Der Alpenschnee im Januar – Klimawandel?

Von Frank Bosse

Der viele Alpenschnee im Januar – Ist das der Klimawandel? Der DWD sagt es, auf den zweiten Blick sehr vorsichtig:

„Die mit dem Klimawandel einhergehende potentielle Intensivierung der Winterniederschläge in Verbindung mit der Häufung von Wetterlagen,…“

Was heißt hier potentiell? „Wir haben  den Klimawandel schon, seit den 80ern ganz massiv!“ lesen wir allenthalben. Kann man dann nicht nachweisen anhand der Beobachtungen aus 37 Jahren, dass die alpinen Schneemengen dem (menschgemachten implizieren wir mal) Klimawandel geschuldet sind? Wenn nicht, wie kann man wissen, dass es „potentiell“ so kommen wird? Weiter heißt es dazu weiter unten im DWD- Papier:

„ Analysen des DWD zeigen, dass die an den vergangenen Tagen aufgetretene Wetterlage mit Zustrom feuchtkalter Luft aus nördlichen Richtungen in Zukunft vermutlich häufiger vorkommen wird. Außerdem zeigen Klimaprojektionen, dass sich Winterniederschläge in Zukunft intensivieren dürften…“

Es wimmelt nur so von Konjunktiven und Zukunftsverweisen, nicht eine handfeste Analyse. Sollte sich der schon aufgetretene Klimawandel also nicht zur Analyse eignen? Wir bleiben nachdenklich. Anders geht Prof. Rahmstorf vom PIK vor. Er hat den Übeltäter ausgemacht und zeigt uns in einem Tweet „wie die Physik wirkt“:

Abb.1: Bild aus dem zitierten Tweet mit der Strömung (500mb Höhe) am 14.1.2019.

 

Aha! Da kommt also eine Nordwest- Strömung vom Nordatlantik, am Ende über die noch warme Nordsee und lädt sich mit Feuchtigkeit auf, die dann in den Alpen als Schnee ausfällt. Auf der Alpensüdseite ist folgerichtig Fön. Es sind also die Oberflächentemperaturen (SST für SeaSurfaceTemperatures) der südlichen Nordsee ( 52°N…57°N; 0°O…7°O), die den Klimawandel ins Schneewetter tragen. Darüber hat sich schon der Autor dieses Artikels seine Gedanken gemacht mit dem Ergebnis: eher nicht.

Wir sind weiter im Zweifel und wollen uns diese SST nicht nur über den unmittelbaren Zeitraum der Ereignisse in den Alpen anschauen sondern wirklich klimatisch. Wir nehmen eine Satelliten- Reihe der NOAA her, sie reicht bis Dezember 2018, also bis fast genau an die kritischen Tage heran. Wir schauen nach allen Dezembern seit 1982:

Abb. 2: Die SST der südlichen Nordsee ( 52-57°N; 0-7°O) jeweils im Dezember mit dem linearen Trend.

 

Da ist ja der Klimawandel, die Dezember- Temperaturen sind seit 1982 um 0,6°C angestiegen! Wirklich? Der Trend ist recht unsicher, die Ausschläge um ihn herum sind gewaltig. Bei Licht besehen gab es viele Jahre zu Beginn der Meßreihe als es wärmer war und keine „Schneekatastrophe…“ Der Trend ist daher auch nicht signifikant (95% Konfidenz). Aber das bedeutet ja noch nicht, dass er tatsächlich vorhanden sein kann. Wir machen also einen Test, ob der  Trend nicht etwa das Produkt von reinem Zufall ist.  Hierzu gibt es ein statistisches Werkzeug, die Ermittlung des Hurst-Exponenten.

Er sagt etwas darüber, ob ein „Langzeitgedächtnis“ in einer Reihe vorliegt oder nicht. Ist er nahe 0,5 so ist es ein „random walk“ mit dem man es zu tun hat. Liegt er bei 1 dann liegt ein ausgeprägtes Langzeitsignal auf der Reihe. Wir würden beim Klimawandel so etwas vermuten. In der Realität liegt er in unserem Falle bei 0,53, ein nahezu perfekter Zufall,auch Wetter genannt! Aber Klimawandel ist kein Zufall!

Die Temperaturen der südlichen Nordsee können also nicht die Ursache sein, anders als Rahmstorf suggerieren möchte. Wir schauen nochmals auf Abb.1: Der Wind überstreicht da große Teile des Nordatlantiks. Wir wollen auch da suchen. Hierzu werten wir eine etwas längere Messreihe aus, ERSSTv5, sie wird auch herangezogen um die globalen Temperaturen der NASA zu ermitteln.

Abb.3: Die Dezember-SST für die Meeresfläche 50-65°N; 20°W-10°O (blau) und der AMO-Index (schwarz), beides 5-jährig geglättet.

 

Wir vergleichen die Daten mit dem AMO-Index, er beschreibt eine natürliche Fluktuation der Temperaturen des Nordatlantiks. Ergebnis: Die Meeresoberflächentemperaturen, die vom Windfeld in Abb.1 überstrichen wurden, zeigen auch keine Signatur des Klimawandels seit 1970 sondern sind Ausdruck natürlicher Variabilität.

