News und Termine

Neue Studie bestätigt weitverbreitete Gatekeeper-Mentalität im Journalismus

In den letzten 20 Jahren haben deutsche Bauern durch Kreuzungsversuche eine ganz neue Feldfrucht hervorgebracht: Den Spargelmais. Üblicherweise wird er in großen Monokulturen angebaut. Hier eine Aufnahme aus der Nähe von Nauen.

Foto: Frank Bosse

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Im Juli 2018 erschien eine Studie von Jost und Koehler. Die Forscher untersuchen, inwieweit Journalisten zu verzerrter Berichterstattung neigen. Die Auswertung einer großen Zahl von Presseartikeln zeigt, dass es in der Tat zu enormen Verzerrungen in der Auswahl der Themen und der Darstellung der Inhalte kommt. Die Studie handelt zwar von Auseinandersetzungen in der Wirtschaft, kann aber sicher auch auf die Klimadebatte übertragen werden. Abstract:

Who shapes the news? Analyzing journalists’ and organizational interests as competing influences on biased coverage
This study investigates influences on gatekeeping processes that have the potential to cause biased media coverage. We tested whether and, if so, to what extent journalists’ and organizational interests affect journalistic news processing. In a content analysis, we contrasted the press coverage (n = 1199 articles) of trade disputes of newspaper journalists with the coverage of other trade disputes. Results indicate both coverage and statement bias. In their coverage of newspaper disputes, journalists evaluated employers’ offers significantly more negatively, framed industrial action as legitimate, and criticized employers’ behavior during strikes.

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Euronews am 3. August 2018:

Keine 2.100 m mehr: Schwedens höchster Gipfel schmilzt weg
Schwedens höchster Gipfel hat wahrscheinlich seinen Status verloren. Der Kebnekaise-Gletscher, gelegen im Polarkreis im Norden, war bisher mit knapp 2100 Metern die höchste Erhebung des Landes. Jetzt ist so viel Schnee geschmolzen, dass die Südspitze ein paar Zentimeter kleiner ist als die Nordspitze. Die ist nicht aus Eis, sondern aus Stein.

Weiterlesen auf Euronews

Interessant. Aber nicht ganz vollständig. Denn der Kebnekaise-Gletscher schrumpft und wächst seit vielen Jahrtausenden. Mal ist der Gletscher kleine rund mal ist er größer. Hormes et al. 2004:

Radiocarbon dating of palaeosol components in moraines in Lapland, northern Sweden
Accurate geochronologies are the key for comparison of palaeoclimate records. In order to clarify problems concerning the geochronology of glacier fluctuations we dated palaeosols in moraines in the Kebnekaise mountain region of Swedish Lapland. These palaeosols already have been dated several years ago using bulk samples of the palaeosols and yielded ages of 6180–5790 and 2750–2100 cal yr BP. In an attempt to evaluate the sources of contamination associated with bulk samples these soils were re-dated by using Coleoptera fragments, Cenococcum geophilum spores, humic acids and woody plant tissues. The new dates reveal that the two palaeosols found within the moraines represent much longer periods of time than was previously assumed. Soil formation periods can be distinguished for periods 7800–7580, 6300–4080, 2450–2000 and 1170–740 cal yr BP. These age groups point to differentiated soil formation processes, resedimentation, bioturbation and/or cryoturbation. The results show that dated terrestrial macrofossils from glacial moraines indicate climate changes that are in accordance with other proxy records in northern and central Scandinavia and in certain times off-phase with glacier fluctuations in southern maritime Norway. This throws light on possible changing interaction of forcing factors during the Holocene.

 

Dürregeschichte Mitteleuropas: Klimaforscher Christian Pfister mit unerklärlichen Gedächtnislücken

Am 2. August 2018 brachte SRF ein längeres Radiointerview mit dem bekannten Berner Klima-Historiker Christian Pfister zur diesjährigen langen Dürreperiode in Mitteleuropa:

Extreme Trockenheit – Droht uns eine Megadürre?
Klimaforscher Christian Pfister warnt: Trotz technologischem Fortschritt sind wir den Wetterextremen ausgeliefert. Der Mensch müsse klüger werden – und sich anpassen. [...] Um die verheerenden Auswirkungen längerer Dürreperioden zu veranschaulichen, erinnert der Berner Historiker an die Megadürre von 1540. Der Jahresniederschlag betrug nur gerade ein Drittel der üblichen Menge, teils fiel wochenlang kein Tropfen Regen über Mitteleuropa. In Basel und Köln liess sich der Rhein auf dem Rücken von Pferden überqueren. Die fatale Kombination aus Hitze und Trockenheit hinterliess verbrannte Erde. [...] Doch Pfister warnt vor falschen Schlüssen: «Solche Ausreisser wie 1540 gab es immer, allerdings extrem selten.» 1542 sei bereits ein kaum je überliefertes, nasskaltes Jahr ohne Sommer gewesen. Heute müsse man dagegen von einem Trend sprechen: «Was wir derzeit erleben, zeigt an, wie die normalen Sommer der Zukunft aussehen. Dazu kommen Extreme, die wir noch nie gesehen haben.» Der Klimawandel sei kein Papiertiger, warnt Pfister.

Weiterlesen beim SRF

Pfister bezeichnet das Dürrejahr 1540 als Ausreißer, während die Dürre 2018 die zukünftige Norm darstellen könnte. Eine steile These. Zumal sie dem widerspricht, was der heute emeritierte Klimahistoriker Pfister noch im Jahr 2000 selber feststellte (pdf hier). Eine seltsame Gedächtnislücke. Im Fazit der Arbeit lesen wir doch tatsächlich, dass beim Vergleich des Zeitraums von 1525 bis 2000 die häufigsten Dürren in Mitteleuropa während des Maunder-Minimum im 17. Jahrhundert auftraten und am wenigsten im 20. Jahrhundert:

Die bisherigen Forschungen zu sommerlichen Trockenperioden in Mitteleuropa haben sich bisher stark am Beispiel der Periode 1943 bis 1952 mit ihrem Höhepunkt im Dürresommer 1947 orientiert, die vielfach als einzigartig in den letzten Jahrhunderten betrachtet worden sind. Die vorliegenden Ergebnisse tragen dazu bei, diese Ansicht zu relativieren: Sie unterstreichen nicht nur den seit einiger Zeit bekannten Tatbestand, dass die Dürre des Sommers 1540 jene von 1947 punkto Dauer und Intensität buchstäblich in den Schatten stellte. Sie deuten auch daraufhin, dass, was die Häufigkeit von Dürresommern betrifft, die letzten fünf Jahrhunderte in zwei unterschiedliche Perioden von annähernd gleicher Länge gegliedert werden können, indem sommerliche Trockenperioden in den zwei Jahrhunderten 1525 bis 1730 wesentlich häufiger auftraten als seither. Bei der Interpretation dieser Zahlen ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Daten in der älteren Periode fast ausschliesslich aus der Zentral- und Nordostschweiz stammen, wodurch regionale Effekte stärker ins Gewicht fallen, während die Daten von 1780 und vor allem von 1864 an die westlichen Landesteile mit berücksichtigen. Ihren Höhepunkt erreichte die Tendenz zur Häufung von sommerlichen Dürreperioden in den Jahren 1718 bis 1728, als jeder zweite Sommer wesentlich zu trocken war. Zwar trat in diesen 11 Jahren kein Jahrhundertereignis hervor, aber zweimal (1718/19 und 1723/24) kamen unmittelbar aufeinanderfolgende Trockensommer und dazwischenliegende regenarme Winter und Frühjahrsperioden in ihrer kumulativen Wirkungen auf den Wasserhaushalt einem solchen gleich. Die Auswirkungen dieser langen Dürreperiode auf Ökosysteme wäre zu untersuchen. Gesamthaft gesehen war die Belastung des 20. Jahrhunderts durch Dürresommer bemerkenswert gering, wie dies bereits für Naturkatastrophen (Lawinen, Überschwemmungen) festgestellt worden ist. Auch in dieser Hinsicht trägt das zu Ende gehende Jahrhundert seine Bezeichnung als Gunstjahrhundert offensichtlich zu Recht.

Man reibt sich verwundert die Augen. Was passiert hier genau? Will oder kann sich Pfister nicht mehr erinnern? War alles falsch, was er früher gemacht hat? Steht er lieber auf der Seite der vermeintlich Guten und verbiegt zu diesem Zweck sogar die Realitäten?

 

Um Antwort wird gebeten: Weshalb schneidet AWI-Pressemitteilung das Mittelalter weg?

Von: Sebastian Lüning
An: Antje Boetius, Direktorin AWI

Datum: 17.6.2018

Liebe Frau Boetius,

Am 21. Mai 2018 brachte das AWI die Pressemitteilung “Die Donau friert seit rund 70 Jahren kaum noch zu”.
https://www.awi.de/nc/ueber-uns/service/presse-detailansicht/presse/die-donau-friert-seit-rund-70-jahren-kaum-noch-zu.html

Darin wird über interessante Trends zum Donau-Eis der letzten 150 Jahre berichtet. Insgesamt wird dies als Beleg der aktuellen globalen Erwärmung dargestellt, was sicher richtig ist. Allerdings fällt mit keiner Silbe der Begriff “Kleine Eiszeit”, in die das Startjahr 1837 der historisch durchgängigen Beobachtungsreihe fällt. Der Rückgang des Eises kommt daher nicht ganz unerwartet. Wie Sie wissen, stellt die Kleine Eiszeit die kälteste Phase der letzten 10.000 Jahre dar, ist also eine kalte Sonderphase. Insofern werden den Redakteuren und Medienkonsumenten durch diese Auslassung in der AWI-PM wichtige Kontextinformation vorenthalten.

Weiterhin ist es mir unerklärlich, weshalb der zweite Teil der ausgezeichneten Arbeit von Ionita et al 2018 in Scientific Reports ebenfalls verschwiegen wird:
https://www.nature.com/articles/s41598-018-26357-w

In der Studie werden die letzten 150 Jahre explizit in einen Millenniumskontext gestellt. Das Donau-Eis war während der Mittelalterlichen Wärmeperiode (MWP) offenbar ähnlich selten wie heute. Im Supplement des Papers gibt es in Abbildung S2 sogar eine sehr schöne Abbildung dazu. Die Autoren des Papers schreiben weiterhin, dass das Eis während der solaren Schwächephasen Maunder und Dalton in der Kleinen Eiszeit besonders stark zunahm. In der Pressemitteilung gibt es kein Wort dazu.

Es drängt sich der Verdacht auf, dass hier unbequeme Fakten einfach weggeschnitten werden, also Rosinenpickerei betrieben wird. Letztendlich führt dies zu einer Dramatisierung, die sich den Vorwurf des Klimaalarmismus gefallen lassen muss. Ich würde mich freuen, wenn Sie einmal mit dem zuständigen Pressereferenten sprechen könnten. Auf der Seite der Pressemitteilung ist Sebastian Grote angegeben; ich weiß nicht, ob er für die PM verantwortlich zeichnet. Angesichts der starken Politisierung der Klimawissenschaften wäre es umso wichtiger, dass eine saubere und unverfälschte Weitergabe der Ergebnisse an die Presse erfolgt. Ich selber setze mich sehr dafür ein und hoffe, dass auch das AWI hieran ein großes Interesse hat.

Mit kollegialen Grüßen,

Sebastian Lüning

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Die Anfrage blieb unbeantwortet.

 

 

Ausstellungs-Begleitbuch ‘Klimagewalten’ beschäftigt sich auch mit natürlichen Klimafaktoren

Die meisten von uns haben eine offenbar ausgezeichnete Ausstellung verpasst, die im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale) am 21. Mai 2018 nach einem halben Jahr die Tore schloss. Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie
Sachsen-Anhalt gab dazu die folgende Pressemitteilung heraus:

»Klimagewalten – Treibende Kraft der Evolution«. Spektakuläre Sonderausstellung geht erfolgreich zu Ende

Am Pfingstmontag, den 21. Mai 2018, wird die Sonderausstellung »Klimagewalten – Treibende Kraft der Evolution« beendet. Insgesamt werden dann rund 55.000 Besucher die Ausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale), die am 29. November 2017 feierlich durch den Ministerpräsidenten des Landes Sachsen-Anhalt, Dr. Reiner Haseloff eröffnet worden war, gesehen haben.

