Eduardo Zorita vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht: IPCC-Zusammenfassungen sind Resultat obskurer Verhandlungen

Bereits im Oktober 2012 erschien im Blog ”Die Klimazwiebel” ein Interview, das Hans von Storch mit Eduardo Zorita geführt hat. Zorita ist Klimawissenschaftler am Helmholtz-Zentrum Geesthacht und war Contributing Author im IPCC-Bericht von 2007. Das Interview erschien im Blog auf englisch. Im Folgenden übersetzen wir einige bemerkenswerte Passagen:

Zorita: Ich kann momentan wirklich nicht erkennen, wie der IPCC den Entscheidern aus der Politik helfen kann. Ich vermute, dass nur wenige oder vielleicht sogar gar keiner der Politikentscheider den Bericht der Arbeitsgruppe 1 [des IPCC] lesen. Die Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger wird gemeinschaftlich von Regierungsvertretern und Wissenschaftlern verfasst. Daher scheint sie mir ein Resultat obskurer Verhandlungen zu sein. Dies führt zu allerlei seltsamen Anreizen, auch für Wissenschaftler. In einigen Ländern hängt die berufliche Beförderung davon ab, ob die eigenen Arbeiten vom IPCC zitiert wurden. Dies deutet bereits an, in welcher Weise die IPCC-Berichte für Zwecke missbraucht werden, die nichts mehr mit der ursprünglichen Idee zu tun haben. Ich denke, ein anders aufgezogener IPCC wäre sehr viel nützlicher. Nach dem Space Shuttle Challenger Unglück bat zum Beispiel die US-Regierung Feynman darum, eine Untersuchung durchzuführen. Der IPCC könnte vielleicht auf diese Weise funktionieren: Eine Kommission die von unabhängigen Wissenschaftlern geleitet wird, die hingegen nicht selber Klimawissenschaftler sind, jedoch das allgemeine wissenschaftliche Verständnis haben, die von ihnen für notwendig gehaltenen Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammenzutragen.

Einige Wissenschaftler fühlen sich dazu berufen, die Politik direkt zu beeinflussen. Ich habe jedoch den Eindruck, dass eben diese Wissenschaftler am Ende nur von der Politik misbraucht werden, um sich bei den nächsten Wahlen  mit grünen Lorbeeren zu schmücken. [...] Ich persönlich hätte mich für eine viel stärkere Transparenz eingesetzt, zum Beispiel indem die Treffen der IPCC-Autoren öffentlich im Internet übertragen würden.

Von Storch: Du hast das Klimazwiebel-Blog innerhalb von nur einer Stunde oder so gegründet, am 9. Dezember 2009. Was war Deine Motivation dahinter? Zu welchem Zweck?  

Zorita: Das war unmittelbar nach Climategate. Wir waren der Ansicht, dass sich die Zeiten bereits ausreichend geändert hatten, so dass nun eine offenere Diskussion über klimatische Fragen möglich sein würde. Dazu gehört auch eine unverzerrtere Berichterstattung über die Klimaforschung. Ich hatte mir erhofft, dass die Diskussionen hier rationaler ablaufen, zumindest weniger aggressiv als in anderen Blogs. Gleich zu Beginn hatten wir uns darüber verständigt, die Kommentare nicht zu moderieren, natürlich von naheliegenden Ausnahmen abgesehen.

Lesen Sie das vollständige Interview auf der Klimazwiebel.

Man kann sich den Äußerungen von Zorita nur voll und ganz anschließen. Gesunder Menschenverstand und vernünftiges Abwägen sind in diesem Fach leider zur großen Seltenheit geworden. Da wundert es nicht, dass prominente Klimaalarmisten Eduardo Zorita aus ihren Entscheidungszirkeln herausmobben wollten. Im Rahmen der Climategate-Emails wurde unter anderem die folgende Email des Hockey Stick-Erfinders Michael Mann an das Hauptquartier der Arbeitsgruppe 1 des IPCC an der Universität Bern bekannt:

cc: Phil Jones <???@uea.ac.uk>, Keith Briffa <???@uea.ac.uk>, Heinz Wanner <???@giub.unibe.ch>
date: Tue, 29 Nov 2005 10:26:33 -0500
from: ”Michael E. Mann” <???@meteo.psu.edu>
subject: Re: Workshop: Participants/ 1. Circular
to: Christoph Kull <???@pages.unibe.ch>

Christoph,

Can I please have an explanation of what happened here???? You sent
out a list yesterday of partipipants that we had all agreed upon. Today,
you sent out emails to a DIFFERENT list, inviting an additional
participant (Zorita) who we SPECIFICALLY DISCUSSED and decided (as I
understood it) would not be invited because of personality conflict
issues. At the very least, this needed further discussion, not
unilateral overruling without notice.

I’d like an explanation of what happened here. I do not believe
that this event will be constructive and amicable with Zorita‘s
participation. If the recommendaitons of the organizers are not going to
be followed, I am unsure I can participate in or endorse this event. If
Zorita is in, I am out!

Mike

Zorita forderte daraufhin zu recht in einem Blogbeitrag, dass Michael Mann,  Phil Jones und Stefan Rahmstorf aus dem IPCC-Betrieb ausscheiden sollten, da ihre wissenschaftlichen Einschätzungen als nicht mehr glaubhaft anzusehen sind. Und in der Tat, keiner der genannten Kollegen ist im aktuell entstehenden 5. Klimazustandsbericht des IPCC mehr mit dabei (siehe Autorenliste). Möglicherweise hat die Kritik gefruchtet. Zorita berichtete damals auch über unhaltbare Zustände in seinem Fach. Wissenschaftler, die nicht mit der IPCC-Sichtweise einverstanden waren, würden gegängelt und in sanfter Weise erpresst werden. In einer solch ungesunden wissenschaftlichen Atmosphäre kämen Doktoranden in die Versuchung, ihre Daten so zu präsentieren, dass sie in die politisch korrekte Sichtweise passen.

 

Mit Dank an Tom Nelson und Climate Depot.
Zorita-Foto oben rechts: E. Zorita / This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.