel, tragen wandelbare Korallenriffe dazu bei, dass das Taku-Atoll nicht versinkt. Bislang wächst die Insel sogar, obwohl der Meeresspiegel kontinuierlich steigt.

Weiterlesen bei den Stuttgarter Nachrichten

—————-

Artikel auf nachrichten.at am 8. Juli 2016 über eine interessante Veranstaltung in Österreich:

“Wir sollten uns vor dem Klimawandel nicht zu Tode fürchten”
WELS. Kontroversielle Diskussion mit Umwelt-Landesrat Anschober und Unternehmer Pöttinger im Bundesrealgymnasium Schauerstraße.

Ist der Klimawandel eine globale Bedrohung oder wird die weltweite Erderwärmung nur künstlich hochgespielt? Auf diese Frage hatten Umwelt-Landesrat Rudi Anschober von den Grünen und der Grieskirchner Industrielle Klaus Pöttinger im Bundesrealgymnasium Schauerstraße ganz unterschiedliche Antworten. Die Podiumsdiskussion moderierte OÖN-Redakteur Erik Famler.

Weiterlesen auf nachrichten.at

 

Deutsche Ministerinnen lieben Spitzbergen – Barbara Hendricks lässt einen Ballon starten

Haben Sie schon einmal die Mitternachtssonne im arktischen Polarmeer genossen? Das exotische Ausflugsziel zieht immer wieder Politiker an, die sich unter dem Hinweis auf den Klimawandel zu einer Studienreise nach Spitzbergen aufmachen. Letztes Jahr war die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Prof. Dr. Johanna Wanka, auf Spitzbergen. Dabei ging so einiges schief (siehe unseren Blogbeitrag “Um Antwort wird gebeten: Weshalb lässt das AWI die heißen 1930er Jahre auf Spitzbergen unerwähnt?“).

Für die diesjährige Reisesaison hatte sich nun Wankas Kollegin, Bundesumweltministerin Barbara Hendricks für die Fahrt eingeschrieben. Per Pressemitteilung kündigte Hendricks am Tag der Abfahrt am 11. Juli 2016 ihre Fahrt an:

Hendricks: Arktis ist Frühwarnsystem für globalen Klimawandel Ministerin besucht Forschungsstationen in Spitzbergen

Die Arktis ist vom Klimawandel besonders betroffen und gilt als Frühwarnsystem für die globale Erderwärmung. Um sich über die konkreten Auswirkungen des Klimawandels und die Forschungsarbeiten vor Ort zu informieren, besucht Bundesumweltministerin Barbara Hendricks vom 11. bis 15. Juli Spitzbergen. Die Reise in die norwegische Arktis findet in Kooperation mit dem norwegischen Umweltministerium statt.

Hendricks: “Die Arktis ist besonders vom Klimawandel betroffen: Ob überdurchschnittlich ansteigende Lufttemperaturen, zurückweichende Gletscher, auftauender Permafrostboden oder schmelzendes Meereis – die Folgen sind bereits heute überall zu beobachten. Die Auswirkungen betreffen nicht nur die Region selber. Es gibt auch Rückwirkungen auf
uns: Zum einen durch steigende Meeresspiegel. Zum anderen weisen Forscher darauf hin, dass es einen Zusammenhang zwischen veränderten Extremwetterlagen in Europa, wie wir sie gerade im Juni in Deutschland erlebt haben, und schmelzenden Schnee- und Eisflächen in der Arktis geben könnte.”

Am University Center Svalbard (UNIS) in Longyearbyen sowie in Ny Alesund wird die Ministerin deutsche und internationale Forscher treffen, die sich mit Grundlagenforschung zu Umwelt und Klimawandel befassen. Das deutsche Alfred-Wegener-Institut (AWI) und andere internationale Forschungseinrichtungen leisten am Standort Ny Alesund wertvolle Beiträge zur Erforschung des Klimawandels und seiner Auswirkungen. Die Leiterin des AWI, Frau Prof. Dr. Karin Lochte, wird Hendricks auf der Reise begleiten.

Wir hoffen, die Reisegruppe hatte viel Spass jenseits des Nordpolarkreises. Der behauptete Zusammenhang zwischen schwindendem Meereis und Extremwetter ist mittlerweile allerdings schon widerlegt, was man in Berlin im hektischen Alltag vielleicht nicht mitbekommen hatte:

Am vorletzten Tag der Reise (14.7.2016) freute sich das Alfred-Wegener-Institut via Pressemitteilung über den prominenten Besuch auf seiner Arktisstation:

Umweltministerin Hendricks besucht AWIPEV-Station

AWI-Direktorin Lochte und Wissenschaftler informieren über Forschung zum Klimawandel auf Spitzbergen. 

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks besucht Spitzbergen, um sich über den Klimawandel zu informieren. Gemeinsam mit Direktorin Karin Lochte und Wissenschaftlern des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) diskutiert sie über die globale Erwärmung, die in der Arktis besonders stark und rasch auftritt.

Zwei weitere dürre Absätze folgen, dann ist die Meldung auch schon wieder zuende. Außer Spesen nichts gewesen? Man kann nur hoffen, dass das AWI endlich das Missverständnis Meereis/Extremwetter aufgeklärt hat. Einen Tag zuvor (13.7.2016) hatte die Ministerin bereits einen Artikel auf der Ministeriumsseite veröffentlichen lassen:

Wie das nördlichste Dorf der Welt den Klimawandel erforscht
Jeden Tag um 13 Uhr lassen die Forscher vom Alfred-Wegener-Institut auf Spitzbergen einen Luftballon steigen – und das seit 25 Jahren. Letztes Jahr hat ihnen Ban Ki-moon dabei geholfen, der UN-Generalsekretär. Und an diesem Mittwoch ist es Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, die den Ballon in die Stratosphäre entlässt.

Ballonsteigen lassen auf Spitzbergen, allmählich wird klarer, worum es bei dem Besuch ging. Im folgenden Absatz der Pressemitteilung wird es dann etwas konkreter:

Denn dieser heliumgefüllte Ballon ist nicht nur außergewöhnlich groß, er zieht auch Sonden in die Höhe, mindestens 30 Kilometer hoch. Von dort oben funken sie Daten herab, die den Forschern in Ny Alesund zeigen, wie warm oder kalt die unterschiedlichen Luftschichten sind und wo welcher Wind herrscht. In den letzten zehn Jahren haben sich die Messwerte deutlich verändert. Hoch oben in der Stratosphäre wird es kälter. Denn die Wärme, die dort fehlt, hat sich nach unten verlagert – und macht nun Menschen und Tieren am Boden zu schaffen, vor allem in der Arktis. Während der Globus sich im Durchschnitt seit der Industrialisierung um knapp 1 Grad erwärmt hat, waren es hier auf Spitzbergen mehr als 2 Grad in den letzten 20 Jahren, denn wenn das Meereis schmilzt, wird weniger Sonnenlicht in die Stratosphäre reflektiert und heizt stattdessen das Meer auf – die Erwärmung verstärkt sich so selbst.

Hendricks’ Mitarbeiter machen hier denselben Fehler wie bereits die von Wanka ein Jahr zuvor. Oder haben Sie voneinander abgeschrieben? In der Meldung fehlt etwas Entscheidendes. Siehe unseren Blogartikel “Temperaturen auf Spitzbergen seit Beginn der Messungen vor 20 Jahren dramatisch gestiegen – allerdings nur auf das Niveau von 1930“.

Unerwähnt bleibt auch die Mittelalterliche Wärmeperiode (MWP), die vor 1000 Jahre bereits schon einmal langfristig so warm wie heute war. In unserer MWP-Kartierung ist bisher nur eine Studie eingetragen – 87 Papers stehen allerdings in der Warteschleife, bereit zur Auswertung und Ergänzung. Mehr darüber demnächst in Kürze.

Nun sind Wanka und Hendricks also bestens über den Klimawandel auf Spitzbergen informiert. Wer fährt nächstes Jahr? Vielleicht hat ja Klimakanzlerin Angela Merkel ein paar Tage Zeit. Aber bitte dann nicht die Fehler der Vorgänger wiederholen, das wird langsam langweilig.

 

Ozeanzyklik statt Aerosole: Met Office Hypothese zum Nordatlantik endgültig verworfen

Im April 2012 meldetete die WAZ reißerisch:

Klima: Luftverschmutzung fördert Dürren und Wirbelstürme
Die Luftverschutzung fördert Dürren in Afrika und Wirbelstürme über dem Atlantik. Das haben jetzt britische Klimaforscher herausgefunden. Historische Klimaereignisse können damit nicht mehr natürlichen Klimaschwankungen angelastet werden. [...] “Wir müssen umdenken: Eine ganze Anzahl von historischen Klimaereignissen wie besonders starke Dürren in der Sahelzone können wir nun nicht mehr nur den natürlichen Klimaschwankungen anlasten”, schreiben Ben Booth vom Hadley Centre des britischen Meteorological Office in Exeter und seine Kollegen. Bisherige Klimamodelle, aber auch Regelungen zum Schwebstoffausstoß müssten an die neuen Erkenntnisse angepasst werden.

Weiterlesen auf derwesten.de.

Es handelte sich um eine Arbeit von Booth et al. 2012, deren Belastbarkeit aber bereits damals von den meisten Fachkollegen bezweifelt wurde (siehe unseren Blogbeitrag “Britisches Met Office schnupft Aerosol-Überdosis: Ich mach’ mir die Welt, Widdewidde wie sie mir gefällt“).

Am 6. Juni 2016 kam nun das endgültige Ende des alarmistischen Modells. Eine Forscherguppe um Jon Robson analysierte in Nature Geoscience die Klimaentwicklung im Nordatlantik und konnte die Temperaturveränderungen vollständig mit der klimasysteminternen atlantischen Ozeanzyklik erklären. Die Autoren erklären ausdrücklich, dass die Aerosol-Hypothese von Booth und Kollegen damit hinfällig ist. Die WAZ schweigt zur Arbeit. Ein neuer Fall unserer Dokumentation zum verdächtigen “Schweigen im Walde“. Hier die Kurzfassung der neuen Arbeit von Robson et al. 2016:

A reversal of climatic trends in the North Atlantic since 2005
In the mid-1990s the North Atlantic subpolar gyre warmed rapidly1, which had important climate impacts such as increased hurricane numbers2 and changes to rainfall over Africa, Europe and North America3, 4. Evidence suggests that the warming was largely due to a strengthening of the ocean circulation, particularly the Atlantic Meridional Overturning Circulation1, 5, 6, 7. Since the mid-1990s direct and indirect measurements have suggested a decline in the strength of the ocean circulation8, 9, which is expected to lead to a reduction in northward heat transport10, 11. Here we show that since 2005 a large volume of the upper North Atlantic Ocean has cooled significantly by approximately 0.45 °C or 1.5 × 1022 J, reversing the previous warming trend. By analysing observations and a state-of-the-art climate model, we show that this cooling is consistent with a reduction in the strength of the ocean circulation and heat transport, linked to record low densities in the deep Labrador Sea9. The low density in the deep Labrador Sea is primarily due to deep ocean warming since 1995, but a long-term freshening also played a role. The observed upper ocean cooling since 2005 is not consistent with the hypothesis that anthropogenic aerosols directly drive Atlantic temperatures12.