»Die Ausstellung zeigte, dass auch ein intellektuelles und auf den ersten Blick schwer verständliches Thema, wie die Betrachtung des Klimas, dessen Schwankungen und Auswirkungen auf die Fauna und Flora beim Publikum auf reges Interesse stößt. Es zeigte sich, dass insbesondere Klassen 14–16-jähriger Schülerinnen und Schüler durch die Schau gesteigertes Interesse an einem Besuch im Landesmuseum zeigten«, so der Museumsdirektor Prof. Dr. Harald Meller. Dies spiegelt sich auch in den zahlreichen Schulklassen-Buchungen wider. Insgesamt wurden ca. 400 Schulklassen und Kita-Gruppen betreut. »Das Begleitprogramm war ebenfalls sehr gut besucht – der Hörsaal war bei unseren Vorträgen immer voll, die Abendveranstaltungen der Besucherbetreuung waren regelmäßig ausgebucht. Wir sind mit den Besucherzahlen sehr zufrieden.«

Die Schau fokussierte auf die Entwicklung der Säugetiere in den letzten 66 Millionen Jahren bis hin zum Auftreten des Menschen in Mitteleuropa. Die Ausstellung befasste sich mit den Ursachen der Schwankungen, denen das Klima unserer Region in der Vorgeschichte unterworfen war, und wie sich Flora und Fauna den extremen Situationen anpassten. Der Entwicklung des Menschen vom Gejagten zum Jäger und der damit einhergehenden Loslösung vom Pfad der rein biologischen Evolution wurde ebenso Raum gegeben, wie der Abbildung zweier hypothetischer Szenarien für die Zukunft: Die Auswirkungen einer möglichen Wärme- oder Kaltphase auf das Leben der Menschen wurden am Ende der Ausstellung beleuchtet.

Insgesamt waren etwa 800 Exponate und Exponatgruppen aus den eigenen Beständen des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt und von 35 in- und ausländischen Leihgebern auf 1.000 m2 Ausstellungsfläche zu sehen. Insbesondere die weltberühmten Funde aus dem Geiseltal aus dem Besitz des Zentralmagazins Naturwissenschaftlicher Sammlungen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sind hervorzuheben. Eines der Highlights und ein beliebtes Fotomotiv war die zentrale Installation im Museumsfoyer mit der Darstellung einer kämpferischen Auseinandersetzung zwischen Mammuts und Höhlenlöwen, die so vor 220.000 Jahren stattgefunden haben könnte.

Zur Ausstellung wurde ein Begleitbuch herausgegeben, das man bei Amazon als Hardcover und Taschenbuch bestellen kann:

Das Inhaltsverzeichnis können Sie hier anschauen (pdf). Reinschauen lohnt sich. Ausführlich werden im Buch die schwankende Sonnenaktivität besprochen. Auf Seite 45 lautet zudem das Resümee des Autors  zur CO2 – Vermeidung:  “Insofern verschwendet die CO2-Vermeidung  Ressourcen, die in anderen Bereichen für die Zukunftssicherung  viel nützlicher verwendet werden könnten“.

 

Die gefährlichste aller Weltanschauungen

Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute,
welche die Welt nie angeschaut haben.

Alexander Freiherr von Humboldt (1769 – 1859), deutscher Naturforscher

Die KS-Hobbyecke: Wir basteln uns einen Indoktrinationsfilter

Von Uli Weber

Nehmen wir einmal an, Sie glauben an die universelle Formel für eine bessere Welt und kennen auch den richtigen Weg dorthin. Nehmen wir weiter an, 97 Prozent aller Meinungsmultiplikatoren würden Ihren festen Glauben an diese bessere Welt teilen, könnten dafür aber nur eingängige Glaubensformeln und keine schlüssigen Beweise vorlegen.

Und auf dieser Basis müssten Sie sich nun mit den verbliebenen konterrevolutionären Kräften herumärgern, die ständig irgendwelche Argumente gegen diese politisch und gesellschaftlich voll akzeptierten Glaubenssätze vorbringen. Dabei kommt Ihnen zunächst einmal sehr entgegen, dass die Erkenntnis eine widerborstige Frucht ist, die sich für einen Fachfremden nur sehr mühsam pflücken lässt. Jede Glaubensformel ist dagegen per se ein allgemeinverständliches Konstrukt in der Form „A+B=C“, die für jedermann ganz einfach und schlüssig nachzuvollziehen ist. Die Widerlegung einer Glaubensformel hat dagegen eine geistige „Zahlschranke“. Diese besteht für einen interessierten Betrachter aus der Zumutung, eine längere Abfolge von komplexen Schlüssen und Beweisen eigenständig nachvollziehen zu müssen; beispielsweise sagt „A>B und B<D“ allein ja noch gar nichts über das Verhältnis zwischen „A“ und „D“ aus, obwohl beide in einem direkten Verhältnis zu „B“ stehen,  sondern lediglich, dass „B“ die kleinste dieser drei Zahlen ist.

Bei der Abwägung, wie gefährlich eine konterrevolutionäre Infiltration für Ihre Glaubenssätze ist, könnten Sie also eigentlich entspannt darauf vertrauen, dass Ihre Zielgruppe mit ziemlicher Sicherheit das ökonomische Sparsamkeitsprinzip anwenden wird. Denn Sie wissen ja, dass eine Glaubensformel die einfachste und verständlichste Erklärung für hoch komplexe Zusammenhänge liefert. Aber natürlich haben Sie auch Angst vor einer zufälligen Keimübertragung, denn wie leicht könnte ein häretischer Gedanke einen gut Gläubigen mit dem Virus des Zweifels infizieren, der dann wiederum andere ansteckt und die wieder andere – und schon haben Sie eine veritable Glaubensepidemie…

Also schauen Sie in Ihr antiquarisches Handbuch für Desinformation und Zersetzung, denn Sie wissen ja, wer selbst nichts weiß, muss alles glauben. In diesem Handbuch finden Sie das folgende Kochrezept:

(1)    Werfe dem Autor grobe fachliche Fehler, mangelnde Qualifikation und/oder eine falsche Gesinnung vor

(2)    Ziehe die Kernaussage der konterrevolutionären Argumentation grundsätzlich in Zweifel, gehe dabei aber ja nicht auf irgendwelche fachlichen Details ein, sondern zitiere lieber gegenteilige Meinungen und/oder Gerüchte

(3)    Behaupte, es gäbe bereits seit langem eine einzige glaubenskonforme Lösung für die von Dir vertretene/angezweifelte Argumentation, beispielsweise auf der Grundlage einer höheren Moral oder einer wissenschaftlich begutachteten Studie

(4)    Verweise den interessierten Leser zum Beweis für Deine glaubensgerechte Lösung auf irgendeinen glaubensstarken Meinungsmultiplikator, die Glaubenskongregation oder Wikipedia

(5)    Wiederhole am Ende nochmals die Glaubensformel Deiner reinen Lehre und nenne sie „alternativlos“, weil 97 Prozent aller Meinungsmultiplikatoren ihr bedingungslos folgen

Wenn Sie also ein begeisterter Anhänger dieser einen reinen Lehre sind, dann wären Sie mit diesem Kochrezept jetzt gegen alle Anfechtungen des Bösen gewappnet und können sich beruhigt zurücklehnen. Wenn das aber nicht der Fall sein sollte, dann probieren Sie den hier nachfolgend beschriebenen Indoktrinationsfilter aus. Machen Sie sich also den Spaß und wenden diesen Desinformationskatalog (1)-(5) einmal umgekehrt als Filter (1*)-(5*) auf die real existierende Medienwelt an.

Wir drehen das beschriebene Kochrezept also einfach einmal um: Suchen Sie sich dazu einen beliebigen Fernsehbeitrag oder Online-/Printartikel heraus, der entweder einen modernen Aberglauben hofiert oder dessen Gegner diskreditiert.
Im ersten Fall suchen Sie im betreffenden Text den Bezug auf eine höhere gesellschaftliche Moral oder eine wissenschaftliche Studie, die diesen Aberglauben angeblich voll bestätigt und beginnen Sie nachstehend mit Punkt (3*). Im zweiten Fall suchen Sie eine abwertende ad-hominem-Formulierung zwischen „inkompetent“ und „gekauft“, natürlich ohne dass ein solches Urteil dort überhaupt bewiesen worden wäre, und beginnen Sie nachfolgend bei Punkt (2*).

Sie finden dann:

(1*) Eine abwertende ad-hominem-Aussage nach Punkt (1),

(2*) eine fehlende inhaltliche Auseinandersetzung mit der kritisierten Argumentation und abwertende Aussagen nach Punkt (2),

(3*) emotionale Zustimmung nach Punkt (3) und eine fehlende dialektische Auseinandersetzung mit dem dort ausführlich behandelten alternativlosen Glaubenssatz,

(4*) eine Beweisführung durch Anrufung der reinen Lehre, das persönliche Bekenntnis eines Glaubensgurus oder den Hinweis auf ein aktuelles Glaubensprojekt nach Punkt (4)

(5*) und schließlich das nochmalige herunterbeten des betreffenden Glaubensbekenntnisses und/oder seiner schrecklichen Zukunftsvisionen nach Punkt (5).

Anmerkung: Achten Sie nebenbei auch einmal darauf, welcher Sprachmittel sich diese glaubensbedingte Argumentation bedient. Üblicherweise werden dort Pro- und Contra-Positionen/Argumente aus völlig unterschiedlichen Perspektiven beschrieben, nämlich die Pro-Position als Innen- und die Contra-Position als Außenansicht. Die in solchen Fällen benutzten emotionalen Sprachmittel weisen daher meist auch keine gemeinsame Schnittmenge auf. In einem unabhängigen und seriösen Journalismus war es dagegen einstmals üblich gewesen, konträre Positionen gleichberechtigt aus einer sachlichen und übergeordneten Perspektive zu beschreiben.

Mit dieser Analyse müsste jetzt die inhaltliche Substanz des betreffenden Beitrags/Artikels bereits aufgebraucht sein, auch wenn es zwischen beiden geschilderten Ansätzen natürlich zu den unterschiedlichsten Mischformen kommen wird. Am Ende sind Sie durch die Beschäftigung mit diesem Beitrag/Artikel jedenfalls nicht schlauer geworden, als Sie es vorher schon waren. Ihnen sind dort also gar keine neuen Erkenntnisse vermittelt worden, sondern Sie sind lediglich zum wiederholten Male mit den alternativlosen Glaubensinhalten der betreffenden Heilslehre und/oder deren schrecklichen/überhöhten Zukunftsvisionen konfrontiert worden. Und eine solche, mit missionarischem Eifer vorgetragene, permanente Indoktrination durch eine beliebige Heilslehre führt am Ende für sich allein bereits zu einer dauerhaften Verzerrung der Realität.

Wir sollten die Verantwortung für den Erhalt unserer Kohlenstoff-basierten technischen Zivilisation also niemals in die Hände von irgendwelchen MINT-fernen und glaubensstarken EEG-Befürwortern legen, denn umgekehrt heuert man ja schließlich auch keine Frösche an, um einen Sumpf trocken zu legen…

 

Foto: Uli Weber

 

Grünen-Nachwuchs fordert EU-Staatsbürgerschaft für Klimaflüchtlinge

Von Sebastian Lüning

Es ist generell immer gut zu teilen. Deutschland geht es gut, da können wir sicher etwas von unserem Reichtum abgeben. Aber wenn man grenzenlos verschenkt, wird am Ende nur noch wenig zum Verschenken übrig sein. Die Norweger wissen dies nur allzu zu gut. Sie sind eines der bevölkerungsmäßig kleinsten aber auch reichsten Länder Europas. Öl und Gas sei Dank. Sie stecken ihr Geld überwiegend in einen Zukunftssicherungsfonds und passen dabei auf, dass sie das Geld nicht mit zu vielen Menschen teilen müssen. Deshalb lehnte Norwegen auch eine EU-Mitgliedschaft ab und schottet sein Land vehement gegen Neuankömmlinge ab.

