Nudging for Future

Von Uli Weber

Politik und Medien belehren uns zwar immer wieder, man könne vom Einzelnen nicht aufs Ganze schließen und Angst sei ein schlechter Ratgeber. Aber beim Klima ist das alles plötzlich ganz anders, da will uns Greta in Panik versetzen und wird dafür freitags von verängstigt schwänzenden Schülern gefeiert  – und alle zusammen werden dafür dann von Politik, Medien und Kirche hofiert. Und ein einzelner besonders heißer und trockener Sommer beweist wiederum letzteren bereits einen „menschengemachten“ Klimawandel und zwingt uns angeblich zu sofortigem Handeln.

Eine Suche nach dem Begriff „Klimaanpassungskonzept“ ergibt ungefähr 16.600 Ergebnisse in 0,26 Sekunden, beispielsweise das Klimaanpassungskonzept der Stadt Kaiserslautern. In der betreffenden Pressemitteilung heißt es, Zitate mit Hervorhebungen:

Die Anpassung an den Klimawandel ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und eine der zentralen Zukunftsaufgaben, der wir uns heute bereits stellen müssen“, so Umweltdezernent Peter Kiefer, der die Veranstaltung eröffnete und auch mit einem Schlusswort beendete. Aufhalten lasse sich, so der Beigeordnete, der Klimawandel nicht mehr. „Dazu ist es längst zu spät. Die Jahresmitteltemperaturen steigen an, das Wettergeschehen ändert sich. Hitzetage nehmen zu, Starkregen wird häufiger auftreten. Kostproben von dem, was kommen könnte, durften wir ja in den vergangenen Jahren bereits erleben.“

Kiefer: „Es ist schlimm genug, dass wir unseren Kindern den Planeten in diesem Zustand übergeben werden. Was aber noch viel schlimmer wäre, wäre, wenn wir nicht heute schon etwas dagegen unternehmen würden!“…

Wie Löbig anhand von lokalen Wetterdaten aufzeigte, ist der Klimawandel auch für Kaiserslautern kein abstraktes Zukunftsthema, sondern ein eindeutig fassbarer Prozess, der längst begonnen hat. Benden erläuterte sodann die vier Kernziele („Hitze mindern – Grün schaffen!“; „Schäden bei Starkregen minimieren!“;  „Klimaanpassung organisieren!“; Bürger und Unternehmen aktiv einbinden!“) sowie die damit verbundenen Einzelmaßnahmen.

Ideologien gehen ja üblicherweise ziemlich alternativlos mit den bürgerlichen Rechten um, aber heute gibt es sehr fortschrittliche Instrumente, mit denen man unschöne Bilder vermeiden kann. Man kann nämlich die betroffenen Menschen durch eine zielgerichtete psychomediale Hilfestellung in die erwünschte Denkrichtung „schubsen“.

Es ist Ihnen vielleicht auch schon aufgefallen, dass die täglichen Nachrichten, selbst in den regionalen Programmen, vermehrt über Extremwetterereignisse aus aller Welt berichten? Siehe z.B. NDR-Beitrag zum Zykon “Fani“ in Indien auf NDR Aktuell „=Nachrichten und Informationen aus dem ganzen Norden“ vom 3. Mai 2019 um 21:45 Uhr ab Minute 13:45. Es mag ja durchaus sein, dass Bhubaneshwar infolge der Globalisierung inzwischen dem „ganzen Norden“ zuzurechnen ist, auch wenn bislang offenbar noch nicht ganz klar ist, ob es sich der Freien und Hansestadt Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen oder Schleswig-Holstein zugehörig fühlt.

