Mongolischer Klimaalarm entpuppt sich als pure Erfindung: Kältewellen sind in den letzten 60 Jahren nicht häufiger geworden

Klimaalarm in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) am 12. August 2016:

Die Mongolei und der Klimawandel: Letzte Ausfahrt Ulaanbaatar
Jeder zweite der drei Millionen Mongolen lebt bereits in Ulaanbaatar – bei steigender Tendenz. In dem riesigen Land schlägt der Klimawandel gnadenlos zu. Die Nomaden mit ihren Tieren trifft es hart.

Wie genau gestaltet sich der Klimawandel in der Mongolei, der die Mongolen laut NZZ zu Alkoholikern macht? Der Autor erklärt:

In der Mongolei schlägt der Klimawandel mit voller Wucht zu. Seit 1940 ist die durchschnittliche Temperatur in der Mongolei um 2,14 Grad Celsius gestiegen – mit wärmeren Sommer- und kälteren Wintermonaten. Die Nomaden mit ihren Tieren sind die ersten Opfer. Ist der bereits kurze Sommer jedoch zu trocken, kann sich das Vieh wegen der geringen Vegetation kein Polster für den Winter zulegen. Von November bis April ist es in der jüngeren Vergangenheit jedoch noch kälter als sonst geworden, und es hat so viel geschneit, dass die bereits geschwächten Tiere keine Nahrung mehr fanden. Sie starben wie Fliegen. In der Mongolei wird das Wetterphänomen «Dzud» genannt. [...] Zumindest eine gute Nachricht gibt es in diesem Jahr jedoch: Der Sommer war bisher regenreich. Die Tiere können sich nun ein Polster für den Winter zulegen. Die guten Witterungsbedingungen gewähren der Landflucht in der Mongolei jedoch nur einen Aufschub. Die Entwicklung ist nicht zu stoppen.

Wir schreiten zur Prüfung.

1. Ungewöhnliche Erwärmung im 20. Jahrhundert?

Wir prüfen die GISS-Daten im Webtool des New Scientist (Abb. 1). Mitte der 1980erJahre stieg die Temperatur steil an, fiel dann aber um 2010 wieder ab. Ob hier ein Ozeanzyklus die Finger mit im Spiel hat? Die Daten enden um 2013, als der New Scientist das Tool einstellte (weshalb eigentlich?). Ein Blick in die aktuellen Stationsdaten in der Mongolei zeigt: Seit 1998 ist es dort nicht mehr wärmer geworden. Der berühmte Erwärmungs-Hiatus also auch hier.

Abb. 1: Temperaturentwicklung der Mongolei laut GISS.

 

Ist die Erwärmung im späten 20. Jahrhundert etwas noch nie Dagewesenes? Der Blick in die Klimageschichte bringt Aufklärung. Bereits um 1000 n. Chr., zu Beginn desr Mittelalterlichen Wärmeperiode, gab es eine starke Erwärmung, die sogar noch schneller ablief als in der aktuellen Erwärmungsphase. Hier eine Temperaturrekonstruktion von Davi et al. 2015 für die zentrale Nord-Mongolei (Abb. 2):

 

Abbildung 2: Temperaturrekonstruktin von Davi et al. 2015 für die zentrale Nord-Mongolei.

 

2. Kalte Winter als Folge der globalen Erwärmung?

Die Sommertemperaturen scheinen aber gar nicht das Problem darzustellen. Die kalten Winter töten. Sind sie wirklich eine Folge der globalen Erwärmung? Intuitiv will das nicht zusammenpassen. Wir schauen in der Fachliteratur nach. Journalisten tun so etwas offenbar nicht, behaupten einfach etwas, weil sie es irgendwo einmal aufgeschnappt haben. Mit drei Stichworten werden wir sofort fündig. Eine Forscherguppe um Xianfeng Liu hat das Thema professionell untersucht und im März 2015 im Journal of Geographical Sciences die Ergebnisse veröffentlicht. Das überraschende Resultat: Die Kältewellen (“Dzuds”) sind in den letzten 50 Jahren seltener (nicht häufiger) geworden. Die Forscher fanden zudem, dass die Häufigekeit der Kältewellen eng an die Entwicklung der Ozeanzyklen gekoppelt ist. Hier der Abstract:

Spatiotemporal changes of cold surges in Inner Mongolia between 1960 and 2012
In this study, we analyzed the spatiotemporal variation of cold surges in Inner Mongolia between 1960 and 2012 and their possible driving factors using daily minimum temperature data from 121 meteorological stations in Inner Mongolia and the surrounding areas. These data were analyzed utilizing a piecewise regression model, a Sen+Mann-Kendall model, and a correlation analysis. Results demonstrated that (1) the frequency of single-station cold surges decreased in Inner Mongolia during the study period, with a linear tendency of −0.5 times/10a (−2.4 to 1.2 times/10a). Prior to 1991, a significant decreasing trend of −1.1 times/10a (−3.3 to 2.5 times/10a) was detected, while an increasing trend of 0.45 times/10a (−4.4 to 4.2 times/10a) was found after 1991. On a seasonal scale, the trend in spring cold surges was consistent with annual values, and the most obvious change in cold surges occurred during spring. Monthly cold surge frequency displayed a bimodal structure, and November witnessed the highest incidence of cold surge. (2) Spatially, the high incidence of cold surge is mainly observed in the northern and central parts of Inner Mongolia, with a higher occurrence observed in the northern than in the central part. Inter-decadal characteristic also revealed that high frequency and low frequency regions presented decreasing and increasing trends, respectively, between 1960 and 1990. High frequency regions expanded after the 1990s, and regions exhibiting high cold surge frequency were mainly distributed in Tulihe, Xiao’ergou, and Xi Ujimqin Banner. (3) On an annual scale, the cold surge was dominated by AO, NAO, CA, APVII, and CQ. However, seasonal differences in the driving forces of cold surges were detected. Winter cold surges were significantly correlated with AO, NAO, SHI, CA, TPI, APVII, CW, and IZ, indicating they were caused by multiple factors. Autumn cold surges were mainly affected by CA and IM, while spring cold surges were significantly correlated with CA and APVII.

 

Abbildung 3: Häufigkeit (Frequenz) von Kältewellen in der Inneren Mongolei (typische Station). Aus: Liu et al. 2015.

 

Eine weitere Publikation stammt von Rao et al. 2015 und erschien in den Environmental Research Letters. Sie trägt den Titel:

Dzuds, droughts, and livestock mortality in Mongolia

Die wichtigste Abbildung aus dem Paper zeigt die Wintertemperaturen der letzten 60 Jahre (rote Kurve) und die Sterbeziffer des Viehs (schwarze Kurve). Auch hier wird klar: Phasen mit kalten Wintern hat es auch in der Vergangenheit gegeben, sogar mehr als heute. Die besonders hohen Mortalitätsraten in jüngster Zeit müssen also andere, nichtklimatische Gründe haben. Die Autoren führen Überweidung als Mitursache auf und zeigen, dass die Zahl der gehaltenen Ziegen und Schafe in der Mongolei in den letzten 20 Jahen geradezu explodiert ist.

Abbildung 4: Wintertemperaturen (rot) und Mortalitätsrate des Viehs in der Mongolei während der vergangenen 60 Jahre. Aus: Rao et al. 2015