In Deutschland denkt man anders. Am liebsten würde man der ganzen Welt helfen, was zutiefst menschlich und nachvollziehbar ist. Wer es physikalisch nach Deutschland schafft, hat gute Chancen, für immer hier zu bleiben und von den großzügigen Sozialsystemen zu profitieren. So erhält ein Sozialhilfeempfänger mit Familie in Deutschland ein Vielfaches von dem, was ein hart arbeitender Landwirt in Zentralafrika verdient. Die finanzielle Sogwirkung Europas auf die Bevölkerung ärmerer Länder Afrikas und Asiens ist plausibel.

Aber weshalb sollte man nur denjenigen helfen, die den lebensgefährlichen Weg über das Mittelmeer und andere gefährliche Pisten – oft mithife von teuren Schlepperbanden – erfolgreich hinter sich bringen konnten? Angesichts der Vielzahl von Diktaturen und anderen Ungerechtigkeiten in der Welt, würde vermutlich ein Viertel der gesamten Weltbevölkerung die Asylvoraussetzungen erfüllen. Weshalb können Asylanträge nicht bequem über die europäischen Botschaften in Afrika und Asien gestellt werden? Wer seinen Antrag von der Botschaft bewilligt bekommt, fliegt dann schnell und sicher per Flugzeug nach Deutschland oder das Gastland seiner Wahl. Das wäre effektiv und fair. Momentan kommen vor allem die Betuchteren, Jüngeren und Härteren durch, während die finanziell und körperlich Schwächeren die mühselige Reise nach Europa gar nicht stemmen können.

Man kann sich leicht ausrechnen, dass bei einem solchen Botschafts-Verfahren schnell einige hundert Millionen Anträge pro Jahr zusammenkämen. Und ein großer Teil der Antragsteller würde sogar problemlos die geltenden Asylvoraussetzungen erfüllen. Die jetzt noch üppig ausgestatteten Sozialkassen Europas wären schnell entleert. Verlierer wären vor allem die jetzigen Bezieher von Sozialleistungen, die Schwächeren unserer Gesellschaft. Ihre Leistungen müssten entsprechend gekürzt werden. Normal- und Gutverdiener – und dazu gehören übrigens auch unsere Politiker – würden davon kaum etwas spüren. Sie leben zudem in den teureren Vierteln, haben kaum Kontakt zur Sozialklientel, sind räumlich getrennt. Sie würden nur etwas davon mitbekommen, wenn die explodierenden Sozialbudgets eine kräftige Steuererhöhung zur Folge hätten. Ein schwieriges Thema im komplexen Spannungsfeld von Mitmenschlichkeit, Gerichtigkeit und Machbarkeit. Hier ist Augenmaß gefragt.

Den Grünen fehlt bekanntermaßen genau dies. Die Vorsitzende der Grünen Jugend, Ricarda Lang, fordert nun, dass man die Asylgründe sogar noch weiter ausdehnen sollte. Sie möchte all jenen die deutsche Staatsbürgerschaft anbieten, deren Heimat durch den Klimawandel bedroht ist. Die Welt berichtete am 3. August 2018:

Grünen-Nachwuchs fordert EU-Staatsbürgerschaft für Klimaflüchtlinge
Die Jugendorganisation der Grünen fordert das Angebot einer EU-Staatsbürgerschaft für Menschen, deren Heimat durch den Klimawandel unbewohnbar wird. „Die EU sollte den Bewohnern von Inselstaaten, die durch den Klimawandel bedroht sind, die europäische Staatsbürgerschaft anbieten und ihnen eine würdevolle Migration ermöglichen“, sagte die Vorsitzende der Grünen Jugend, Ricarda Lang, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Weiterlesen auf welt.de.

Ein interessanter Gedanke. Kann man sich demnächst über die deutschen Botschaften in Kiribati oder Dakar bewerben? Wie belegt man eine Klimawandelgefahr in der Heimat? Reichen ein paar kürzliche Taifune oder muss man per wissenschaftlichem Gutachten belegen, dass die Taifunhäufigkeit heute deutlich höher ist als während der vergangenen 3000 Jahre? Reicht ein abbröckelndes Kliff, eine sich verlagernde Sandinsel? Bekommt ein von Dürre geplagter Landwirt Ostafrikas umgehend die deutschen Einbürgerungspapiere zugeschickt, oder muss er zunächst darlegen, dass seine Vorfahren der letzten 20 Generationen stets Regen in ausreichender Menge zum Feldanbau zur Verfügung hatten? Hier öffnet sich ein weites Betätigungsfeld für Klimaeinbürgerungsklagen, wovon sowohl Juristen wie auch zukünftige Gerichtsklimatologen profitieren würden. Generell würde sich sogleich ganz Nordafrika zur Einbürgerung qualifizieren, denn Temperaturen von über 40°C im Sommer sind kaum auszuhalten, so dass einer pauschalen Einbürgerung im kühlen Norden nichts mehr im Wege stehen sollte.

 

Deutschland hat kein Hitzeproblem – sondern ein Hysterieproblem

Die Hitzewelle ist in den meisten Teilen Deutschlands jetzt erstmal abgehakt. Es war ein wahres Fest für alle Aktivisten. Bei allem Warnen, Drohen und Qungeln vergaßen sie doch glatt, dass Klima das durchschnittliche Wetter von 30 Jahren ist. Das war nun plötzlich ganz egal. Es war heiß, da wollte man sich mit diesem dummen Ballast nicht mehr abgeben: Die Hitze sei ein Vorbote der Hölle, in die alle Klimaalarm-Ungläubigen schnellstmöglich gelangen, wenn sie nicht die Forderungen der Klima-Gottheiten umgehend erfüllen. Sonst drohe der Weltuntergang. Zum Glück gab es in der Berichterstattung auch wenige Ausnahmen.

Zum eine wäre da Jörg Kachelmann am 3. August 2018 bei den t-online-Nachrichten:

Kachelmanns Donnerwetter: Kein Sommermärchen

Deutschland hat Angst vorm Klimawandel – und vor Ventilatoren. Während im Winter die nächste Klimakatastrophe droht, tut die Regierung nichts. Weil sie die vielen “Dummen” nicht verprellen will.    

Manchmal bestimmt Mesut Özil nicht nur die Medienagenda für ein paar Tage, sondern für einen Sommer. Natürlich nicht er alleine, sondern “Die Mannschaft”. Man kann das wunderbar vergleichen mit 2006. Damals war der Juli noch mal zwei Grad wärmer als der Juli 2018, also noch mal 50 Prozent weiter über dem Durchschnitt, aber das, was de facto viel schlimmer war als heute, war damals keine böse Hitzewelle, die alles kaputtmachte, sondern ein WM-Sommertraum oder meist das legendäre “Sommermärchen”.

Weiterlesen bei den t-online-Nachrichten:

Der zweite Lichtblick zum Thema stammt von Torsten Krauel, der am 8. August 2018 in der Welt schrieb:

Deutschland hat kein Hitzeproblem – sondern ein Hysterieproblem

Sahara-Sommer? Esst vegan, oder es kommt der Weltuntergang? Von wegen. Heiße Sommer hat es viele gegeben, regnerisch-kühle genauso. Deutschland hat kein Hitzeproblem, das zeigt ein Blick in die Vergangenheit.

Deutscher Saharasommer 2018! Glühende Landschaften! Wer so etwa schreibt, war nie in der Sahara. 36 Grad bei nur 55 oder 60 Prozent Luftfeuchtigkeit? Das wäre in etlichen Weltregionen ein angenehm trockener Erholungstag. Um die 40 Grad bei 95 Prozent Luftfeuchte sind in weiten Teilen Chinas die Regel.

Weiterlesen in der Welt

Danke Herr Kachelmann, Danke Herr Krauel. Sie sprechen das aus, was viele nur insgeheim denken. Es ist wichtig, dass man in dieser politisierten Materie mitdenkt und sein Meinung kundtut, ansonsten glaubt die Alarmfraktion, die Nation prächtig geleimt zu haben.

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Nachtrag 13. August 2018:

Zwischenzeitlich ist eine weitere realistische Stimme zur Hitzewelle dazugekommen. Axel Bojanowski schrieb auf Spiegel Online am 11. August 2018:

Klimastreit im Dürresommer: Überhitzt

Waldbrände, Dürre, Hitze – ist die Klimakatastrophe bereits angekommen? Zeit für eine kühle Inspektion.

Forscher sehen es als Ehre, von der Akademie der Wissenschaften der USA eingeladen zu werden, einen Aufsatz im hauseigenen Magazin “PNAS” zu verfassen. In einer sogenannten Perspective dürfen sie den Forschungsstand ihres Gebietes darstellen, ganz aus ihrer eigenen Perspektive. Diese Woche sorgte solch ein Aufsatz für Schlagzeilen. Der Beitrag war von “PNAS” ungewöhnlich schnell publiziert worden, schon 17 Tage nach Eingang in der Redaktion, normalerweise vergehen Monate bis zur Veröffentlichung. Eine Heißzeit stehe womöglich bevor, aus der es kein Zurück mehr gebe, zitierten Medien weltweit aus dem Essay, auch SPIEGEL ONLINE. Neue Erkenntnisse brachten die Autoren zwar nicht, es handelte sich um bekannte Spekulationen über sogenannte Kipppunkte des Klimas. Das heiße Zeitalter drohe zwar erst in Jahrtausenden. Gleichwohl könnte bereits eine Erwärmung in den kommenden Jahrzehnten den Weg in die Heißzeit unwiderruflich bahnen, argumentieren die Autoren.

Weiterlesen auf Spiegel Online

 

 

Gutachtersystem unterhöhlt: Hans-Joachim Schellnhuber wählt die Prüfer einfach selber aus

Man muss schon fast Mitleid mit den Klimalarm-Multiplikatoren haben. Da schickt Ihnen der Himmel diese schöne Hitzewelle und sofort bauen sie darauf die abenteuerlichsten Dinge. Mit hochverzweifelten Phasen beklagt man sich “Es passiert nichts, nichts, nichts“. Es wird geheult und gedroht, die Hitzewelle würde ab nun zum Normalzustand, wenn man nicht ganz schnell alle Forderungen erfüllt. Ist verbale Hitzefolter eigentlich erlaubt? Das PIK fährt Überstunden und kramt aus der Klamottenkiste die verstaubten Kipppunkte heraus, die aber auch beim gefühlt 18. Versuch niemanden so richtig überzeugen. Wieder droht man, der Planet hätte möglicherweise bereits eine kritische Grenze überschritten.

Vieles deutet daraufhin, dass die PIK-Kommunikationsabteilung hier sauber vorgeplant hat. Die sechzehnköpfige Autorenschar wird vom neuen (Rockström, fast vorne) und alten PIK-Chef (Schellnhuber, ganz hinten) eingerahmt. So macht es auch Donald Trump, der bei Fernsehansprachen für die TV-Kameras das Volk um sich herum aufbaut. Sieht einfach besser aus. Erschienen ist das Paper in Schellhubers Lieblingszeitschrift, PNAS.

Genau, da war doch mal was: Mysteriöse Häufung von Schellnhubers Veröffentlichungen in Zeitschrift der National Academy of Science: Wussten Sie, dass Mitglieder ihre PNAS-Gutachter selber auswählen dürfen?. Unser Blogartikel zu diesem schier unglaublichen PNAS-Begutachtungsverfahren ist nun 4 Jahre alt (von 2014). Da wird sich doch sicherlich mittlerweile etwas getan haben, denn eine Auswahl der Gutachter durch die Autoren öffnet fragwürdigen Gutachterseilschaften Tür und Tor. Schauen wir also auf die aktuelle (August 2018) PNAS-Webseite und prüfen, ob das “Contributed Papers”-Verfahren immer noch zur Verfügung steht. Zur Erinnerung: Hans-Joachim Schellnhuber ist laut Onlinedatenbank immer noch PNAS-Mitglied und könnte daher ohne Probleme seine Lieblingsgutachter aus der befreundeten Alarmecke benennen.