Mehr können wir wohl nicht tun, um Rahmstorfs These zu validieren. Sie ist durchgefallen. Die Schneefälle Anfang Januar in den Alpen sind Wettererscheinungen, sie sind keine Folge des Klimawandels. Nun wird auch klar, warum der DWD keine Analyse anstellen konnte um den Einfluss des Klimawandels zu zeigen: Es ist keine zu machen! Alles deutet auf Wetter, nichts auf Klima! So verbleibt der DWD notgedrungen im vagen, im Verweis auf die Zukunft, ohne dass es möglich wäre, dies aus der Vergangenheit zu folgern. Prof. Stefan Rahmstorf freilich muss sich um Fakten nicht scheren.

 

Anzahl der Hitzetoten in Spanien während der letzten 35 Jahre trotz heißerer Sommer rückläufig

Die Sommer sind seit der Kleinen Eiszeit immer heißer geworden und Hitzewellen häufen sich. Inwieweit hat dies zu vermehrten Todesfällen geführt? Achebak et al. 2018 haben mehr als eine halbe Million von Todesfällen in 47 spanischen Städten für die Zeit 1980-2015 untersucht und kamen zu einem überraschenden Ergebnis: Trotz heißerer Sommer ist die Anzahl der Hitzetoten zurückgegangen. Die Studie erschien in PLOS Medicine:

Heat-related mortality trends under recent climate warming in Spain: A 36-year observational study

Background: Anthropogenic greenhouse gas emissions have increased summer temperatures in Spain by nearly one degree Celsius on average between 1980 and 2015. However, little is known about the extent to which the association between heat and human mortality has been modified. We here investigate whether the observed warming has been associated with an upward trend in excess mortality attributable to heat or, on the contrary, a decrease in the vulnerability to heat has contributed to a reduction of the mortality burden.

Methods and findings: We analysed a dataset from 47 major cities in Spain for the summer months between 1980 and 2015, which included daily temperatures and 554,491 deaths from circulatory and respiratory causes, by sex. We applied standard quasi-Poisson regression models, controlling for seasonality and long-term trends, and estimated the temporal variation in heat-related mortality with time-varying distributed lag nonlinear models (DLNMs). Results pointed to a reduction in the relative risks of cause-specific and cause-sex mortality across the whole range of summer temperatures. These reductions in turn explained the observed downward trends in heat-attributable deaths, with the only exceptions of respiratory diseases for women and both sexes together. The heat-attributable deaths were consistently higher in women than in men for both circulatory and respiratory causes. The main limitation of our study is that we were not able to account for air pollution in the models because of data unavailability.

Conclusions: Despite the summer warming observed in Spain between 1980 and 2015, the decline in the vulnerability of the population has contributed to a general downward trend in overall heat-attributable mortality. This reduction occurred in parallel with a decline in the vulnerability difference between men and women for circulatory and cardiorespiratory mortality. Despite these advances, the risk of death remained high for respiratory diseases, and particularly in women.

 

Guter Klimarealismus braucht Förderer: Unterstützer für das Kalte-Sonne-Blog gesucht

UPDATE 20.12.2018:
Allen Spendern der letzten Wochen ein ganz herzliches Dankeschön! Mit Ihrem Beitrag helfen Sie, den Betrieb des Kalte-Sonne-Blogs aufrecht zu erhalten. Falls Sie noch nicht die Gelegenheit hatten sich zu beteiligen: Wir freuen uns weiterhin über alle Spenden zur Förderung einer fairen Klimadebatte.

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Seit Februar 2012 berichten wir hier im Kalte-Sonne-Blog täglich über aktuelle Klimathemen aus einer klimarealistischen Sichtweise, die in anderen Medien oft zu kurz kommt. Wir kommentieren, kritisieren oder loben, ohne durch eine übergeordnete Institution eingeschränkt zu sein. Dabei erlauben wir uns, allein der wissenschaftlichen Logik und dem Common Sense zu folgen. Diese Freiheit bedeutet jedoch auch, dass uns keine staatlichen oder anderweitigen Fördergelder zur Verfügung stehen.

Im Gegensatz zu anderen Blogs wie etwa dem aktivistischen Klimareporter° werden unsere Autoren auch in Zukunft ehrenamtlich für Sie tätig sein. Allerdings gibt es andere Kosten, wie etwa den Webseitensupport, mobilen Internetzugang, Bildrechte oder Fachliteratur, für die wir bei Ihnen um Unterstützung werben wollen. Falls Sie unsere Arbeit fördern möchten, freuen wir uns über Ihre Spende – egal ob klein oder groß.

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Wüste geschrumpft: Holzige Vegetation hat in Subsahara-Afrika während der letzten 3 Jahrzehnte zugenommen

Die Webseite CO2 Science bringt fast täglich Berichte zur Auswirkung des Klimawandels auf die Lebewelt. Reinschauen lohnt sich. Vor kurzem brachte die Plattform einen Hinweis auf das folgende Paper in Nature Communications. Anhand von Satellitenbildern fanden Venter et al. 2018 eine achtprozentige Zunahme der holzigen Vegetation in Subsahara Afrika während der letzten drei Jahrzehnte, was den globalen “Ergrünungstrend” noch einmal unterstreicht. Ursache war ein Rückgang der Vegetationsbrände in einem wärmeren und feuchteren Klima. Abstract:

Drivers of woody plant encroachment over Africa
While global deforestation induced by human land use has been quantified, the drivers and extent of simultaneous woody plant encroachment (WPE) into open areas are only regionally known. WPE has important consequences for ecosystem functioning, global carbon balances and human economies. Here we report, using high-resolution satellite imagery, that woody vegetation cover over sub-Saharan Africa increased by 8% over the past three decades and that a diversity of drivers, other than CO2, were able to explain 78% of the spatial variation in this trend. A decline in burned area along with warmer, wetter climates drove WPE, although this has been mitigated in areas with high population growth rates, and high and low extremes of herbivory, specifically browsers. These results confirm global greening trends, thereby bringing into question widely held theories about declining terrestrial carbon balances and desert expansion. Importantly, while global drivers such as climate and CO2 may enhance the risk of WPE, managing fire and herbivory at the local scale provides tools to mitigate continental WPE.