 

Wie Sonnenenergie in Treibstoff umgewandelt werden könnte

Heute kümmern wir uns wieder um die Energiewende. Zunächst zum Wind. Hier sind die Bürger mittlerweile aufgewacht und haben nun die Nase von den rotierenden Stahlkolossen vor ihren Schlafzimmern gestrichen voll. Daniel Wetzel griff das Thema am 27. Juli 2016 in der Welt auf

In Deutschland dreht sich der Wind gegen die Windkraft
Sturm auf die Windräder: Menschen in Deutschlands ländlichen Regionen erfahren die Energiewende nicht mehr als notwendiges nationales Projekt, sondern als zerstörerische Kraft. Der Widerstand wächst.

Volker Tschischke ist gerade von einer längeren Dienstreise zurück, als die Revolution sein Wohnzimmer erreicht. Irgendetwas ist anders, hat er eben noch gedacht. Nun steht Tschischke am Fenster, sieht über den Dachgiebeln der Nachbarhäuser zwei riesige Windräder und ist einen Moment lang unsicher, ob die neu sind oder er sie bisher bloß nicht bemerkt hat.

Später fällt ihm auf, dass abends in der Küche die wuchtigen Schatten von Windradflügeln über die Wand wischen. Und nach einiger Zeit bemerkt er, dass er bei Ostwind nachts unruhig ist und kaum noch in den Schlaf findet. Auch die Nachbarn sagen, sie hätten oft Ohren- und Kopfschmerzen. Sie machen dafür den Schalldruck der Windkraftanlagen verantwortlich.

Weiterlesen in der Welt

Der Vogeltod geht unterdessen weiter. Auch hier werden die Umweltverbände nach längerer Schockstarre endlich aktiv:

 

Das International Institute for Applied Systems Analysis gab am 21. Juli 2016 eine Pressemiteilung heraus, in der das Abholzen von Regenwald für Palmöl-Plantagen verurteilt wird. Allerdings werden auch Lösungsvorschläge angeboten, um Nachhaltigkeit zu erreichen. Wichtigste Botschaft: Es gibt angeblich noch reichlich unbewirtschaftete potentielle Anbauflächen außerhalb der Regenwälder.

Can palm oil be sustainable?

A new study shows to where and to what extent palm oil plantations could be expanded, while avoiding further deforestation in pristine and carbon-rich tropical forests.

Land used for palm oil production could be nearly doubled without expanding into protected or high-biodiversity forests, according to a new study published in the journal Global Environmental Change. The study is the first to map land suitable for palm oil production on a global scale, while taking into account environmental and climate considerations. “There is room to expand palm oil production and to do it in a sustainable way,” says IIASA researcher Johannes Pirker, who led the study.

Palm oil production has expanded massively, from 6 million hectares in 1990 to 16 million in 2010, an area about the size of Uruguay. The oil, which is used for cooking and as a food additive, now accounts for about 30% of all vegetable oil used worldwide. Palm oil is controversial, in particular because much of this expansion came at the expense of biodiversity-rich tropical forests, which were cut to make room for new plantations. But oil palm farming has also contributed to lifting millions of people out of poverty in Indonesia and Malaysia, the top palm oil producing countries. And an important share of palm oil producers are small-holder farmers who rely on the commodity as their primary income.

With palm oil as the number one cooking oil in Asia, where populations are rising, demand for the oil is expected to continue growing, and many developing countries are looking to expand their production. Yet it was not clear how much land is available for expansion. In the new study, researchers started by creating a global map of where the conditions are right for producing palm oil, based on temperature, rainfall, slope, and soil type.

From a purely biophysical perspective, they found that nearly 1.37 billion hectares of land globally are suitable for oil palm cultivation, in Africa, Central and South America, and Asia. From this they then removed any land which is already being used for other purposes, such as farming, residences, or cities. For this, the researchers relied on the hybrid land cover maps developed at IIASA using crowdsourced data.

Finally, the researchers ruled out areas that are protected by law, as well as forests that are particularly valuable from a biodiversity or carbon storage perspective. With all of these areas removed, the resulting map includes an area of 19.3 million hectares of very suitable land which could potentially be available for future production. This is slightly more than the current extent of palm oil production, 18.1 million hectares. However, among this area, about half is more than ten hours drive to the closest city which might not allow for economically profitable oil production. The map, published online, is also available for download.

“This analysis will be a useful tool to identify area for future oil palm investments that meets some basic environmental standards. The maps are available to stakeholders who can combine them with local information to address other dimensions of sustainable development,” says IIASA researcher Aline Mosnier, who also worked on the study.Growing attention to the deforestation caused by palm oil has led many companies to begin aiming for sustainability certification in their sourcing. However, the researchers argue that consumers and companies need to go a step beyond that. Pirker says, “Moves to ban palm oil are misguided. What we need to do instead is look at the origin of the oil, who is growing it how and where. Certification is a first step in the right direction but companies committed to sustainability should look in more detail at their supply chains, and consumers can demand this of them.”

Reference
Pirker, J., Mosnier, A., Kraxner, F., Havlik, P. and Obersteiner, M. (2016) What are the limits to oil palm expansion? Global Environmental Change, 40, 73-81 doi:10.1016/j.gloenvcha.2016.06.007

 

Blick nach Großbritannien. Die Deutschen Wirtschaftsnachrichten machten sich am 17. Juli 2016 Sorgen, dass London aus der überteuerten Energiewende aussteigt:

Großbritannien will die globale Energiewende kippen
Die neue Premierministerin Theresa May schafft das Ministerium für Klimawandel ab. Die Zusammenlegung mit dem Energie-Ressort dürfte eine Abkehr der Briten vom Klimaschutz bedeuten. Setzt sich diese Position global durch, hat Deutschland schlechte Karten.

Weiterlesen in den Deutschen Wirtschaftsnachrichten

Auch der frühere wissenschaftliche Berater der britischen Regierung, David MacKay, hält es für eine Illusion sich mittelfristig nur durch Erneuerbare Energien zu versorgen (siehe auch Artikel im Guardian vom 3. Mai 2016):

 

Blick nach China. Trotz Pariser Klimaabkommen hat sich die chinesische Regierung dazu entschlossen, 150 Milliarden Dollar in den kommenden 5 Jahren in neue Kohlekraftwerke zu investieren. Nicht ganz, wozu sich die Staatschefs Ende 2015 eigentlich verpflichtet hatten. Ein bewährtes Verfahren: Man sagt das eine und tun das andere.  Nachzulesen bei The Daily Caller.

Der Schlüssel für eine effektive Nutzung erneuerbarer Energien liegt in der Speichertechnologie, bzw. im bisherigen Fehlen einer solchen. Clive Best hat in seinem Blog nocheinmal vorgerechnet, wieviel Speichervolumen eigentlich geschaffen werden müsste:

The average German daily electrical energy demand is 1.4 TWh during winter months but can peak to 1.6 TWh.  A standard  (65Ah) car battery can store 0.78 KWh of energy. Therefore to power Germany for one day without any significant wind or solar input during winter would need at least 1.8 x 10e9 (1,800,000,000) batteries!

There are currently 1 billion cars and trucks in the world. So Germany’s energy storage solution  would need to requisition all of these , plus then manufacture 800 million more just to cover one day without wind in Winter.

If instead Germany decided to buy Tesla Powerwall battery packs priced at $3000, then they would only need 220 million of them for a total cost of $660 billion.  However for energy security insurance they probably need about seven times that number to cover a full week for a total cost of ~ $4.6 trillion.

Realismus ist gut, Verzweifeln führt aber auch nicht weiter. Wer hat vor 100 Jahren für möglich gehalten, dass es heute Computer gibt? Das menschliche Gehirn ist leistungsfähiger als man denkt. Ein gangbarer Weg in Sachen Speichertechnologie könnte über die Umwandlung von Wind- oder Solarstrom in Flüssigtreibstoffe führen. Das Paul Scherrer Institut (PSI) stellte am 7. Juli 2016 in einer Pressemitteilung ein interessantes Konzept hierfür vor:

Sun-Petrol – how solar energy can be transformed into fuel

Finding sustainable petrol – how solar energy can be transformed into fuel (weiterlesen …)

Waldbrände im europäischen Mittelmeerraum sind in den letzten 30 Jahren seltener und kleiner geworden

In Südwesteuropa lodern zur Zeit Waldbrände und legen große Waldgebiete in Schutt und Asche. Insbesondere die Eukalyptus-Plantagen fackeln ab wie Zunder. Auf der spanischen Kanareninsel hat ein Deutscher das Feuer fahrlässig verursacht. Bild berichtete am 10. August 2016:

La Palma in Brand gesteckt: Deutscher Klopapier-Zündler war ein Hunde-Beißer!
Die Geschichte um Aussteiger Scott S. (27), der auf der La Palma Klopapier angezündet hatte und dadurch einen Teil der Kanaren-Insel abfackelte, wird immer irrer! Der Deutsche, der vor fünf Jahren ausgewandert war, sorgte bereits Anfang des Jahres für Schlagzeilen – weil er einen Hund gebissen hatte!

Weiterlesen in Bild.

Am selben Tag brachte schwaebische.de ein lesenswertes Interview mit dem Wissenschaftler Johann G. Goldammer zu den Waldbränden in Südeuropa:

Schwaebische.de: Wie problematisch sind Waldbrände wie sie derzeit wüten?

Goldammer: Auf den kanarischen Inseln ist das Feuer nichts ungewöhnliches. Dort gibt es eine Kieferart, die sich den Feuern anpasst und danach auch noch austreiben kann. Jetzt ist allerdings eine sehr große Fläche auf La Palma zerstört, mit Stabilität der Wald-Ökosysteme wird es so problematisch. Ein Problem dort ist, dass die Siedlungen direkt an den Wald grenzen. Das gilt gleichermaßen für Portugal. Und dort werden auch gerade sehr die Eukalyptus-Aufforstungen diskutiert. Wenn Sie vor 50 Jahren diese Landschaft besucht hätten, dann hätten Sie gesehen, dass da gar kein Wald ist. Das waren traditionelle Landwirtschaftsgebiete. Die Landflucht hat dazu geführt, dass diese Flächen verwildern. Dort ist einfach kein Mensch. Jetzt ist diese Landschaft plötzlich brennbar. Da fragt man sich, in welche Situation sich die Gesellschaft selbst manövriert hat. Das Problem ist absolut selbst geschaffen.

