Klimaapokalyptiker Lesch: Wie ernst kann man ihn noch nehmen?

Eigentlich haben wir uns an dieser Stelle schon genug mit Harald Lesch beschäftigt. Wie ein Duracell-Männchen produziert der Fernsehprofessor und Aktivist jedoch neuen Klimaalarm. Die Süddeutsche Zeitung liebt Lesch und bot ihm am 24. November 2016 kostenlose Werbefläche in Form eines Artikels für sein neues Klimalarmbuch:

Der zornige Wissenschaftler
Seit Wochen ist die Lesung ausverkauft. 250 Leute wollen Professor Harald Lesch hören, den Physiker, der so anschaulich wie lebendig auch schwierige Zusammenhänge zu erklären vermag. Am Mittwochabend geht es um den Zustand der Erde, den Lesch zusammen mit Klaus Kamphausen in dem Buch “Die Menschheit schafft sich ab” beschrieben hat. Es ist am 6. September erschienen und steht aktuell auf Platz 10 der Bestseller-Liste des Spiegel. [...] Vor allem geht es um den Klimawandel, dessen Auswirkungen schon jetzt spürbar seien: Zum Beispiel in den vielen Stürmen und Hochwasser-Katastrophen wie dieses Jahr in Niederbayern, aber auch im Auftauen der Permafrost-Böden.

Ein schönes Beispiel wie Lesch die Wissenschaft instrumentalisiert und fehldeutet. Fakt ist: Es gibt in Deutschland keinen Trend zu heftigeren Regenfällen. Und Fakt ist auch: Sturmaktivität der nördlichen mittleren Breiten hat signifikant abgenommen. Lesch erzählt seinen Zuhörern unglaublichen Schmarrn. Das schert die jedoch nicht, denn sie lieben ihren Klimapropheten, der so schön zornig sein kann – auch wenn er sich die Argumente so biegt wie er sie gerade braucht.

Unser aller TV-Erklärer hat sich auch in der Lanz-Talkshow vom 29. September 2016 wortreich zum Thema Klimawandel geäußert. Hier redet er endlich einmal “Klartext”, wie uns der Titel des Mitschnitts suggeriert, und äußert sich darüber hinaus zur Begrifflichkeit des “Anthropozäns” (bitte auf Youtube direkt anschauen):

 

Ein paar Zitate, die uns besondere Freude gemacht haben.

“Wir leben momentan in der Zeit, wo wir zum ersten Mal feststellen: Wir haben die Erde massiv verändert und wundern uns jetzt darüber, dass diese Natur, die wir eigentlich noch gerne so natürlich gerne hätten, dass die nicht so geblieben ist, wie sie mal war [...] Und das führt halt dazu, dass wir zum Beispiel einen Klimawandel haben, der schlicht und einfach [!!] dadurch ausgelöst wird, dass wir systematisch die Atmosphäre aufladen mit Atomen bzw. Molekülen, die die Wärmestrahlung der Erde absorbieren und dann wieder zurückgeben; nur teils ans Universum, der Rest bleibt hier …”

Oder:

“In den Alpen liegen wir deutlich über der 2-Grad-Grenze, von der ja immer die Rede ist. Am Nordpol liegen wir momentan – am NORDPOL, also oben – 5 Grad über dem langjährigen Mittel. SO warrrm war es in der Arrrrktis noch nie!!  [Anm.: Lesch neigt ja dazu, immer dann das "r" zu rollen, wenn er seinen Aussagen besonderes Gewicht verleihen will, seien sie auch noch so unerheblich] Wenn man momentan zum Nordpol wollte, müsste man hinschwimmen, weil es nämlich jede Menge Eis dort oben nicht mehr gibt.”

Und noch mal so richtig bescheuert:

“Und deswegen mein Vorschlag; gerade für Deutschland: Was wir brauchen, sind Klima-Feiertage. Wenn nämlich Deutschland Urlaub macht, und zwar wirklich zu Hause bleibt, dann emittieren wir alle wesentlich weniger CO2. Wir bräuchten fünf bis sechs Klimafeiertage im Jahr: einen für die Atmosphäre, einen für die Flüsse, einen für die Meere, einen für’n Wald, einen für die anderen und einen für mich oder sowas, ja?”

Lesch ist unheimlich produktiv. Schon wieder hat er einen neuen Klimaclip gemacht, der seit 7. Dezember 2016 in der ZDF-Mediathek zu bestaunen ist. Klicken Sie auf den Link, denn die Leschtruppe hat das Kalte-Sonne-Blog auf die Schwarze Liste gesetzt, zumindest bei den offiziellen Lesch-Youtube-Videos, die wir jetzt nicht mehr in unsere Besprechungen einbinden können. Offenbar ist den TV-Leschologen die inhaltliche Auseinandersetzung mit unserer Kritik unangenehm. Kommentare unter den Leschvideos werden sowieso umgehend gelöscht. Zensur auf hohem Niveau.

Wenn sie sich doch einige Minuten des Terra X-Clips antun wollen, bitte schön. Die Art von Lesch ist unerträglich, unsachlich, kurz vor dem Abdrehen. Er regt sich prächtig über das Erreichen der 400 ppm-CO2-Grenze auf. Kein Wort zur wichtigen Diskussion der CO2-Klimasensitivität. Danach geht er zum Rosinenpicken über. Irgendein Modell prognostiziert mehr Hochwasser in Mitteleuropa, wenn sich das Mittelmeer erwärmt. Dieses Paper schafft es in die Sendung. Andere, positivere Papers bleiben wie gewohnt unerwähnt:

Lesch koppelt die Extremregenfälle allein an die Temperatur des Mittelmeers. Dabei hatten vorindustrielle Langzeitrekonstruktionen doch einen ganz anderen Antrieb identifiziert, der von Lesch mit keiner Silbe erwähnt wird, nämlich Sonnenaktivitätsschwankungen:

Lesch führt seine Zuschauer in die Irre. Er ist gefangen im Drang, seine klimaalarmistische Ideologie unter das Volk zu mischen und hat jedes wissenschaftliche Augenmaß verloren. Eigentlich müssten die Verantwortlichen ihn sofort aus dem Programm nehmen. Kann sich das ZDF nicht einen seriöseren Klimamann suchen? Wie wäre es mit Hans von Storch zum Beispiel? Der ist nicht so aufgeregt, kann auch gut erzählen und bleibt nah an den Fakten.

