Hamburger Max-Planck-Forscher Stevens: “Unsere Computer sagen nicht einmal mit Sicherheit voraus, ob die Gletscher in den Alpen zu- oder abnehmen werden”

Die Klimamodelle stehen weiter in der Kritik. Sie haben weder die Abbremsung der Erwärmung zu Beginn der Jahrtausendwende kommen sehen, noch gelingt es ihnen, die Temperaturentwicklung der letzten Jahrtausende zu reproduzieren. Die Print-Ausgabe des Spiegel brachte am 22. März 2019 einen ausgezeichneten Beitrag über die Probleme der Klimamodelle. Der Artikel von Johann Grolle ist leider nur für Abonnenten zugänglich, aber er ist es wert, den Gratismonat zu aktivieren bzw. das Heft zu bestellen. Hier einige Auszüge:

Warum die Vorhersagen zur Erderwärmung so schwierig sind

Vorhersagen zur globalen Erwärmung sind noch immer erstaunlich ungenau. Supercomputer und künstliche Intelligenz sollen helfen.

[...] Schon in den Siebzigerjahren wurde [die Klimasensitivität] mithilfe primitiver Computermodelle ermittelt. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass ihr Wert vermutlich irgendwo zwischen 1,5 und 4,5 Grad liegen dürfte. An diesem Ergebnis hat sich bis heute, rund 40 Jahre später, nichts geändert. Und genau darin liegt das Problem. Die Rechenleistung der Computer ist auf das Vielmillionenfache gestiegen, aber die Vorhersage der globalen Erwärmung ist so unpräzise wie eh und je. “Es ist zutiefst frustrierend”, sagt Bjorn Stevens vom Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie. [...] Stevens hat selbst viel beigetragen zum Fortschritt. Und doch musste er sich immer wieder aufs Neue eingestehen, dass seine Zunft, was die Vorhersage des Klimawandels betrifft, auf der Stelle tritt.

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Um sich jedoch konkret auf das Kommende vorzubereiten, taugten die Modelle der Klimaforscher nicht. Als Entscheidungshilfe beim Bau von Deichen und Entwässerungskanälen seien sie ungeeignet. “Unsere Computer sagen nicht einmal mit Sicherheit voraus, ob die Gletscher in den Alpen zu- oder abnehmen werden”, erklärt Stevens. Die Schwierigkeiten, denen sich er und seine Forscherkollegen gegenübersehen, lassen sich in ein Wort fassen: Wolken. Die träge über den Himmel ziehenden Gebirge aus Wasserdampf sind der Fluch aller Klimaforscher.

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Die Forscher können in ihren Modellen das Wasser nicht verdunsten, aufsteigen und kondensieren lassen, so wie es dies in der Wirklichkeit tut. Sie müssen sich mit mehr oder weniger plausiblen Faustregeln behelfen. “Parametrisierung” heißt das Verfahren, doch die Forscher wissen: In Wirklichkeit ist das der Name einer chronischen Krankheit, von der all ihre Klimamodelle befallen sind. Oft liefern sie drastisch voneinander abweichende Ergebnisse. Die Temperaturen in der Arktis zum Beispiel klaffen in den verschiedenen Modellen um teilweise mehr als zehn Grad auseinander. Das lässt jede Prognose der Eisbedeckung wie bloße Kaffeesatzleserei erscheinen.

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Einstweilen allerdings ist nur gewiss, dass die Menschheit noch einige Zeit auf handfestere Klimaprognosen wird warten müssen. Und selbst wenn sich die Wolken irgendwann den Gleichungen der Forscher fügen, wird die Welt dann sicher vor Überraschungen sein? Keiner der beiden Forscher mag da Entwarnung geben. “Wir betreten unkartiertes Terrain”, sagt Schneider. “Da gibt es keine Gewissheiten.”

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