Die unterschätzten Millenniumszyklen: Erst wenn die natürliche Zyklik verstanden ist, kann der Beitrag des Menschen abgeschätzt werden

Angesichts der gerade zu Ende gehenden wissenschaftshistorischen Phase des Klimaalarmismus muss man sich fragen, wie es eigentlich zu diesem Irrglauben kommen konnte. Drang nach öffentlicher Beachtung, aktivistische Neigungen und Groupthink sind nur einige Teile dieses Puzzles. Ein anderes wichtiges Element ist die Fehlinterpretation der natürlichen Klimavariabilität in der vorindustriellen Zeit. Noch vor einem Jahrzehnt war man davon überzeugt, die Temperaturen wären über viele Jahrhunderte und Jahrtausende stabil geblieben, und erst seit Beginn der industriellen Phase ab 1850 wäre das Thermometer dann angestiegen.

Heute wissen wir es besser. Eine Vielzahl von Studien dokumentiert natürliche, zyklische Schwankungen des Klimas, mit Temperaturänderungen, die in ihrem Betrag der Erwärmung des 20. Jahrhunderts entsprechen oder diese sogar übertreffen. In der Dezember 2103-Ausgabe des Fachmagazins Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology erscheint jetzt eine Arbeit eines brasilianisch-norwegischen Forscherteams um Thiago Santos. Mithilfe von Isotopen rekonstruierten die Wissenschaftler die Temperaturgeschichte des Südatlantiks vor der Küste Brasiliens für die vergangenen 10.000 Jahre. Dabei fanden sie charakteristische Zyklen im hundert bis tausend-Jahres-Maßstab. Als Auslöser dieser systematischen Schwankungen sehen Santos und seine Kollegen Änderungen der Sonnenaktivität sowie im Klimasystem selbst erzeugte, interne Schwingungen.

Bereits 2011 war in der Zeitschrift Geology eine Arbeit eines brasilianisch-US-amerikanischen Teams um Nicolás Stríkis erschienen, in der auf Grundlage von Höhlentropfstein-Auswertungen zyklische Schwankungen im südamerikanischen Monsun dokumentiert wurden. Die Autoren sehen einen klaren Bezug zu solaren Aktivitätsschwankungen, insbesondere zu den Zyklen, die ein Team um Gerard Bond bereits 2001 aus dem Nordatlantik beschrieben hatte (siehe Kapitel 3 in “Die kalte Sonne”). Diese hätten Einfluss auf die atlantische Ozeanzirkulation, so dass sich das Klimasignal ozeanweit und schließlich weltweit ausbreiten kann. Im Folgenden die Kurfassung des Geology-Artikels:

Well-dated high-resolution oxygen isotope records of speleothems in central-eastern Brazil spanning from 1.3 to 10.2 kyr B.P. reveal that the occurrence of abrupt variations in monsoon precipitation is not random. They show a striking match with Bond events and a significant pacing at ∼800 yr, a dominant periodicity present in sea surface temperature records from both the North Atlantic and equatorial Pacific Oceans that is possibly related to periods of low solar activity (high 14C based on the atmospheric Δ14C record). The precipitation variations over central-eastern Brazil are broadly antiphased with the Asian and Indian Monsoons during Bond events and show marked differences in duration and structure between the early and late Holocene. Our results suggest that these abrupt multicentennial precipitation events are primarily linked to changes in the North Atlantic meridional overturning circulation (AMOC). Anomalous cross-equatorial flow induced by negative AMOC phases may have modulated not only the monsoon in South America but also affected El Niño−like conditions in the tropical Pacific during the Holocene.

In einer weiteren Arbeit im Fachmagazin Geology hatte 2009 eine japanische Gruppe um Dai Isono charakteristische 1500-Jahres-Zyklen vor der Küste Japans nachgewiesen, die ebenfalls in das Spektrum der Bond-Zyklik fallen:

Suborbital climate variability during the last glacial period is suggested to have involved a 1500-year pacing cycle, but the expression and spatial distribution of the ~1500-year oscillation during interglacials remains unclear. We generated a multidecade resolution record of alkenone sea surface temperature (SST) in the northwestern Pacific off central Japan during the Holocene. The SST record showed centennial and millennial variability with an amplitude of ~1 °C throughout the entire Holocene. Spectral analysis for SST variation revealed a statistically significant peak with 1470-year periodicity. The SST variation partly correlated with the variations of ice-rafted hematite-stained grain content in North Atlantic sediments. These findings indicate that the mean latitude of the Kuroshio Extension has varied on a 1500-year cycle, and suggest that a climatic link exists between the North Pacific gyre system and the high-latitude North Atlantic thermohaline circulation. The regular pacing at 1500-year intervals seen throughout both the Holocene and the last glacial period suggests that the oscillation was a response to external forcing. 

Die Arbeiten zeigen erneut, wie wichtig der paläoklimatische Kontext für die aktuelle Klimadiskussion ist. Erst wenn die natürliche Zyklik verstanden ist, lohnt es sich, weitreichende Prognosen über die anthropogene Komponente abzugeben.

 

Foto oben rechts: Ricardo Polisel Alves / Lizenz: This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.