Guinea schickt 406 Delegierte auf Klimakonferenz in Katowice

Die Klimakonferenz in Katowice ist in vollem Gange. Eine Vielzahl von CO2-sparenden Initiativen wird diskutiert: Weniger Fleisch essen, weniger Heizen und weniger Flugreisen. Bei letzterem führt sich die Konferenz natürlich selbst ad absurdum. Es wäre leicht gewesen, die Konferenz in ein Internet-Treffen mit Livestreaming und Online-Kommentarfunktion umzuwandeln. Aber dann wäre ja die schöne und ziemlich lange “Dienstreise” futsch, samt allen Empfängen, Tagegeldern und vorweihnachtlichen Kollegentreffen. Diesmal sollen sich im Zuge der Klimaschonung mehr als 22.000 Teilnehmer auf den Weg nach Polen gemacht haben, die meisten bequem per Flugzeug.

Die größten Delegationen zur Klimakonferenz stammen dabei aus afrikanischen Ländern. Guinea schickt dieses Jahr 406 Delegierte ins Rennen, die Demokratische Republik Congo ist mit 237 Teilnehmern dabei, und die Elfenbeinküste schickt 191 Landsleute nach Polen. Die Teilnehmerliste gibt es auf der Homepage der Konferenz als pdf und ist 1084 Seiten lang. Die Auflistung der Delegierten aus Guinea beginnt auf Seite 239 und reicht bis Seite 273. Darauf finden sich 406 Namen. Im Vorjahr in Bonn war die Gruppe aus Guinea sogar noch um 86 Teilnehmer größer, mit einer Delegationsstärke von fast 500 Personen. Auch die Elfenbeinküste hat sich dieses Jahr “stark eingeschränkt”. Bei der COP23 in Bonn war das Land mit 492 Teilnehmern dabei. War Bonn velleicht ein attraktiveres Reiseziel als Katowice? Eco-business.com hat die Teilnehmerzahlen der Klimakonferenzen der letzten Jahre in einer Exceltabelle zusammengestellt, die hier verfügbar ist.

Die offensichtlichen Frage: Welche Aufgabe haben all diese Delegierten? Und wer kommt für die Reisekosten auf? Beginnen wir mit Teilfrage 1, die Rollenverteilung. Hier können wir eigentlich nur raten, da wir das individuelle Tagesprogramm der Teilnehmer nicht kennen. Ein Blick in die Zugehörigkeit (“affiliation”) der Teilnehmer gibt eine erste Idee. Unter anderem tauchen dort mehrere Mitarbeiter der Friedrich-Ebert-Stiftung aus Guinea auf. Außerdem gibt es Journalisten, eine Vielzahl von NGO-Mitarbeitern, Vertreter der Wasserbehörde etc. Es bleibt unklar, wer hier wirklich Mehrwert liefert und wer nur als Tourist bzw. Tagegeldbezieher mitreist. Das gilt übrigens nicht nur für Guinea, sondern für alle Delegationen.

Teilfrage 2 ist vielleicht einfacher zu beantworten? Wer zahlt Reise und Tagegelder? Auf der Webseite der Bonner COP23 werden wir fündig:

Daily subsistence allowance disbursement and travel
Delegates from Parties eligible for funding are kindly requested to contact the daily subsistence allowance (DSA) office located in the temporary structure in the foyer of the main building of the World Conference Center Bonn as of Monday, 30 April 2018. Delegates attending the pre-sessional meetings of the regional groups are invited to come to the DSA office in room H-030 in the Altes Abgeordnetenhochhaus building on the United Nations Campus from Tuesday, 24 April to Friday, 27 April. Please bring your passport, electronic flight ticket confirmation and boarding pass(es). After receiving clearance from the DSA office, delegates can proceed to the bank to collect their DSA.

Es gibt also Teilnehmergruppen, denen eine Förderung von Flug, Unterkunft und Tagegeld zusteht. Man muss mit seinem Pass und den Flugtickets nur zu einem Stand auf der Konferenz gehen, dann gibt es Cash von der Bank. Es ist davon auszugehen, dass die Teilnehmer der meisten afrikanischen Länder von der UN vollfinanziert werden. Angesichts der schönen Tagegelder und Reisegelegenheit ist das Interesse an einer Teilnahme an den Klimakonferenzen groß. Die COP24 hat eine eigene Webseite für “Funded Delegates Accomodation“. Der Mindestaufenthalt in Katowice beträgt 12 Tage. Wie hoch ist das übliche UNO-Tagegeld? Laut ICSC-Webseite erhält man in Polen pro Tag außerhalb Warschaus 194 US$. Bei einem Aufenthalt von 12 Tagen sind das 2328 US$ pro Person. In Bonn waren es im Vorjahr noch 272 US$ pro Tag. Das erklärt vielleicht auch den leichten Rückgang der Interessenten dieses Jahr…

Geht es bei der COP24 wirklich vor allem um das Klima?