Dann kommt Lesch zu den Super-Taifunen, die im Nordwest-Pazifik seit den späten 1970er Jahren zugenommen haben sollen. Aber warum beschränkt sich Lesch auf die letzten paar Jahrzehnte? Des Rätsels Lösung: Wenn man noch weiter zurückschaut, wird schnell klar, dass hier die natürliche Variabilität am Werke ist. Die von Lesch verwendeten Trends liegen im Lichte des Langzeitgeschehens voll und ganz im Bereich der natürlichen Schwankungsbreite

Nächster Lesch-Punkt: Das “ewige” Grönlandeis, das der Mensch jetzt zum Tauen bringt. Ist natürlich noch niemals zuvor passiert, dieses Schmelzen, oder?

Weiter mit der Lesch Videoclipographie. Am 9. Dezember 2016 war Lesch in der WDR-Talkshow “Kölner Treff” zu Gast und hat auch dort wieder seine klimaalarmistischen Sprüche abgelassen (mittlerweile kann man sie beinahe auswendig mitsprechen).

Eine Kommentierung des Videos gibt es auf FMDsTVChannel.

 

Nächster Clip. Billigste Buchpromotion zur Adventszeit:

 

Hier bei der Kalten Sonne hat es sich jetzt erstmal ausgelescht. Alles schon gehabt, der beratungsresistente Astro-Professor macht einfach sein Ding weiter, mit freundlicher Unterstützung des ZDF und den ungefragten Gebührenzahlern. Wer immer noch nicht genug hat, dem seien die beiden folgenden Beiträge von Helmut Kuntz auf EIKE zu Lesch empfohlen:

Harald Lesch, die Claudia Roth des Klima­wandels: Glaubt einfach, was ich erzähle – Nach­prüfen schadet nur!

Harald Lesch trägt vor den GRÜNEN zum Klima­wandel vor: Der Klima­wandel ist kein Thema, das man ernsthaft bezweifeln kann

Unkommentiert lassen wir auch dieses bizarre Lesch-Latif-Interview, ein absolutes Traumpaar:

 

Im Januar 2017 waren dann die Lesch-Sintflut-Tage im TV:

  • ZDF, Leschs Kosmos; Wettlauf gegen die Flut; Di, 17.01.2017; 23:00 Uhr
  • Phoenix, Rückkehr der Sintflut (1/2); Wenn das Ewige Eis schmilzt; Mi, 18.01.2017; 20:15 Uhr
    Wdh. heute, Do, 19.01.2017; 18:30 Uhr
  • Phoenix, Rückkehr der Sintflut (2/2); Wie unsere Kinder leben werden; Mi, 18.01.2017; 21:00 Uhr
    Wdh. Do, 19.01.2017; 19:15 Uhr

Für heute haben wir fertig.

Planet Schule patzt beim Klimawandel

Die Mitteldeutsche Zeitung (MZ) meldete am 17. Januar 2017:

Klimawandel: Eismassen schwinden in der Antarktis
Die argentinische Carlini-Forschungsstation auf den südlichen Shetlandinseln meldet einen Temperaturanstieg von 2,5 Grad Celsius. Deswegen kommt es in der Antarktis auch vermehrt zu Regen statt Schneefall, wie der Antarktis-Forscher Rudolfo Sanchez berichtete. „Damals habe es hier nie geregnet“, so der Forscher weiter.

Der Titel verwundert, denn neuere Forschungsergebnisse hatten in Wirklichkeit das glatte Gegenteil gezeigt:

Der Blick in den Artikel zeigt dann aber, dass nur ein sehr kleiner Bereich auf der Antarktischen Halbinsel gemeint war. Aber auch hier liegt die MZ klimatisch voll daneben. Die wahren Fakten:

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Planet Schule hat wieder neue Klimaalarm-Filme im Programm (“Wo das Klima auf der Kippe steht”), so dass auch die Kleinsten in den Klimaalarm eingeweiht werden können. Die Filme laufen in verschiedenen Dritten Programmen, sind aber auch online hier verfügbar. Den Schülern wird darin vorgegaukelt, dass das Klima früher durchgehend konstant und angenehm gewesen wäre. Erst als der Mensch die Bühne betrat, habe sich das Klima dann extremisiert. Eine romantische Vorstellung, die jedoch komplett an der Realität vorbei geht. Fake News. In Wahrheit unterlag das Klima der vergangenen 10.000 Jahren enormen natürlichen Schwankungen. Die will man den Schülern natürlich nicht zumuten, “vereinfachen” heißt das wohl. Ansonsten könnten Justin und Julia auf die Idee kommen, dass die heutigen Schwankungen wohl Teil dieser Langfristentwicklung wären… Original-Aussage aus dem Film (Südafrika):

“Laut Nasa-Wissenschaftlern ändert sich das Klima heute hundertmal so schnell, wie in der Vergangenheit”.

Diese Aussage ist falsch. Eigentlich müsste der entsprechende Film sofort aus dem Verkehr gezogen werden. Auszug aus Lüning & Vahrenholt 2016 (dort auch die Literaturliste):

North Africa.  Jiménez-Espejo et al. (2014) reconstructed the Saharan aeolian input and effective humidity variations during the Holocene based on a southern Iberia alpine lacustrine record. Cyclostratigraphic analyses and transport mechanisms both point to solar irradiance and aridity as major triggering factors for dust supply over Western Europe during the Holocene. The observed 1.5–2.0 ky cycles show similarities with the North Atlantic periodicity reported by Bond et al. (2001).

Egypt.  Hennekam et al. (2014) presented high-resolution records for oxygen isotopes of the planktic foraminifer Globigerinoides ruber (δ18Oruber) and bulk sediment inorganic geochemistry for Holocene-age sediments from the Nile Delta. The authors found that Nile discharge was highly variable on multicentennial time scale during the early to middle Holocene, being strongly influenced by variable solar activity.