Und in der Tat scheint es die Seilschaften-Option noch zu geben, wie das PNAS-Author-Center auch heute noch (Zugriff 9.8.2018) erklärt (Abb. 1):

Abb. 1: Erläuterungen der PNAS-Einreichungsoptionen. Quelle: PNAS-Webseite, Zugriff 9.8.2018.

 

Der Sprengstoff liegt genau hier:

Members select their own reviewers.

Kann man nun herausfinden, welchen Einreichungsweg das aktuelle PIK-Paper (Steffen et al. 2018) bei PNAS genommen hat? Ja kann man, denn auf dem pdf des Papers steht es am unteren Ende der Seite: In diesem Fall war es zum Glück eine ‘Direct Submission’. Das Journal hat die Reviewer für dieses Paper wohl selber ausgesucht. Trotzdem wollen wir es genau wissen. In wievielen Fällen hat Schellnhuber nun wirklich den PNAS-Joker ausgespielt und seine wissenschaftlichen Schiedsrichter selber benannt? Die Wahrheit ist erschreckend. Seit 2009 zählen wir gleich 16 Papers, die als Rechtsüberholer an den Konkurrenten vorbeigezogen sind. Eigentlich ein wissenschaftlicher Supergau. In manchen Jahren hat Schellnhuber das Kontingent von 4 “Contributed Papers” voll ausgeschöpft. Mehr geht nicht. Hier eine Übersicht der “Contributed Papers” von Schellnhuber seit 2009:

Fan et al. 2017: Network analysis reveals strongly localized impacts of El Niño
Autoren: Jingfang Fan, Jun Meng, Yosef Ashkenazy, Shlomo Havlin, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Dirk Helbing und Yochanan Kushnir
Kushnir ist beim PIK kein Unbekannter. Er trug zum IPCC AR5-Bericht zu Kapitel 12 bei. Seine ebenfalls zutragenden Kollegen: Die PIKler und ehemaligen PIKler Stefan Rahmstorf, Kirsten Zickfeld und Malte Meinshausen. pdf hier.

Ludescher et al. 2017: Statistical significance of seasonal warming/cooling trends
Autoren: Josef Ludescher, Armin Bunde, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Valerie Livina und Igor M. Sokolov
Sokolov arbeitet an der Berliner Humboldt Uni, einen Steinwurf von Potsdam entfernt. Ob man sich wohl kennt?

Schleussner et al. 2016: Armed-conflict risks enhanced by climate-related disasters in ethnically fractionalized countries
Autoren: Carl-Friedrich Schleussner, Jonathan F. Donges, Reik V. Donner, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Yoshito Hirata und Jürgen Scheffran
Jürgen Scheffran ist laut Wikipedia ein alter PIKler: “Von 2001 bis 2004 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), tätig in den Arbeitsbereichen Global Change and Social Systems sowie Integrated Systems Analysis.” Schellnhuber war Mitgründer des PIK 1992, muss also zwischendurch auch Scheffrans Chef gewesen sein.

Levermann et al. 2016: Abrupt monsoon transitions as seen in paleorecords can be explained by moisture-advection feedback
Autoren: Anders Levermann, Vladimir Petoukhov, Jacob Schewe, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt
Hier gibt es keinen Hinweis darauf, dass es sich um eine “Direct Submission” handelt. Vermutlich ist es daher ein “Contributed Paper”.

Petoukhov et al. 2016: Role of quasiresonant planetary wave dynamics in recent boreal spring-to-autumn extreme events
Autoren: Vladimir Petoukhov, Stefan Petri, Stefan Rahmstorf, Dim Coumou, Kai Kornhuber, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Rasmus E. Benestad and David Karoly
Benestadt ist Hardcore-Aktivist und Mitautor des Aktivisten-Blogs Real Climate. Karoly ist IPCC-Autor und entschiedener Gegner des Hockeystick-Jägers und Aufklärers Steve McIntyre.

Yu et al. 2016: System crash as dynamics of complex networks
Autoren: Yi Yu, Gaoxi Xiao, Jie Zhou, Yubo Wang, Zhen Wang, Jürgen Kurths, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Ying-Cheng Lai and Matjaz Perc
Perc hat eine ganze Reihe von gemeinsamen Papers mit Zhen Wang, einem Co-Autor des von ihm begutachteten Schellnhuber-Papers. Es drängt sich der Verdacht auf, dass sich hier gut miteinander bekannte Kollegen mit einem Freundschaftsgutachten ausgeholfen haben.

Li et al. 2014: Chaos–order transition in foraging behavior of ants
Autoren: Lixiang Li, Haipeng Peng, Jürgen Kurths, Yixian Yang, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt

Rogelj et al. 2014: Disentangling the effects of CO2 and short-lived climate forcer mitigation
Autoren: Joeri Rogelj, Michiel Schaeffer, Malte Meinshausen, Drew T. Shindell, William Hare, Zbigniew Klimont, Guus J. M. Velders, Markus Amann, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt.
Etliche der Co-Autoren stammen aus dem Greenpeace-Umfeld. Trotzdem heißt es im Paper offiziell: “The authors declare no conflict of interest.” Wie geht das?

Coumou et al. 2014: Quasi-resonant circulation regimes and hemispheric synchronization of extreme weather in boreal summer
Autoren: Dim Coumou, Vladimir Petoukhov, Stefan Rahmstorf, Stefan Petri, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt

Dangerman & Schellnhuber 2013Energy systems transformation
Autoren: A. T. C. Jérôme Dangerman und Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt

Ludescher et al. 2013: Improved El Niño forecasting by cooperativity detection
Autoren: Josef Ludescher, Avi Gozolchiani, Mikhail I. Bogachev, Armin Bunde, Shlomo Havlin, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt

Petoukhov et al. 2013: Quasiresonant amplification of planetary waves and recent Northern Hemisphere weather extremes
Autoren: Vladimir Petoukhov, Stefan Rahmstorf, Stefan Petri, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt

Donges et al. 2011: Nonlinear detection of paleoclimate-variability transitions possibly related to human evolution
Autoren: Jonathan F. Donges, Reik V. Donner, Martin H. Trauth, Norbert Marwan, Hans-Joachim Schellnhuber, and Jürgen Kurths
Gutachter: Unbekannt

Schellnhuber 2011: Geoengineering: The good, the MAD, and the sensible
Autor: Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt

Wu et al. 2010: Evidence for a bimodal distribution in human communication
Autoren: Ye Wu, Changsong Zhou, Jinghua Xiao, Jürgen Kurths, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt

Hofmann & Schellnhuber 2009: Oceanic acidification affects marine carbon pump and triggers extended marine oxygen holes
Autoren: Matthias Hofmann and Hans-Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt

 

Wer wohl die unbekannten Gutachter waren? Selbst nach unserem Blogbericht über das Problem 2014 sah Schellnhuber offenbar keine Veranlassung dazu, seine fragwürdige PNAS-Einreichungsserie zu beenden. Vor kurzem gab es einen Aufschrei in der deutschen Presse über das Unwesen von ‘Predatory Journals’. Drängen sich die auffälligen PNAS-Serienveröffentlichungen eines des bekanntesten deutschen Klimawissenschaftlers nicht ebenfalls als Thema geradezu auf?

 

Gletscher-JoJo in Nord- und Südamerika

Die Gletscher des Mt. Baker im US-Bundesstaat Washington schrumpfen derzeit. Das haben sie aber auch schon 1915-1950 getan. Davor und danach sind die Gletscher gewachsen. Die aktuelle Schmelzphase begann dann um 1980 und dauert noch an. Das lustige Gletscher-Jojo hat der US-Gletscherforscher Don Easterbrook eindrucksvoll auf WUWT beschrieben. Besonders interesant: Um 1950 waren die Gletscher sogar noch kürzer als heute:

Abb. 1: Positionen der Coleman and Roosevelt Gletscherfronten in 2014 (blau) und 1952 (grün). Quelle: Easterbrook 2015, WUWT.

 

Die University of Fairbanks fand heraus, dass auch ganz andere Faktoren als die Temperatur eine Rolle spielen, speziell bei im Meer mündenden Gletschern. Dort können Gletscherrückzüge auch durch sich verschiebende Sedimente verursacht werden. Andere Forscher der Alaska-Gletscher zeigen sich klimahistorisch eher kurzsichtig, da sie ihre Vergleiche in der Kleinen Eiszeit beginnen, anstatt bis zur letzten natürlichen Warmphase vor 1000 Jahren zurückzugehen. Interessant ist zudem dass die Gletscher Alaskas offenbar mehr als die Hälfte ihrer Masse bereits vor 1950 verloren hatten, als der menschliche Einfluss auf das Klima noch sehr gering war. Ähnlich sieht es wohl im Yosemite-Park aus, wie Thomas Richard beschrieb.

Stansell et al. 2015 beschrieben oszillierende Gletscher in den peruanischen Anden:

Late Glacial and Holocene glacier fluctuations at Nevado Huaguruncho in the Eastern Cordillera of the Peruvian Andes
Discerning the timing and pattern of late Quaternary glacier variability in the tropical Andes is important for our understanding of global climate change. Terrestrial cosmogenic nuclide (TCN) ages (48) on moraines and radiocarbon-dated clastic sediment records from a moraine-dammed lake at Nevado Huaguruncho, Peru, document the waxing and waning of alpine glaciers in the Eastern Cordillera during the past ∼15 k.y. The integrated moraine and lake records indicate that ice advanced at 14.1 ± 0.4 ka, during the first half of the Antarctic Cold Reversal, and began retreating by 13.7 ± 0.4 ka. Ice retreated and paraglacial sedimentation declined until ca. 12 ka, when proxy indicators of glacigenic sediment increased sharply, heralding an ice advance that culminated in multiple moraine positions from 11.6 ± 0.2 ka to 10.3 ± 0.2 ka. Proxy indicators of glacigenic sediment input suggest oscillating ice extents from ca. 10 to 4 ka, and somewhat more extensive ice cover from 4 to 2 ka, followed by ice retreat. The lack of TCN ages from these intervals suggests that glaciers were less extensive than during the late Holocene. A final Holocene advance occurred during the Little Ice Age (LIA, ca. 0.4 to 0.2 ka) under colder and wetter conditions as documented in regional proxy archives. The pattern of glacier variability at Huaguruncho during the Late Glacial and Holocene is similar to the pattern of tropical Atlantic sea-surface temperatures, and provides evidence that prior to the LIA, ice extent in the eastern tropical Andes was decoupled from temperatures in the high-latitude North Atlantic.

 

Georg Forster über Winterschnee und Sommerhitze: Natur im ständigen Wechsel

“Wer über diesen Kreislauf der Begebenheiten unmuthig werden kann, der klage über Winterschnee und Sommerhitze, oder über den Wechsel der Nacht mit dem Tage; er klage über alles in der ganzen Natur, was dem Wechsel unterworfen ist, und – vergesse, daß nur durch diesen unaufhörlichen Wechsel alles besteht. Die relative Moralität gewinnt freylich nicht immer durch die Entwicklung der Fähigkeiten; dieselbe Sonne, die das Wachs erweicht und schmelzt, härtet hingegen den Thon. Wenn aber jemand darum lieber die Sonne ganz entbehren möchte, so dürften wir aus mehr als einem Grunde vermuthen, daß er vielleicht für jede andre Welt, nur nicht für diese wirkliche, geschaffen sey. Daher eilt das Zeitalter auf seiner Bahn weiter, ohne auf die Wehklage eines Hypochondristen zu hören, der von solchen Hirngespinsten ausgeht, und das Menschengeschlecht nach Idealen mißt.”

