Indien steigert Getreideproduktion trotz Dürren

Die französische Ministerin für Umwelt, Energie und Meeresangelegenheiten, zuständig für die internationale Klimapolitik, Ségolène Royal, startete im Rahmen der Umweltkonferenz in Paris am 25. April 2016 eine neue Internet-Plattform, mit der die weltweit 100 innovativsten Bürgerinitiativen für das Klima gefördert werden sollen. Mit am Start ist auch unser Kartierprojekt zur Mittelalterlichen Wärmeperiode, das nun als offizielles wählbares Projekt aufgenommen wurde. Vom 6. Juni bis zum 6. Juli 2016 können die Bürger dann ihre Favoriten auswählen. Nach der Abstimmung der Internetnutzer werden die 100 Projekte mit den meisten Stimmen von Ségolène Royal zum Sieger gekürt. Diese werden bis zur COP22 im November in Marrakesch betreut und gefördert. Wir hoffen natürlich auf Ihre Unterstützung und werden Sie hier im Blog nochmals an die Wahl erinnern, wenn die Urnen geöffnet sind.

 

Das Projekt ist als aktiv gemeldet und ist dank Ihrer großzügigen Unterstützung bereits zu 50% gefördert. Nähere Informationen zum MWP-Kartierprojekt gibt es hier.

Die Kartierung macht mittlerweile gute Fortschritte. Die Grundidee war, zunächst die Südhalbkugel bevorzugt zu bearbeiten, da es immer wieder Ideen gab, die Mittelalterliche Wärmeperiode könnte möglicherweise auf die Nordhalbkugel und speziell den nordatlantischen Raum beschränkt gewesen sein. Die Datenerfassung für Afrika, Antarktis, Australien und Ozeanien ist nun abgeschlossen und beweist, dass die MWP hier ebenfalls prominent ausgebildet ist. In Südamerika sind vor allem die Daten im Nordwestteil bereits aufgenommen, während der Rest demnächst folgt. Die Online-Datenkarte gibt es hier. Farbcode wie gehabt: Rot=warme MWP, blau=kalte MWP, gelb=trocken, grün=feucht. Dabei wird der Niederschlagsfarbcode nur angezeigt, wenn es keine Informationen zur Temperatur gibt.

In den letzten Wochen konzentrierte sich die Kartierung auf das Mittelmeergebiet, Arabien und das Kaspische Meer. Nachdem diese Regionen fertiggestellt sind, bewegt sich der Fokus nun in Europa nordwärts. Vor kurzem wurden die Studien der Schweiz und Österreich eingebaut. Die MWP war durchweg heiß und trocken:

Nun geht es weiter nach Deutschland, Benelux und Großbritannien. Welches Klima herrschte dort zur Zeit der MWP?

Frankreich ist übrigens bereits fertig. Umso seltsamer sind die Datenlücken im Norden des Landes. Auch im östlichen Österreich gibt es kaum MWP-Daten, was verwundert, angesichts der großen Bedeutung des Klimathemas. Zwischenzeitlich wurde auch geeignete Software identifiziert, mit der die vielen Klimakurven digitalisiert und verglichen werden können. Eine spannende Aufgabe, sobald die weltweite Datenerfassung erst einmal abgeschlossen ist. Die Resultate sollen dann in wissenschaftlichen Arbeiten aufgeteilt nach Regionen zusammengefasst beschrieben werden. Wir werden Sie weiter auf dem Laufenden halten.

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Die Neue Zürcher Zeitung druckte am 19. Mai 2016 einen lesenwerten Beitrag von Silvio Borner, em. Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Basel.

Prognosen für Klima und Wirtschaft
[...] Modell-Prognosen stützen sich auf Annahmen sowohl bezüglich der künftigen Zusammenhänge wie der exogenen Faktoren. Sie sind hilfreich, aber niemals «wahr». Aus diesen Gründen sind alle «Doom-Prognosen» über die Grenzen des Wachstums so kläglich gescheitert. Damit wären wir beim Klima. CO2 ist ein Faktor unter vielen – wie Vulkaneruptionen, Verschiebungen von Kontinentalplatten, Strömungsveränderungen in den Meeren, aber vor allem auch die Sonnenaktivität oder astronomische Konstellationen. Das wissen natürlich die Klimaforscher auch und versuchen, den CO2-Einfluss in einem Modell abzubilden, das diese Faktoren mitberücksichtigt – aber eben auf dem Stand des heutigen Wissens und mit Daten von gestern. Wie diese Faktoren in der komplexen Realität zusammenwirken und sich bei Veränderungen einzelner exogener Ursachen via Rückkoppelungen auf das Resultat auswirken, können wir nicht wissen. Was wäre, wenn ein Vulkan die Atmosphäre auf Jahre hinaus verdunkelte?