Kommentare von CO2 Science zum Paper finden sich hier.

 

Prof. Dieter Köhler zur ideologisierten Wissenschaft: “Das ist dann wie in einer Sekte, Widerspruch kommt nicht vor”

Am 11. Oktober 2018 erschien im Cicero ein ausgezeichnetes Interview mit Prof. Dieter Köhler:

Diesel Fahrverbote – „Das ist wie beim Hexenhammer im Mittelalter“
Weil sie laut Studien zahlreiche Krankheiten und Todesfälle auslösen, werden vielfach Fahrverbote für Diesel-Autos verhängt. Der Lungenspezialist Dieter Köhler hält das für Hysterie, ausgelöst von ideologisierten Wissenschaftlern

[...]

FRAGE: Gerichte erlassen jedoch immer wieder Fahrverbote auf Basis dieser Werte. Warum tun sie das, wenn die Werte vernachlässigbar sind?
KÖHLER: Die Gerichte müssen so handeln, denn sie wenden das Gesetz an. Das Problem ist, dass das Gesetz in diesem Fall auf falschen Tatsachen beruht, also den Grenzwerten aus der EU. Die Absurdität geht noch weiter. Denn der Effekt von diesen Fahrverboten ist gleich null in Sachen Stickstoff- und Feinstaubbelastung. Weil aber die Autos diese Gebiete weiträumig umfahren müssen, steigt sogar der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid. Und das ist wirklich belastend für die Umwelt.

Und wieder einmal ist Brüssel Schuld?
Eigentlich eher die Wissenschaftler.

[...]

Menschen, die an den Straßen oder in Städten wohnen, wo die Feinstaubbelastung besonders hoch ist, leben oft anders als die in den teureren Wohngebieten. Es gibt unter ihnen mehr Raucher, es wird mehr Alkohol konsumiert, sie machen weniger Sport. Das alles hat Auswirkungen auf die Gesundheit. Die Forscher sagen, die Sterblichkeitsrate steigt wegen Feinstaub um ein bis zwei Prozent, daher kommen die hohen Zahlen. Aber die Unterschiede in der Lebensform der Menschen an diesen großen Straßen und denen in den guten Wohngegenden müssen nur minimal sein, und sofort ist der vermeintliche Effekt durch den Feinstaub wieder wegkompensiert. Bei solchen starken Einflussfaktoren, die wir Wissenschaftler Confounder nennen, ist die Wirkung von derart geringen Mengen an Feinstaub oder Stickoxid gar nicht messbar.

[...]

Warum tun unabhängige Wissenschaftler das? Welches Interesse haben sie daran, dass Fahrverbote in Städten erlassen werden?

Es passiert das, was ich eine Ideologisierung der Wissenschaft nenne. Beim Feinstaub fing das an mit der berühmten „Six Cities Study“ aus den USA, die 1993 veröffentlicht wurde. Diese Studie war methodisch einwandfrei und schlüssig, und tatsächlich war die Staubbelastung in den Städten damals deutlich höher als heute. Danach gab es weitere zahlreiche Studien und Kongresse, mit ganz vielen klugen Wissenschaftlern, die dann alle zu ähnlichen Ergebnissen kamen. Ich selbst war damals auch überzeugt. Aber dann passiert es in einer Gruppe ganz schnell, dass man in diesem Denken gefangen bleibt. Das ist dann wie in einer Sekte, Widerspruch kommt nicht vor. Keiner stellt dann mehr die Frage: Gehen wir eigentlich immer noch von den richtigen Voraussetzungen aus? Dazu kommt, dass die jüngeren Wissenschaftler schon mit dem Grundgedanken in die Forschung gehen, dass die Mengen von Feinstaub lebensgefährlich sind. Das hinterfragen die gar nicht mehr. Und bei den älteren gibt es noch einen anderen wichtigen Grund.

Der wäre?

Da geht es um die Vergabe von Forschungsmitteln. Die stammen häufig von der EU. Wenn nun Wissenschaftler aber widerlegen, dass Feinstaub in den bekannten Mengen schädlich ist, dann gibt es auch kein Geld mehr dafür. Dann können die Leute ihre Institute zu diesem Thema schließen, und das will natürlich keiner.

Unbedingt ganzes Interview im Cicero lesen.

Zwar geht es im Interview nicht um die Klimadebatte, sondern um NOx und Feinstaub, aber man müsste nur ein paar Begriffe austauschen und schon hätte man die perfekte Beschreibung der Ideologisierung der Klima-Wissenschaften…

Passend zum Thema sollten Sie auf jeden Fall auch die ausgezeichnete Doku aus dem Ersten “Das Disel-Desaster” anschauen. Hier kommt neben Prof. Köhler auch Prof. Martin Hetzel zu Wort, der ebenfalls den Grenzwert-Irrsinn kritisiert. Auf der Anklägerseite tritt u.a. Prof. Annette Peters vom Helmholtz-Zentrum München auf, die gerne mit NABU und WWF zusammenarbeitet. Weiterhin verteidigt natürlich Winfried Hermann die absurden Grenzwerte. Er ist Mitglied von Bündnis 90/die Grünen und ist derzeit Verkehrsminister von Baden-Württemberg. Hermann ist eng mit der E-Auto Bewegung verbandelt, er schreibt schonmal ein Grußwort für eine deren Organisationen, in trauter Nähe zu Greenpeace.