Ethiopia.  Ghinassi et al. (2012) reconstructed lake-level fluctuations of the past 3500 years for a lake in northern Ethiopia. The authors found three main highstand phases, which occurred at about 3250–3000, 2600–950 and 650–160 cal yrs BP, respectively. These wet phases may correspond to the North Atlantic Bond cold events 2, 1 and 0, respectively (Bond et al., 2001). The studied lake record shows a good correlation with several other East Africa lakes and therefore can be considered representative for the late Holocene climate development of the region.

Mauritania.  deMenocal et al. (2000) studied a sediment core extracted off Cap Blanc in Mauritania on which they reconstructed the Holocene climate development based on alkenon-derived sea surface temperatures and foraminiferal faunal changes The authors found a series of abrupt, millennial-scale cooling events, which punctuated the Holocene warm period and correlate well with the cold events described by Bond et al. (2001) from the North Atlantic.

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Stell Dir vor, Al Gore dreht einen Nachfolgestreifen zu “Eine unbequeme Wahrheit” – und keiner geht hin. Moviepilot.de kündigte Mitte Dezember 2016 den neuen Klima-Streifen von Gore an, allerdings scheint er bisher keine großen Wellen geschlagen zu haben. Die Leute sind satt, wollen keinen Klimaalarm mehr. Sparen wir uns den Streifen also lieber.

 

Filmrezension zur Doku “5 Grad Plus – Wie das Klima unsere Welt verändert”

Kennen Sie den Film “5 Grad Plus – Wie das Klima unsere Welt verändert” von Waltraud Paschinger? Der Film stammt aus dem Jahr 2012 und lief im Vorfeld der Marrakesch-Klimakonferenz wieder auf Phoenix in einer Kaskadenaussendung zu verschiedensten Sendezeiten. Aus der Beschreibung:

Noch in diesem Jahrhundert wird es in den Alpen um fünf Grad Celsius wärmer sein als heute. Wo jetzt noch Gletscher sind, werden Almwiesen sein, wo Wald ist, eine trockene Buschlandschaft. Fünf Grad plus bedeuten eine völlige Verwandlung aller Landschaften. Eine vergleichbare Klimaerwärmung gab es vor 15.000 Jahren, als die letzte Eiszeit zu Ende ging. Der Temperaturanstieg erfolgte damals aber über einen Zeitraum von 5.000 Jahren – jetzt sind es 100 Jahre. Die rasante Erwärmung macht es Pflanzen und Tieren schwer, sich anzupassen. Biologen erwarten, dass in Mitteleuropa jede vierte Vogelart aussterben wird.

Gleichzeitig werden neue Arten aus dem Süden heimisch: Gottesanbeterin, Sandviper oder Schakale. Die “Universum”-Dokumentation “5 Grad plus – Wie das Klima unsere Welt verändert” zeigt die Schönheit der derzeitigen Alpenwelt und geht den ersten Anzeichen der drohenden Klimaveränderung nach.

Fünf Grad Plus, ohne Wenn und Aber. Mit lästigen Unsicherheiten hält sich Frau Paschinger lieber nicht auf. Keine Silbe dazu, dass der IPCC in seinem 5. Klimazustandsbericht eine riesige Spanne von 0,3-4,8°C bis 2100 prognostiziert (Tabelle SPM2 hier). Paschinger hat sich einfach den schlimmsten Wert herausgesucht und verkauft ihn als absolute Wahrheit. Eine bittere Entstellung der wirklichen wissenschaftlichen IPCC-Sichtweise. Das geht ja gut los. Will man sich da den Klimaalarmfilm überhaupt antun? Ja, wollen wir, denn österreichische Schulen bilden offenbar ihre Schüler mit diesem Streifen aus. Zu den Schüler-Arbeitsblättern geht es hier. Das 49-minütige Video ist auf Youtube verfügbar.

Der Film startet mit schönen Aufnahmen aus den Alpen. Tolle Schneebilder. Dramatische Musik: Bald wird es keinen Schnee mehr geben, hört meine Worte. Naja, vielleicht hätte man erwähnen sollen, dass die Alpengletscher bereits in der letzten Wärmephase vor 1000 Jahren kräftig abgeschmolzen waren und erst im Zuge der Kleinen Eiszeit um 1400 wieder anwuchsen.

Bei Minute 5:45 dann eine Irreführung der Zuseher. Wir würden am Ende einer Kaltphase leben, die nun in eine Warmphase umschlägt. Was ist hiermit gemeint? Die vielen Zeitmaßstäbe verwirren Zuseher und Autorin. Also mal ganz langsam. Es ist richtig, dass der größte Teil der Erdgeschichte wärmer als heute war, da hat Frau Paschinger Recht. Die letzte Eiszeit endete vor 10.000 Jahren, seitdem befinden wir uns in einer Zwischeneiszeit, also einer Warmphase. Diese 10.000 Jahre lange Warmphase hatte ihren Höhepunkt vor 7000-4000 Jahren, zur Zeit des mittelholozänen Klimaoptimums. In der Folge gab es einen Wechsel von kürzen Wärme- und Kälteperioden im Tausendjahrestakt. Die letzte Wärmeperiode ereignete sich vor 1000 Jahren, gefolgt von einer Kältephase (Kleine Eiszeit), gefolgt von einer Wärmphase, nämlich der heutigen. Es ist daher wissenschaftlich vollkommen falsch zu behaupten, wir befänden uns am Ende einer Kältephase. Das sollten alle Lehrer und Schüler dazu wissen. Mal hier bei der TU Berlin reinschauen:

 Abbildung 1: Temperaturgeschichte der nördlichen Hemisphäre während der letzten 11.000 Jahre. Quelle: TU Berlin

 