Ganzen Artikel in der NZZ lesen.

Mit Dank an notrickszone.

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Im Jahr 2009 warnte die Neue Zürcher Zeitung in dramatischen Tönen:

Dem Subkontinent drohen durch die Veränderung des Monsuns mehr Dürren und Flutkatastrophen
Der Klimawandel wird Indien teuer zu stehen kommen

Dürren hat es in Indien natürlich immer schon gegeben, stark beeinflusst von der Sonnenaktivität. Auch in den letzten Jahren litt der Subkontinent wieder unter Dürren. Die Landwirtschaft wusste sich jedoch zu schützen und verwies die Weltuntergangsszenarien der Klimaaktivisten ins Land der Fabelwelt. Die Getreideernte ist trotz Dürren weiter gestiegen! Die indische Webplattform live mint hatte am 10. Mai 2016 Überraschendes zu vermelden:

Drought fails to dampen foodgrain output
Foodgrain production set to grow marginally despite widespread drought in 11 states, third advance estimates released by farm ministry shows
Despite widespread drought in 11 states across the country, India’s foodgrain production is actually set to grow marginally, the third advance estimates released by the agriculture ministry on Monday showed. Total foodgrain production in 2015-16 is estimated at 252.23 million tonnes, marginally higher than 252.02 million tonnes produced in 2014-15, the data shows. If the estimates hold up, it would imply that the damage to the agrarian economy is less than what had been initially feared; at the same time, it also reflects a degree of resilience of Indian agriculture to a deficit monsoon.

Weiterlesen auf live mint.

Dazu passt auch eine Meldung der New York Times vom 8. Mai 2016. Trotz Dürre, hat sich die Versorgungslage in Äthiopien nicht verschlechtert:

Is the Era of Great Famines Over?
The worst drought in three decades has left almost 20 million Ethiopians — one-fifth of the population — desperately short of food. And yet the country’s mortality rate isn’t expected to increase: In other words, Ethiopians aren’t starving to death. I’ve studied famine and humanitarian relief for more than 30 years, and I wasn’t prepared for what I saw during a visit to Ethiopia last month. As I traveled through northern and central provinces, I saw imported wheat being brought to the smallest and most remote villages, thanks to a new Chinese-built railroad and a fleet of newly imported trucks. Water was delivered to places where wells had run dry. Malnourished children were being treated in properly staffed clinics.

Weiterlesen in der New York Times.

Seit den 1970er Jahren ist die Opferzahl durch Hungersnöte stark gefallen. Eine gute Entwicklung, die so gar nicht zu den apokalyptischen Visionen der Aktivisten zu passen scheinen. Graphik des International Food Policy Research Institute:

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Nachdem die Erdölindustrie im Zusammenhang mit dem Klimawandeln etliche Jahre die Duck-and-Cover- sowie Appeasement-Strategien versucht hatte, hat man sich nun offenbar wieder auf einen technischen Dialog zurückbesonnen. Judith Curry wurde kürzlich von der Society of Petroleum Engineers (SPE) gebeten, ein 60-minütiges Webinar zum Klimawandel abzuhalten. Currys Präsentationsfolien gibt es hier.  Es bleibt zu hoffen, dass auch andere Organisationen nun endlich wieder die fachliche Auseinandersetzung mit dem Thema zulassen. Das gilt auch für die Deutsche Gesellschaft für Geowissenschaften (DGG), die zunächst für ihre Mitglierzeitschrift einen Artikel zum Klimawandel in Deutschland anfragte und dann in letzter Minute einen Rückzieher machte. Offenbar politisch nicht durchsetzbar. Der Beitrag erschien schlußendlich im Kalte-Sonne-Blog.