Ganzes Interview auf schwaebische.de lesen.

Passgenau zum Thema erschien im März 2016 in PLOS One eine neue Arbeit eines Teams um Marco Turco, in dem die Wissenschaftler das deutliche Ergebnis sogar in den Titel schrieben: Im europäischen Mittelmerrraum hat die verbrannte Fläche und Anzahl von Bränden in den letzten knapp 30 Jahren abgenommen. Nur in Portugal zappeln die Daten ein wenig stärker. Die allgemeine Abnahme der Waldbrände führen die Forscher auf verbesserte Feuerbekämpfungsvorkehrungen zurück. Lokale Anstiege interpretieren Turco und Kollegen als Folge “gefährlicherer Landschafts-Konfigurationen”, was vermutlich als Eukalyptus und Bauen in Waldnähe übersetzt werden kann. Die Klimaerwärmung wird ebenfalls kurz genannt, allerdings mit untergeordneter Bedeutung.

Im Folgenden der Abstract der wichtigen Studie:

Decreasing Fires in Mediterranean Europe

Forest fires are a serious environmental hazard in southern Europe. Quantitative assessment of recent trends in fire statistics is important for assessing the possible shifts induced by climate and other environmental/socioeconomic changes in this area. Here we analyse recent fire trends in Portugal, Spain, southern France, Italy and Greece, building on a homogenized fire database integrating official fire statistics provided by several national/EU agencies. During the period 1985-2011, the total annual burned area (BA) displayed a general decreasing trend, with the exception of Portugal, where a heterogeneous signal was found. Considering all countries globally, we found that BA decreased by about 3020 km2 over the 27-year-long study period (i.e. about -66% of the mean historical value). These results are consistent with those obtained on longer time scales when data were available, also yielding predominantly negative trends in Spain and France (1974-2011) and a mixed trend in Portugal (1980-2011). Similar overall results were found for the annual number of fires (NF), which globally decreased by about 12600 in the study period (about -59%), except for Spain where, excluding the provinces along the Mediterranean coast, an upward trend was found for the longer period. We argue that the negative trends can be explained, at least in part, by an increased effort in fire management and prevention after the big fires of the 1980’s, while positive trends may be related to recent socioeconomic transformations leading to more hazardous landscape configurations, as well as to the observed warming of recent decades. We stress the importance of fire data homogenization prior to analysis, in order to alleviate spurious effects associated with non-stationarities in the data due to temporal variations in fire detection efforts.

Bereits am 3. Mai 2016 hatte das Karslruher Institut für Technologie (KIT) eine interessante Pressemitteilung zur globalen Entwicklung von Waldbränden herausgegeben:

Flächenbrände: Je mehr Mensch, desto weniger Feuer

Wissenschaftler des KIT sowie aus Schweden und Amerika zeigen, dass der Einfluss der demografischen Entwicklung auf Feuer in Ökosystemen genauso stark ist wie der des Klimawandels

Jährlich verbrennen weltweit etwa 350 Millionen Hektar Landoberfläche – das entspricht der Größe von Indien. Im Hinblick auf gesundheitliche und wirtschaftliche Schäden sind genaue Prognosen über die zukünftige Entwicklung von Feuern von großer Bedeutung. Frühere Untersuchungen nennen in diesem Zusammenhang oft den Klimawandel als wichtigsten Faktor. Dass die Bevölkerungsentwicklung jedoch mindestens genauso viel Einfluss nimmt, konnte nun eine Forschergruppe mit Beteiligung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) zeigen. Die Ergebnisse stellten sie im Fachblatt Nature Climate Change vor (dx.doi.org/10.1038/nclimate2999 ) [Knorr et al. 2016].

Feuer in Wäldern und Savannen sind für viele natürliche Ökosysteme essentiell: So tragen sie beispielsweise zur natürlichen Verjüngung und Biodiversität von Wäldern bei. Allerdings setzen sie auch große Mengen Luftschadstoffe frei, wie etwa Rußpartikel oder Ozon. „In einer zukünftig wärmeren, und häufig auch trockeneren Welt wird das Brandrisiko noch weiter ansteigen“, sagt Almut Arneth, Professorin am Institut für Meteorologie und Klimaforschung – Atmosphärische Umweltforschung des KIT. „Dadurch erhöht sich das Schadensrisiko für den Menschen.“ Wie sich Wald- und Savannenbrände zukünftig entwickeln und ausbreiten, haben die Umweltforscherin und ihre Kollegen der schwedischen Universität Lund sowie des amerikanischen National Center for Atmospheric Research in Colorado untersucht. In der globalen Modellstudie berücksichtigten sie dabei, welche Auswirkungen Faktoren wie Klimawandel oder Vegetationswachstum, aber auch der Mensch haben könnten. Als Grundlage nutzten die Wissenschaftler Satellitenaufnahmen von Flächenbränden, beginnend im Jahr 1997. Diese verknüpften sie mit Computersimulationen über die Entwicklung der Vegetation weltweit in Folge von Klimaveränderungen. Außerdem berücksichtigten sie verschiedene Szenarien aus globalen Klimamodellen sowie der länderspezifischen Bevölkerungsentwicklung.

Dabei zeigte sich ein komplexeres Bild, als die Forscher angenommen hatten: „Bisher gingen wir davon aus, dass der Klimawandel die Anzahl der Flächenbrände erhöht“, so Arneth. „In weiten Teilen der Welt hat die Größe der verbrannten Flächen über das vergangene Jahrhundert jedoch nicht zu- sondern abgenommen.“ Simulationen, die ausschließlich den Einfluss des Klimawandels abbildeten, zeigten allerdings, dass es zukünftig mehr Feuer weltweit geben wird: Vor allem in Nordamerika, Südeuropa, Zentralasien und in großen Teilen Südamerikas verstärkt der Klimawandel Flächenbrände. „Die Ursache für den Rückgang der Feuer musste also eine andere sein. Als wir die Modelle um demografische Faktoren erweiterten, dämpfte das die Folgen des Klimawandels stark ab“, erklärt Arneth. Das liege daran, dass der Mensch Flächenbrände weitestgehend unterdrücke, zum Beispiel durch das aktive Löschen von Bränden oder durch die „Fragmentierung“ der Landschaft: So bremsen etwa Straßen oder Felder die Ausbreitung von Waldbränden. Mit steigender Bevölkerungsdichte sinke demnach die Anzahl der Feuer. In Zukunft bremse die wachsende Bevölkerung sowie die Erschließung ländlicher Flächen als Lebensraum die Entstehung von Flächenbränden, vor allem in Afrika sowie Teilen Asiens und Südamerikas.

Dies heiße aber nicht, so Arneth, dass zukünftig das Brandrisiko für Mensch und Umwelt sinkt: So entstehen beispielsweise immer mehr Siedlungsgebiete in feueranfälligen Regionen. In diesen Gebieten sei dann schlicht aufgrund der wachsenden Bevölkerungsdichte das Risiko höher, durch Feuer Schäden zu erleiden. Genauso begünstige eine niedrige Population das Entstehen von Feuern: „Ländliche Gebiete, die durch den Umzug der Bevölkerung in Städte verlassen sind, werden wieder anfälliger für Flächenbrände werden“, so Arneth. Die Ergebnisse können vor allem dazu beitragen, zukünftige Feuerrisiken besser abzuschätzen, um Feuermanagementstrategien zu verbessern: „Raumplanung und Klimapolitik müssen eng miteinander verbunden sein. Mit einer sorgfältigen Planung und einem bewussten Umgang mit der Landoberfläche, kann das Risiko für Flächenbrände verringert werden.“

Im selben Monat gab die walisische Swansea University am 25. Mai 2016 eine Pressemitteilung mit ähnlicher Stoßrichtung heraus:

Wildfire: misconceptions about trends and impacts revealed in new research

A new analysis of global data related to wildfire, published by the Royal Society, reveals major misconceptions about wildfire and its social and economic impacts. Prof. Stefan Doerr and Dr Cristina Santin from Swansea University’s College of Science carried out a detailed analysis of global and regional data on fire occurrence, severity and its impacts on society. Their research, published in Philosophical Transactions of the Royal Society B, examined a wide range of published data arising from satellite imagery, charcoal records in sediments and isotope-ratio records in ice cores, to build up a picture of wildfire in the recent and more distant past.

In contrast to what is widely portrayed in the literature and media reports, they found that:

  • global area burned has seen an overall slight decline over past decades, despite some notable regional increases. Currently, around 4% of the global land surface is affected by vegetation fires each year;
  • there is increasing evidence that there is less fire in the global landscape today than centuries ago;
  • direct fatalities from fire and economic losses also show no clear trends over the past three decades

The researchers conclude: “The data available to date do not support a general increase in area burned or in fire severity for many regions of the world.   Indeed there is increasing evidence that there is overall less fire in the landscape today than there has been centuries ago, although the magnitude of this reduction still needs to be examined in more detail.” (weiterlesen …)

Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie hält CO2-Klimasensitivität von 2°C pro CO2-Verdopplung für möglich

Das Thema CO2-Klimasensitivität ist der Schlüssel zur Entwirrung der Klimadebatte. Wie die meisten von unseren Lesern wissen, steuert die Wissenschaft derzeit auf deutlich niedrigere Werte zu. Während der IPCC lange Jahre 3,0°C Erwärmung pro CO2-Verdopplung annahm, geht die Reise in den jüngeren begutachteten Publikation stark in Richtung 2 Grad. Dem Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie (MPIM), und speziell dessen Leiter Björn Stevens, gebührt hier große Anerkennung. Er sprach aus was viele bereits ahnten: Die Aerosole kühlen gar nicht so stark, wie in den Klimamodellen angenommen. Im Umkehrschluss kann auch das CO2 nicht so stark wärmen wie behauptet, um schlussendlich nicht über die aktuellen Temperaturen hinauszuschießen.

In einem neuen Artikel auf seiner Webseite erläuterte das MPIM die Klimasensitivität:

Klimasensitivität – Ein Maß für den Klimawandel und eine große wissenschaftliche Herausforderung

Die Klimasensitivität der Erde wurde oft als der “Heilige Gral” der Klimawissenschaft angesehen. Es gibt keine andere Maßzahl, die soviel über Klimawandel aussagt wie die Klimasensitivität. Sie ist ein Maß für die Änderung der mittleren globalen Erdoberflächentemperatur in Folge einer Verdopplung der atmosphärischen CO2-Konzentration.

