Hitzewellen in den Great Plains verlassen erst um 2070 Bereich der natürlichen Schwankungbreite

FAZ am 6. März 2018 mit einem Artikel zu einer tollen Kampagne – und einer überraschenden Fußnote:

Tausend Milliarden Bäume: Wie ein Student den Klimawandel stoppen will
Der bayerische Student Felix Finkbeiner gibt sich nicht mit Appellen zufrieden. Er will den Klimawandel stoppen. Und hat schon viele Sponsoren zusammen, die Bäume pflanzen.

[...] Die Zahl der Bäume auf der Welt kannte vor Jahren dabei noch niemand. Finkbeiner wollte sie wissen. „Wir haben dafür ein Institut an der ETH Zürich gegründet“, erklärt er. Er habe den Kontakt zu Wissenschaftlern aus Yale hergestellt, die sich auf computergestützte Flächenprognosen verstehen, diese hätten ein Rechenmodell aufgesetzt, das ergab, dass auf der Welt drei Billionen Bäume wüchsen – „heute ist das eines der meistzitierten naturwissenschaftlichen Papiere der Welt“. Finkbeiner suchte kurzerhand Sponsoren und holte die drei Wissenschaftler aus Yale sowie zwei weitere Forscher an die ETH Zürich, wo nun das Baumflächen-Forschungslabor Crowther Lab bis 2030 mit Drittmitteln finanziert sei.

Ein toller Kerl, dieser Finkbeiner. Trotz junger Jahre ist er bereits Institutsgründer, der Geld und Spezialisten aus der ganzen Welt zusammensammelt. Aber ganz so ist es vielleicht doch nicht, wie eine unter dem Artikel angebrachte Richtigstellung der ETH Zürich suggeriert:

Ergänzung: Die Vorsteherin des Departements Umweltsystemwissenschaften der ETH Zürich, Prof. Nina Buchmann, möchte auf „Unstimmigkeiten“ in Finbeiners Aussagen hinweisen. Buchmann merkt an: „Niemand an der ETH Zürich hat ein Institut für die weltweite Baumzählung gegründet. Tom Crowther, der mit Felix Finkbeiner in engem Kontakt steht, wurde 2017 als Assistenzprofessor an die ETH Zürich berufen. Organisatorisch ist Prof. Crowther als Leiter des ,,Crowther Lab“, dem Institut für Integrative Biologie, angegliedert. Dieses Institut besteht seit Jahren. Prof. Crowther ist Hauptautor der von Herrn Finkbeiner zitierten Studie über den weltweiten Baumbestand. Diese Studie wurde (gemäß Google Scholar) bisher nur 121 mal zitiert. Zum Vergleich: Das meistzitierte Paper wurde laut ,,Nature“ über 300 000 mal zitiert. Die Behauptung, es handle sich um eines der ,,meistzitierten naturwissenschaftlichen Paper der Welt“, ist also nachweislich falsch. Finkbeiners Behauptung, Leute (darunter Prof. Crowther) an die ETH ,,geholt“ zu haben, ist falsch und anmassend. Für Berufungen zuständig ist einzig der Präsident der ETH Zürich, der seine Vorschläge dem ETH-Rat, der Dachorganisation aller Institutionen des ETH-Bereichs, unterbreitet. Die Finanzierung des Crowther Lab läuft über eine Basisfinanzierung der ETH Zürich. Zusätzlich hat Prof. Crowther Mittel für Forschung eingeworben. Felix Finkbeiner mag das Crowther Lab mit finanziellen Mitteln unterstützen, die Finanzierung einer Professur, wie er suggeriert, gehört jedoch nicht dazu.

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Wann werden die Hitzewellen in den USA wohl den Bereich der natürlichen Schwankungsbreite verlassen? Forscher aus Florida haben es jetzt nachgerechnet. In den Great Plains wird es wohl noch ein halbes Jahrhundert dauern, bis sich der menschengemachte Klimawandel zeigt. Beitrag auf ars technica am 20. März 2018:

When will the US feel the heat of global warming? For the Great Plains, natural variability will dominate until late this century
A team of researchers has now looked at heat waves in the US, trying to determine when a warming-driven signal will stand out above the natural variability. And the answer is that it depends. In the West, the answer is “soon,” with climate-driven heat waves becoming the majority in the 2020s. But for the Great Plains, the researchers show that a specific weather pattern will push back the appearance of a warming signal until the 2070s.

Weiterlesen auf  ars technica

Paper: Early emergence of anthropogenically forced heat waves in the western United States and Great Lakes, Nature Climate Change (2018). nature.com/articles/doi:10.1038/s41558-018-0116-y

Pressemitteilung auf phys.org hier.