 

Mondbeleuchter werden die Leute hinter dem Mond nicht erreichen können

Schon immer wurden die Menschen durch Moden getrieben. Momentan muss man als Dame wieder Hosen mit Seitenstreifen tragen. Die größte Gefahr für diesen Trend ist dabei der nächste Trend. Denn wenn plötzlich gepunktete Dreieckshosen in Mode sind, müssen die unverkauften Streifenhose alle in den Textilschredder. So geht das. Im Bereich der öffentlichen Umweltdiskussion haben es nun die Verfechter des Klimaalarms mit der Angst bekommen. Die Anti-Plastikbewegung scheint den Klimaalarmisten die Leute abzuwerben. In der BBC wird jetzt schon von einer “gefährlichen Ablenkung” durch die Plastik-Kampagnen gesprochen:

Anti-plastic focus ‘dangerous distraction’ from climate change
The anti-plastic “fervour” sweeping across the UK is weakening the fight against climate change, the founder of an organic food company has said.

Weiterlesen bei der BBC

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Die Klimadebatte benötigt transparente Informationen. Hier im Blog bringen wir Ihnen Pressemitteilungen internationaler Universitäten, die es nicht in die deutsche Presse schaffen. Wir freuen uns, dass Sie als Leser mit dabei sind. Aber es soll ja durchaus Leute geben, die unser Blog nicht besuchen, entweder aus Unkenntnis oder aus Prinzip. Das ist schade, denn auch als “Mondbeleuchter” werden wir die Leute “hinter dem Mond” nicht erreichen können. Daher ist es umso wichtiger, dass Sie, liebe Leser, in Privatdiskussionen, mit Leserbriefen und anlässlich öffentlicher Vorträge die meist ignorierten Aspekte des Klimawandels auch an diejenigen weitergeben, die keine Kalte-Sonne-Blogleser sind. Wir zählen auf Sie!

Ein schönes Beispiel liefert Manfred Büchel, der im Volksblatt am 18. Oktober 2018 einen humorvollen Leserbrief zur Klimahysterie veröffentlichte. Siehe Seite 4 Mitte (großes pdf hier).

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Im Internet-Vademecum von Alfred Brandenberger gibt es regelmäßige Einträge in den Klimanews, die Sie hier finden. Stöbern erlaubt.

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Vor bereits 15 Jahren gab es viele gute Ideen und Auswertungen zum Einfluss der Sonne auf das Klima. Zu nennen sind hier Gerard Bond, Theodor Landscheidt und John Daly. Leider weilt keiner dieser Forscher mehr unter uns, was tragisch ist, denn wer weiß, vielleicht hätte die Klimadiskussion dann eine ganz andere Richtung genommen. Es lohnt sich unbedingt, in den früheren Arbeiten zu schmökern. Über Gerard Bond und sein legendäres Science-Paper von 2001 haben wir bereits vielfach hier berichtet. Die Auswertungen von John Daly finden Sie auf www.john-daly.com. Und dort gibt es dann auch ein Archiv der Landscheidt-Ergebnisse (z.B. hier). Wie ein guter Wein, müssen diese wichtigen wissenschaftlichen Anstösse wohl erst ein wenig reifen, bevor sie wiederentdeckt werden. Wie üblich in der Wissenschaft, mischen sich hier geniale Einfälle und verrückte Ideen. Wer aber mit gesundem Interesse und selektivem Blick an die Suche geht, wird einige Juwelen darin finden.

Landscheidt im Klima-Vademecum.

 

Vorindustrielle Klimadynamik: Nördliche Grenze der Tropen in letzten 800 Jahren nicht stabil

Die University of Arizona berichtete am 15. Oktober 2018 im Rahmen einer Pressemitteilung über neue Ergebnisse zum vorindustriellen Klima. Ein internationales Forscherteam untersuchte Baumringe von 5 verschiedenen Regionen auf der nördlichen Hemisphäre. Dabei fanden sie, dass sich die nördliche Grenze der tropischen Klimazone im Laufe der letzten 800 Jahre immer wieder verschoben hat und um plusminus 4° um den 30. nördlichen Breitengrad oszillierte. So verschob sich im Zeitraum 1568 bis 1634 die Tropengrenze nach Norden, was in vielen Gegenden zu Dürren führte. Imperien wie das Osmanische Reich sowie die Ming Dynastie kollabierten daraufhin. Hier die gesamte Pressemitteilung:

Tracking the Movement of the Tropics 800 Years into the Past

Studying shifts of the northern-most edge of the tropics revealed that periods of tropical expansion coincided with severe droughts, a UA-led research team found.

For the first time, scientists have traced the north-south shifts of the northern-most edge of the tropics back 800 years, reports a University of Arizona-led international team. The movement of the tropical boundary affects the locations of Northern Hemisphere deserts including the Sonoran, Mohave and Saharan. Those deserts sit just north of the tropical belt, which includes the subtropics. Before now, scientists had information about the location of the tropical belt going back to around 1930, when reliable instrumental record-keeping began.

