Reto Knutti fühlt sich politisch und gesellschaftlich schubladisiert

Im September 2018 verlor Tennis-As Roger Federer im Achtelfinale gegen einen unbekannten Australier. Schuld hatte aber nicht Federer, sondern er wurde ein Opfer des Klimawandel. Der Tennisspieler empfand das Wetter als zu heiß und zu feucht. Unter Normalbedingungen hätte er den Konkurenten sicher bezwungen. Ob Federer angesichts des entgangenen Preisgeldes nun Ausgleichszahlungen aus dem 100 Milliarden Dollar schweren Klimafonds zustehen? Vorgeschlagene Klimawandelausgleichszahlung: 50.000 Euro.

Auch in Paderborn ist es jetzt zu einem schwerwiegenden Klimawandel-Schaden gekommen. In einem Getränkemark fiel ein Stapel Mineralwasserkisten um. Durch die Hitze hätte der Baumarkt mehr Getränke nachbestellen müssen, wobei die Mitarbeiter überarbeitet und unachtsam stapelten. Vorgeschlagene Klimawandelausgleichszahlung: 300 Euro.

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Klimaforscher Reto Knutti hat einen mit 200.000 Franken ­dotierten Preis der Stiftung Dr. J. E. Brandenberger erhalten. In einem Interview mit der Zeitung ‘Der Bund’ am 3. September 2018 stellt er sich als unpolitisch und unparteiischen Forscher dar. Das überrascht, da wir uns hier im Blog bereits mehrfach mit Knuttis ideologisch eingefärberter Sichtweise beschäftigt haben:

Kurioses Sonntagsblick-Interview von IPCC-Autor Reto Knutti: IPCC-Modelle sind alle super und alternativlos

Reto Knutti mag keine Skeptiker

Klimaalarm im Pendler-Zug: Reto Knutti mit einem Propaganda-Meisterstück

Auszüge aus dem Interview:

«Mein Name wurde missbraucht»
ETH-Klimaforscher Reto Knutti über den ungewöhnlichen Sommer und die Gefahr, als links-grün abgestempelt zu werden. [...]

BUND: Sie sind in der Experten­kommission der neu lancierten Gletscher-Initiative, die in der Schweiz die Emissionen auf null senken will. Ist das kein politisches Statement?
KNUTTI: Bei der Gletscher-Initiative habe ich Ja gesagt unter der Voraussetzung, dass die Mitarbeit nichts mit dem Initiativkomitee zu tun hat. Ich finde es sinnvoll, zu helfen, dass die Fakten zum Thema stimmen. Hier gehe ich weniger ein Risiko ein, politisch und gesellschaftlich schubladisiert zu werden.

Der Bund hat Knutti an dieser Stelle kalt erwischt. Der Forscher unternimmt hier eine unzulässige Vermischung von ergbebnisoffener Forschung und der politischen Forderung zur vollständigen Dekarbonisierung. Dies schränkt seinen Spielraum bei der Bewertung wissenschaftlicher Ergebnisse enorm ein. Umso putziger sein Protest, dass seine politische Arbeit mißverstanden wird.

BUND: Welche Schublade meinen Sie?
KNUTTI: Klimaforscher werden schnell einmal als links-grün taxiert, vor allem in Kreisen, wo immer noch Skepsis vorherrscht, ob der Mensch tatsächlich die Hauptursache für den Klimawandel ist. Mit politischen Statements wird diese Meinung noch zementiert. Grundsätzlich wird in der Öffentlichkeitsarbeit keine Abgrenzung zwischen Wissenschaftler und Staatsbürger gemacht, und es ist schwierig, sich zu erklären. So verliert die Wissenschaft ihre Glaubwürdigkeit, zumal in Teilen der Öffentlichkeit ohnehin schon eine gewisse Wissenschaftsfeindlichkeit spürbar ist.

BUND: Das müssen Sie erklären.
KNUTTI: Heute sind Experten einmal grundsätzlich verdächtig. Das gilt nicht nur für die Klimaforscher, das gilt für alle Forschungszweige, die sich mit gesellschaftlichen Fragen auseinandersetzen. Das hat vielleicht damit zu tun, dass heute über das Internet jeder ein «Experte» sein kann, sich so seine eigene Meinung macht, aber vielfach auch Fake News aufsitzt. Ist eine Meinung einmal gemacht, braucht es viel Überzeugungsarbeit, um sie zu revidieren.

Die richtige Einordung dieser Statements ist: Unterste Schublade. Knutti zieht die Expertenkarte. Nur er wisse bescheid, anderen stehe gar keine Meinung zu, da sie dazu nicht befugt seien. Das Internet bereitet ihm Kopfschmerzen. Denn die Printmedien sind aller gut kontrolliert. Zeitungen und Fachzeitschriften sind gut “bewacht”, so dass hier keine unbequeme Kritik platziert werden kann. Im Internet ist dies anders. Dort können die Kritiker noch durchdringen, auch dank Blogs. Knuttis pauschale Verteufelung von Kritik aus Blogs ist hochbedenklich. Unserer Kritik an Knutti haben wir stets mit Argumenten begründet. Kein einziges Mal ist Knutti auf diese Kritik fachlich eingegangen. Dies ist das wahre Problem, dass sich IPCC-nahe Wissenschaftler dem Fachdialog verweigern.

BUND: Haben Sie ein Beispiel?
KNUTTI: Ich wurde erst kürzlich selbst als Instrument missbraucht. Es gibt russische Websites, die Berichte und ein Interview mit mir veröffentlichten, das ich nie gegeben hatte. Ich gebe darin Pilzsporen die Schuld am Klimawandel, an Erdbeben und Tornados. Und die Welt habe nur noch drei ruhige Jahre bis zum Klimakollaps. Ich erhielt darauf Hunderte E-Mails von Leuten, vielfach aus der Ukraine, die irritiert waren.

In Kommentaren auf Onlineplattformen sind Klimaforscher oft auch im Visier.
Die Redaktion von «20 Minuten» bat mich, Stellung zu sechs Kommentaren zum Einfluss der Kurzstreckenfliegerei auf das Klima zu nehmen. Darauf folgten weitere 350 Kommentare. Darin agieren Klimaforscher unter anderem aus Selbstinteresse, oder sie müssen ihr Salär rechtfertigen. Es gibt aber auch gute Reaktionen, von Leuten, die mir ­direkt Fragen stellen und interessiert sind. Dafür nehme ich mir Zeit.

Das Angebot nehmen wir gerne wahr. In Kürze werden wir Prof. Knutti einige wichtige Fragen zum Thema stellen. Hoffen wir, dass er uns antworten kann und einer Veröfentlichung im Blog zustimmt…