Bei Minute 8:05 dann unerwarteter Realismus. Bei der Besprechung des Pasterze-Gletschers wird doch tatsächlich eingeräumt, dass der Gletscher vor 900 Jahren schon einmal stark abgeschmolzen war und die Temperaturen sogar die heutigen überschritten. Früher grasten hier Kühe: Pasterze heißt auf slowenisch “Weideland”, lernt man im Film. Trotz des erfreulichen Einschubs bleibt der Elefant im Raum unerwähnt: Wie konnte es vor 900 Jahren eigentlich wärmer sein als heute, obwohl die CO2-Konzentration niedrig war? Eine gute Chance vertan. Liebe Schüler, wenn Ihr Euch zu dieser Phase informieren wollt, klickt auf diese Online-Karte mit paläoklimatologischen Studien zur Mittelalterlichen Wärmephase (MWP). Zoomt in die Alpen. Die roten Punkte sind alles Studien, die die Wärmephase gut dokumentiert haben. Fragt Eure Lehrer danach: Wie konnte es damals so warm wie heute gewesen sein? Siehe auch:

Bei 11:45 wird es abenteuerlich. Frau Paschinger erklärt, dass Murmeltiere nach der letzten großen Vereisung in die Berge geflüchtet sind, um der Hitze zu entgehen. Nun ginge es ihnen durch die moderne Klimaerwärmung an den Kragen. Ein Blick in die Fachliteratur entzaubert den Alarm. Kurz nach der letzten Eiszeit, vor 9000 Jahren, war es in den Alpen etliche Grad wärmer als heute (siehe grüne und rote Temperaturkurven “A” in folgender Abbildung aus Ilyashuk et al. 2011).  Die pelziger Nager scheinen es überlebt zu haben. Die heutigen Bedingungen sind deutlich erträglicher. Putzig: Der Film behauptet, die Murmeltiere könnten es in kühlen Erdhöhlen schlecht aushalten, denn sie würden sich dort immer streiten.

 

Abbildung 2: Temperaturentwicklung in den Alpen (A) und der Arktis (B). Graphik aus Ilyashuk et al. 2011.

 

 

Irgendwann taucht dann auch noch der Neusiedlersee als Klimaopfer auf. Wirklich? Frau Paschinger, da haben Sie wohl eine Kleinigkeit übersehen. Siehe “Klimawandel bedroht Neusiedler See: Allerdings war dieser bereits während der Kleinen Eiszeit mehrfach vollständig ausgetrocknet“.

Wo wir beim Thema sind: Überraschung! Weniger Extremwetter im Alpenraum

Fazit unserer Film-Rezension: Als Unterrichtsmaterial durchweg untauglich. Außer schönen Tier- und Landschaftsaufnahmen ist hier wenig verlässliche Information. Die Autorin ist durch den Drang zur Dramatisierung getrieben und verlässt an etlichen Stellen den wissenschaftlich korrekten Pfad. Zur Vorführung and Schulen ist der Film daher leider ungeeignet.

 

Before the Flood – Eine Filmrezension

Am 9. September 2016 feierte die Klimadoku “Before the Flood” im Rahmen des Toronto International Film Festivals seine Premiere. Wikipedia erläutert:

Im Film äußern sich prominente Führer und Politiker, mit denen sich der Schauspieler Leonardo DiCaprio trifft, zu den Folgen des Klimawandels. Hierzu gehören der Generalsekretär der Vereinten Nationen Ban Ki-moon, der ehemalige US-Präsident Bill Clinton, sein derzeitiger Amtskollege Barack Obama und sein Außenminister John Kerry, aber auch Papst Franziskus.

Zunächst konnte man sich den Film kostenlos auf Youtube anschauen. Mittlerweile ist er dort jedoch verschwunden und muss käuflich erworben werden, z.B. bei Amazon. Aber lohnt sich der Kauf? Etliche Rezensenten ließen den Streifen glatt durchfallen, nachzulesen z.B. auf WUWT, Motls Blogspot und The Daily Signal. Sehenswert auch dieser interessante Filmvergleich zwischen “Before the Flood” und “The Great Global Warming Swindle”:

 

Vorabgeschickt sei, dass der Film in satter Spielfilmlänge vorliegt, sich über anderthalb Stunden streckt. Also Poppcorn und das Lieblingsgetränk bereitstellen. Der Film beginnt mit unvermeidlichen biblischen Gleichnissen, Paradies, Hölle, Verderbnis. Dann tritt Vielflieger Leonardo diCapio auf, er wird zum UN-Friedensbotschafter gemacht, Schwerpunkt Klimawandel. Er sagt höflich vor der UN-Vollversammlung, dass er alles über das Thema lernen wolle. Wirklich? Will er wirklich wissen, dass die Klimamamodelle den Hindcast der letzten 1000 Jahre nicht hinbekommen, also die Vergangenheit nicht reproduzieren können? Will er darüber lernen, dass sich der IPCC in seinem letzten Bericht nicht einmal mehr auf einen besten Schätzwert zur CO2-Klimasensitivität festlegen konnte, da die Experten sich einfach nicht zu einigen vermochten? Nein, das will diCaprio sicher nicht. Er ist Aktivist und will so schnell wie möglich die Gesellschaft umbauen, das hat Priorität vor dem vollständigen Klimaverständnis. Eine wissenschaftliche Ausbildung würde da nur stören.

DiCaprio outet sich als Klimapessimist und fragt laut, ob er wohl der richtige für diesen UN-Botschafterjob ist. Die Frage ist berechtigt. Sollte man einen Menschen zum Verkehrsminister machen, der nur noch Autounfälle, Flugzeugabstürze und entgleiste Züge im Kopf hat und dabei den großen Nutzen der Transportmittel glatt übersieht? DiCaprio hat sich ein inneres Zerrbild der Natur aufgebaut, hat Angst vor ihr, anstatt sich entspannt in ihr zu bewegen. Die Natur ist etwas Schönes, Gutes. Durch Klimaalarm à la diCaprio wird eine ganze Generation zu Naturhassern gemacht. Wind, Wasser, Hitze, Kälte – alles ist negativ belegt, ist vom Mensch verschuldet. Das passiert, wenn ein Junge wie diCaprio in downtown Los Angeles aufwächst und sein einziger Kontakt mit der Natur im Naturkundemuseum stattfindet.

