Wikipedia: Das Anthropozän hat für die Geologie keinen echten praktischen Wert

Vor kurzem berichteten wir an dieser Stelle über das Aus des Anthropozäns. Die Internationale Stratigraphische Kommission ließ das fragwürdige Konstrukt durchrasseln. Wie geht Wikipedia mit der Entscheidung um? Wie ebenfalls an dieser Stelle dargestellt, sind hier vor allem Vertreter des Klimaalarmismus federführend zugange. Schauen wir also in den offiziellen deutschsprachigen Wikipedia-Artikel zum Anthropozän. Und die Überraschung ist gelungen: Dort wird die Nichtaufnahme in die holozänen Stufen durch die Kommission mit keinem Wort erwähnt. Man übt sich in Schockstarre und erinnert sich lieber an alte Zeiten, als man noch Hoffnung hatte, das Anthropozän könnte sich als geologische Einheit qualifizieren. Trotz der Nichterwähnung, findet man im Artikel dennoch ein paar Absätze zu den Argumenten der Kritiker:

In der geisteswissenschaftlichen Literatur ist das Konzept auf Kritik gestoßen. Das Anthropozän würde die Rolle des Menschen als aus der Natur herausgehobener Art betonen und gerade keine Alternative zur ungehemmten Umgestaltung der Erde durch den Menschen vermitteln. Im Gegenteil würden die bisherigen Eingriffe des Menschen in Naturkreisläufe zum Anlass oder als Rechtfertigung gebraucht, um – diesmal mit dem Anspruch der Reparatur – erneut, gezielt und mit größeren Zielen ökologische Steuerungsmechanismen zu beeinflussen. Vorschläge des Geoengineerings würden den Menschen endgültig zum Herrscher der Erde machen, auch wenn sie unter dem Aspekt der Verantwortung für frühere Eingriffe und die weitere Entwicklung kommuniziert würden.[50] Stattdessen wäre eine (Re-)Integration des Menschen in die natürliche Umwelt erforderlich, die gerade nicht mit einer herausgehobenen Stellung vereinbar sei.

In seiner Kritik an der Idee des Anthropozäns weist Jürgen Manemann darauf hin, dass dieses Konzept in einem Zivilisationsmodell gründe, das vom Machbarkeits- und Perfektibilitätswahn geprägt sei. Dies zeige sich nicht zuletzt an der inneren Dimension der Idee des Anthropozäns, die auf einen Trans- oder Posthumanismus ziele. Statt mehr Technik und mehr Wissen sei es nötig einen Kulturwandel einzuleiten. Dazu müsste die Zivilgesellschaft in eine Kulturgesellschaft transformiert werden. Das Gegenkonzept zur Idee des Anthropozäns sei eine neue Humanökologie, die Wege zur kulturellen Erneuerung der Menschen aufweise und gleichzeitig daran mitwirke, kreativ neue Strukturen zu entwickeln, die helfen, Grundfähigkeiten zu entwickeln, die es Menschen ermöglichen, angesichts der Klimakatastrophe ein humanes Leben zu führen.[51]

Kritik innerhalb der Erdwissenschaften wird daran festgemacht, dass das Anthropozän keinen global definierbaren Beginn habe, wie es für eine Periodisierung erforderlich ist. Auf verschiedenen Kontinenten hat der Mensch zu unterschiedlichen Zeitpunkten massiv in den Naturhaushalt eingegriffen. In Amerika oder Australien seien Merkmale später aufgetreten als im Nahen Osten oder Südeuropa. Andererseits hätten die Eingriffe des Menschen seit dem Ende der letzten Eiszeit graduell zugenommen, eine scharf umrissene Grenze gebe es nicht. Die dieser Bewertung entsprechende Epoche ist schon anerkannt, nämlich als das Holozän, von dem das Anthropozän abgegrenzt werden solle.[52]

Nicht zuletzt wurde Kritik daran erhoben, dass die Menschheit der Industriegesellschaften sich selbst als geologische Epoche definiert, obwohl die Dauerhaftigkeit der menschlichen Einflüsse auf die Erde oder auch die Anwendbarkeit des Begriffs Mensch (Anthropo-) auf künftige, genetisch optimierte und durch Technologie unterstützte Wesen keineswegs gesichert ist.[53]

Und wie sieht es auf der Wikipedia-Seite zum Holozän aus? Dort werden die drei neuen Stufen des Holozäns sorgfältig beschrieben, das Grönlandium, das Northgrippium und das Meghalayum. Das Anthropozän taucht in der Tabelle nicht auf. Dafür wird es aber im Text ausführlich erläutert, was schon etwas verwundert, da das Anthropozän ja gar keine offizielle holozäne Stufe ist. Umso erstaunlicher ist die ehrliche Einlassung, dass das Anthropozän für die Geologie keinen echten praktischen Wert hat:

Allerdings ist das Anthropozän bislang keine offizielle geologische Epoche. Das Anthropozän-Konzept ist zwar ein geowissenschaftlich fundiertes, aber kein primär geologisches Konzept, da es kaum einen echten praktischen Wert für Geologen hat. Eine viel größere Bedeutung besitzt es für die sogenannte „Global Change research community“,[22] also jene Wissenschaftler, die sich unmittelbar mit dem anthropogen beeinflussten Wandel des Systems Erde beschäftigen. Darüber hinaus ist es auch zu einem nicht geringen Teil als ein von der Umweltbewegung inspiriertes philosophisches und politisches Konzept aufzufassen, das die Öffentlichkeit für all die oben aufgelisteten menschgemachten Veränderungen, von denen einige unter Umständen den Fortbestand der menschlichen Zivilisation ernsthaft gefährden könnten, sensibilisieren soll.[8]

In der englischsprachigen Wikipedia gibt es auch einen Artikel zur jüngsten holozänen Stufe, dem Meghalayum (oder englisch: Meghalayan). Und dort haben Aktivisten bewustt einen fetten Fehler platziert, der ihnen wohl ein Hintertürchen für das Anthropozän offenlassen soll:

The Meghalayan begins 4,200 years BP, i.e., before 1950 (c. 2250 BCE),[10] leaving open room for the possible creation of the Anthropocene from 1950 forward.

Auf Wikipedia wird dies zwar behauptet, aber die verlinkte BBC-Quelle (10) enthält diesen Hinweis gar nicht. Im Gegenteil, dort steht sogar “The Meghalayan, the youngest stage, runs from 4,200 years ago to the present.” Und mit “present” ist in diesem Zusammenhang nicht das für C14-Datierungen “0 yr BP” (=1950) relvante “Present” gemeint. Oder anders ausgedrückt: Die Kohlenstoffkarbondatierungsmethode hat ihren Nullpunkt bei 1950. Das von der Stratigraphischen Kommission verwendete “present” bezieht sich jedoch eindeutig auf heute, nicht auf das “Heute” der C14-Methode. Erläutert wird dies z.B. auf livescience.com. Da rauchen die Köpfe der Aktivisten. Wie kommen sie aus dieser Kiste wieder heraus? Wie lange können sie die Mogelei in der Online-Enzyklopädie noch aufrechterhalten?