Neue Studie in Planetary and Space Science: Große Gasplaneten beeinflussen Sonnenaktivität

Die Macht der Mondgezeiten kennt jeder: An vielen Küsten der Erde steigt und fällt der Wasserspiegel, angetrieben durch die Anziehungskraft des Mondes. Nun gibt es aber sehr viel größere Körper in unserem Sonnensystem als den kleinen Mond. Die riesigen Gasplaneten Jupiter und Saturn besitzen viel üppigere Gezeitenkräfte, die bis zur Sonne reichen und das Sonnenkraftwerk durcheinander bringen. Über einen solchen Effekt berichtete Ende 2012 eine neue schweizerische Studie (siehe unseren Blogartikel “Neue ETH-Studie: Sonnenaktvitätsschwankungen vermutlich durch planetarische Gezeitenkräfte verursacht“).

Ein US-amerikanisches Forscherduo hat nun den planetaren Einfluss auf die Sonnenaktivität weiter erhärtet. In einer neuen Studie, die im Februar 2013 in der Fachzeitschrift Planetary and Space Science erschien, untersuchten Nicola Scafetta und Richard Willson eine historische Nordlichtstatistik, die die Zeit von 1523 bis 1960 abdeckte. Nordlichter sind eine Leuchterscheinung, die beim Auftreffen geladener Teilchen des Sonnenwindes auf die Erdatmosphäre in den Polargebieten der Erde hervorgerufen wird. Die Erscheinungen treten besonders während solar aktiver Zeiten auf. Scafetta und Willson stellten in den Daten einen nahezu harmonischen Satz von Perioden fest, nämlich 43, 57, 86 und 171 Jahre. Diese Zeiten entsprechen wichtigen Oszillationen von Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun. Ähnliche Perioden wurden vor einigen Monaten vom Team der ETH Zürich berichtet.

Interessanterweise prognostiziert das von den beiden US-amerikanischen Autoren auf dieser Basis erstellte Sonnenaktivitätsmodell eine Sonnenflaute für die kommenden Jahrzehnte, mit einem Höhepunkt in den 2030er Jahren. Geologische Studien haben in der Vergangenheit eindrucksvoll gezeigt, dass die Sonnenaktivität eine wichtige Rolle im irdischen Klima spielt. Indirekt beeinflussen daher offenbar unsere Nachbarplaneten durch ihre Gezeitenkräfte über den Umweg der Sonne das Erdklima.

 

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