Neue marum-Studie: Solare Zyklen beeinflussen die Wassermassen der Tiefsee

Zahlreiche Studien haben eindrucksvoll belegt, dass die solaren Aktivitätszyklen das Klimageschehen in der Vergangenheit nachhaltig mitgeprägt haben (siehe S. 57-60 in “Die kalte Sonne” sowie unsere Blogartikel). Noch immer rätselt jedoch die Wissenschaft, wie dies eigentlich möglich ist. Laut IPCC-Formeln kann dies gar nicht funktionieren, zu schwach ist angeblich die Klimakraft der Sonne. Die Realität sieht jedoch anders aus, so dass der IPCC irgendwann wohl oder übel seine Rechenmodelle überarbeiten muss. Das wird einige Überwindung kosten.

Vieles ist noch unklar im spannenden Wechselfeld von Sonne und Klima. Unter anderem wusste man bisher nicht, ob sich die Schwankungen der Sonnenaktivität auch bis in die Tiefen der Ozeane vorarbeiten können. Klimarekonstruktionen an Tiefseeschlämmen hatten kürzlich auf einen solchen Zusammenhang hingedeutet. Eine Forschergruppe des Zentrums für Marine Umweltwissenschaften (marum) an der Universität Bremen hat sich nun mithilfe eines Klimamodells näher mit der Thematik beschäftigt. Das Team um Anne Seidenglanz veröffentlichte die Ergebnisse der Studie Mitte November 2012 in den Geophysical Research Letters. Insbesondere untersuchten die Forscher den Einfluss des 90-Jahres-Gleissberg-Zyklus sowie des 200-Jahres-Suess/de Vries-Zyklus.

Und in der Tat. Das Modell bestätigte, dass sich die solaren Zyklen bis in die Wasserschichten der Tiefsee auswirken. Dies ist von besonderem Interesse, weil auf diese Weise die tiefe Ozeanzirkulation beeinflusst werden kann, die eine wichtige Rolle für das globale Klimageschehen spielt. Offensichtlich schaffen es die 90- bzw. 200-Jahres-Zyklen der Sonne, diese Tiefenzirkulation zu verändern. Der Suess/de Vries-Zyklus greift dabei offenbar in die Nordatlantische Tiefenwasserzirkulation ein, während der Gleissberg-Zyklus im Südatlantik spürbar ist, als Folge einer Nord-Süd-Verschiebung des Westwindgürtels.

Bereits vor wenigen Wochen machte das marum mit einem Solar-Paper auf sich aufmerksam, in dem es um einen klimatischen Solarverstärker in der Stratosphäre ging (siehe: “Solarverstärker in der Stratosphäre: Westwinde verschieben sich im Takte der Sonnenaktivität“).

 

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