Der Wert der Klimasensitivität liegt nach Einschätzung des fünften Sachstandsberichts des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) wahrscheinlich zwischen 1,5 und 4,5 °C und umfasst somit eine Unsicherheit, die sich seit den frühen Untersuchungen der Klimasensitivität in den 1970er Jahren nicht verringert hat. Das Gedankenexperiment der CO2-Verdopplung hat natürlich keine Entsprechung in der Realität, sondern liefert eine einfache Kennzahl zur Beschreibung der Empfindlichkeit der Erde gegenüber Kohlendioxid und anderen Antrieben, die das Klima beeinflussen könnten, wie z. B. Methan und Aerosolpartikel. Die Kenntnis dieser Zahl ist der Schlüssel zu verlässlichen zukünftigen Klimaprojektionen.

[...]

Im Bereich der Tropen ist das Verhältnis von Schwankungen der ins All abgegebenen Infrarotstrahlung zur Oberflächentemperatur in Beobachtungen größer, als es in Klimasimulationen ist. Das könnte darauf hinweisen, dass in den Modellen wichtige Rückkopplungsprozesse fehlen. Die Idee ist, dass sich trockene und wolkenfreie Regionen in einem erwärmten Klima ausdehnen und dadurch auch mehr Infrarotstrahlung in den Weltraum entweichen würde. Dieser Prozess wurde Iris-Effekt genannt, in Analogie zur Vergrößerung der Iris eines Auges bei verstärktem Lichteinfall, bei einer gleichzeitigen Verkleinerung der Pupille.

Der Iris-Effekt könnte ein negatives Feedback bedeuten und dadurch die Klimasensitivität absenken. Frühere Schätzungen des Effektes deuteten darauf hin, dass er alle anderen positiven Rückkopplungen aufheben könnte, was zu einer Klimasensitivität von nur 1 °C führen würde. Durch das Integrieren des Iris-Effekts in das MPI-M Erdsystemmodell zeigten Mauritsen und Stevens, dass die vom Iris-Effekt verursachte, trockenere Atmosphäre zu weniger Wolken führt und somit den verminderten Treibhauseffekt durch weniger hohe Wolken aufhebt. Diese Verringerung von hohen Wolken verstärkt zudem Änderungen des Wasserkreislaufs. Sowohl eine niedrigere Klimasensitivität von etwa 2 °C als auch eine verstärkte hydrologische Änderung könnten die Modelle näher an die besten Schätzungen aus Beobachtungen heranbringen. Mauritsen und Stevens stellen sich vor, dass der Iris-Effekt in der tropischen Konvektion als physikalisch plausibler Rückkopplungsprozess eintritt, wenn sich bei steigenden Temperaturen konvektive Niederschlagswolken zu größeren, aber weniger zahlreichen, Wolken zusammenschließen.

Ganzen Artikel auf der Webseite des MPIM lesen.

Eine erstaunliche Aussage: Die CO2-Klimasensitivität könnte durchaus bei 2°C liegen, sagen die Hamburger Forscher. Eine kleine Sensation, zu der die Medien schweigen, zu unbequem ist das Ergebnis für die Klimadebatte. Nicht auszuschließen, dass Stevens in 10 Jahren dafür den Nobelpreis bekommt.

In einer aktuellen Arbeit vom 9. August 2016 die in PNAS erschien (Bony et al. 2016), untermauern Stevens und Kollegen die Iris-Theorie. In einer Pressemitteilung teilte das MPIM am 15. Juli 2016 hierzu mit:

Thermodynamik steuert Amboss-Wolkenbedeckung

In einer neuen Studie haben Dr. Sandrine Bony, IPSL, Paris, Prof. Bjorn Stevens, Tobias Becker, beide Max- Planck-Institut für Meteorologie (MPI-M), Hamburg, und Kollegen Prozesse identifiziert, die das Entstehen von konvektiven Amboss-Wolken steuern. Konvektive Amboss-Wolken sind großräumige Eiswolken, die sich zu Gewittern ausbilden und Eispartikel hoch in die obere Troposphäre und wieder abwärts transportieren. Es wurden Theorien darüber entwickelt, was die Höhe dieser konvektiven Amboss-Wolken bestimmt; diese Theorien sind ein wichtiger Meilenstein für unser Verständnis wie Wolken auf Erwärmung reagieren. Nun wurde zum ersten Mal eine Theorie vorgeschlagen, die erklärt, was der Größe des konvektiven Gebietes steuert. Durch eine innovative Analyse von unterschiedlich komplexen Modellen zeigen die Autoren, dass sich in einem erwärmenden Klima die Wolken in größere Höhen verschieben. Die Temperatur bleibt dabei nahezu unverändert, die Stabilität der Atmosphäre nimmt jedoch zu; dies reduziert den konvektiven Ausfluss in der oberen Troposphäre und vermindert die Amboss-Wolkenbedeckung. Die Autoren zeigen außerdem, dass die gleichen Prozesse auch die Aggregation von Konvektion beeinflussen, und dass diese Prozesse dazu beitragen, dass Konvektion bei Erwärmung stärker zur Aggregation tendiert. Zusammengefasst liefern diese Ideen die Untermauerung für den atmosphärischen Iris-Effekt, der schon lange diskutiert wird.

Dieser Stabilitäts-Iris-Mechanismus trägt wahrscheinlich zum Schrumpfen von Regengebieten bei, wenn sich das Klima erwärmt. Ob er die Klimasensitivität beeinflusst oder nicht muss weiter untersucht werden. Im Gegensatz zu anderen Untersuchungen zeigt diese Studie, dass der Stabilitäts-Iris-Mechanismus in den Modellen repräsentiert ist, und dass die Auswirkung dieses Mechanismus auf die Klimasensitivität zum großen Teil davon abhängt wie niedrige Wolken auf ein kleiner werdendes Amboss-Wolkengebiet reagieren. Letzteres wird in diesem Sommer im Fokus einer neuen Feldmesskampagne in der Nähe von Barbados (als Teil von NARVAL II) und einer Folgekampagne 2020 stehen.

Originalveröffentlichung:
Bony, S., B. Stevens, D. Coppin, T. Becker, K. Reed, A. Voigt and B. Medeiros (2016) Thermydynamic control of anvil-cloud amount. PNAS, Early Edition, Opens external link in current windowdoi: 10.1073/pnas.1601472113.  

Wir wünschen gutes  Gelingen in Barbados!

Abschließend schauen wir kurz auf die Medienreaktionen auf diese spannende Arbeit. Google News bringt die traurige Gewissheit: Niemand hat darüber berichtet. Schade. Dies ist bei weitem nicht das erste Mal, dass auf den ersten Blick unbequeme Pressemitteilungen von Instituten einfach ignoriert werden. Wir werden daher einen neuen Service einführen. Immer wenn wir bemerken, dass die Medien stumm bleiben, werden wir den entsprechenden Blogartikel mit dem Schlagwort (“Tag”) ‘Schweigen-im-Walde’ versehen. Die Schlagwörter können Sie am rechten Rand unserer Seite unterhalb des Begriffes “Artikel” anklicken. Im Laufe der Zeit werden wir versuchen, dies auch für bereits veröffentlichte Artikel nachzutragen. Leider fehlt uns hier die personelle Basis. Wer hat Lust mitzuhelfen? Bitte via Kontaktformular melden.

Verwendet werden sollen die folgenden beiden Nachrichtensuchmaschinen:

Google News

Paperball

Suchbegriffe: Nachname des ersten Autors, ‘Klimawandel’ sowie weitere griffige Begriffe aus der Studie. Das Prädikat “Schweigen im Walde” wird verliehen, wenn sowohl Zeitungen, als auch Radiosender und TV-Sender die Nachricht ignoriert haben. Kleinere Spezialwebplattformen wollen wir mangels Masse nicht zählen. Das könnte am Ende eine schöne Materialsammlung für eine Diplom- oder Doktorarbeit geben… Wer macht mit?

 

Wiener Zeitung beweist Mut und berichtet über den natürlichen Klimawandel

Der Geologe George Devries Klein gab kürzlich im Rahmen einer Veranstaltung der Universität Guam eine Übersicht zur Klimadiskussion. Die Vortragsfolien können Sie auf Search and Discovery finden. Unter anderem geht Devries Klein in seinem Vortrag auch auf die umstrittene Verweildauer von CO2 in der Atmosphäre ein.

—————-

Die Wiener Zeitung griff am 16. Juli 2016 ein heißes Eisen auf, den natürlichen Klimawandel:

Klimawandel im Lauf der Zeit
Die Bewohner Englands hatten es gut: Um an begehrte mediterrane Produkte wie Oliven oder Wein zu gelangen, brauchten sie nur in der unmittelbaren Nachbarschaft einzukaufen, denn im nördlichen Europa wuchs vor 2000 Jahren so manches, was man viel weiter im Süden vermuten würde. Der römische Historiker Tacitus etwa weiß von rund 500 Weinbergen zu berichten, auf denen man zu seiner Zeit in England geerntet haben soll. Möglich machten dies klimatische Faktoren, die heutige Forscher unter dem Begriff “Klimaoptimum” zusammenfassen: Eine vergleichs- weise hohe Durchschnittstemperatur und ein idealer Mix aus Niederschlag und Sonnenschein führte zu reichen Ernten im gesamten römischen Machtbereich.

Weiterlesen in der Wiener Zeitung

—————-

Im Zeitalter der Fixierung auf den Klimawandel oft vergessen: Viele Flussdeltas sinken viel schneller ab, als der Meerespiegel steigt. Eos beschäftigte sich am 13. Juli 2016 mit dem Phänomen.

Global Risks and Research Priorities for Coastal Subsidence
Some of the world’s largest cities are sinking faster than the oceans are rising. Humans are part of the problem, but we can also be part of the solution through monitoring and modeling. [...] To make matters worse, many coastal areas are sinking even faster than the waters are rising: Natural and human-driven subsidence rates arising from shallow processes can be one to two orders of magnitude greater than the rate of climate-driven sea level rise predicted for the remainder of the 21st century.

Weiterlesen in Eos.

—————-

Klimaalarm am 15. Juli 2016 in der Augsburger Allgemeinen:

Wie der Klimawandel Geld vernichtet
Allein in der Landwirtschaft werden die Verluste auf 600 Millionen Euro geschätzt. Und das jedes Jahr. Die Ressource Wasser wird immer kostbarer. Was also ist zu tun?

