Früher Hering verpasst den Krebs: Wer zu früh kommt, den bestraft das Leben

Die taz berichtete am 23. August 2018:

Heringsfischerei in der Ostsee: Wir haben kein Öko-Etikett für dich
Heringsfischer in der westlichen Ostsee verlieren das Siegel für nachhaltigen Fang. Wegen des Klimawandels fehlt der Nachwuchs der Tiere.

[...] „Die Temperatur in der Ostsee hat sich in für den Hering wichtigen Regionen und zu bestimmten Zeiten in den vergangenen 30 Jahren um bis 2,5 Grad erhöht“, erklärt der Chef des Thünen-Instituts für Ostseefischerei, Christopher Zimmermann. In der Folge habe sich „der fischbare Heringsbestand von etwa 200.000 Tonnen auf 110.000 Tonnen halbiert“. Der Zusammenhang: Die Heringe machen sich immer früher auf zu ihren Laichgebieten, geben ihre Eier ab, daraus schlüpfen die Larven. Diese brauchen, wenn nach etwa einer Woche der Dottersack aufgezehrt ist, was zu fressen: noch nicht ausgewachsene Kleinkrebse. Doch die fehlen so früh im Jahr noch, weil sie sich wiederum von Algen ernähren. Und die brauchen Licht, das zu der Zeit noch nicht da ist. Zu wenige junge Heringe überleben.

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In der Tat gingen die Ostseetemperaturen Ende der 1980er Jahre um 1 Grad nach oben, was offenbar auch mit der positiven Phase der Nordatlantischen Oszillation (NAO) zu tun hat.  Sollte die NAO in den kommenden Jahren wieder abstürzen, so könnte dies den Heringen nützen und sich ihr Rhythmus wieder einpendeln.

Übrigens hatten die Heringe wohl auch schon vor 1000 Jahren stark unter einer Warmphase zu leiden. Laut einer Studie im Gotlandbecken (Leipe et al. 2008) herrschten zur Zeit der Mittelalterlichen Wärmeperiode vor 1000 Jahren in der Ostsee ähnliche Bedingungen wie heute. Durch die damals warmen Temperaturen entwickelte sich eine stabile Wasserschichtung mit Zustrom von salzhaltigerem Wasser aus der Nordsee. Dies führte zu Sauerstoffmangelbedingungen am Meeresboden der Ostsee und der Ausbildung von Sedimenten die reich an organischer Materie waren, wie dies auch aktuell der Fall ist. Während der Kleinen Eiszeit änderten sich die Bedingungen drastisch, das Klima kühlte sich ab. Der Zustrom an salzigem Nordseewasser war reduziert und der Wasserkörper der Ostsee konnte sich besser durchmischen. Hierdurch gelangte Sauerstoff in die bodennahen Wasserschichten, und der organische Gehalt des Sediments verringerte sich signifikant. Die im Meeresboden der Ostsee gespeicherte Klimageschichte stellt ein wichtiges Archiv dar, in dessen Kontext der heutige Klimawandel zu interpretieren ist.