Es folgt eine Schimpkanonade über fossile Brennstoffe. Als die dann vorüber ist, setzt sich diCaprio in einen mit Kerosin angetriebenen Hubschrauber und fliegt erstmal eine Runde über die kanadischen Ölsande. Dabei meckert er über die für den Tagebau gerodeten Flächen. Interessanterweise verliert er kein Wort darüber, dass in den letzten Jahren viel größere Gebiete der tropischen Regenwälder entwaldet wurden, um dort Palmöl, also Biosprit anzubauen.

Nächste Szene: diCaprio outet sich als Al-Gore-Jünger. Der habe ihn zum Klimaalarmist gemacht. Und in dessen Fußstapfen will er jetzt treten. Sprachs und setzte sich in den nächsten Kerosin-betriebenen Helikopter, um einen Spazierflug über Eisberge und Gletscher zu machen. Die Menschen haben Schuld am Schmelzen dieser schönen, lebensfreundlichen Eismassen. Ihr teuflischer Lebensstil ist ihr Verderben. Wieso müssen sie eigentlich immer mit dem Flugzeug in Urlaub fliegen, wenn man auch eine mehrwöchige Fahrradtour im heimischen Regen machen könnte?

DiCaprio lässt sich dann in Pfützen auf der kanadischen Baffininsel filmen. Unerwähnt lässt er, dass es vor 1000 Jahren während der Mittelalterlichen Wärmeperiode dort schon einmal so warm wie heute war. Ein Aktivistenfreund behauptet munter, dass das schmelzende Meereis der Arktis zu mehr Überschwemmungen und Dürren führen. Das steht nicht einmal im IPCC-Bericht, der sehr viel vorsichtiger argumentiert. Der Aktivist spielt mit der Unwissenheit der Bevölkerung. Weshalb meldet sich kein seriöser Wissenschaftler zu Wort und rückt das schräge Bild zurecht? Wer will sich mit diCaprio, dem UN-Botschafter, anlegen?

Auftritt des Wissenschaftlers Jason Box, der vor der Kamera in Grönland sagen darf, dass die Wirklichkeit viel schlimmer als in den Klimamodellen wäre. Jason Box? Über den hatten wir bereits 2013 hier im Blog berichtet:

Der US-amerikanische Klimawissenschafler Jason Box wurde 2011 im Rahmen einer Demo gegen die Alaska-Ölpipeline festgenommen, die er aufgrund der befürchteten Klimakatastrophe ablehnt. Kollegen hatten Box zuvor gewarnt, dass er für seine Forschungsprojekte nun wohl nicht mehr die notwendige wissenschaftliche Unabhängigkeit besitzt, die für ergebnissoffene Grundlagenforschung unabdinglich ist. Auch Fördergelder könnten nun in Gefahr sein. Vielleicht wollte Box aber auch nur seinem möglichen Vorbild James Hansen nachtun, der ebenfalls als Demonstrationsteilnehmer in der Vergangenheit festegenommen wurde.

Siehe Meldung vom Yale Forum on climate change & the media.

Vermutlich haben Sie den Erzählstil des Films anhand dieser Beispiele aus den ersten 18 Minuten des Streifens verstanden. Die restlichen knapp 80 Minuten des Films wird es vermutlich so weitergehen. Schade um die kostbare Zeit, die der Rezensent lieber mit wissenschaftlichen Fragen verbringen möchte. “Before the Flood” ist ein lupenreiner Klimaaktivistenstreifen, der fernab der wissenschaftlichen Basis auf der Emotionsschiene beeindrucken möchte. Der naturwissenschaftlich nicht bewanderte Protagonist ist ein Hollywoodschauspieler, der genau das Gegenteil von dem tut, was er hier in pseudreligiöser Art und Weise predigt: Mit dem Privatjet düst er um die Welt und genießt seine Rolle, die er selber irgendwo zwischen Mutter Theresa und Mahatma Gandhi vermutet. Ein unausgewogener Propagandafilm, der insbesondere im Schulunterricht nichts zu suchen hat.

 

Null acht fünzehn um zehn nach zwölf: “Letzte Chance für unser Klima”

Es gibt Leute, die schauen sich zur mitternächtlichen Geisterstunde Horrorstreifen an. Ein solcher lief in der ARD auch in der Nacht vom 25. auf den 26. Juli 2016. Titel: “Letzte Chance für unser Klima”. Von der Machart her ein alarmistischer Klimaaktivistenstreifen. Seltsam, dass die ARD ihre Sendezeit für so etwas zur Verfügung stellt. Oder wurde der Sendeplatz vielleicht von einer Aktivistengruppe finanziert, ähnlich des religiösen Sekten-TV? Man weiß es nicht. Viele Zuseher gab es vermutlich nicht. Allerdings gibt es den Klimahorror-Streifen auch in der ARD-Mediathek, wo er bis Mitte 2017 zu bestaunen ist.

Ein Blog-Leser berichtete uns, er fand den Film so schlecht recherchiert und so unausgewogen, dass er eine Programmbeschwerde eingelegt hat. Autor der Doku ist Christian Jentzsch. Dabei handelt es sich nicht etwa um einen Naturwissenschaftler, sondern einen Absolvent der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Qualifikation: Studium der Visuellen Kommunikation. Ob das bei diesem komplexen klimawissenschaftlichen Thema ausreicht? Greenpeace jedenfalls findet Jentzschs Filme so gut, dass es sie auf der Aktivisten-Webseite bewirbt.

Der Film beginnt so ideenarm wie hunderte anderer Klimaalarm-Filme. Szenen von Überschwemmungen, Dürren, Stürmen. Alles natürlich vom Menschen verschuldet. Beweise bleibt der Autor schuldig. Falsche Annahme: Jegliches Extremwetter ist anthropogener Klimawandel. Paläoklimatologische Vergleichsdaten werden keine präsentiert. Eine üble Masche, die in keinster Weise die im Bereich des Extremwetters sehr differenzierte Sichtweise des IPCC widerspiegelt.

Auch die nächste Szene haben wir schon vielfach gesehen: Mojib Latif schlappt durchs Hamburger Klimarechenzentrum. Etwas lustlos sagt er seinen Vers auf. Gähn.