Wenn Gegenmaßnahmen gegen den Klimawandel nicht besser koordiniert werden, drohen der Landwirtschaft im Freistaat Verluste von 600 Millionen Euro jährlich. Das geht aus Schätzungen der Landesanstalt für Landwirtschaft hervor, die Agrarminister Helmut Brunner (CSU) gestern in Würzburg vorstellte. Dem Pflanzenbau drohten klimabedingt Verluste von 500 Millionen Euro, der Tierproduktion von 100 Millionen Euro – andere Bereiche seien in der Schätzung noch gar nicht berücksichtigt. Der Klimawandel schreite schneller voran als bislang angenommen, warnte Brunner. Er sprach anlässlich des „Klimagipfels“ seines Ministeriums, der verschiedene Experten unter dem Titel „Dem Klimawandel gewachsen sein“ in Würzburg versammelte.

Autor Tilman Toepfer verwendet hier ein klassisches Muster. In der Überschrift lässt er es so aussehen, als wären die Verluste bereits eingetreten. Im Haupttext wird dann schnell klar, dass er sich lediglich auf Modelle bezieht, die sich jedoch in letzter Zeit als wenig vertrauenswürdig entpuppten. Den Vogel schießt dann der bayerische Agrarminister Helmut Brunner ab, der behauptet “der Klimawandel schreite schneller voran als bislang angenommen”. Das ist doch ziemlich seltsam, da sich auch Deutschland noch immer fest im Griff der Erwärmungspause bzw. des Slowdown befindet.

Bei der beschriebenen Veranstaltung mit dabei war übrigens auch der schillernde Harald Lesch:

Harald Lesch, Moderator und prominentes Mitglied des bayerischen Klimarats, sah in seinem Vortrag Vorteile durch den Klimawandel kritisch: „Netto ist der Klimawandel ein gewaltiger Nachteil.“ Gegen Skeptiker des Klimawandels fand der Professor für Physik klare Worte: „Wir reden hier über Naturgesetze, nicht über Spekulationen.“

Eigentlich müsste man mit Lesch Mitleid haben. Mit seiner negativen Grundeinstellung wird er es im Leben nicht leicht haben…

—————-

Der Sommer in Mitteleuropa ist ziemlich durchwachsen. Momentan (13.8.2016) nieselt es in Norddeutschland bei herbstlich-kühlen Temperaturen. Mitte Juli (2016) mussten wegen Schneefalls sogar einige schweizerische Alpenpässe gesperrt werden. Mitte August (2016) gab es dann in Teilen Deutschlands Frost und es purzelten sogar einige Kälterekorde.

Mit Dank an Notrickszone.

Die Dekarbonisierung der Welt – Teil 2: Der Tourismus

Von Uli Weber

Jetzt geht es mit freudentränenden Augen endlich los mit der Klimarettung und der Dekarbonisierung der Welt. Aber wir haben uns in der gesellschaftlichen Klimadiskussion bisher weitgehend auf den CO2-Ausstoß durch die Produktion von elektrischem Strom aus fossilen Quellen und den Individualverkehr mit Verbrennungsmotoren beschränkt.

Es muss uns allen aber ganz klar sein, dass eine solche eingeschränkte Sichtweise nicht der Realität entspricht. Wenn wir die angebliche Bedrohung unseres Weltklimageschehens durch den CO2-Ausstoß des Menschen wirklich mit einer Dekarbonisierung der Welt bis zum Jahre 2100 verhindern wollen, dann wird es nicht ausreichen, für alle anderen CO2-Emissionen einfach einen Ablass zu bezahlen und so weiterzumachen wie bisher. Wir müssen dann vielmehr unseren gesamten „CO2-Footprint“ auf null bringen. Daher muss die Dekarbonisierung der Welt auch den Massentourismus unterbinden. Denn der wachsende CO2-Ausstoß der Menschheit gilt natürlich auch für unser Urlaubsverhalten, wie das in Abbildung 1 ganz deutlich dargestellt ist.

Abbildung 1: Entwicklung des internationalen Tourismus, weltweite Ankünfte im Flugverkehr (1950 – 2005)   (Datenquelle: ITR)

 

Inzwischen sind internationale Fernreisen in den Urlaub für uns selbstverständlich geworden. Von 1950 bis 2005 hat sich die Anzahl der Landungen im weltweiten Flugverkehr etwa verdreißigfacht, und das bei fortschreitend gestiegenen Passagierkapazitäten der Flugzeuge.
Die mit dem Tourismus verbundene Transport- und Versorgungslogistik ist aber überhaupt nicht CO2-klimaneutral. Deshalb müssen alle unmittelbaren und mittelbaren Energieaufwendungen für unsere Transport- und Versorgungslogistik im individuellen Reiseverkehr ebenfalls dem persönlichen CO2-Ausstoß zugerechnet und abgeschafft werden, um das Weltklima zu retten.

Wir werden also unser Urlaubsverhalten in einer dekarbonisierten Welt komplett umstellen müssen und auf viele unserer lieb gewordenen Gewohnheiten und Bequemlichkeiten verzichten müssen.
Noch bis vor etwa einem Jahrhundert sind die Menschen schließlich ihr ganzes Leben lang kaum aus ihrem Heimatdorf herausgekommen, wenn sie denn überhaupt jemals Urlaub gemacht haben. Wenn wir also die weltweite Dekarbonisierung ernsthaft umsetzen wollen, dann müssten wir uns auch hier von lieb gewordenen Gewohnheiten verabschieden. Erholen können wir uns schließlich auch wie  unsere Urgroßväter und Urgroßmütter, indem wir nämlich im Urlaub die ursprüngliche Natur in unserer näheren Umgebung mit ihren herrlichen Mais-Monokulturen, Windkraft- und Solarparks genießen.

Also fliegt vor der Dekarbonisierung schnell noch mal nach Malle – oder gleich auf die Seychellen!

Foto: Uli Weber

 

Der positive Nebeneffekt des Tourismus, der inzwischen für viele ärmere Länder auf dieser Welt ja die Haupteinnahmequelle darstellt und regionale Arbeitsplätze schafft, muss dabei leider als klimareligiöser Kollateralschaden in Kauf genommen werden. Immerhin können diese Länder dann für ihre planwirtschaftlichen „Klimafolgen“ durch Ausfall des Tourismus ja einen finanziellen Ausgleich aus dem Internationalen Klimafonds beantragen…

 

Literaturnachweis:

Abbildung 1 und Teile des Textes  aus „Klimahysterie ist keine Lösung“ (ISBN 978-3844806625)  http://www.bod.de/buch/uli-weber/klimahysterie-ist-keine-loesung/9783844806625.html

Datenquelle ITR World  Tourism Organisation, Tourism Market Trends, 2006 Edition – Annex. Letzter Zugriff 14. August 2011

 

Eindringlicher Appell an Ökoaktivisten: Protest ja – Gewalt nein!

Immer wieder dringen Aktivisten auf Betriebsgelände von Kohleabbauflächen ein und inszenieren dort ihren Protest gegen die vermeintliche Klimakatastrophe. Dass es sich dabei um eine Straftat handelt, wird in der medialen Berichterstattung  gerne beiseitegeschoben. Nun haben die Beschäftigten der Kohleindustrie genug von der ständigen Drangsalierung. Mit ihrer Aktion “Schnauze voll” fordern Sie das Ende von Gewalt durch Ökoaktivisten. Konkret wird an das “Klimacamp” appellliert, sich auf friedvolle Maßnahmen zu beschränken. Die Bitte der Kohlebeschäftigten: “Protest ja – Gewalt nein!” Man kann nur hoffen, dass die Aktivisten in sich gehen und endlich friedliche Protestformen finden.

—————-

Es kam wie es kommen musste. Die Unterschriften des “historischen Klimaabkommens” in Paris sind ziemlich wertlos. Es war abzusehen, dass jedweder Regierungswechsel zu einer Neuberwertung führen würde. Ein schönes Beispiel sind die Philippinen. Dort gewann Rodrigo Duterte am 9. Mai 2016 die Präsidentschaftswahlen. Einem ausländischen Botschafter erklärte Duterte nun, dass er sich keinesfalls an die Klimaversprechungen der philippinischen Delegation in Paris halten werde, da dies die Entwicklung des Landes behindern würde. Ganze Geschichte bei inquirer.net nachlesen.

—————-

Am 12. Juli 2016 erschien in der Neuen Zürcher Zeitung der folgende Artikel:

Starkniederschläge: Mehr Sturzfluten in den Alpen?
In den Bergen werden die Sommer durch den Klimawandel womöglich nicht trockener, sondern feuchter. Das ist eine Herausforderung für das Wassermanagement.

Lange nahmen Wissenschafter an, dass die Sommer im Alpenraum im Zuge der globalen Erwärmung deutlich trockener würden. Jetzt gerät diese Vorstellung ins Wanken. Eine Gruppe um Filippo Giorgi vom Abdus Salam International Centre for Theoretical Physics in Triest hat mit räumlich hochaufgelösten Klimamodellen untersucht, wie sich die Sommerniederschläge im Alpenraum im 21. Jahrhundert verändern. Demnach wird es zwar wärmer; die Niederschläge nehmen in den Höhenlagen aber nicht ab, sondern werden kräftiger.

Mehr Sommer-Niederschläge in den Alpen im Zuge der Klimaerwärmung? Das behaupten zumindest die neuen Computermodelle. Nun ist aber auch bekannt, dass die Modelle noch immer große Probleme habe, selbst die bekannte historische Vergangenheit zu reproduzieren. Da ist es doch ziemlich gewagt, nun regionale Vorhersagen treffen zu wollen.

Plausibilitäts-Check anhand der letzten großen Wärmephase, der Mittelalterlichen Wärmeperiode (MWP). Im Rahmen unseres Kartierprojektes konnten wir zeigen dass die Niederschläge in den Alpen im Zuge der Erwärmung abgenommen (nicht zugenommen) haben. Das glatte Gegenteil von dem, was uns die Modellierer erzählen. Natürlich muss man sich die jahreszeitliche Differenzierung näher anschauen. Aber es verwundert doch sehr, dass die Autoren keine Zeile auf den so wichtigen Hindcast “verschwenden”.

Abbildung 1: Fallstudien zur Mittelalterlichen Wärmeperiode (1000-1200 n.Chr.). Gelbe Punkte geben trockeneres Klima an, grüne Punkte feuchteres. (rot=warm, grau=unklar).

—————-

Am 12. Juli 2016 erklärte Phoenix einmal mehr den Klimawandel als eine der Hauptursachen für die gegenwärtige Völkerwanderung von Afrika und Südwest Asien nach Europa. Nur seltsam, dass die Sahel-Zone im Verdacht steht, gegen die Klimagötter zu handeln und grüner wird, oder ist das vielleicht sogar der Fluchtgrund?

