Klimaalarmist geht in Ruhestand: Chef des Basler Amtes für Umwelt und Energie hat jetzt endlich Zeit, sich mit den klimatologischen Grundlagen zu beschäftigen und seine extreme Sichtweise zu korrigieren

Ein Klimaalarmist geht von Bord. BZ Basel berichtete am 30. Mai 2014:

15 Jahre lang war Jürg Hofer Chef des Basler Amtes für Umwelt und Energie. Er macht düstere Prognosen zum Klimawandel. Die bz hat den 65-jährigen Juristen an seinem letzten Arbeitstag getroffen.

BZ: Sind wir akut [vom Klimawandel] bedroht in Basel?

HOFER: So würde ich es nicht sagen, doch der Klimawandel beschäftigt uns auch hier. Dazu haben wir einen Bericht verfasst, wonach etwa der Birsig-Tunnel eine Gefahr darstellt: Der Tunnel kann bei den zu erwartenden Niederschlägen überlaufen, was wiederum zu grossen und sehr teuren Überschwemmungen in der Innenstadt führen kann.

Wann kann das passieren?

Es kann diesen Sommer so weit sein – oder erst in 30 Jahren.

Eine elegante Vorhersage, die auf Jahrzehnte hin nicht falsifizierbar ist. Aber wie war das nochmal genau mit den extremen Niederschlägen? Sind dem Juristen überhaupt die neuesten Arbeiten zu dieser Thematik bekannt? Siehe: “Studie dokumentiert für die vergangenen 500 Jahre vier Hochwasserphasen in der Schweiz: Schlimmste Flutkatastrophen-Periode ereignete sich vor 250 Jahren“. Oder diese hier: “Überraschung: Globale Niederschläge sind in den letzten 70 Jahren weniger extrem geworden“? Weiter im Interview:

Welche anderen Gefahren lauern?

Hagelschlag wird zunehmend zu einer grossen Gefahr, da die Hagelkörner durch den Klimawandel grösser werden – und die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Hagelschlag kommt, ist ebenfalls grösser geworden. Hagel kann zu sehr grossen Schäden an Dächern und Solaranlagen führen.

Werden die Hagelkörner durch den Klimawandel wirklich größer, und wird es in Zukunft mehr Hagel geben? Dies sind derzeit nur Vermutungen. Der Blick zurück in die historischen Klimadaten gibt Anlass zur Skepsis. In einer Diplomarbeit der Universität Münster dokumentiert Jan Deepen zwar eine hohe jährliche Variabilität von Hagelereignissen in Deutschland, jedoch ist der Hagel-Trend in den letzten 80 Jahren nicht etwa anwachsend, sondern vielmehr überraschenderweise rückläufig. Ähnlich sieht es das Climate Service Center Germany. Mittlerweile fanden internationale Studien, dass die Häufigkeit von Hagel offenbar weitgehend unabhängig von der Entwicklung der Durchschnittstemperatur ist und Hagel in China trotz Erwärmung in den letzten 50 Jahren seltener geworden ist (Xie et al. 2008, 2010).

Wo wir gerade beim Studieren von echter Forschungsliteratur sind, hier sind drei weitere Lesetipps für Herrn Hofer:

 

Weiter im Interview:

Gibt es baselspezifische Gefahren?

Da fällt mir spontan eine Entwarnung ein: Die Gefahr, dass es am Rhein zu grossen Überschwemmungen kommt, ist kleiner, als viele meinen. Grund ist das breite Flussbett, das sehr viel Wasser halten kann. In Köln ist die Lage viel gefährlicher.

Eine schöne Pause vom Alarmismus im Gespräch. Gerne hätte aber auch erwähnt werden können, dass die Hochwassergefahr in einigen Regionen der Schweiz demnächst vermutlich sogar abnimmt. Siehe “Neue schweizerische Studien: Künftig weniger Hochwasser in den Zentralalpen – Sonnenaktvität übt signifikanten Einfluss aus“. Weiter im Interview:

Und sonst?

Die Temperaturen werden im Sommer noch mehr steigen, was dazu führt, dass neue Gebäude nicht nur wie bisher gegen Kälte isoliert werden müssen, sondern auch gegen Hitze. Entsprechende Vorschriften sind bereits gesetzlich festgelegt worden.

Das klingt düster. Wie sieht es in Basel in zehn Jahren aus?

Es wird im Sommer heisser sein und im Winter weniger kalt. Schnee in Basel kann man vergessen. Niederschläge und Stürme werden heftiger.

Winter immer wärmer? Mit Verlaub, die Alpenwinter sind in den letzten 20 Jahren kälter geworden. Kein Schnee mehr? Stimmt nicht. Siehe: “Bald kein Schnee mehr in der Schweizer Alpen? MeteoSwiss-Studie widerspricht und belegt Zunahme der Schneemengen seit 2000“. Stürme immer heftiger? Falsch. Siehe “Eine unbequeme Wahrheit: Während der Kleinen Eiszeit waren die Stürme in Europa stärker als heute“.

Im Ruhestand hat Hofer jetzt jede Menge Zeit, sich mit den klimatologischen Grundlagen zu beschäftigen. Schnell wird er seinen Irrtum bemerken. Vielleicht kann er dann nochmal bei der BZ Basel ein Korrektur-Interview nachschieben.