Weshalb sich Klimawissenschaftler aus der Politik fernhalten sollten

Schellnhuber, Rahmstorf, Latif. Immer wieder ärgern wir uns, dass Wissenschaftler zu politischen Aktivisten werden und die Grenzen zwischen unparteiischer Wissenschaft und politischer Ideologie überschreiten. Jenen sei nun die Lektüre eines Papers von Bas van der Vossen in Philosophical Psychology dringend ans Herz gelegt. Van Vossen zeigt, dass die Verquickung der beiden Felder zutiefst unmoralisch ist. Hier die Kurzfassung der Arbeit:

In defense of the ivory tower: Why philosophers should stay out of politics
Many political theorists, philosophers, social scientists, and other academics engage in political activism. And many think this is how things ought to be. In this essay, I challenge the ideal of the politically engaged academic. I argue that, quite to the contrary, political theorists, philosophers, and other political thinkers have a prima facie duty to refrain from political activism. This argument is based on a commonsense moral principle, a claim about the point of political thought, and findings in cognitive psychology.

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Es ist seit längerem bekannt, dass Klimamodelle das Klima der vergangenen Jahrtausende partout nicht in den Griff bekommen. Dem IPCC scheint es egal zu sein und verwendet eben diese Modelle für Zukunftsvorhersagen, die folglich auf äußerst wackeligem Fundament stehen. Auch in anderen Wissenschaftsbereichen gibt es Probleme mit der Robustheit der Forschungsergebnisse, darunter der Medizin. Am 1. September 2015 veröffentlichte eine Gruppe um Glenn Begley in Nature einen mahnenden Beitrag, in dem sie eine verlässlichere Reproduzierbarkeit der wissenschaftlichen Resultate anmahnt:

Robust research: Institutions must do their part for reproducibility
Irreproducible research poses an enormous burden: it delays treatments, wastes patients’ and scientists’ time, and squanders billions of research dollars. It is also widespread. An unpublished 2015 survey by the American Society for Cell Biology found that more than two-thirds of respondents had on at least one occasion been unable to reproduce published results. Biomedical researchers from drug companies have reported that one-quarter or fewer of high-profile papers are reproducible. [...] Although researchers want to produce work of long-term value, multiple pressures and prejudices discourage good scientific practices. In many laboratories, the incentives to be first can be stronger than the incentives to be right. Discussions of conflicts of interest typically centre on relationships with industry, but academic scientists face more pernicious, even existential temptations. Monetary rewards are often less important than the ‘currency’ with which scientists advance their careers: high-level publications lead to funding opportunities, promotions, awards and other forms of recognition. These markers of scientific achievement become proxies for assessment of the work itself, and further encourage spectacular, but less than substantiated, research. Amplifying these pressures is a human prejudice in favour of our own ideas. There is a very real temptation to ignore a result that does not conform to our preconceptions, or to recast it so that it does. Data-dredging is used to find statistically significant results that justify a publication. Sound practices such as blinding, multiple repeats, validated reagents and appropriate controls are dismissed as luxuries or nuisances. [...]

 

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Wie realistisch ist Al Gore’s Climate Reality Projekt? Am 18. August 2015 war auf der Climate Reality-Website eine Zehnpunkte-Aufstellung zu lesen, mit der der anthropogene Klimawandel belegt werden soll:

Ten Clear Indicators Our Climate is Changing
How do we know our climate is changing permanently, rather than just going through a normal period of flux? Let’s look at 10 major changes scientists have seen in our climate system to help set the record straight. [...]

1. Air temperatures over land are increasing.

Geschenkt. Seit 1850 ist es global um ein halbes Grad wärmer geworden. In der Climate Reality-Graphik ist der Hiatus der letzten 17 Jahre gut erkennbar.

2. Air temperatures over oceans are increasing.

Stimmt. Bestreitet aber auch niemand.

3. Arctic sea ice is decreasing.

Stimmt. Allerdings war das arktische Meereis vor 1000 Jahren ebenso stark geschrumpft wie heute. Das wird von den Climate Reality-Aktivisten kurzerhand einfach verschwiegen.

4. Glaciers are melting.

Stimmt. Gletscher schmolzen aber auch bereits vor 1000 Jahren während der Mittelalterlichen Wärmeperiode. Danach expandierten sie in der Kleinen Eiszeit wieder.

5. Sea levels are rising.

Stimmt. Aber nur 2 mm pro Jahr, laut Küstenpegelmessungen. Hier behauptet Climate Reality fehlerhafterweise, es gäbe eine Beschleunigung des Meeresspiegelanstiegs in den letzten Jahrzehnten. Das ist nachweislich falsch. Siehe “Beschleunigte Meeresspiegelanstiege gehören schleunigst in die Mottenkiste“.

6. Humidity (everyone’s favorite) is increasing

Warum nicht. Aber wie passt das mit der behaupteten Zunahme der Dürren zusammen?

7. Ocean heat content is increasing.

Stimmt teilweise. Die tiefen Ozeanschichten haben sich jedoch sogar abgekühlt (siehe “Suche nach der angeblich im Ozean versunkenen Wärme endet mit Fehlschlag: Tiefe Meeresschichten kühlten sich in den letzten 20 Jahren ab“).

8. Sea surface temperature is increasing.  

Stimmt. Bestreitet aber auch niemand.

9. Snow is decreasing.

Das kann man pauschaul nicht so sagen. In der Antarktis schneit es sogar mehr als früher.

10. Earth’s lower atmosphere temperature is increasing.

Stimmt. Bestreitet aber auch niemand.

Was ist das für eine seltsame Klimadiskussion? Hier werden vor allem unstrittige Punkte präsentiert, wo sowohl IPCC als auch Klimaskeptiker übereinstimmen. Will man den Lesern etwa vorgaukeln, dass hier simple Basiszusammenhänge von den IPCC-Kritikern nicht akzeptiert würden? Dieser Schuss ging nach hinten los.

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Schon mehrfach haben wir uns an dieser Stelle kräftig über das ZDF geärgert:

Natürlich wünschen wir uns, dass diese Kritik auch bei den Verantwortlichen ankommt. Eine gute Kontaktmöglichkeit ist hier der ZDF-Fernsehrat, der sich selber als “Anwalt des Zuschauers” bezeichnet. Auch wir werden diesen Dialogweg wählen, wenn wieder einmal Klimaalarm die Oberhand gewonnen haben sollte. Fairerweise soll jedoch auch erwähnt sein, dass wir mit der letzten großen Klimasendung überaus zufrieden waren (siehe “Großes Lob für ZDF Terra X-Doku “Klima macht Geschichte” “).