Wer hat Recht? RAHMSTORF: Der Mensch ist 100 Prozent schuld. LATIF: Etwa die Hälfte der Erwärmung ist anthropogen

Klimaklagen sind groß in Mode, jetzt auch im Pazifikraum. Neues Deutschland berichtete am 2. Dezember 2018:

Vanuatu prüft als erstes Land Klagen: Inselstaat will Verursacher des Klimawandels zahlen lassen
Der Pazifikstaat Vanuatu führt seit Jahren den Weltrisikobericht an – im negativen Sinne. Denn dort ist das Katastrophenrisiko im globalen Vergleich am höchsten. Der Klimawandel macht das Leben für die Insulaner nun noch mal härter, denn Vanuatu ist eines der anfälligsten Länder für die Auswirkungen der Erderwärmung. Der Großteil der Wirtschaft des pazifischen Inselstaates ist nämlich wetterabhängig: Landwirtschaft, Fischerei und Tourismus sind durch den Klimawandel gefährdet.

Allein der Wirbelsturm »Pam«, der Vanuatu 2015 traf, hatte das Land über 60 Prozent seines jährlichen Bruttoinlandproduktes oder fast 450 Millionen US-Dollar gekostet. Neben der Gefahr intensiverer Stürme bedroht wärmeres und saureres Meerwasser die Korallenriffe des Inselstaates. Außerdem ragen viele der über 80 Inseln nur etwa einen Meter aus dem Ozean. Bei einem Anstieg des Meeresspiegels könnten etliche der rund 260 000 Bewohner ihre Heimat verlieren.

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Wie stehen die Chancen für Vanuatu für Schadensersatz vor Gericht? Vermutlich ziemlich mau:

Stürme: Schwerer Wirbelsturm verwüstet Vanuatu. Premierminister sieht es realistisch: “Stürme sind kein neues Phänomen, wir Insulaner leiden darunter seit Besiedelung Vanuatus vor 5000 Jahren”

Auswirkung der Ozeanversauerung auf Korallen: Korallen trotzen der Ozeanversauerung – seit mehr als 40 Millionen Jahren

Meerespiegelanstieg: Trotz Meeresspiegelanstieg: Fläche der Tuvaluinseln hat sich in den letzten Jahrzehnten um 3% vergrößert

Aber es stimmt schon, Inseln des Vanuatu-Archipels sind bereits früher in den Fluten versunken. Dies hatte aber weniger mit dem Klimawandel zu tun als mit vulkanischer Senkung, wie Nunn et al. 2006 dokumentierten:

Vanished Islands in Vanuatu: New research and a preliminary geohazard assessment
Oral traditions recalling the disappearances of islands in the volcanically and seismically active central part of the Vanuatu archipelago were collected from informants on Ambae, Maewo, Malakula, and Pentecost Islands. Analyses of the details of these traditions and the meanings of the names of the vanished islands suggest that they once existed. Vanished islands off north‐west Malakula, named Tolamp and Malveveng, are likely to have subsided abruptly down the slope to the interarc rift marked by the South Aoba Basin. The unnamed vanished island off the western tip of Ambae is likely to have subsided during a volcanic or seismic event. The vanished island named (Vanua) Mamata between Ambae, Maewo, and Pentecost is also likely to have slipped down the flank of the slope to the South Aoba Basin. Island disappearances of this kind are memorable expressions of the geohazards that affect areas like central Vanuatu. The novel approach adopted here is argued to be an important adjunct to more conventional approaches to geohazard assessment in such places.

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OÖ-Nachrichten am 18. Oktober 2018:

Klimawandel: “Der Mensch ist 100 Prozent schuld”

OÖN-Gespräch mit dem deutschen Klimaforscher Stefan Rahmstorf, der gestern beim o.ö. Klimagipfel zu Gast war. [...]

OÖN: Steht der Mensch wirklich zweifelsfrei als Verursacher des Klimawandels fest?

RAHMSTORF: Ja, er ist zu rund hundert Prozent für die globale Erwärmung verantwortlich. Die Sonne kommt dafür nicht in Frage, ihre Aktivität geht seit 50 Jahren leicht zurück.

Zweimal falsch.

1) Das internationale Klimakonsortium PAGES2K zeigt die aktualisierte Sichtweise zur solaren Entwicklung der letzten 400 Jahre auf seiner Webseite 2016, wobei das späte 20. Jahrhundert die intensivste solare Aktivität des gesamten Betrachtungszeitraums aufweist. Die solare Hochphase fällt dabei exakt in die Zeit der stärksten Erwärmung 1977-1998, als sich das globale Klima rasant um ein halbes Grad aufheizte. Als die Sonne in den frühen 2000er Jahren dann wieder erschlaffte, setzte die bekannte Erwärmungspause ein.

Abbildung: Entwicklung der Sonnenaktivität während der vergangenen 400 Jahre. Weiße Kurve zeigt solare Gesamtstrahlung (Total Solar Irradiance, TSI), gelbe Ausschläge markieren Sonnenflecken. Quelle: PAGES2K-Webseite, heruntergeladen im März 2016.

 

2) Die hundert Prozent anthropogen werden zwar im neuen IPCC 1,5-Gradbericht genannt. Sie sind aber in der Fachwelt hochumstritten. Siehe z. B. Schweizer Klimaszenarien CH2018: Bis zur Hälfte der beobachteten Erwärmung der letzten 50-100 Jahre hat natürliche Ursachen oder Neue Arbeit in PNAS: 40% der Erwärmung der letzten 50 Jahre ist durch Ozeanzyklen bedingt. Auch Mojib Latif widerspricht, z.B. im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) am 12. September 2012:

NOZ: Herr Latif, trägt eher die Sonne zur Erderwärmung bei oder das Treibhausgas Kohlendioxid, CO2?

LATIF: Es ist ein Mix aus beidem. Klar ist, dass der Mensch über die Hälfte des Temperaturanstiegs seit Beginn der Industrialisierung zu verantworten hat.

Zuvor hatte Latif der österreichischen Zeitung ‚Die Presse‘ (DP) am 9. Februar 2012 das Folgende gesagt:

DIE PRESSE: Zurück zur bisherigen Erwärmung, 0,8 Grad seit 100 Jahren. Für Vahrenholt kommt die Hälfte von der Sonne. Und beim IPCC kommt alles vom CO2?

LATIF: Nein, das hat der IPCC nie gesagt, er ist sehr vorsichtig und sagt, dass etwa die Hälfte der Erwärmung anthropogen ist.

DIE PRESSE: Dann sagt er das Gleiche wie Vahrenholt?

LATIF: Ja, das ist es ja, was mich wahnsinnig macht: Da wird ein Popanz aufgebaut und dann genüsslich zerrissen.