On a standard map, the tropical belt spans roughly 30 degrees north latitude to 30 degrees south latitude. However, the new research reveals that from the year 1203 to the year 2003, the northern edge of the tropics fluctuated up to 4 degrees north and south of the northern 30th parallel. “Movement of the limit of the tropics is associated with changes in precipitation regimes,” said Raquel Alfaro Sánchez, who led the research team while a postdoctoral researcher at the UA Laboratory of Tree-Ring Research.

From 1568 to 1634, the tropics expanded to the north, the team found. That time period coincides with severe droughts and other disruptions of human societies, including the collapse of the Ottoman empire in Turkey, the end of the Ming Dynasty in China and near abandonment of the Jamestown Colony in Virginia, said Alfaro Sánchez, currently a postdoctoral researcher at the Centre de Recerca Ecològica i Aplicacions Forestals in Barcelona, Spain. Co-author Valerie Trouet said, “Our results suggest that climate change was one of the contributing factors to those societal disruptions.”

To track the northern boundary of the Earth’s tropical belt from 1203 to 2003, the team used the annual rings of trees from five different locations throughout the Northern Hemisphere. Researchers can figure out annual precipitation years into the past because each annual growth ring of a tree reflects the climate that year. Having an 800-year history also allowed the researchers to connect rare events such as huge volcanic eruptions with subsequent changes in climate, said Trouet, a UA associate professor of dendrochronology. Massive volcanic eruptions cool the Earth because of all the fine particles and aerosols thrown into the atmosphere. The 1815 Tambora eruption in present-day Indonesia caused such cooling worldwide that 1816 was known in Europe as “the year without summer,” the team writes. “We can see the contraction of the tropics after volcanic eruptions such as Tambora,” Trouet said.

Trouet said learning how aerosols affect climate is important because some researchers have proposed sending such particles into the atmosphere as a geoengineering solution to global warming. The team’s research paper, “Climatic and volcanic forcing of tropical belt northern boundary over the past 800 years,” is scheduled for online publication in Nature Geoscience on October 15. Names of the additional co-authors are at the bottom of this release. Other researchers have documented that the tropics have been expanding northward since the 1970s, Alfaro Sánchez said.

Because computer models of current and future climate models also show expansion of the tropical belt, but not as much as is actually occurring, the researchers wanted to develop a longer history of the movement of the tropical zone, Trouet said. Researchers use tree rings to reconstruct past climate and climate changes for many locations around the globe. Those climate reconstructions extend hundreds of years into the past. To track past tropical belt movements, Alfaro Sánchez and her colleagues used existing tree-ring chronologies from five locations: Arkansas, the American West, the Tibetan Plateau, Turkey and northern Pakistan.

To discern how the tree-ring records reflect changes in the tropical belt, the team looked at tree rings from 1930 to 2003 and compared the trees’ natural archive of climate to instrumental records of changes in the tropical belt. The researchers focused on recorded changes in Hadley cells, the huge atmospheric convective cells that circumnavigate the globe in the tropics. Trouet said Hadley cells are an important driver of atmospheric circulation. Knowing how changes in Hadley cells correlated with changes in tree rings, the team then used multiple tree-ring chronologies to see how the tropics expanded and contracted as much as 800 years ago. “This is the first reconstruction that went back to pre-industrial times,” Trouet said. “To know what the natural climate variability is, we need to go farther back in time than the last 150 years.”

Alfaro Sánchez and her colleagues found the tropical belt has expanded and contracted on its own long before industrial times. Internal variability in the Earth’s climate system affects the movement of the tropics, Trouet said. The current recorded expansion of the tropical belt since the 1970s is in part due to the increase in greenhouse gases in the atmosphere, other researchers report. The current expansion of the tropics may have important societal impacts, because the team found that past severe droughts were associated with persistent periods of tropical expansion, Alfaro Sánchez said.

The U.S. National Science Foundation, the U.S. Department of Agriculture, the Spanish Ministry of Economy, Industry and Competitiveness and the BNP-PARIBAS Foundation funded the research. Additional co-authors are Hanh Nguyen of the Bureau of Meteorology in Melbourne, Australia; Stefan Klesse, Amy Hudson, Soumaya Belmecheri and Russell Monson of the University of Arizona; Nesibe Köse of Istanbul University in Turkey; Henry Diaz of the University of Hawai‘i at Mānoa, Honolulu; and Ricardo Villalba of the Instituto Argentino de Nivología, Glaciología y Ciencias Ambientales, Mendoza, Argentina.

Paper: R. Alfaro-Sánchez, H. Nguyen, S. Klesse, A. Hudson, S. Belmecheri, N. Köse, H. F. Diaz, R. K. Monson, R. Villalba, V. Trouet. Climatic and volcanic forcing of tropical belt northern boundary over the past 800 years. Nature Geoscience, 2018; DOI: 10.1038/s41561-018-0242-1

Zeit-Kommentar: Klimapass? Eine verrückte Idee

Oft wird behauptet, das Klima wäre außer Rand und Band. Um solche Behauptungen zu stützen, müsste man jedoch jeweils die langfristige Klimaentwicklung auftragen, um zu zeigen, dass sich die aktuelle Entwicklung außerhalb der natürlichen Schwankungsbreite befindet. Verlangen Sie das nächste Mal diesen Beleg und akzeptieren sie keine zu kurzen Zeitspannen. Bei der Temperatur sollten es schon die letzten 2000 Jahre sein, beim Regen reichen oft auch kürzere Zeiträume.