 

Um Antwort wird gebeten: Die Deutsche Welle und die Präsidentin von Mauritius

An: Rundfunkrat Deutsche Welle
Von: Sebastian Lüning

Gesendet: 29.7.2016

 

Sehr geehrter Rundfunkrat,

Am 4.7.2016 brachte die Deutsche Welle ein Interview mit der Präsidentin von Mauritius zu angeblichen Klimawandelschäden auf ihrer Insel.
http://www.dw.com/de/mauritius-wappnet-sich-f%C3%BCr-den-klimawandel/a-19376186

Dabei werden jedoch Behauptungen aufgestellt, die aus wissenschaftlicher Sicht nicht haltbar sind. Ihre Redakteurin Sonya Diehn hat es leider versäumt, hier im Gespräch kritisch nachzuhaken. Dies ist bedauerlich, insbesondere weil eine fehlerhafte wissenschaftliche Argumentationsbasis in niemandes Interesse sein kann, wenn es im Hintergrund um Milliarden-schwere Zahlungen zu Klimawandelschäden geht.

Konkret suggeriert Ameemah Gurib-Fakim, dass Wirbelstürme, Meeresspiegel, Dürren und Überschwemmungen auf Mauritius durch den Klimawandel häufiger geworden seien. Ein Blick auf die harten Daten bestätigt diese Vermutungen jedoch nicht.

Wirbelstürme: Generell ist in den letzten Jahrzehnten kein Trend in der Wirbelsturm-Häufigkeit in der Region erkennbar.
http://www.ajol.info/index.php/wiojms/article/view/56672
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/joc.2406/abstract

Meeresspiegel: Kein dramatischer Anstieg, z.T. sogar fallender Meeresspiegel. Der Küstenpegel Rodrigues dokumentiert eine sehr große natürliche Variabilität, die jedweden anthropogenen Einfluss überstrahlt.
http://www.psmsl.org/data/obtaining/stations/1672.php
http://www.wiomsa.org/download/179-194_ragoonaden3.pdf
Die Küstenerosion ist für eine Insel ein ganz natürlicher Prozess, keine spezifische Folge des Klimawandels

Dürren: Auch hier dominieren in der Region natürliche Schwankungen das Geschehen, die z.T. an die Sonnenaktivität gekoppelt sind:
http://www.nature.com/nature/journal/v493/n7432/full/nature11785.html
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0031018213005749

Ähnlich wird es sich bei den Überschwemmungen verhalten.
http://www.nature.com/nature/journal/v532/n7597/full/nature17418.html

Die Fehlinterpretationen sollten angesichts der großen Bedeutung des Themas nicht einfach so stehen gelassen bleiben. Ich würde Sie daher bitten, in einem Nachfolgebeitrag auf die Punkte korrigierend und diskutierend einzugehen. Desweiteren ist ein aufklärender Hinweis auf der Webseite zum Interview dringend notwendig.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. habil. Sebastian Lüning
Lissabon

—————————

Am 2.8.2016 erhielten wir eine Antwort vom Prälat Dr. Karl Jüsten. Leider geht er auf keines der angeführten Argumente ein. Stattdessen verweist Jüsten pauschal auf den IPCC-Bericht sowie den Papst. Offenbar besteht gar kein Interesse daran, die Punkte genauer zu prüfen.

—————————

An: Prälat Dr. Karl Jüsten, Vorsitzender des Rundfunkrates
Von: Dr. habil. Sebastian Lüning

Gesendet: 10.8.2016

Sehr geehrter Herr Dr. Jüsten,

Herzlichen Dank für Ihre schnelle Antwort. Wenn ich Sie recht verstehe, dann sollten wir hinsichtlich des wissenschaftlichen Wahrheitsgehalts der Äußerungen von Frau Gurib-Fakim nicht allzu streng sein, da sie im Sinne der Guten Sache agiert. Mir ist natürlich aufgefallen, dass Sie auf keines meiner Argumente im Detail eingegangen sind. Wie Sie wissen, bildet die von mir zitierte Fachliteratur den Grundstock der IPCC-Berichte. Ihr Hinweis auf die Sachstandsberichte des Weltklimarats führt daher nicht weiter. Überrascht war ich, dass Sie den Papst und seine Enzyklika als Beleg verwenden. Mir ging es übrigens nicht darum, den Klimawandel in Frage zu stellen – er ist real und verdient unsere große Beachtung. Das ist aber kein Freifahrschein dafür, fragwürdige wissenschaftliche Behauptungen aufzustellen, deren Prüfung dann vermieden wird. Dies gilt insbesondere, wenn es um große Geldflüsse geht, wo eine präzise Argumentation unabdinglich ist. Das sollte im übrigen auch Frau Gurib-Fakim als Wissenschaftlerin eigentlich wissen. Gegen Ende des Interviews bestätigt die Präsidentin, worum es ihr geht:

“Natürlich läuft es am Ende auf eines hinaus: Die Finanzierung. [schmunzelt]”

Ich freue mich, dass die Deutsche Welle das Thema Klimawandel weiter im Auge behält. Es wäre wichtig, dass Sie hier auch auf den ersten Blick unbequeme Forschungsergebnisse nicht aussparen. Die folgenden wichtigen Studien sind kürzlich veröffentlicht worden und wären für eine Berichterstattung durch die Deutsche Welle geeignet:

Bedarf an Bewässerungswasser stärker bestimmt durch Kulturpflanze als durch Klimaänderung
http://www.atb-potsdam.de/meta/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/article/bedarf-an-bewaesserungswasser-staerker-bestimmt-durch-kulturpflanze-als-durch-klimaaenderung.html

The North Atlantic Oscillation as a driver of rapid climate change in the Northern Hemisphere
http://www.nature.com/ngeo/journal/v9/n7/full/ngeo2738.html

Niederländische Forscher lehnen Stefan Rahmstorfs Golfstrom-Modell ab
http://www.o-snap.org/new-research-published-by-de-jong-and-de-steur/

https://www.washingtonpost.com/news/energy-environment/wp/2016/06/30/the-mysterious-cold-blob-in-the-north-atlantic-is-starting-to-give-up-its-secrets/?utm_term=.00c70bfec41c

Mit freundlichen Grüßen

Sebastian Lüning
 

Planet Pluto in Warnemünde wiederentdeckt!

Sommerzeit heißt Urlaubszeit. Das gilt auch für das Kalte-Sonne-Team, insbesondere für den Chefredakteur. In den vergangenen Tagen hat er keine Kosten und Mühen gescheut, um sich die Natur – um die es hier im Blog hauptsächlich geht – aus nächster Nähe anzuschauen. Dabei wanderte der Blogleiter in drei Tagen hundert Kilometer. Zunächst ging es zur spektakulären Ostseeküste zwischen Prerow und Heiligendamm. Politiker gab es an letzterer Lokalität diesmal nicht zu bestaunen. Allerdings wurden etliche Edeltouristen gesichtet, die sich an jenem unterkühlten Sommertag in ihren Strandkorb mit dicken Decken eingemummelt hatten.

Im Rahmen des Küstenkontrollspaziergangs kam es auch zu einer überraschenden (Wieder-) Entdeckung. Der Planet Pluto lebt! Das suggeriert jedenfalls die Informationstafel des Rostocker Astronomischen Station Tycho Brahe auf dem Warnemünder Planetenwanderweg:

Abbildung: Informationstafel des Planetenwegs Warnemünde (fotografiert von Sebastian Lüning Anfang August 2016)

 

Lange hatten die Astronomen den eisigen Gesteinsbrocken als Planeten geführt. Am Ende korrigierte man diesen Wissenschaftsirrtum und stufte Pluto in die Zwergplaneten-Kategorie herab. Wäre es nicht toll, wenn es im Falle der CO2-Klimasensitivität bald eine ähnliche Entwicklung geben würde?

Auch eine andere wichtige Erkenntnis der Ostseeküstenwanderung wollen wir Ihnen nicht vorenthalten:

 

Die Fortsetzung des Spaziergangs fand in den Wäldern und Feldern Niedersachsen statt – 40 km Fussmarsch auf dem Huntefernradweg von Wildeshausen nach Oldenburg. Interessanterweise wurde während des gesamten Tages kein einziger Radwanderer gesichtet. Wandern und Radfahren in der Natur vor dem Aus? Pokemon-Go, bitte übernehmen Sie.

Besonders auf der zweiten Hälfte der Etappe fielen Maismonokulturen und große Biogasanlagen ins Auge. Engelchen und Teufelchen duellierten sich: Energie aus der Heimat. Geld, das im eigenen Land bleibt und nicht nach Saudi-Arabien, Norwegen, Nigeria etc. geht. Aber eine Initiative die unter falschen Voraussetzungen gestartet wurde. Es dauerte ein paar Jahre bis endlich klar war, dass die Ökobilanz des Biogases in Wahrheit ziemlich negativ ist. Als das bekannt wurde, standen die ganzen Anlagen natürlich schon, und die Subventionen sind bereits geflossen. Ärgerlich. Energieautarkie ist toll, aber bitte zu einem wettbewerbsfähigen Preis und ohne zusätzlich Schädigung der Umwelt.

 

Die Dekarbonisierung der Welt: Ist der natürliche CO2-Kreislauf wirklich „settled Science“?

Von Uli Weber

Das Problem: Der natürliche Kohlenstoffdioxid-Kreislauf (Abbildung 1) auf unserem Planeten Erde steht in Verdacht, durch den industriellen CO2-Eintrag des Menschen aus den Fugen zu geraten und eine globale Klimakatastrophe zu verursachen. Aber ist dieser natürliche CO2-Kreislauf überhaupt voll verstanden und richtig in die Computermodelle zur Vorhersage des zukünftigen Klimas eingegangen?

Laut EEK (Erneuerbare-Energien-und-Klimaschutz) hat der Mensch im 20. Jahrhundert durch das Verbrennen von fossilem Kohlenstoff etwa 1.000 Gigatonnen (Gt) CO2 in die Atmosphäre emittiert. Im Folgenden wird ausschließlich untersucht, welche Auswirkungen dieser industrielle CO2-Ausstoß auf den natürlichen CO2-Kresilauf hat. Der vom Menschen direkt durch das Atmen verursachte CO2-Ausstoß von jährlich etwa 350 Kilogramm CO2 pro Person wird hier vernachlässigt. Er liegt bei aktuell 7,44 Milliarden Menschen auf dieser Erde inzwischen auch schon bei ca. 2,6 Gigatonnen CO2 oder knapp 10 Prozent der industriellen Emissionen pro Jahr.