Georg Forster (1754-1794)
Aus: Über James Cook und andere Essays – Kapitel 1

 

Westkanadische Gletscher waren vor wenigen Jahrtausenden kürzer als heute

Im westlichen Kanada gaben die schmelzenden Gletscher jetzt Baumstümpfe, Humusboden, Pflanzenreste, Karibu-Exkremente und menschliche Artefakte frei, die ein Alter von einigen tausend Jahren haben. Dies zeigt, dass die Gletscher während des Mittelholozäns zur Zeit des holozänen Klimaoptimums dort bereits einmal kürzer waren als heute. Abstract von Koch et al. 2014:

Alpine glaciers and permanent ice and snow patches in western Canada approach their smallest sizes since the mid-Holocene, consistent with global trends
Most alpine glaciers in the Northern Hemisphere reached their maximum extents of the Holocene between ad 1600 and 1850. Since the late 1800s, however, glaciers have thinned and retreated, mainly because of atmospheric warming. Glacier retreat in western Canada and other regions is exposing subfossil tree stumps, soils and plant detritus that, until recently, were beneath tens to hundreds of metres of ice. In addition, human artefacts and caribou dung are emerging from permanent snow patches many thousands of years after they were entombed. Dating of these materials indicates that many of these glaciers and snow patches are smaller today than at any time in the past several thousand years. This evidence, in turn, suggests that glacier recession in the 20th century is unprecedented during the past several millennia and that glaciers in western Canada have reached minimum extents only 150–300 years after they achieved their maximum Holocene extents.

Wie ein Jojo expandierten und schrumpften die Gletscher während der letzten 10.000 Jahre, wie eine Studie aus Britsh Columbia von Mood & Smith 2015a zeigt:

Latest Pleistocene and Holocene behaviour of Franklin Glacier, Mt. Waddington area, British Columbia Coast Mountains, Canada
Franklin Glacier is an 18-km-long valley glacier that originates in a broad icefield below the west face of Mt. Waddington in the central British Columbia Coast Mountains, Canada. Radiocarbon-dated wood samples from the proximal faces of lateral moraines flanking Franklin Glacier show that the glacier expanded at least nine times since 13,000 cal. yr BP. A probable Younger Dryas advance of Franklin Glacier at 12,910–12,690 cal. yr BP followed the late glacial retreat and down wasting of the Cordilleran Ice Sheet from ca. 16,000 to 12,900 cal. yr BP. During the succeeding early Holocene warm period, Franklin Glacier appears to have retreated significantly, leaving no record of glacial expansion until the mid-Holocene when it repeatedly advanced at 6360–6280, 5470–5280 and 4770–4580 cal. yr BP. Down wasting of the glacier surface after ca. 4770–4580 cal. yr BP was followed by intervals of expansion at 4260–4080, 3210–3020 and 2620–2380 cal. yr BP. Following ice expansion at ca. 2620–2380 cal. yr BP into trees over 224 years in age, there is no record of the glacier activity until 1570–1480 cal. yr BP when Franklin Glacier thickened and advanced into young subalpine fir trees. During the ‘Little Ice Age’, advances at 800–680, 610–560 and 570–510 cal. yr BP preceded a mid-19th to early 20th century advance that saw Franklin Glacier attain its maximum Holocene extent. The dendroglaciological record at Franklin Glacier is among the most comprehensive recovered from the British Columbia Coast Mountains and showcases the complexity of mid- to late Holocene glacier expansion in the region.

Passend dazu ein weiterer Artikel von Mood & Smith 2015b:

Holocene glacier activity in the British Columbia Coast Mountains, Canada
The Coast Mountains flank the Pacific Ocean in western British Columbia, Canada. Subdivided into the southern Pacific Ranges, central Kitimat Ranges and northern Boundary Ranges, the majority of large glaciers and icefields are located in the Boundary and Pacific ranges. Prior descriptions of the Holocene glacial history of this region indicate the Holocene was characterized by repeated episodes of ice expansion and retreat. Recent site-specific investigations augment our understanding of the regional character and duration of these events. In this paper, previously reported and new radiocarbon evidence is integrated to provide an updated regional assessment. The earliest evidence of glacier expansion in the Coast Mountains comes from the Boundary Ranges at 8.9 and 7.8 ka and in the Pacific Ranges at 8.5–8.2 ka, with the latter advance corresponding to an interval of rapid, global climate deterioration. Although generally warm and dry climates from 7.3 to 5.3 ka likely limited the size of glaciers in the region, there is radiocarbon evidence for advances over the interval from 7.3 to 6.0 and at 5.4–5.3 ka in the Pacific Ranges. Following these advances, glaciers in the Pacific Ranges expanded down valley at 4.8–4.6, 4.4–4.0, 3.5–2.6, 1.4–1.2, and 0.8–0.4 ka, while glaciers in Boundary Ranges were advancing at 4.1–4.0, 3.7–3.4, 3.1–2.8, 2.3, 1.7–1.1, and 0.8–0.4 ka. After 0.4 ka, it appears that most glaciers in the Coast Mountains continued to expand to attain their maximum Holocene extents by the early 18th to late 19th centuries. This enhanced record of Holocene glacier activity highlights the temporal synchrony in the Coast Mountains. Individual expansion events in the mid-to late Holocene broadly correspond to intervals of regional glacier activity reported in the Canadian Rocky Mountains, in Alaska, and on high-elevation volcanic peaks in Washington State.

Auch Kanada hat Probleme mit Klimaleugnern. Ein ganz besonders großer Leugner ist der Hubbard Glacier im Yukon, der sich trotz Klimawandels weiter ausdehnt. Hat er das Memo vielleicht nicht erhalten? CBC News von 2015:

Hubbard Glacier defies climate change, continues advancing
A Yukon glacier is slowly advancing towards an Alaskan river, setting the stage for an awesome collision of natural forces. If the glacier that originates near Mount Logan in the Yukon continues advancing at its current rate, it could block access to a fiord in Alaska and “strongly impact” the nearby ecosystem. New research from the University of Kansas suggests the Hubbard Glacier could permanently dam the entrance to Russell Fiord, on the Gulf of Alaska, within 25 years.

Weiterlesen in den CBC News. Siehe auch Beitrag auf WUWT.

Kurzlebiges Treibhausgas: Tausende natürliche Methanquellen vor US-Küsten entdeckt

Nach einem Hiatus steigen die Methankonzentrationen in der Atmosphäre wieder an. Noch immer ist der Methankreislauf der Atmosphäre und Ozeane unverstanden. Erst kürzlich entdeckten Forscher tausende natürliche Methanquellen am Meeresboden des tropischen Pazifik, vor Oregon und vor Washington State. Die Wissenschaftler rätseln noch über die Quelle des Methans. Sind sie direkt von tiefen Methanquellen gespeist? Oder handelt es sich um Ausgasungsprodukte von Methanhydraten? Weitere Forschungsarbeiten sind notwendig, um hier Klarheit zu erlangen. Bis dahin sollte man sich in Geduld üben und keine voreiligen Schlüsse ziehen. Ähnliche Quellen wurden übrigens auch an der US-Ostküste entdeckt, die wohl z.T. schon seit 1000 Jahren aktiv sind. Spiegel Online berichtete über das Phänomen.

Was passiert mit dem Methan? Ein gewichtger Teil wird wohl direkt nach dem Austritt von Mikroben aufgenommen und zu Kalkstein ausgefällt, sogenantem authigenem Kalkstein. Dies meldete die Oregon State University:

Scientists discover carbonate rocks are unrecognized methane sink

Since the first undersea methane seep was discovered 30 years ago, scientists have meticulously analyzed and measured how microbes in the seafloor sediments consume the greenhouse gas methane as part of understanding how the Earth works. The sediment-based microbes form an important methane “sink,” preventing much of the chemical from reaching the atmosphere and contributing to greenhouse gas accumulation. As a byproduct of this process, the microbes create a type of rock known as authigenic carbonate, which while interesting to scientists was not thought to be involved in the processing of methane.

That is no longer the case. A team of scientists has discovered that these authigenic carbonate rocks also contain vast amounts of active microbes that take up methane. The results of their study, which was funded by the National Science Foundation, were reported today in the journal Nature Communications. “No one had really examined these rocks as living habitats before,” noted Andrew Thurber, an Oregon State University marine ecologist and co-author on the paper. “It was just assumed that they were inactive. In previous studies, we had seen remnants of microbes in the rocks – DNA and lipids – but we thought they were relics of past activity. We didn’t know they were active. “This goes to show how the global methane process is still rather poorly understood,” Thurber added.

Lead author Jeffrey Marlow of the California Institute of Technology and his colleagues studied samples from authigenic compounds off the coasts of the Pacific Northwest (Hydrate Ridge), northern California (Eel River Basin) and central America (the Costa Rica margin). The rocks range in size and distribution from small pebbles to carbonate “pavement” stretching dozens of square miles.

“Methane-derived carbonates represent a large volume within many seep systems and finding active methane-consuming archaea and bacteria in the interior of these carbonate rocks extends the known habitat for methane-consuming microorganisms beyond the relatively thin layer of sediment that may overlay a carbonate mound,” said Marlow, a geobiology graduate student in the lab of Victoria Orphan of Caltech. These assemblages are also found in the Gulf of Mexico as well as off Chile, New Zealand, Africa, Europe – “and pretty much every ocean basin in the world,” noted Thurber, an assistant professor (senior research) in Oregon State’s College of Earth, Ocean, and Atmospheric Sciences.

The study is important, scientists say, because the rock-based microbes potentially may consume a huge amount of methane. The microbes were less active than those found in the sediment, but were more abundant – and the areas they inhabit are extensive, making their importance potential enormous. Studies have found that approximately 3-6 percent of the methane in the atmosphere is from marine sources – and this number is so low due to microbes in the ocean sediments consuming some 60-90 percent of the methane that would otherwise escape.

Now those ratios will have to be re-examined to determine how much of the methane sink can be attributed to microbes in rocks versus those in sediments. The distinction is important, the researchers say, because it is an unrecognized sink for a potentially very important greenhouse gas. “We found that these carbonate rocks located in areas of active methane seeps are themselves more active,” Thurber said. “Rocks located in comparatively inactive regions had little microbial activity. However, they can quickly activate when methane becomes available.

“In some ways, these rocks are like armies waiting in the wings to be called upon when needed to absorb methane.” The ocean contains vast amounts of methane, which has long been a concern to scientists. Marine reservoirs of methane are estimated to total more than 455 gigatons and may be as much as 10,000 gigatons carbon in methane. A gigaton is approximate 1.1 billion tons. By contrast, all of the planet’s gas and oil deposits are thought to total about 200-300 gigatons of carbon.

 

Klimaretter: Mikroben neutralisieren antarktisches Methan bevor es in die Atmosphäre gelangt

Die schlechte Nachricht: Im Eis eingeschlossene antarktische Seen produzieren große Mengen des Treibhausgases Methan. Die gute Nachricht: 99% dieser Methanausgasungen werden von Mikroben in den Seen “aufgegessen”, wie eine Untersuchung der University of Florida im Juli 2017 ergab:

Methane-eating microbes may reduce release of gases as Antarctic ice sheets melt

Lurking in a lake half a mile beneath Antarctica’s icy surface, methane-eating microbes may mitigate the release of this greenhouse gas into the atmosphere as ice sheets retreat.

A new study published today in Nature Geoscience traces methane’s previously unknown path below the ice in a spot that was once thought to be inhospitable to life. Study researchers sampled the water and sediment in Antarctica’s subglacial Whillans Lake by drilling 800 meters through ice for the first time ever. Next they measured methane amounts and used genomic analyses to find that 99 percent of methane released into the lake is gobbled up by microbes.

These tiny microorganisms may have a big impact on a warming world by preventing methane from seeping into the atmosphere when ice sheets melt, said Brent Christner, a University of Florida microbiologist and co-author on the study. “This is an environment that most people look at and don’t think it could ever really directly impact us,” Christner said. “But this is a process that could have climatic implications.”

Since sunlight cannot reach Antarctica’s subglacial lakes to provide energy for life, some microbes convert methane into carbon dioxide as a way to make energy. Ultimately, methane traps more heat in the atmosphere than carbon dioxide, and study findings suggest microbes may play a critical role in reducing the quantity of methane released into the atmosphere as ice sheets melt, according to Christner, a professor of microbiology and cell science in UF’s Institute of Food and Agricultural Sciences.