Die GWPF hat nun die Klimatrends von Großbritannien in einem Spezialbericht zusammengetragen. Fazit: Die meisten Klimatrends bewegen sich in den letzten Jahrzehnten noch voll und ganz im Bereich der natürlichen Schwankungsbreite:

Met Office weather data shows that the UK’s climate is changing very little
The review, which examines official temperature, rainfall, drought and other weather data shows that although temperatures increased slightly in the 1990s and 2000s, there is no evidence that weather has become more extreme. And intriguingly, extreme heat is, if anything, slightly less common than in previous decades. In particular, heatwaves have not become more severe and nor have droughts. Data also suggest that recent warming has had little effect on the severity of flooding in the UK. It’s the same story with rainfall. While Scotland has become a little wetter, elsewhere in the UK there is no trend. Extreme rainfall and storms don’t seem to be more common either. It’s hard not to come away with the impression that the climate in the UK has been much more stable than predicted. As the report’s author Paul Homewood points out, “Although we don’t seem to be getting more heatwaves, there are fewer very cold days now. Similarly, very dry years seem to be less common than they once were. It’s hard to construe these as dangerous or damaging developments. Warmer, but not more extreme, sounds more like a Goldilocks climate than a climate catastrophe.”

Den Bericht können Sie hier als pdf herunterladen.

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Kommentar von Ulrich Ladurner auf Zeit.de am 21. November 2018:

Klimapass? Eine verrückte Idee
Die Grünen wollen Bewohnern der vom Klimawandel bedrohten Regionen einen Pass für die Länder ausstellen, die den Klimawandel verursachen. Klingt gut, ist aber irre.

Woher kommt die irre Idee?

Die Idee geht auf den weltweit renommierten deutschen Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber zurück, den Gründer und jahrelangen Vorsitzenden des Potsdamer Klimaforschungsinstituts. Auch der Wissenschaftliche Beirat der Regierung für Globale Umweltveränderungen (WGBU) hat sie aufgenommen. Die WGBU bezeichnet den Klimapass als ein “zentrales Instrument einer menschenwürdigen Klimapolitik”. In dem Politikpapier, das der WGBU der Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) vergangen Sommer überreichte, steht zu lesen, der Klimapass “soll von der Erderwärmung existenziell bedrohten Personen die Option bieten, Zugang zu und staatsbürgergleiche Rechte in weitgehend sicheren Ländern zu erhalten”. 

Grüne hauen gerne mal spontan provokante Ideen raus. Dazu gehört wohl auch diese Geschichte.

Auf Nachfrage sagte Ska Keller, die Spitzenkandidatin der Grünen für die Europawahlen, das mit dem Klimapass sei eher symbolisch gemeint. Außerdem handle es sich doch nur um eine kleine Zahl von Menschen.

Ladurner rechnet dann vor, dass es sich in Wahrheit um mehr als zweieinhalb Millionen Menschen handelt. Kleine Zahl? Den vollständigen Kommentar von Ulrich Ladurner können Sie hier lesen.

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Im MDR lief am 2. Januar 2019 die Doku “Sechs Tage Eiszeit – Der Katastrophenwinter 1978/79″, passend zum aktuellen Scheechaos in den Alpen. Das Video können Sie online beim MDR schauen (oder auf Youtube).

 

Interessenskonflikte vorprogrammiert: Forschungsinstitut ‘Climate Analytics’ wird von ehemaligem Greenpeace-Direktor geleitet

Ivar Giaever erhielt 1973 den Nobelpreis für Physik. Heute setzt sich der Ausnahmewissenschaftler leidenschaftlich gegen den grassierenden Klimaalarm ein:

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Vor ein paar Monaten erschien ein neues Buch von Pierre Desrochers zur Rolle der Überbevölkerung für den Klimawandel. Der Autor wirbt darin um Pragamatismus und lehnt Alarmismus ab:

Population Bombed!: Exploding the Link Between Overpopulation and Climate Change

Inhaltsbeschreibung:

Many scholars, writers, activists and policy-makers have linked growth in population to environmental degradation, especially catastrophic climate change. In the last few years, however, a number of writers and academics have documented significant improvements in human wellbeing, pointing to longer lifespans, improved health, abundant resources and a general improvement in the environment. Population Bombed! addresses the main shortcomings of arguments advanced by both population control advocates and optimistic writers, explaining how economic prosperity and a cleaner environment are the direct results of both population growth and humanity’s increased use of fossil fuels and showing how campaigns against the spread of fossil fuels will cause misery in the developing world, fuel poverty in advanced economies, and will inevitably wreak havoc on the natural world.