 

Abbildung 1: Der natürliche CO2-Kreislauf mit anthropogenen Einflüssen im 20. Jahrhundert
(Aus „Klimahysterie ist keine Lösung“ mit Änderungen)

 

Bis zum Jahre 2000  hatte sich der CO2-Gehalt unserer Atmosphäre gegenüber vorindustriellen Zeiten von 280 ppm um knapp 90 ppm auf 369 ppm erhöht (EEK), was ziemlich genau diesem Eintrag von etwa 1.000 Gigatonnen CO2 aus industriellen Quellen entspricht.

Der natürliche CO2-Kreislauf: Es mag von Vorteil sein, sich die zugrunde liegenden Zahlen für den natürlichen CO2-Kreislauf und deren tatsächliche Relationen in Tabelle 1 einmal genauer anzusehen:

Unsere Atmosphäre enthält also mit dem im 20. Jahrhundert industriell erzeugten CO2 -Anteil  insgesamt 2,6 Prozent des gesamten auf der Erde verfügbaren CO2, der natürliche jährliche CO2-Kreislauf kommt auf 0,36 Prozent. Der jährliche anthropogene CO2-Eintrag aus fossil sequestriertem Kohlenstoff beträgt also gegenwärtig etwa 0,02 Prozent und 97,4 Prozent des verfügbaren CO2 sind in den Weltmeeren gelöst. Der anthropogene CO2-Ausstoß kann also eigentlich nicht allein nur der Atmosphäre zugerechnet werden.

Die NASA (2016) hat nun in einer aktuellen Gemeinschaftsstudie von 32 Wissenschaftlern festgestellt, dass die Erde in den vergangenen 35 Jahren immer grüner geworden ist. Die Hälfte das anthropogen erzeugten CO2 wurde demzufolge zu jeweils nahezu gleichen Teilen von den Ozeanen und der Vegetation aufgenommen, was zu einem Zuwachs der begrünten Fläche auf unserer Erde von der doppelten Ausdehnung der kontinentalen USA geführt haben soll, Zitat,

„… The greening represents an increase in leaves on plants and trees equivalent in area to two times the continental United States…”, und weiter, “… Every year, about half of the 10 billion tons of carbon emitted into the atmosphere from human activities remains temporarily stored, in about equal parts, in the oceans and plants…”

Anmerkung: Die Emissionsangaben der NASA beziehen sich auf reinen Kohlenstoff (C) und nicht auf CO2. Die Umrechnung auf CO2–Mengen ergibt sich über die Atomgewichte von [C=12] und [O2=2x16] durch eine Multiplikation mit 3,67.

Man kann also sicher davon ausgehen, dass die hier von der NASA genannte Relation für die Aufnahme von CO2 auch ebenso auf die anthropogenen CO2-Emissionen im 20. Jahrhundert zutrifft: Die Hälfte dieser Emissionen verblieb also in der Atmosphäre, ein Viertel führte zu einer Ausdehnung der Vegetation und ein weiteres Viertel wurde von den Ozeanen aufgenommen, was angeblich zu einer „Versauerung“ der Ozeane geführt haben soll.

Die Ozeane enthalten 1,332 Milliarden Kubikkilometer Wasser, das sind 1,332 x 1021 Liter Wasser. Tatsächlich errechnet sich aus den obigen Angaben über den CO2-Inhalt der Ozeane ein Durchschnittswert von ca. 113 Milligramm CO2 pro Liter Ozeanwasser. Und 1 Milligramm CO2 pro Liter Ozeanwasser entspräche dann etwa 1.332 Gigatonnen CO2. Wenn also ein Viertel des anthropogenen CO2 aus dem 20. Jahrhundert in der Größenordnung von 250 Gigatonnen von den Ozeanen aufgenommen worden ist, dann entspräche das einer durchschnittlichen zusätzlichen Aufnahme von knapp 0,2 Milligramm CO2 pro Liter Meerwasser oder knapp 2 Promille.
Von einer wirklichen „Versauerung“ der Weltmeere kann also quantitativ überhaupt keine Rede sein, richtig wäre lediglich eine qualitative sprachliche Beschreibung „äußerst gering zum Saureren hin“.

Im Ergebnis wurde der natürliche CO2-Kreislauf vom Menschen im 20. Jahrhundert also insgesamt

(QF) – mit etwa  1.000 Gigatonnen CO2 aus fossilen Kohlenstoff-Quellen belastet.

 

Im 20. Jahrhundert sind analog zur NASA-Studie (2016) in CO2-Senken verschwunden bzw. in der Atmosphäre verblieben:

(SO) – Die Ozeane haben in etwa 250 Gigatonnen CO2 aufgenommen.

(SV) – Die Vegetation hat weitere etwa 250 Gigatonnen CO2 aufgenommen.

(dA) – Etwa 1.000 Gigatonnen CO2 waren nötig, um den CO2-Gehalt der Atmosphäre  von 280 auf etwa 369 ppm zu erhöhen.

 

Daraus ergibt sich aber zunächst ein Widerspruch: (weiterlesen …)

Geothermie – Energie der Zukunft

Stefan Rahmstorf ist Klimawissenschaftler und Aktivist. Es fällt auf, dass fast keine seiner alarmistischen Thesen in der Fachwelt unwidersprochen bleibt. Aber Rahmstorf ist hart im Nehmen und macht weiter Stimmung für die Ideologie der Klimakastrophe. Im Mai 2016 weilte der Potsdamer offenbar in Island zu einem Vortrag. Damals ahnte noch niemand, was für eine sensationelle Europameisterschaft die Inselfussballer spielen würden. Rahmstorf konnte sich daher bei seinem Vortrag voll und ganz auf die negativen Seite des Lebens konzentrieren, das Extremwetter. Er betitelt seine Präsentation gewohnt geschickt:

Surprising Extreme Weather

Nun sind wir aber ganz schön gespannt, was da so ‘überraschend’ sein soll. Der Youtube-Clip hat eine Länge von 12 Minuten. Reinschauen oder lieber die Zeit besser nutzen, z.B. ein paar Pokemons im Park suchen? Am Ende überwiegt die Neugier. Rahmstorf erklärt zunächst, eine wärmere Welt hätte unter mehr Hitzewellen zu leiden. Das erscheint plausibel. Allerdings versäumt er den klimahistorischen Kontext: Hat es zur Zeit der Mittelalterlichen Wärmeperiode vielleicht ähnlich viele Hitzewellen gegeben wie heute?

Dann behauptet er, eine wärmere Welt führt unweigerlich zu mehr extremen Regenfällen. Hier widersprechen ihm die Kollegen entschieden:

Mehr Hitzwewellen und Extremniederschläge wären logisch, behauptet der PIK-Mann. Daneben gäbe es aber noch “hemtückische” (er verwendet den Begriff “insidious”) Änderungen. Die wären nun wirklich überraschend. In der Folge erzählt er seine bereits zur Genüge bekannte Geschichte zu Jetstreams, planetaren und Rossby Wellen. Alles Quatsch, wie die Nachforschungen von Fachkollegen mittlerweile ergab. Aber in Island hat man das vielleicht noch nicht mitgekriegt.

 

—————-

Geothermie ist eigentlich eine feine Sache. Die Erde liefert zuverlässig die Wärme, und das auch noch grundlastfähig. Vielleicht ist dies die Energie der Zukunft, die Solar- und Wind-Power irgendwann im großen Maßstab ablöst? Am 17. Februar 2016 brachte der Bayerische Rundfunk die Wiederholung einer interessanten Doku aus 2015 zum Thema:

Energie aus der Erde – Geothermie in Bayern
Um ein Kilo Tomaten zu produzieren, braucht man einen Liter Heizöl oder einen Kubikmeter Erdgas. Wärme, die nicht aus fossilen Brennstoffen kommt, wird heute jedoch immer wichtiger. In den Tiefen der Erde findet man solch eine nachhaltige Energiequelle: Erdwärme.

Weiterlesen beim Bayerischen Rundfunk

Der Film ist auch auf Youtube verfügbar:

 

Kleines Schmankerl am Rande. Geovohl-Geschäftsführer Peter Lohr tritt bei Minute 6:45 im Film auf und erklärt, wieviel CO2 die Geothermie einspart. Dabei sagt er: “Man spürt es auch im Winter, die Luft ist deutlich besser geworden”. Klingt zunächst etwas seltsam, aber vermutlich meint er die fehlenden Abgase der eingesparten Öl- und Gasheizungen.

 

Die Sonne im Juli 2016 und die Sache mit der AMO

Von Frank Bosse und Fritz Vahrenholt

Unsere einzig relevante Energiequelle im Zentrum des Sonnensystems war im Juli auch für die Verhältnisse des Solaren Zyklus (SC) 24 unterdurchschnittlich aktiv. Weist der Gesamtzyklus eine Aktivität von ca. 56% des Normalen auf, so stellt die gemessene SSN von 32,5 des 92. Monats nach seinem Beginn nur 42% des mittleren Wertes aller SC in diesem Monat dar. Gegenüber dem Vormonat (es waren nur 27%) aber ein kleiner Uptick:

Abb. 1: Der Verlauf des SC 24 bis Juli 2016 (rot)  im Vergleich zu einem Durchschnittszyklus, ermittelt aus den monatlichen Werten der bisherigen SC 1…SC23, (blau) und dem zwischenzeitlich recht ähnlichen SC5 (schwarz).

 

Der kleine Aufwärts-Haken kommt vor allem dadurch zustande, dass im Juli nicht 9 völlig sonnenfleckenfreie Tage wie im Juni auftraten sondern „nur“ derer 5. Erleben wir nach dem „rekordlahmen“ Beginn des Zyklus über die ersten zwei Jahre auch ein solches Ende? Im Vergleich der Zyklen untereinander hat sich nicht sehr viel geändert zum Vormonat:

Abb. 2: Der Vergleich der Zyklen untereinander durch Aufsummieren der monatlichen Differenzen zwischen den festgestellten Werten und dem Durchschnittszyklus ( blau in Abb.1)

 

Die rote Säule rechts gewinnt seit einigen Monaten noch mehr Rasanz in ihrer Abwärtsbewegung. Im letzten Monat kamen wieder rund 46 „Miese“ dazu. Wo wird es enden? Noch bleiben ca. 36 Monate im Zyklus, und sehr wahrscheinlich geht es immer mehr in den Keller mit ihr. In unserem nächsten Report werfen wir wieder einen Blick auf die aktuellen polaren Felder, denn sie sind der erste Prädiktor für das, was uns im nächsten Zyklus erwarten könnte.