“There’s been a lot of concern about the amount of methane that’s beneath these ice sheets because we don’t know exactly what’s going to happen to it,” Christner said. The study found that Lake Whillans contains large amounts of methane. Melting Antarctic ice sheets may release the trapped gases stored in these underground lake reservoirs, Christner said. Researchers have estimated that over 10^14 cubic meters of methane, enough gas to fill more than a billion hot air balloons, is stored beneath Antarctic ice, ready to be released under the right conditions.

Given that methane has a greenhouse effect that is 30 times that of carbon dioxide, the researchers were motivated to understand its quantity, source and ultimate fate beneath the ice, according to the manuscript. However, Christner said it is important to note that while carbon dioxide does not increase warming as quickly as methane, it is still a driver of climate warming. Future studies will assess whether this process is pervasive across subglacial lakes in Antarctica. Christner and his colleagues plan to drill into a different subglacial lake in 2018-2019. Other study authors include Alexander Michaud, John Dore, Mark Skidmore, and John Priscu from Montana State University, Amanda Achberger from Louisiana State University, and Andrew Mitchell from Aberystwyth University.

 

Falschverdächtigung: Methan aus arktischem Eismeerboden nun doch kein Klimakiller

Erinnern Sie sich noch an die von interessierten Kreisen gepriesenen Horrorszenarien, dass Gashydrate im arktischen Meeresboden im Zuge der Klimaerwärmung kollabieren und enorme Mengen an Treibhausgasen freisetzen würden? Ziemlicher Quatsch, wie jetzt eine Studie des norwegischen Center for Arctic Gas Hydrate, Climate and Environment (CAGE) herausfand. Die Methanhydrate sind viel weniger anfällig gegen die Erwärmung als gedacht. Hier die Pressemitteilung des CAGE aus dem September 2018:

Methane hydrate is not a smoking gun in the Arctic Ocean

Methane hydrate under the ocean floor was assumed to be very sensitive to increasing ocean temperatures.  But a new study in Nature Communications shows that short term warming of the Arctic ocean barely affects it.

Clathrate (hydrate) gun hypothesis stirred quite the controversy when it was posed in 2003. It stated that methane hydrates – frozen water cages containing methane gas found below the ocean floor – can melt due to increasing ocean temperatures. According to the hypothesis this melt can happen in a time span of a human life, dissociating vast amounts of hydrate and releasing methane into the atmosphere. Consequently, this would lead to a runaway process, where the methane released would add to the global budget of greenhouse gases, and further accelerate the warming of the planet.

Limited impact at an Arctic site

This dramatic hypothesis inspired science fiction and scientists alike, spurring the latter to further investigate the sensitivity of hydrates.  A new study in Nature Communications has thus found that the hydrate gun hypothesis seems increasingly unlikely, at least for a specific site in the Arctic Ocean that is highly susceptible to warming. “Short term temperature warming has limited impact on the gas hydrate stability. We show that warming can significantly affect gas hydrates in the seabed only when ocean temperature is constantly rising for several centuries,” says the lead author of the study Dr. Wei-Li Hong of CAGE and currently Geological Survey of Norway.

Hydrate mounds seeping methane for thousands of years

Hong and colleagues reported on an increase of methane flux beneath large mounds of hydrates in an area called Storfjordrenna, in the Barents Sea close to Svalbard. These gas hydrate pingos are all profusely seeping methane. But according to Hong, even though the area is shallow, and potentially susceptible to temperature change, these seeps are not intensifying because of the momentary warming. “The increase of methane flux started several hundreds to thousands of years ago, which is well before any onset of warming in the Arctic Ocean that others have speculated,” says Hong. The study was based on measurements of pore water chemistry in the sediments from the area. Pore water is water trapped in pores in soil, and can be analysed to reveal environmental changes in a given area through time. Scientists also analysed authigenic carbonate, a type of rock created through a chemical process in areas of methane release, as well as measured bottom water temperatures. Data from these analyses was then used in a model experiment.

Natural state of the system

For the past century, bottom water in the area fluctuated seasonally from 1,8 to 4,6 degrees Celsius. Even though these fluctuations occurred quite often, they only affected gas hydrates that were shallower than 1,6 meters below the sea floor. The hydrates are fed by a methane flow from deeper reservoirs. As this area was glaciated during the last ice age, this gas compacted into a hydrate layer under the pressure and cold temperatures under the ice sheet.  Hydrates can be stable in the first 60 meters of sediments. “The results of our study indicate that the immense seeping found in this area is a result of natural state of the system. Understanding how methane interacts with other important geological, chemical and biological processes in the Earth system is essential and should be the emphasis of our scientific community,” Hong states.

Reference: Hong, Wei Li, et.al., Seepage from an arctic shallow marine gas hydrate reservoir is insensitive to momentary ocean warming. Nature Communications 8, Article number: 15745 (2017). doi:10.1038/ncomms15745

Und selbst wenn das Methan aus den Gashydraten freigesetzt werden würde, hat die Natur offenbar weitere Schutzmechanismen zur Verfügung, die verhindern, dass das Gas im großen Stil in die Atmosphäre gelangt. Die University of Rochester berichtete am 17. Januar 2018, dass man eine unerwartete Pufferwirkung im Ozean gefunden habe:

Ocean waters prevent release of ancient methane

Ocean sediments are a massive storehouse for the potent greenhouse gas methane. Trapped in ocean sediments near continents lie ancient reservoirs of methane called methane hydrates. These ice-like water and methane structures encapsulate so much methane that many researchers view them as both a potential energy resource and an agent for environmental change. In response to warming ocean waters, hydrates can degrade, releasing the methane gas. Scientists have warned that release of even part of the giant reservoir could significantly exacerbate ongoing climate change.

However, methane only acts as a greenhouse gas if and when it reaches the atmosphere—a scenario that would occur only if the liberated methane traveled from the point of release at the seafloor to the surface waters and the atmosphere. With that in mind, environmental scientist Katy Sparrow ’17 (PhD) set out to study the origin of methane in the Arctic Ocean.

“While a logical suspect for arctic methane emissions is degrading hydrates, there are several other potential methane sources. Our goal was to fingerprint the source of methane in the Arctic Ocean to determine if ancient methane was being liberated from the seafloor and if it survives to be emitted to the atmosphere,” says Sparrow, who conducted the study, published in Science Advances, as part of her doctoral research at the University of Rochester.

Sparrow, her advisor, John Kessler, an associate professor of earth and environmental sciences, and other collaborators conducted fieldwork just offshore of the North Slope of Alaska, near Prudhoe Bay. Sparrow calls the spot “ground zero” for oceanic methane emissions resulting from ocean warming. In some parts of the Arctic Ocean, the shallow regions near continents may be one of the settings where methane hydrates are breaking down now due to warming processes over the past 15,000 years. In addition to methane hydrates, carbon-rich permafrost that is tens of thousands of years old—and found throughout the Arctic on land and in seafloor sediments—can produce methane once this material thaws in response to warming. With the combination of the aggressive warming occurring in the Arctic and the shallow water depths, any released methane has a short journey from emission at the seafloor to release into the atmosphere.

The researchers used radiocarbon dating to fingerprint the origin of methane from their samples. By employing a technique they developed that involves collecting methane from roughly ten thousand gallons of seawater per sample, they made a surprising discovery: ancient-sourced methane is indeed being released into the ocean; but very little survives to be emitted to the atmosphere, even at surprisingly shallow depths.

“We do observe ancient methane being emitted from the seafloor to the overlying seawater, confirming past suspicions,” Kessler says. “But, we found that this ancient methane signal largely disappears and is replaced by a different methane source the closer you get to the surface waters.” The methane at the surface is instead from recently produced organic matter or from the atmosphere.

Although the researchers did not examine in this study what prevents methane released from the seafloor from reaching the atmosphere, they suspect it is biodegraded by microorganisms in the ocean before it hits the surface waters. Mihai Leonte, a PhD candidate in Kessler’s research group, observed this process—in which microbes aggressively biodegrade methane as methane emissions increase—in a paper published last year. “Our data suggest that even if increasing amounts of methane are released from degrading hydrates as climate change proceeds, catastrophic emission to the atmosphere is not an inherent outcome,” Sparrow says.

Sparrow and Kessler’s results on the role of ancient methane sources are consistent with the findings of their Rochester colleague Vasilii Petrenko, an associate professor of earth and environmental sciences, who also radiocarbon dated methane. However, while Sparrow and Kessler dated methane found in modern-day seawater, Petrenko radiocarbon dated methane from the ancient atmosphere that was preserved in the ice of Arctic glaciers.

“Petrenko and his co-authors studied a rapid warming event from the past that serves as a modern-day analog,” Sparrow says. “They found that the emissions of methane from ancient methane sources during this warming event were minimal relative to contemporary sources like wetlands.” Kessler adds, “Our results agree with this conclusion, showing that ancient methane emissions to the atmosphere in an area that is experiencing some of the greatest warming today, is actually quite small, especially when compared to more direct emissions from human activities.” This study was primarily funded by the National Science Foundation with additional contributions from the Department of Energy.

Bereits im August 2017 erschien in Nature eine Arbeit von Petrenko et al., in der den Methanhorrorszeanarien eine klare Absage erteilt wurde:

Minimal geological methane emissions during the Younger Dryas–Preboreal abrupt warming event
Methane (CH4) is a powerful greenhouse gas and plays a key part in global atmospheric chemistry. Natural geological emissions (fossil methane vented naturally from marine and terrestrial seeps and mud volcanoes) are thought to contribute around 52 teragrams of methane per year to the global methane source, about 10 per cent of the total, but both bottom-up methods (measuring emissions)1 and top-down approaches (measuring atmospheric mole fractions and isotopes)2 for constraining these geological emissions have been associated with large uncertainties. Here we use ice core measurements to quantify the absolute amount of radiocarbon-containing methane (14CH4) in the past atmosphere and show that geological methane emissions were no higher than 15.4 teragrams per year (95 per cent confidence), averaged over the abrupt warming event that occurred between the Younger Dryas and Preboreal intervals, approximately 11,600 years ago. Assuming that past geological methane emissions were no lower than today3,4, our results indicate that current estimates of today’s natural geological methane emissions (about 52 teragrams per year)1,2 are too high and, by extension, that current estimates of anthropogenic fossil methane emissions2 are too low. Our results also improve on and confirm earlier findings5,6,7 that the rapid increase of about 50 per cent in mole fraction of atmospheric methane at the Younger Dryas–Preboreal event was driven by contemporaneous methane from sources such as wetlands; our findings constrain the contribution from old carbon reservoirs (marine methane hydrates8, permafrost9 and methane trapped under ice10) to 19 per cent or less (95 per cent confidence). To the extent that the characteristics of the most recent deglaciation and the Younger Dryas–Preboreal warming are comparable to those of the current anthropogenic warming, our measurements suggest that large future atmospheric releases of methane from old carbon sources are unlikely to occur.

 

El Nino und der Ölpreis

Zur Wissenschaft gehört es, sich unvoreingenommen erst einmal Entwicklungen anzuschauen, bevor man dann in einem zweiten Schritt überlegt, ob es sich bei bestimmten Mustern um Zufälle oder eine bisher nicht vollständig verstandene Systematik handelt. Dabei darf der erste Schritte gerne spielerisch ausfallen, denn wer nicht ausprobiert, kann auch nichts finden. Die Welt der Klimawissenschaften mit ihrer großen Datenfülle und die Börsenwelt haben da sicher einiges gemeinsam. Robert Rethfeld gibt  den Börsenbrief “Der Wellenreiter” heraus. In der Frühausgabe vom 11. Juli 2018 hat er dabei eine interessante Einleitung gewählt, wobei er einfach mal die El-Nino Tätigkeit (ausgedrückt als ONI-Index) und den Rohölpreis zusammen aufgetragen hat:

Abbildung 1: Entwicklung von El Nino / La Nina und Rohölpreis seit 2005. Quelle: www.wellenreiter-invest.de.