Nun ist das Klima aber als der „Durchschnitt von 30 Jahren Wetter“ definiert und zu Beginn dieses Jahrzehntes hatte selbst das IPCC noch keinerlei Häufung solcher Ereignisse feststellen können (Zitate hier), aber plötzlich herrscht jetzt überall medialer Extremwetteralarm. Solche vermehrten Katastrophenmeldungen mögen dem wohlbetreuten Nachrichtenkonsumenten also durchaus eine Häufung von extremen Wetterereignissen nahelegen, wenn es schon keine überprüfbaren Beweise dafür gibt. Diese mediale Häufung lässt sich aber auch ganz einfach dadurch erklären, dass lediglich die politische Priorität für eine Verbreitung solcher Meldungen und deren geographischer Beobachtungsradius angestiegen sein könnten, und solche Meldungen deshalb vermehrt in regionale Nachrichtenformate implementiert werden, obwohl sie dort gar nicht hineingehören.

Und in einem modernen Problemlösungsworkshop könnte man Ihnen dann sogar noch die Fiktion vermitteln, einen beliebigen und vorher bereits festgelegten Entscheidungsprozess selber aktiv mitgestaltet zu haben. Nehmen wir einfach einmal ein ganz unverfängliches Beispiel aus dem kommunalen Klimaschutzprogramm des Umweltbundesamtes:

 

Abbildung: Aus der DOKUMENTATION DES AUFTAKTWORKSHOPS: „LEBENSWERTE STADT IM KLIMAWANDEL“ AM 31. JANUAR 2013 IM WERKHOF HANNOVER NORDSTADT (Seite 8). PROJEKT: KOBE – KOMMUNEN BEFÄHIGEN, DIE HERAUSFORDERUNG DER ANPASSUNG AN DEN KLIMAWANDEL SYSTEMATISCH ZU BETREIBEN (Quelle UBA)

 

Dabei wird üblicherweise zunächst von Fachleuten ein konkretes Handlungskonzept ausgearbeitet. In einer moderierten Veranstaltung wird zuletzt die Zielgruppe zu einem „Brainstorming“ für Lösungsansätze zu diesem Thema aufgefordert, wie die nachfolgende Abbildung ohne jede Unterstellung lediglich beispielhaft zeigen soll:

Abbildung aus einem Vortrag von Hans-Joachim Ritter, Stadtverwaltung Speyer: Integriertes Konzept und innovative Strategie zur Klimaanpassung (Quelle UBA)

 

In einer Kaffeepause könnte ein solches Brainstorming-Ergebnis dann auch systematisch dahingehend geordnet werden, dass sich rein zufällig das vorher ausgearbeitete Handlungsschema abbildet. Danach würde man schließlich die einzelnen Handlungsfelder wiederum nach demselben Schema in Kleingruppen gezielt ausarbeiten und so am Ende das bereits vorher festgelegte Handlungskonzept bestätigen.

Den ersten Vorgang nennt man übrigens „Nudging“, den zweiten könnte man als „zielgeführte Meinungsbildung“ bezeichnen.

Nach dem Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen sollen sich die Anstrengungen im „Klimaschutz“ jetzt von der (inter-)nationalen Bühne verstärkt auf die regionale und lokale Ebene verlagert haben. Es handelt sich hierbei im Wesentlichen darum, den CO2-Ausstoß zu minimieren oder ganz zu vermeiden. Und wenn wir dann noch ein ganz kleines Stückchen weiter „geschubst“ werden, kommt man ganz von selbst auf die Notwendigkeit einer globalen CO2-Steuer, für die wir hier in Deutschland natürlich wieder einmal die internationale Vorreiterrolle übernehmen müssen, „weil das Klima keine Grenzen kennt“.

Für eine sinnvolle Anpassung an den natürlichen Klimawandel, wie beispielsweise an eine neue „Warmzeit“ oder eine neue „Kleine Eiszeit“, bleibt dann allerdings nicht mehr viel Geld übrig. Und obwohl „das Klima keine Grenzen kennt“, wird sich bei solchen natürlichen Klimaschwankungen in den Tropen und Subtropen relativ wenig tun. Die Klimawissenschaft behauptet beispielsweise immer noch, dass es sich bei der „Mittelalterlichen Warmzeit“ und der „Kleinen Eiszeit“ lediglich um regionale Ereignisse gehandelt haben soll. Allerdings hatten sich diese „regionalen Ereignisse“ demnach ausgerechnet hier bei uns in mittleren geographischen Breiten abgespielt. Das Geld für eine Anpassung an den natürlichen Klimawandel würde also auch ganz regional hier bei uns benötigt werden, und wir sollten es dann als neuerlicher „Vorreiter“ nicht einfach wahllos global zum Fenster hinaus schmeißen…