Dann setzt sich der Autor ins Flugzeug. Hoffentlich hat er seinen CO2-Düsenausstoß mit Kompensationszahlungen wiedergutgemacht. Jentzsch präsentiert die kürzliche kalifornische Dürreserie als angeblichen Beweis für den anthropogenen Klimawandel. Offenbar hat er keinen blassen Schimmer, dass es in Kalifornien stets Dürreserien gegeben hat und hier eine starke natürliche Variabilität vorliegt, die der Filmemacher mit keinem Wort anspricht. Superpeinlich. Lesetipps:

Den Rest des Film sparen wir uns an dieser Stelle. Es ist sowieso klar, was kommt. Ein peruanischer Bauer ist sich ganz sicher, dass sein Anden-Gletschersee durch deutsche Kraftwerke von RWE gefährdet wird. Das haben ihm jedenfalls die deutschen Klimaaktivisten eingeredet, die auch die nette Rechtsanwältin aufgetrieben haben.

Je schärfer, desto besser. Am Schluss soll der Zuseher ein richtig schlechtes Gewissen haben. Er ist Schuld. Am Klima. An allem. Die romantisch-naive Idee dahinter: Alles Übel der Welt kann man sofort abstellen, wenn man kein CO2 mehr ausstößt. Ein Medikament für alle Krankheiten. Herrlich. Vielleicht sollte man das sogar einmal machen. Die Überraschung wäre groß: Das meiste Übel würde noch immer da sein, vielleicht sogar etwas verschärfter als vorher.

Unterm Strich: Keine richtig neuen Ideen in diesem Film. Liebe Alarmisten, lieber Herr Jentzsch: Lasst Euch mal wieder etwas Neues einfallen. Das ist einfach nur langweilig und schräg.

 

Bitterer Rückschlag für die Klimaalarm-Bewegung: Starbesetzte Klimawandel-Doku im TV findet wenig Zuspruch

Die Webseite Quotenmeter.de analysiert Sendungen im deutschen Fernsehen und berichtet Zuschauerquoten. Am 24. August 2015 brachte der Mediendienst eine Nachricht, die einigen Akteuren in der Vorbereitungsphase auf den Pariser Klimagipfel so gar nicht schmecken wird:

Starbesetzte Klimawandel-Doku findet auf Servus TV wenig Zuspruch
In der ersten Ausgabe der neunteiligen Doku-Reihe «Unsere Welt – Stars schlagen Alarm» besuchte Harrison Ford Indonesien. Nur wenige Zuschauer schalteten ein.

Ganzen Beitrag auf quotenmeter.de lesen.

Bei diesem Flop geht es konkret um den Streifen “Years of Living Dangerously“, der nun in deutscher Sprache als “Unsere Welt – Stars schlagen Alarm” ausgestrahlt wurde. Neben Harrison Ford blasen im Film auch Arnold Schwarzenegger, Matt Damon und Jessica Alba klimaalarmistische Trübsal. Servus TV strahlte den Streifen an einem Sonntagabend zur besten Sendezeit aus. Zuschauerinteresse: Keines. Die Doku erreichte einen Gesamtmarktanteil von verschwindend geringen 0,1 Prozent, in Worten: Nullkomma ein Prozent. Bitter.

Auch in den USA floppte der Aktivisten-Film. Dort erreichte der Streifen an den vier Sonntagabenden der Ausstrahlung lediglich 0.07%, 0.04%, 0.04% und 0.04% der Zielgruppe zwischen 18 und 49. Klimapropaganda vor leeren Zuschauerrängen. Die Leute haben mitlerweile erkannt, was Ihnen da für ein Schmarrn aufgetischt wird und stimmen mit der Fernbedienung ab.

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Deutschlandradio Kultur liebt den Klimaalarm. Am 17. August 2015 gab es eine neue Folge. Diesmal soll die Namib-Wüste in Namibia bedroht sein:

Wie der Klimawandel die Wüste Namib bedroht
Sie ist ein Unesco-Weltnaturerbe, zieht sich über 2000 Kilometer und deckt die gesamte Atlantik-Küste Namibias ab: die Wüste Namib. An der einzigen Küstenwüste Afrikas kann es bis zu 50 Grad werden. Nun gefährdet der Klimawandel ihr Ökosystem. [...] Seit vielen Millionen Jahren ist die Namib-Wüste ein stabiles System. Aber der Klimawandel könnte dafür sorgen, dass sich das ändert, meint der südafrikanische Biologe und Umweltwissenschaftler Dr. Joh Henschel. Der kalte Benguelastrom sorgt für ein wichtiges Phänomen der Namib: Durch ihn kondensiert die Luftfeuchtigkeit zu Wolken, die dann als Nebel ins Landesinnere wandern. Und so zumindest temporär für Abkühlung und Feuchtigkeit sorgen. Pflanzen wie die Welwitschia oder der Naras-Strauch haben sich der unwirtlichen Umgebung angepasst. Auch zahlreiche Tiere wie Elefanten, Nashörner, Wildpferde oder Gemsböcke kommen mit den bis zu 50 Grad heißen Tagen leidlich zurecht. Manche halten sogar noch mehr aus, sind sozusagen Weltmeister bei Hitzetoleranz. Doch ein Temperaturanstieg würde auch diese widerstandsfähigen Geschöpfe an ihre Grenzen bringen. Der Klimawandel bringt aber noch weitere Phänomene, die der Namib zusetzen: heftige Stürme, die Boden und Sand in Bewegung bringen und für große Zerstörungen sorgen. Weniger Niederschlag und dadurch längere Dürreperioden. Und ein steigender Meeresspiegel könnte Namib-Städte wie Walvis Bay, Swakopmund und Lüderitz bedrohen. [...]