 

Die blaue Kurve zeigt El Nino (nach unten) und La Nina (nach oben), die orangene Kurve stellt den Rohölpreis dar. Die Graphik deutet an, dass der Rohölpreis während El-Nino-Phasen zurückgeht. Der Wellenreiter schreibt:

Die Stärke des Wetterphänomens El Nino und der Ölpreis korrelieren positiv miteinander. Heizt sich der pazifische Ozean stärker auf als normal (El Nino), hat dies überwiegend einen warmen US-Winter zur Folge. Ein warmer US-Winter lässt die Nachfrage nach Erdöl sinken, der Preis fällt. El Nino und sein Gegenpart La Nina sind weitgehend vorhersehbare Phänomene. Die US-Wetterbehörde NOAA zeigt für das Jahr 2018 eine Entwicklung von La Nina zu El Nino (siehe Pfeil folgender Chart). Die Wassertemperatur des Pazifiks steigt und bringt den USA aller Voraussicht nach einen warmen Winter 2018/19. Die Erdölnachfrage müsste dadurch negativ beeinflusst werden, der Preis müsste fallen. Aktuell sehen wir eine Verzögerung. Der Ölpreis stieg in den vergangenen Monaten, obwohl der dargestellte Oceanic-Nino-Index (ONI) sich bereits seit Anfang 2018 in Richtung Süden bewegt. Wir nehmen an, dass der Ölpreis letztendlich dieser Bewegung folgen und fallen wird.

Die positive Korrelation ist in der Tat beachtlich, und auch die Erklärung macht natürlich irgendwie Sinn. Trotzdem bleibt es spekulativ, weil der Ölpreis letztendlich natürlich von einer Vielzahl von Faktoren abhängt. Die Prognose des El Nino ist übrigens etwas schwieriger als suggeriert. Ob jetzt wirklich ein neuer El Nino ins Haus steht? Die NOAA sieht momentan neutrale ENSO-Bedingungen, hält aber einen El Nino im kommenden Nordhemisphären-Winter mit 70% Wahrscheinlichkeit für möglich. Prognose vom 30. Juli 2018 als pdf hier. Oder anders ausgedrückt: Könnte sein, aber nicht ganz sicher. Warten wir es ab. Siehe auch den Artikel Strong El Niño helps reduce U.S. winter heating demand and fuel prices der US Energy Information Administration von 2016.

Der Wellenreiter greift zudem einen anderen Zusammenhang auf, nämlich die CO2-Änderungsrate und ENSO (El Nino – Southern Oscillation):

Abb. 2: CO2-Wachstumsrate und El Nino / La Nina. Quelle: www.wellenreiter-invest.de

 

Der Wellenreiter schreibt dazu:

Der El Nino/La Nina-Zyklus (ONI) läuft der Entwicklung der CO2-Wachstumsrate voraus. Dies ist auf dem obigen Chart gut zu erkennen (siehe auch die Pfeilmarkierungen). Die Wachstumsrate des CO2-Ausstoßes folgt dem El Nino/La Nina-Zyklus und damit der Temperaturentwicklung. Das bedeutet nicht, dass der Mensch keinen Einfluss auf die CO2-Entwicklung hat. Aber die Feinsteuerung erfolgt durch den El Nino/La Nina-Zyklus.

 

Aktuelle Alarmisten-Mode: Verkürzte Fabrstreifen

Eine 32-jährige Britin würde gerne Kinder bekommen, hat diesen Plan aber verworfen, um das Erdklima zu schützen, wie die Daily Mail am 8. Juni 2018 meldete:

Oonagh Dalgliesh is the first to admit she feels broody. She is enchanted by the idea of watching a baby grow up, of marvelling at that first crooked smile, those tentative first steps and the fledgling attempts at independence that melt most mothers’ hearts. Even so, she has decided she will never experience the joy of discovering she is pregnant. At 32, Oonagh is certainly of child-bearing age. With a well-paid job as an events manager, she is financially solvent. And for the past year, she has been in a serious relationship with a man who is longing to become a dad. ‘Humans are the greatest single driver of climate change and greenhouse gas contributions, of deforestation and the acidity of the oceans,’ she explains earnestly. ‘The only thing that will fix these problems is to have fewer people on the planet. I don’t see it’s justified to make more people than we already have. Yes, I have a maternal instinct, but I will never change my mind.’

Weiterlesen in der Daily Mail.

Die Klimasekte treibt seltsame Blüten…

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Ein besseres Verständnis der natürlichen Klimafaktoren würde auch Wetter-  und Klimavorhersagen verbessern. Judith Curry hat in ihrem Blog die neuesten Entwicklungen von El Nino-Prognosen zusammengefasst. Hier lesen. 

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Immer wieder stehen Klimawissenschaftler vor dem Problem, wie sie die großen Datenmengen effektiv und intuitiv graphisch darstellen könnten. Aktuell macht ein Farbstrichcode  zur Darstellung der Entwicklung von Durschnittstemperaturen von sich reden. Ed Hawkins zeigt Beispiele davon in seinem Blog:

Abb. 1: Temperaturentwicklung Deutschlands 1881 (links) bis 2017 (rechts). Farbskala: 6.6°C (dunkel blau) bis 10.3°C (dunkel rot). Quelle: Climate Lab Book

 

In der Tat eine schöne graphische Aufbereitung der Daten. Allerdings beschränken sich die Darstellungn wie üblich auf die letzten 130 Jahre, also die Wiedererwärmung nach der Kleinen Eiszeit. Schön wäre auch eine Darstellung der letzten 2000 Jahre, bei der sich dann die roten Bereiche mehrfach wiederholen würden, jeweils unterbrochen durch blaue Bereiche. Politisch natürlich schwer vermittelbar, daher wohl bewusst zeitlich auf die dramatisch erscheinende moderne Entwicklung beschränkt… An Daten mangelt es jedenfalls nicht. Unzählige Arbeiten haben die Temperaturentwicklung der letzten Jahrtausende detailliert rekonstruiert.

In Abbildung 2 zum Beispiel die Temperaturentwicklung Südamerikas für die letzten 1000 Jahre nach Neukom et al. 2011. Das würde ein buntes Streifenmuster ergeben!

Abb. 2: Temperaturentwicklung Südamerikas für die letzten 1000 Jahre nach Neukom et al. 2011 (obere zwei Kurven stellen die Temperatur-Anomalien dar).

 

Schwerer Verdacht gegen NASA-GISS: Zwei globale Temperaturkurven die sich verdächtig stark unterscheiden

Die Klimadebatte folgt einem fest eingefahrenem Drehbuch: Winterliche Kältewellen werden von interessierten Klimaalarmkreisen ebenso dem menschengemachten Klimawandel zugeschrieben wie sommerliche Hitzewellen. Macht zwar wenig Sinn, versetzt aber die Laien-Bevölkerung wie gewünscht in Angst und Klimaschrecken. Momentan herrscht wieder Hitze in Deutschland. Während der Sommer des Vorjahres (2017) doch arg verregnet war, knallt nun die Sonne vom Himmel. Der Deutschlandfunk bot anlässlich dieser hervorragenden Konstellation einer Klimaalarmistin am 31. Juli 2018 eine öffentliche Bühne:

Hitzeperiode “Wir erleben die Konsequenzen des Klimawandels sehr deutlich”
Einzelne Klimaereignisse könne man dem Klimawandel zuordnen, sagte Klimaforscherin Friederike Otto von der Universität Oxford im Dlf. Die Wahrscheinlichkeit solcher Hitzewellen sei durch den Klimawandel deutlich höher geworden.

Weiterlesen beim DLF.

Es ist allen klar: Einzelne Ereignisse wie eine Hitzewellen können nun wirklich nicht einem Klimaphänomen zugeschrieben werden. Klima bedeutet jahrzehntelanges Wetter. Wie soll ein Sommer daher Klima sein? Der Trick: Man operiert mit Wahrscheinichkeiten, keinen Gewissenheiten. Ottos Studie zeigt, dass es heute mehr Hitzewellen gibt, als vor 100 Jahren. Das war wegen der allgemeinen Erwärmung seit der kleinen Eiszeit völlig logisch, ist also eine echte Binse. Sie lässt aber völlig offen, was die wichtigste Ursache dieser Wieder-Erwärmung seit der Kleinen Eiszeit ist, also ob nun wirklich das anthropogene CO2 hierbei die Hauptrolle spielt, wie am Ende des Interviews völlig kurzschlüssig und unreflektiert behauptet wird.

Hier fehlt ganz klar eine Betrachtung der vorindustriellen Wärmephasen, z. B. des Mittelalters vor 1000 Jahren. Damals war es in Deutschland ähnlich warm wie heute, daher waren vermutlich auch die Hitzewellen damals häufiger. Dazu von Otto kein Wort. Lieber stützt sie sich auf Klimmodelle, bei denen sogar der IPCC einräumt, dass die Modelle die Zeit vor 1700 n. Chr. nicht richtig in den Griff bekommen.

Das DLF-Interview ist ein schönes Beispiel dafür, wie extrem voreingenommen sowohl Journalisten wie auch Forscher ticken und in ihrer Filterblase gefangen sind, so dass sie nicht einmal derart klaffende Lücken in ihrer Argumentationskette erkennen, nämlich den offensichtlichen Elefant im Klimaalarmismus-Raum, dass eine Klimaveränderung an sich noch gar nichts über deren Ursache aussagt.

Weitere Artikel zum Thema Hitzewelle:

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Bleiben wir bei den Alarmisten. Dazu gehört leider auch das NASA-eigene GISS-Institut in New York. Dort passieren seltsame Dinge. Auf der NASA-Seite kann man derzeit die folgende Temperaturkurve bewundern:

 

Abb. 1: Globale Temperaturentwicklung nach Variante GISS (NASA).

 

Der rote Punkt steht für das Jahr 2017. Der El Nino 2015 lässt die Entwicklung wie einen Hockeystick aussehen. Die Erwärmungsrate wird steiler dargestellt als je zuvor in den letzten 130 Jahre. Aber wie belastbar ist diese Darstellung, auch unter Berücksichtigung, dass der Leiter des GISS-Instituts bekennender Klimaalarmist und Vertrauter von Stefan Rahmstorf ist?

Satellitentemperaturmessungen sind ein guter Vergleichsdatensatz. Schauen wir uns die Entwicklung an, wie sie von der University of Alabama in Huntsville ermittelt wurde:

 Abb. 2: Globale Temperaturentwicklung laut UAH Satellitendaten (via WoodforTrees).

 

In Wahrheit ist der sehr starke El Nino 2015 bereits lange abgeflaut und die Temperaturen sind zurück auf dem alten Hiatus-Niveau von 2000-2014. Wenn die NASA Ende des Jahres die Werte für 2018 in ihre Graphik einpflegt, wird auch der El Nino-Ausschlag in der geglätteten dicken Kurve wieder schrumpfen. Insofern ist die geglättete Kurve wenig nachhaltig, wenn das Ende wie eine Fahne im Wind hin und herflattert. Tricksen mit Statistik. Aber auch bei den Rohdaten drückt das GISS-Institut alljährlich die Werte in die gewünschte Richtung. Wir berichteten bereits darüber (“Temperaturdaten-Stabilitätspakt dringend benötigt: NASA kühlt die 1930er Jahre nachträglich um zwei ganze Zehntelgrad ab“).

 

Kalte Sonne erhält Bundespost von Minister Peter Altmaier

Allmonatlich gibt Fritz Vahrenholt einen Rundbrief heraus, der z.T. auf seiner Monatskolumne zusammen mit Frank Bosse basiert. Im Verteiler des Rundbriefes steht auch Peter Altmaier, deutscher Bundesminister für Wirtschaft und Energie. Und er scheint den Rundbrief sogar zu lesen, denn er bat sein Referat “LB3 – Bürgerdialog”, Herrn Vahrenholt zu antworten. Thema war der Rundbrief “Die Sonne im April 2018, Klimaempfindlichkeit gegenüber CO2 und die Kohlekommission“.  Das Team vom Bürgerdialog des BMWi schrieb am 26. Juni 2018:

Sehr geehrter Herr Prof. Vahrenholt,

vielen Dank für Ihr Schreiben an Herrn Bundesminister Altmaier. Er hat uns gebeten, Ihnen zu antworten.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), dessen Leitung Herr Altmaier inne hat, ist für die gesetzlichen Rahmenbedingungen zum Ausbau der erneuerbaren Energien zuständig. Umfangreiche Informationen hierzu finden Sie auf unserer Webseite www.bmwi.de.

Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung und am Stromverbrauch wächst beständig.  Darauf können wir alle zusammen stolz sein. Windenergieanlagen an Land und auf See spielen beim Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland eine bedeutende Rolle. Die Windenergie hat neben der Photovoltaik das größte, kostengünstigste und hinsichtlich der Flächeninanspruchnahme effizienteste Ausbaupotenzial unter den erneuerbaren Energien in Deutschland. Weitere erneuerbare Energien leisten ebenfalls ihren Beitrag.

Gern möchten wir Sie auf die Webseite www.smard.de  hinweisen. Auf dieser können Sie sämtliche Strommarktdaten transparent und nahezu in Echtzeit einsehen.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Team vom Bürgerdialog BMWi

Referat LB3 – Bürgerdialog
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
Scharnhorststraße 34 – 37
10115 Berlin
Tel.: 030 / 18615 0
Fax: 030 / 18615 5300
E-Mail: buergerdialog@bmwi.bund.de
Internet: www.bmwi.de

Thema verfehlt. Keine Antwort wäre sicher besser gewesen als diese nichtssagende Antwort. Offenbar interessiert Altmaier und sein Team sich gar nicht für Argumente, leiert stattdessen vorgefertigte Standardtexte herunter. Der Bürger fühlt sich verschaukelt. Vahrenholt antwortete entspreched umgehend:

Wollen Sie mich auf den Arm nehmen ? Darf ich diese wundervolle Antwort auf meine Mail an Herrn Altmaier auf meinem Blog veröffentlichen ?

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Fritz Vahrenholt

Das Altmaier-Team zeigt sich angesichts des eigenfabrizierten Comedy-Inhalts trotzdem großzügig und lässt uns den Mailwechsel hier im Blog sogar veröffentlichen:

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Vahrenholt,

Sie können frei entscheiden, was sie mit unserer Antwort machen.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Team vom Bürgerdialog BMWi

 

Die Sonne im Juni 2018 und das arktische Klima

Von Frank Bosse und Fritz Vahrenholt

Die Sonne war (wie könnte es anders sein in diesen Jahren) auch im Juni nur unterdurchschnittlich aktiv. Die festgestellte mittlere monatliche SSN (für SunSpotNumber) von 15,9 erreicht nur ein Niveau von 50% des Mittelwertes für Monat 115 aller 23 bisher systematisch beobachteten Solarer Zyklen (SC für Solar Cycle). An 9 Tagen des Monats blieb die Sonne gänzlich fleckenlos und alle Aktivität spielte sich ausschließlich auf der Nordhemisphäre der Sonne ab. Die Südhemisphäre scheint schon im tiefen Minimum angekommen zu sein.   Bis zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichtes im Juli blieb die Sonne 24 Tage am Stück ohne jeden Fleck, nicht untypisch für ein ausgeprägtes Aktivitätsminimum.

Abb.1: Der aktuelle Zyklus 24 (rot) ab Dezember 2008 (rot) im Vergleich zu einem mittleren Zyklus (blau) und dem über lange Zeiträume recht ähnlichen Zyklus 5 ( schwarz).

 

In Abb.1 ist gut zu sehen, dass auch der Zyklus 5 schon gänzlich fleckenfreie Monate (SSN=0) zu diesem Zeitpunkt im Zyklus aufwies und trotzdem später wieder Flecken zu beobachten waren. So etwas ist also nicht ungewöhnlich und keine Überschriften in Boulevardmedien wert.

Wie wir bereits vor einigen Monaten berichteten entwickeln sich die polaren solaren Felder so, dass die Vorhersage eines ähnlich schwachen Folgezyklus recht wahrscheinlich ist. Er könnte etwas stärker ausfallen als der jetzt auslaufende, eine mittlere Stärke wie etwa der Zyklus 23 ( Mai 1996-November 2008) ist jedoch nicht zu erwarten.

Abb.2: Die bisher systematisch beobachteten Zyklen seit 1755 im Vergleich. Die Aktivität ist berechnet, indem die monatlichen Differenzen der SSN zu einem mittleren Zyklus (blau in Abb.1) pro Zyklus aufsummiert wurden.

 

Die Phase einer geringen Aktivität unseres Sterns wird also sehr wahrscheinlich weitergehen. Es könnte sein, dass wir ein recht langes Minimum erleben, also sehr wenig Sonnenwind über einen vergleichsweise langen Zeitraum entsteht. Das hat zur Folge, dass galaktische Strahlung  (GCR) verstärkt auch die Erde beaufschlagt. Die GCR  wird seit Jahrzehnten von Messstationen aufgezeichnet, hier die Daten aus Finnland:

Abb.3: Die monatlichen Daten des Neutronenzählers in Oulu. Quelle.

 

Man sieht sehr deutlich, wie die Minima Ende der 60 er Jahre bis in die neunziger Jahre auf Grund der starken solaren Maxima tiefer wurden und seitdem wieder zurückgingen.  Als Folge des letzten solaren Minimums erreichte die Strahlung bereits ab 2007 hohe Werte und sie ging wenig zurück als Folge des schwachen Zyklus zwischen 2010 und jetzt. Über Auswirkungen langer Phasen mit viel galaktischer Strahlung auf das Klima und anderen Umweltfaktoren wird nach wie vor diskutiert, wir sind Zeuge eines bisher nicht möglichen Feldversuches dank der geringen Langzeitaktivität unserer Sonne.

 

Aktuelles aus der Arktis

Jedes Jahr erreicht die Sonnenstrahlung in der Arktis im Sommer sehr hohe Werte, die Einstrahlung ist dann deutlich höher als in den Tropen:

Abb.4: Die Sonneneinstrahlung am Äquator ( blau) , in den Subtropen ( grün) sowie in der Arktis (rot) und am Nordpol ( gelb) über das Jahr. Quelle  Zwischen Mai und Anfang August wärmt die Sonne über 24 Stunden am Tag am Pol mehr als am Äquator.

 

Und das hat Folgen: das Eis der Arktis taut teilweise auf im Sommer, wie nicht anders zu erwarten bei so viel „Heizung“ durch die Sonne. Die Ausdehnung der Eisfläche („Extent“) wird seit 1979 mithilfe von Satelliten bestimmt. Im jährlichen Minimum (September) ergibt sich diese Langzeitbeobachtung:

Abb.5: Die Eisausdehnung im September nach Daten des NSIDC. Der lineare Langzeittrend (gestrichelt) und eine 11-jährige Glättung (fett).

 

Eine Abnahme der Eisausdehnung ist unübersehbar. Besonders in den Jahren nach 2005 ging es bedrohlich abwärts und 2012 setzte nach 2007 einen Rekord, der seitdem nicht mehr erreicht wurde. Das ist natürlich Stoff für Katastrophen-Meldungen, u.a. hier. Von teuflischen Kreisläufen und Todesspiralen ist zu lesen und hören. Was ist da dran? Ein wärmeres Klima wirkt sich in der Tat in hohen Breiten besonders aus, dort ist die Erwärmung höher als im Mittel des Planeten. Diese Verstärkung der Erwärmung ist physikalisch zu erwarten und gut nachweisbar. Neben natürlichen Erwärmungsphasen trägt auch der Mensch zu dieser Entwicklung bei, es ist eine Folge unserer Zivilisation mit ihrer Energieerzeugung aus fossilen Brennstoffen.

Diese  anthropogene Strahlungswirkung  ist nach den Erkenntnissen des IPCC  seit 1979 (vgl. Abb.5)  linear angestiegen, von ca. 1,4W/m² auf  2,9W/m² global in 2016. Die Auswirkungen auf das Eis sind jedoch nicht linear, wie der dick gezeichnete Graph in  Abb.5 zeigt. Es wirken noch andere Umstände, eine (multi)dekadische interne Variabilität liegt auf der Hand. Und die Abnahme des arktischen Eises beschleunigt sich nicht, eher im Gegenteil, denn wir sahen nach 2012 im September durchweg höhere Extent- Zahlen als 2007. Dabei war man sich doch so sicher mit den Eis-tödlichen Kreisläufen, die doch so einfach klangen: Weniger Eis àmehr Wasser àmehr Sonnenenergie wird aufgenommen statt reflektiertàwärmeres Wasserà weniger Eis. So einfach, wie dieser oft kolportierte  „Eis-Albedo-Effekt“ vermuten lässt, scheint es nicht zu sein.

Auch in diesem September werden wir wohl nicht die Zahlen erreichen, die in  2007 und vor allem in 2012 die Rekorde setzten. Nach einer aktuellen Expertenschätzung könnte es heuer ungefähr so viel Meereis geben in der Arktis wie im letzten Jahr. Wie genau wirkt sich das über das Jahr auf die Arktis aus?

Abb. 6: Der tägliche prozentuale Anteil an Eisausdehnung während der Schmelzsaison und bis zum Jahresende als Abweichung vom Mittelwert der 2000er ab 2010. Datenquelle.

 

Bis Anfang Juli waren noch in jedem Jahr mindestens 90% des Mittelwertes an Eisausdehnung vorhanden. Die starke Schmelze von 2012 danach zeichnet sich gut ab, es war im Minimum um den 15. September herum nur noch 57% des mittleren Extents vorhanden. Ab Anfang Dezember schrumpft die Abweichung dann wieder auf unter 10%. Für das aktuelle Jahr (dick rot) sehen Sie momentan übrigens so viel Eisausdehnung wie seit 2010 nicht mehr, es sind noch 94% des Mittels der 2000er vorhanden, aber diese Feinheiten sind stark wetterabhängig. Anders ist es, wenn man den gesamten Verlust an Eisausdehnung seit dem Maximum der Bedeckung um den 1.4. herum bis zum 20.7. vergleicht:

 

Abb.7: Der prozentuale Verlust bis jeweils zum 20.7. bezogen auf  den Mittelwert der 2000er für die Jahre ab 2007.

 

Auch hier wird deutlich: die Jahre zwischen 2010 und 2013 stechen heraus, besonders 2012 fuhr bis zu dem Stichtag bereits einen Verlust an Extent von mehr als 22% zu viel ein. Das aktuelle Jahr ist in dieser Wertung noch unter dem Mittelwert. Dies widerspricht der „einfachen Logik“ der Einbahnstraße des Eisrückganges  mancher Eiskatastrophen- Propheten. Sollte nach etwa 2000 z.B. die AMO (vgl. unsere Beiträge u.a.  hier) mit einiger Verzögerung als interne Variabilität das Eis schneller hat abnehmen lassen? Dann wäre der lineare Trend durch den anthropogenen Antrieb nur etwa halb so steil wie in Abb. 5 vermerkt, in der Größenordnung wie er sich für  1979 bis 1999 errechnete. Das würde bedeuten, dass sich der Eisrückgang in den nächsten Jahren wieder auf diesen Langzeittrend zurückentwickelt. Dann müsste man auch mit den Vorhersagen einer „eisfreien Sommerarktis“ vorsichtiger sein, das Eis könnte unter Annahme des Fortbestehens des reduzierten linearen Trends noch etwa 100 Jahre auch im August/September Bestand haben, also die minimale Eisausdehnung bei über 1 Mio km² liegen.

Sie merken: das reale Klimasystem ist komplex und es wirken viele Faktoren, auch in der Arktis. Wer da einfache Erklärungen und griffige Katastrophen-Floskeln gebraucht will nicht unbedingt aufklären, sondern Angst schüren. Die ist aber kein guter Ratgeber auch für Sie, liebe Leser.