Schauen Sie einfach einmal im Internet ganz konkret unter „Klimaanpassungskonzept“ für Ihre Stadt/ Ihren Landkreis nach, was Ihnen dort für die örtliche Weltklimarettung so alles angeboten wird. Vielleicht erfahren Sie dann ja auch, dass dort bei Ihnen längst der „Klimanotstand“ ausgerufen worden ist. Man muss sich jetzt allerdings fragen, was die offizielle Ausrufung eines solchen „Klimanotstands“ praktisch-juristisch bedeuten mag, denn der Begriff „Notstand“ weist ja üblicherweise auf katastrophale Verhältnisse hin. Also schauen wir einmal bei Wikipedia nach, Zitat:

Notstand ist der Zustand gegenwärtiger Gefahr für rechtlich geschützte Interessen, dessen Abwendung nur auf Kosten fremder Interessen möglich ist.

Also, einem „Klimanotstand“ ist nur auf Kosten fremder Interessen abzuhelfen. Der Autor wird hier nicht darüber spekulieren, wessen Interessen das sein mögen und auf welche Weise einer solchen Gefahr für das Klima abgeholfen werden soll. Aber klar ist schon einmal, dass hier auf kommunaler Ebene  eine Priorisierung des Klimaschutzes gegenüber anderen schutzwürdigen Interessen erfolgen soll. Auf der Internetpräsens des Deutschen Bundestages findet man dann die nachfolgende Meldung, die ein solches Bild sinngebend abrundet, Zitat:

Um einer „Klimakatastrophe“ entgegenzuwirken, wollen Bündnis 90/Die Grünen den Klimaschutz im Grundgesetz verankern. Über einen entsprechenden Antrag der Fraktion (19/4522) hat der Bundestag am Donnerstag, 27. September 2018, erstmals eine Stunde lang debattiert und ihn dann zur Beratung in den Ausschuss für Inneres und Heimat überwiesen. Unterstützung bekam das Vorhaben nur von der Fraktion Die Linke.“

Und mit einer solchen Verankerung des Klimaschutzes im Grundgesetz würde dann ein „Klimanotstand“ unmittelbar mit den bürgerlichen Rechten und Freiheiten kollidieren.

Der mündige Bürger möge also sehr gut aufpassen, in wieweit er sich für eine „gute Sache“ im Mäntelchen des Klimaschutzes instrumentalisieren lässt. Der politisch gesteuerte Prozess, unsere Industriegesellschaft durch diverse Kehrtwenden (Energie-, Verkehr- und Agrar-) ins ökologische Mittelalter zurück zu transformieren, hat nämlich schon längst begonnen. Und vom Jahre 2020 an belieben die westlichen Industrienationen dann auch noch jährlich 100 Milliarden US-Dollar über einen „Green Climate Fund“ an den Rest der Welt auszuschütten – als Dank für deren Unterschrift unter den Pariser Klimavertrag zur globalen Dekarbonisierung bis zum Jahre 2100. Allein zur Erfüllung unserer pekuniären Klimaverpflichtungen aus diesem „Green Climate Fund“ kommen wir bei sinkenden Steuereinnahmen also um eine CO2-Steuer gar nicht mehr herum. Und der nächste weltumspannende UN-Krake steht bereits in den Startlöchern, um auch noch den letzten Rest unserer wirtschaftlichen Ressourcen zwecks vorgeblicher Rettung der Artenvielfalt über den gesamten Globus zu verteilen.

Zeitnah nach der Europawahl 2019 werden uns die Vasallen der Raute also freudig verkünden müssen, die CO2-Steuer sei nun eben da, aber niemandem werde etwas weggenommen…