 

Die Sache mit der AMO

Die Atlantische Multidekadische Oszillation (AMO) ist eigentlich kein großes Geheimnis. Sie wurde erstmals in der Literatur im Februar 1997 beschrieben als eine Oszillation der globalen Temperaturen, herrührend von einer internen Variabilität des nördlichen Atlantiks. Sie ist mit großer Sicherheit ein natürliches Phänomen, paläoklimatische Untersuchungen weisen sie lange nach in der Vergangenheit, bevor der Mensch das Klima beeinflussen konnte. Ursprünglich wird sie definiert als eine Reihe der trendbefreiten Meeresoberflächentemperaturen (SST) des nördlichen Atlantiks bis hinauf zu 70° Nord. Ihre Periode beträgt ca. 60…80 Jahre.

Diese Trendbefreiung ist nicht physikalisch, es ist eine reine arithmetische Operation die alle anderen Faktoren als linear annimmt um die AMO besser sichtbar zu machen. Daher hat eine solche Messreihe wenig mit der komplexen Wirkung der vielen anderen Faktoren des Klimas gemein. Es gibt daher neuere Arbeiten zu ihrer Definition, wir wollen hier die AMO-Reihe nach v. Oldenburgh et al.  verwenden. Sie wird gewonnen aus der Differenz zwischen den  SST des extratropischen Teils des Nordatlantiks  und den globalen Temperaturen.

Abb. 3: Die AMO seit 1950 mit jährlichen Mittelwerten ermittelt und eine 20- jährige Glättung  (Tiefpass: Loess).

 

Die AMO beeinflusst  u.a.  das Hurrican-Geschehen und die Temperaturen in der warmen Jahreszeit auch hierzulande. Ja, Sie haben richtig gelesen: Wie warm unsere Sommer sind, wird recht weitgehend auch von der Oszillation bestimmt. Ein Blick auf die Landtemperaturen Westeuropas zeigt dies recht plastisch:

Abb. 4.: Die Landtemperaturen (CRUTEM 4) in Westeuropa mit einer 20- jährigen Glättung (Loess).

 

Deutlich ist ein Peak um 1950 zu erkennen, danach fallen die Temperaturen bis zu einer Delle um 1970 und steigen wie die AMO nach 1990 wieder an mit einem Maximum um 2005. Danach wurden die Sommer wieder kühler, dem Verlauf der AMO (Abb. 3) entsprechend. Dass unser gegenwärtiger Sommer also nicht so warm ist wie die zu Beginn des Jahrtausends, kann Sie als AMO-Auskenner nun nicht mehr überraschen!

Es erhebt sich die Frage: Wie entstehen die Perioden von 60…80 Jahren der AMO? Die Atmosphäre hat kein so ausgeprägtes Langzeitgedächtnis, es kommen vor allen Dingen Ozeanströmungen infrage. Viele Studien beschäftigten sich mit der physikalischen Erklärung der AMO. So hat ein Team um John Robson von der Universität in Reading, England, die Gründe untersucht für das rapide Ansteigen der AMO in den 90er Jahren. Ihr Ergebnis: eine Mischung aus atmosphärischen Einflüssen und Tiefenströmungen. Aus ihrer Zusammenfassung:

“We present persuasive evidence that the AMOC has played a central role in the recent decadal variability of the North Atlantic, including its ability to bring about a “rapid change” event.”

Die AMOC (die Atlantic Meridional Overturning Circulation, wir hatten darüber schon oft berichtet, z.B. hier) spielt die herausragende Rolle in der Periodizität, sie spiegelt die (schwankende) Stärke nahezu des gesamten globalen ozeanischen Wärmetransportes von Süd nach Nord wieder. Bestätigt wird das auch aktuell durch eine Studie von Thomas Delworth und Kollegen, wir berichteten unlängst darüber: Ohne Mitwirkung der AMOC im tiefen Ozean kann die AMO (oder die atlantische multidekadische Variabilität, AMV) an der Oberfläche nicht erklärt werden.  Dies hat auch große Auswirkungen auf die globalen Temperaturen. Schauen Sie sich bitte unseren Beitrag vom 14.Oktober 2015 nochmals an. Wir hatten da in Abbildung 3 die Originaldaten des Antriebes („Forcings“) nach dem 5. Sachstandsbericht des IPCC (AR5) mit den globalen Temperaturen 1950…2014 verglichen:

Abb. 5: Die Regression der globalen Temperaturen an den Forcingdaten des IPCC AR5

 

Aus den Beobachtungen folgt übrigens eine Empfindlichkeit gegenüber CO2- Verdopplung beim Temperaturanstieg (Transient Climate Response, TCR) von ca. 1,3°C pro CO2-Verdopplung. Mit einer anderen Temperaturreihe und überarbeiteten Forcingdaten ergibt sich 1,2…1,4 °C, in keinem Falle 2,0 °C wie der Mittelwert der CMIP5-Modelle darstellt. Interessant ist hier besonders ein Blick auf die Differenzen zwischen den durch das Forcing zu erklärenden Änderungen (ca. 78%) und den Beobachtungen:

Abb.:6: Die jährlichen Residuen zwischen Forcing und Beobachtungen mit einer 20 jährigen Glättung (Loess)

 

Fällt Ihnen auch die große Ähnlichkeit mit der AMO aus Abb.3 auf? Das Bild scheint klar zu sein: Die natürliche AMO erzeugt niedrigfrequente Oszillationen mit einer Amplitude von ca. 0,2 °C global und zusätzlich wirken Antriebe (z.B. CO2 und andere Treibhausgase) die eine Erwärmung von ca. 1,3 °C pro Verdopplung des CO2- Anteils in der Atmosphäre bewirken. So stellen sich die Beobachtungen dar, betrachtet man die Zeitraum seit ca. 1880. Die Klimamodelle zeigen andere Ergebnisse. Per se kann das nicht verwundern, die Beobachtungen haben Unschärfen und wir haben für das Weltklima kaum ausreichend lange homogene Zeitreihen. Damit können Modelle punkten. Wie gehen sie mit der AMO um?  Sie „kennen“ sie schlicht kaum. Das liegt daran, dass die bisherigen CMIP5-Modelle hier offenbar ohne jede Mitwirkung des tieferen Ozeans im Atlantik arbeiten. Eine viel diskutierte Arbeit unter Federführung von Amy Clement weist nach, dass in der Modellwelt die AMOC im tiefen Atlantik keine Rolle spielt. Sie betont die Probleme dabei: Die Variabilität der AMO wird im Modell viel zu gering gerechnet, ob mit oder ohne tiefen Ozean:

„It could be argued that the preindustrial simulations underestimate the magnitude of observed multidecadal variability. The inclusion of historical climate forcings does enhance multidecadal variability, bringing it into better agreement with observations, although it has been shown that several models overestimate the impact of atmospheric aerosols. On the other hand, a possible source of persistence that is missing in climate models is cloud feedbacks, particularly in the tropical Atlantic. “

Wir hatten darüber ebenfalls berichtet. Das Problem mit der AMO in Modellen versucht eine neuere Arbeit unter Leitung von Annika Drews vom Helmholzzentrum in Kiel zu lösen. Es wird ein verbessertes Modell benutzt, das auch die verschobene geographische Verteilung der Variabilität der nordatlantischen SST in der bisherigen Modellwelt behebt. Das Ergebnis, wiederum mit Berücksichtigung des tiefen Ozeans, sieht schon deutlich realitätsnäher aus:

Abb. 7: Die AMO (AMV) in den Beobachtungen (a), in einem Kotrolllauf des nicht verbesserten Modells (b) und mit dem verbessertem Modell (c) über den Modelljahren, Quelle: Bild 1 der zitierten Arbeit Drews et al. (2016).

 

Auffällig am Ergebnis: viel mehr niedrigfrequente Anteile im Spektrum und höhere Amplitude in der Variabilität, nicht ganz so unähnlich zu dem was beobachtet wird. Hinzu kommt wohl ein Effekt durch Wolken, der die Beeinflussung auch zu tropischen Regionen hin verstärkt. Eine Einwirkung auch der Sonnenaktivität auf diese Vorgänge wird in der Wissenschaft diskutiert .

Am Schluss nun die Frage, was die „Causa  AMO“  denn so brisant macht. Hierzu muss man wissen, dass Modelle ein „Tuning“ erfahren. Verschiedene Parameter werden eingestellt, dies ist weniger Physik denn „Kunst“, wie eine sehr lesenswerte aktuelle  Arbeit eines Teams von Modellprofis darlegt. Darin wird betont, dass eine Einstellung der Modelle am Trend des 20. Jahrhunderts sehr oft notwendig ist. Genauer wird eine etwas ältere Studie von  Thomas Mauritsen vom Hamburger  Max-Plack- Institut für Meteorologie und seinen Kollegen: Sehr häufig wird der Zeitraum 1976…2005 für das Tuning benutzt:

„A longer simulation with altered parameter settings obtained in step 1 and observed SST’s, currently 1976–2005 from the Atmospheric Model Intercomparison Project (AMIP), is compared with the observed climate.”

Vernachlässigt man dabei die starke Wirkung der AMO als interne Variabilität besonders zwischen 1990 und 2000 (siehe Abb.3)  muss das Tuning fehlschlagen. Mit anderen Worten: Viele Klimamodelle und -prognosen sind anhand der Daten in der Zeit von 1976…2005 getunt worden und damit letztendlich der natürliche periodisch wiederkehrende AMO-Anstieg in diesen Jahren der  CO2-Wirkung  zugeschlagen worden.  Die Klimasensitivität, der Einfluss des CO2 auf die Temperaturentwicklung, ist dadurch 30-50 % zu hoch angesetzt. Die zu erwartenden Temperaturänderungen herrührend von Kohlendioxid sind um diesen Anteil geringer.

Daher fürchten einige Verfechter einer besonders hohen Klimawirkung von CO2 die AMO wie der Teufel das Weihwasser und sie wird zu einem Brennpunkt der Auseinandersetzung in der Klimadebatte so wie andere natürliche Faktoren wie die Sonnenaktivität, deren Wirkung auf das Klima modelltechnisch noch auf die Gesamtstrahlung (TSI) reduziert wird. Die AMO ist ein natürlicher Bestandteil des Klimageschehens und wurde vereinnahmt für besonders dramatische Projektionen. Sie erzeugt jedoch seit langen Zeiten periodisch ein auf und ab der Temperaturen. Bei „ab“ in negative AMO- Regionen bekommen die getunten Modelle dann so richtige Schwierigkeiten. Und das wird kommen: Delworth et al. rechnen damit etwa 2020.