Eine Wüste die angeblich seit “vielen Millionen Jahren” bis zu 50°C heiß wird, soll jetzt wegen einem zusätzlichen Grad plötzlich zugrunde gehen? Das klingt unlogisch. Aber stimmt es überhaupt, dass das Klima der Namibwüste und Namibias über viele Millionen Jahre konstant gewesen wäre? Ein Blick in die Fachliteratur entzaubert den Mythos. Im April 2013 veröffentlichte eine Forschergruppe um Hillary Slette von der University of Georgia im Fachmagazin Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology eine Rekonstruktion der Dürregeschichte Namibias. Basis der Untersuchung war ein Höhlentropfstein, der das Klima der letzten viereinhalb tausend Jahre aufzeichnete. Hillary Slette fand in diesem klimatischen Archiv drei ausgeprägte Feucht-/Trockenzyklen. Die Phase mit den größten Niederschlägen ereignete sich dabei zwischen 1720-1850 zu Zeiten der Kleinen Eiszeit. Eine ausgeprägte Dürreperiode suchte die Region zwischen 3300 und 1800 Jahren vor heute heim. Im Folgenden ein Auszug aus der Kurzfassung der Arbeit:

Stalagmite DP1, a speleothem 1.6 m in length from Dante Cave in northeastern Namibia, provides a paleoclimate record of a gradual transition from wetter to drier conditions from 4.6 to 3.3 ka BP [before present], a variable but pronounced dry period from 3.3 to 1.8 ka, and a wetter but variable period from 1.8 ka to the present. […] The DP1 record suggests considerable change over the past 1800 years, with at least three wet/dry cycles. The wettest conditions may have occurred relatively recently, between 230 and 100 BP (A.D. 1720 and 1850), so that early European explorers may have seen and/or heard reports of conditions among the wettest during the later Holocene in southern Africa.

Die nüchterne Wahrheit: Das Klima Namibias unterlag in den letzten Jahrtausenden steten Schwankungen, wobei feuchte und trockene Phasen wechselten. Wenn es warm war, war es trocken. Und wenn es kälter war, zog Feuchtigkeit auf. Auch andere Studien aus der Region können keine außergwöhnliche Entwicklung für das heutige Namibia belegen. Zum Beispiel konnten Therrell et al. 2006 zeigen, dass es im 19. Jahrhundert in Simbabwe viel schlimmere Dürren gegeben hat als im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert. Jan-Philippe Schlüter vom Deutschlandradio Kultur hat hier seine Hörer kräftig verkohlt. Ob es jemand gemerkt hat?

 

Klimaalarm im Programmkino: Neuer Dokumentarfilm ‘ThuleTuvalu’ fällt beim wissenschaftlichen Faktencheck glatt durch

Ein paar Monate vor der Pariser Klimakonferenz wird die Bevölkerung auf allen Kanälen medial auf die Klimakatastrophe vorbereitet. Hierzu gehört auch ein neuer Dokumentarfilm, der Anfang August 2015 in die Programmkinos gekommen ist und auch als DVD verfügbar ist: ThuleTuvalu. Hier der offizielle Trailer:

Im Prinzip bietet der Film nichts richtig Neues. Der Schweizer Filmregisseur Matthias von Gunten drückt kräftig auf die Tränendrüse mit zwei alten Klischees: Das Pazifikatoll Tuvalu drohe der Untergang und Tauwetter in Grönland zerstöre den dort lebenden Menschen die Lebensgrundlage. So richtig tief hat von Gunten offenbar nicht recherchiert, bevor er seinen Film gemacht hat. Denn Wissenschaftler lehnen die Südsee-Sintflutszenarien mittlerweile entschieden ab (siehe “Spektrum der Wissenschaft über angeblich vom Untergang bedrohte Südseeatolle: “Noch keine der betroffenen Inseln ist in nächster Zeit von Überflutung bedroht. Einige vergrößern sich sogar auf Grund natürlicher ökologischer Vorgänge”“). Weshalb hat von Gunten die Wissenschaft ignoriert? Vermutlich hätte die Realität die herzzerreißende Story beschädigt, womöglich unglaubwürdig gemacht.

Die ARD-Sendung Titel, Thesen, Temperamente (ttt) befasste sich in einem 6-minütigen Beitrag mit dem Dokumentarfilm. Darin wird behauptet, der Klimawandel hätte eine Dürre über Tuvalu gebracht, so dass das Trinkwasser nun mühsam aus Australien per Boot angeliefert werden müsse. Dabei wird übersehen, dass Dürren im Pazifik keineswegs ein ganz und gar neues Phänomen sind. Vielmehr existiert eine charakteristische Zyklik. Siehe „Überraschung: Feucht- und Trockenphasen wechselten im Südpazifik in vorindustrieller Zeit stets ab“ und „Tropfstein aus Tuvalu birgt Überraschung: Niederschläge im Südpazifik schwankten in vorindustrieller Zeit viel dramatischer als heute“.

ThuleTuvalu bzw. ttt behauptet, es würde jetzt in Tuvalu häufigere Wirbelstürme als früher geben. Auch dies ist falsch.  In den offiziellen Statistiken ist keine Zunahme von Stürmen im Pazifik erkennbar. Siehe “Schwerer Wirbelsturm verwüstet Vanuatu. Premierminister sieht es realistisch: “Stürme sind kein neues Phänomen, wir Insulaner leider darunter seit Besiedelung Vanuatus vor 5000 Jahren”“. Aus den kurzen Filmausschnitten im Internet wird vor allem eines klar: Regisseur Matthias von Gunten fehlinterpretiert Armut und Unterentwicklung in Tuvalu als Klimawandelfolge. Er denkt offenbar, jedes Übel der Welt müsse klimatische Ursachen haben, ein weitverbreiteter aber falscher Ansatz.

Natürlich darf im Film auch das photogene schmelzende Eis nicht fehlen. Dazu reist von Gunten nach Thule in Grönland. Die Jagdsaison würde jetzt 3 Monate früher beginnen als früher, sagt der einheimische Jäger. Na prächtig, eine schöne Verbesserung. Nein, das mildere Klima wird im Film sogleich verdammt, alles werde dadurch schlechter. Der Großteil der Grönländer sieht dies gänzlich anders (siehe “Gehirnwäsche bei Planet Schule: Grönländern steht aus Klimaschutzgründen keine wirtschaftliche Entwicklung zu“). Überhaupt scheint ThuleTuvalu kein gesteigertes Interesse an der Klimahistorie zu haben. Dabei gibt es hier Aufregendes zu berichten (siehe “Ein Thema das die Medien meiden wie der Teufel das Weihwasser: Vor 5000 Jahren war es in Grönland zwei bis drei Grad wärmer als heute“).