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Der Klimawandel ist ein wichtiges Thema, das von Wissenschaftlern ernsthaft und ergebnisoffen angegangen werden muss. Die notwendige Nüchternheit fehlt jedoch in der Debatte, insbesondere in Deutschland. Wenn man hinter die Kulissen schaut, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Politik lässt sich von eng verflochtenen Seilschaften beraten, die aus aktivistisch veranlagten Wissenschaftlern, ehemaligen Greenpeace-Leuten, Versicherungskonzernen sowie ausländischen Stiftungen von Milliardären mit Investitionen in Erneuerbaren Energien bestehen. Ein schönes Beispiel konnte man am 24. Oktober 2018 auf Spiegel Online lesen:

Studie zum 1,5-Grad-Ziel Forscher fordern kompletten Kohleausstieg bis 2030
Wie schnell sollte Deutschland aus der Kohleverstromung aussteigen? Bis zum Ende des kommenden Jahrzehnts, sagen Forscher – wenn es mit einem ehrgeizigen Klimaziel noch etwas werden soll. [...] “Die nächsten Jahre sind entscheidend, damit unser Planet nicht aus dem Gleichgewicht gerät”, sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) nach der Veröffentlichung des IPCC-Sonderberichts. Das Forschungsinstitut Climate Analytics aus Berlin hat nun einen Bericht vorgelegt, wie schnell der deutsche Kohleausstieg vonstattengehen müsste, um kompatibel zu einem Klimaziel von nur anderthalb Grad Erwärmung zu sein.

Weiterlesen auf SPON.

Forschungsinstitut ‘Climate Analytics’? Eine Kleinigkeit hat SPON dann wohl doch vergessen zu erwähnen: Der Vorstandsvorsitzende (CEO) des “Instituts”, Bill Hare, ist ein Akademiker, der lediglich einen h.c. Doktortitel besitzt, also nur einen Doktor ehrenhalber innehat. Zuvor war Hare viele Jahre lang bei Greenpeace an leitender Stelle beschäftigt, wie das PIK auf seiner Webseite verrät:

From 1992 until early 2009 [Hare] was the Climate Policy Director for Greenpeace International.

Ein klassischer Interessenskonflikt, den der Spiegel einfach unerwähnt lässt: Ein Greenpeace-nahes Institut schreibt einen Bericht, der nicht einmal das übliche Gutachtungsverfahren durchlaufen hat, also als graue Literatur eingestuft werden muss. Trotzdem wird darüber berichtet, als wäre dies ein robustes Ergebnis einer unabhängigen Forschung. Gerade nach dem Fall Relotius sollte hier sehr viel ehrlicher berichtet werden…

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In den letzten paar Wochen hat es in Deutschland viel geregnet. Warum ist das so? Dazu muss man die sogenannte NAO-Regenwippe kennen. Wenn die Nordatlantische Oszillation (NAO) negativ ist, ist es in Mitteleuropa sonnig, dafür aber af der Iberischen Halbinsel regnerisch. Wenn die NAO jedoch positiv ist, dreht sich der Spieß um: Mitteleuropa ist dann feucht und Portugal/Spanien sind trocken. Und genau letztere Konstellation haben wir momentan, das erfährt unser in Portugal beheimatetes Redaktionsmitglied gerade am eigenen Leib: Momentan kann dort nur noch mit Sonnenbrille auf dem Computer getippt werden… Ein Blick auf die offizielle NAO-Statistik bestätigt die Situation: Die NAO ist gerade positiv, das bedeutet Regen im Norden und Sonne im Süden. Passt.

Quelle: NOAA.

 

 

Schweizer Klimaszenarien CH2018: Bis zur Hälfte der beobachteten Erwärmung der letzten 50-100 Jahre hat natürliche Ursachen

Klimaberichte sind bekanntlich groß in Mode. Darin werden sehr viele Prognosen abgegeben. Die wissesnchaftliche Basis und Kalibrierung fällt aber in vielen Fällen eher schwach aus. Ein neuer Bericht “Schweizer Klimaszenarien CH2018″ will einen Überblick über das Alpenland geben. Wir schauen in den Bericht hinein. Wie gut ist die klimahistorische Basis dargestellt, die die Achillesferse der Klimamodelle und der darauf fußenden Prognose darstellt?

Auf der Webseite zum Bericht gibt es eine Einführung und Downloadmöglichkeiten. Der “technische Bericht” in englischer Sprache ist 112 MB “schwer”. Aus der Zusammenfassung hier die Highlights:

Long-term high-quality measurements and proxy reconstructions of weather and climate exist for up to the last 150 and 330 years, respectively. Despite large natural variability on timescales of years to decades, a robust climate change signal is found for several variables.

Near-surface air temperature has increased by about 2.0 °C between 1864 and 2017, compared to 0.9 °C globally, with most of the warming taking place since the 1980s. The 1988 to 2017 summer average is by far the warmest 30-year period since the start of reliable climate reconstructions in 1685. This warming has led to more frequent and more intense heatwaves, whereas cold periods have become less frequent.

The zero-degree line in winter has shifted upward by about 300 – 400 meters since the 1960s, and the volume of Alpine glaciers has decreased by about 60 % since the 1850s. Since the 1970s, the number of snow days and snowfall days have decreased by about 20 % at about 2000 m a.s.l. to 50 % below 800 m a.s.l.

The vegetation period is two to four weeks longer today than in the 1960s.

Ja, es hat sich seit der Kleinen Eiszeit erwärmt, das war zu erwarten. Und wieder versäumen es die Autoren, den längerfristigen klimahistorischen Kontext zu erwähnen, stellen die Kleine Eiszeit fälschlicherweise als vorindustrielles “Normalklima” dar. Nur zur Erinnerung: Die Kleine Eiszeit stellt die kälteste Phase der letzten 10.000 Jahre dar, repräsentiert also eine klimatische Sondersituation. Eine Suche nach den Begriffen “Medieval” und “Little Ice Age” im gesamten Bericht bleibt ohne Treffer. Damit bleiben die vielen im Bericht aufgeführten Prognosen ohne vorindustrielle Kalibrierung, was sie äußerst unsicher und nahezu wertlos macht. Damit reiht sich der Schweizer Bericht nahtlos in andere Berichte aus Deutschland und IPCC ein, die sich offenbar allesamt fest vorgenommen haben, das unbequeme Thema der vorindustriellen Klimavariabilität einfach nicht zu erwähnen. Eine Art konspiratives Schweigegelübde. Hoffentlich merkt es keiner, wird man wohl gedacht haben. Weiter im CH2018:

Winter precipitation has increased by about 20 % to 30 % since 1864, although part of that change may be natural variability. There is robust evidence that heavy precipitation has become more frequent (+30 %) and more intense (+12 %) since the beginning of the 20th century.