Kalte-Sonne-Chefredakteur Sebastian Lüning hat sich per Email an den Regiesseur gewandt und um Aufklärung dieser Sachverhalte gebeten. Matthias von Gunten antwortete schnell und erklärte überraschenderweise:

“In meinem Film wird nirgendwo etwas von anthropogenen Ursachen erwähnt. Von daher nehme ich an, dass Sie den Film nicht gesehen haben, weshalb sich eine Stellungnahme meinerseits erübrigt.”

Eine kleine Sensation. Da haben doch in der Tat sämtliche berichtende Medien von Guntens Film fehlinterpretiert. Es ging ihm offenbar gar nicht um den anthropogenen Klimawandel. Die Veröffentlichung des Films kurz vor der Pariser Klimakonferenz muss ein Zufall gewesen sein.

Den Schriftwechsel mit Herrn von Gunten können Sie hier finden.

 

 

 

Große Klimakatastrophennacht bei 3SAT (6./7. Juni 2013)

In der Nacht vom 6. auf den 7. Juni 2013 bringt das 3SAT eine Reihe schön-schauriger Klimakatastrophenfilme:

1:55 Uhr
Alle Wetter!
Film von Patricia Klieme
Winter ohne Frost und Schnee, Orkane, die ganze Wälder niedermähen, heiße Frühlingswochen, kalte Hochsommertage: Alle reden vom Klima, doch die meisten meinen das Wetter. Irgendwie ist es anders als früher – ein Zeichen für die drohende Klimaveränderung?

 

2:25 Uhr
Wolkenbruch und Bullenhitze: Die Bauern erleben den Klimawandel
Film von Ulrich Liebeskind
Juli 2006 – heißester Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Er raubt den Menschen den Schlaf, den Bauern die Ernte und bringt die Gärtner zur Verzweiflung.

 

2:55 Uhr
Nach der Flut ist vor der Flut
Film von Adina Rieckmann
Sabine Kliem aus Kleinthiemig bei Großenhain hat zwei Katastrophen erlebt: Im Mai 2010 hat der Tornado mit aller Wucht das Haus zerstört, dann traf es im September ihre Praxis. Die Röderflut raubte alles: Unterlagen, Akten, Möbel, Technik. Sonst immer für andere da…

 

3:25
Die Rache des Gletschers: Klimawandel in der Schweiz
Film von Volker Schwenck
“Menschen vergessen schnell”, sagt der Geologe Hans-Rudolf Keusen. Nach einem Hochwasser redet man viel über den Klimawandel. Doch den wenigsten sei bewusst, dass die globale Erwärmung auch in Mitteleuropa Veränderungen und neue Naturgefahren mit sich bringe. Auch und … (ARD/SWR)



3:55 Uhr
Strom aus der Wüste – Energien für Europa
Film von Carsten Rau und Hauke Wendler
In der Sahara gibt es mehr Sonnenenergie als Afrika und Europa zusammen verbrauchen könnten. 2009 haben sich große Industriekonzerne zusammengeschlossen, um den Strom der Wüstensonne zu nutzen und auch nach Europa zu transportieren. Der Plan: Bis 2050 sollen große …

 

4:55 Uhr
Das Geheimnis der Indios: Kohle als Klimachance
Film von Maren Schibilsky
Moderation: Hellmuth Henneberg
Schon vor über 2.000 Jahren haben die Ureinwohner des Amazonasgebietes Holzkohle unter ihre Kompostabfälle gemischt und damit eine äußerst fruchtbare Erde geschaffen. Kohle aus Bio-Abfällen könnte auch heute den Humusgehalt unserer ausgelaugten Böden stabilisieren …

 

5:25 Uhr
Beringia – Klima-Alarm in der Arktis
Film von Herbert Habersack
(aus der ORF-Reihe “Universum”)
Im arktischen Raum, zwischen Alaska und Sibirien, ist der Klimawandel besonders spürbar geworden. Mensch und Tier sind gezwungen, sich an neue Lebensbedingungen zu gewöhnen – schmilzt etwa das Treibeis, verschwinden Robben und Walrösser. Die wiederum sind die …

Jetzt als Video online: Climate Crimes und Diskussionsrunde mit Sebastian Lüning

UPDATE: Film wird am 24.9.2013 auf 3SAT um 22:25 Uhr gezeigt.

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Am 5.2.2013 strahlte der ORF2 die Doku “Climate Crimes” aus. Im Film wird in deutlicher Weise illustriert, dass viele “Klimaschutzmaßnahmen” die Umwelt offenbar sehr viel stärker schädigen, als der Klimawandel selbst. Der Film ist jetzt auf youtube verfügbar:

Im Anschluss an die Doku brachte der ORF eine Diskussionsrunde, an der auch Kalte-Sonne-Coautor Dr. habil. Sebastian Lüning teilnahm. Das Video hierzu gab es kurzzeitig in der ORF-Mediathek, ist jetzt aber leider nicht mehr verfügbar.

 

Spielfilm am 9.2.2013 auf Vox: Ice – Der Tag, an dem die Welt erfriert

Am 9.2.2013 zeigt Vox um 20:15 Uhr den US-Spielfilm “Ice – Der Tag, an dem die Welt erfriert”. Den Trailer gibt es hier. Aus der Ankündigung:

Wir schreiben das Jahr 2020. Die Erde steht vor großen Problemen: In südlichen Ländern gibt es kein Wasser mehr, außerdem ist der Vorrat an fossilen Brennstoffen quasi erschöpft. Es herrscht die größte Energiekrise aller Zeiten. Nur noch unter der Arktis sollen sich förderwürdige Mengen an Erdöl befinden. Die Ölfirma Halo-Oil, unter der Leitung ihres skrupellosen Chefs Kavanagh, beginnt dort mit Bohrungen, obwohl Thom Archer, Experte auf dem Gebiet der Klimaforschung, dringend davon abrät. Halo-Oil lässt sich von seinem Bohrprogramm nicht abbringen und es kommt, wie Professor Archer es befürchtet hat: In Europa beginnt eine neue Eiszeit.

Wiederholung: 10.2.2013 um 03:00 Uhr.