Die Aussage zum Starkregen verwundert dann doch, da in einem Schweizer Klimabericht von 2016 doch ganz andere Trends genannt wurden. Auf Seite 25/26 hieß es damals:

Kürzlich wurde die Häufigkeit grossräumiger sommerlicher Überschwemmungen für die letzten 2500 Jahre rekonstruiert, basierend auf Sedimenten von 10 Seen im Alpenraum (Abb. 1.3) (Glur et al. 2013). Die Resultate zeigen, dass grossräumige Hochwasser in vergleichsweise kühlen Sommern häufiger auftauchen. Dies stimmt mit früheren Studien überein, die eine erhöhte Häufigkeit von schweren Überschwemmungen in der kleinen Eiszeit und eine reduzierte Häufigkeit in der mittelalterlichen Warmzeit gefunden hatten (Schmocker-Fackel et al. 2010). Dieses Resultat ist qualitativ auch mit der von den Klimamodellen projizierten Abnahme der sommerlichen Niederschläge konsistent, insbesonders wenn man berücksichtigt, dass es sich bei der projizierten Zunahme von Starkniederschlägen um kurzzeitige und meist kleinräumige Ereignisse handelt, und nicht um grossräumige Ereignisse wie etwa die sommerlichen Überschwemmungen vom August 2005. Das würde also bedeuten, kurzzeitige, kleinräumige Ereignisse werden häufiger, während stärkere, grossräumige abnehmen könnten.

Mysteriös. Weiter mit der Kurzfasung des CH2018:

Sunshine duration, a proxy for global radiation, shows a significant decline of -15 % between the 1950s and around 1980, followed by a significant increase of +20 % up to the present day.

Das ist ganz interessant. Mehr Wolken und weniger Sonne zwischen 1950-1980, was ziemlich gut mit der in der Schweiz gemessenen Abkühlung in diesem Zeitraum zusammenpasst (siehe Fig. 3.12 auf Seite 37 im CH2018-Bericht). Die aktuelle Wärmephase fällt dann auffälligerweise genau in die sonnigere Zeit. Das führt zur alten Frage: Was genau hat die Wolken vertrieben, hat der Sonne die Möglichkeit gegeben, die Temperaturen nach oben zu treiben? Das CO2? Die Sonnenaktivität selber (über kosmische Strahlung oder UV)? Dies ist letztendlich die Gretchenfrage. Weiter mit dem CH2018:

In the observational record, no robust signals for long-term trends are found for summer precipitation, droughts, wind speed, or low stratus. For these quantities, it is either unclear at this point how they are affected by climate change, or the expected anthropogenic signal has not yet emerged from observed large natural variability (e.g., summer drying). The observational basis is too short or insufficient to make robust inferences about past changes in small-scale phenomena such as thunderstorms, tornadoes, and hail. For quantities for which the expected future climate trends are small or considered unreliable, accounting for present-day climate variability provides the best estimate of potential climate-related impacts.

Wichtige Aussagen, die möglicherweise im einen oder anderen Pressebericht unerwähnt blieben: Die Forscher konnten keine Trends bei Sommerregen, Dürren, Windgeschwindigkeiten und tiefhängenden Wolken finden. Hier dominiert die natürliche Klimavariabilität, ohne erkennbare anthropogene Beeinflussung, schreiben die Autoren.

Tief vergraben im CH2018-Bericht findet man dann auf Seite 141 einige wichtige Aussagen, die es wert gewesen wären in der Executive Summary erwähnt zu werden:

The emerging human-induced influence on climate must be considered against the backdrop of substantial natural (in part solar and volcanic, but mostly internal unforced) variability on timescales of years to decades. This poses challenges in detecting climate change and attributing it to anthropogenic causes, evaluating models against observed trends, and quantifying uncertainties in future changes, in particular on local scales where variability is substantial. Nevertheless, linking observed trends, attribution, model evaluation, and near-term projection are critical steps in establishing confidence in projections.

[...]

At least half of the observed annual and seasonal warming in Switzerland over the past 50 to 100 years is likely due to anthropogenic emissions. This conclusion is supported by the unusual magnitude and pace of the past warming relative to natural variability, the attribution of warming to anthropogenic emissions at continental to global scales with very high confidence, and the process understanding of land warming faster than the global average.

Man muss anerkennen, dass die Autoren die wichtige Rolle der natürlichen Variabilität betonen. “Mindestens die Hälfte der Erwärmung der letzten 50-100 Jahre ist anthropogenen Ursprungs”. Oder andersherum ausgedrückt: Bis zur Hälfte der beobachteten Erwärmung hat natürliche Ursachen. Hier unterscheidet sich der CH2018-Bericht maßgeblich vom kürzlichen IPCC-Spezialbericht zum 1,5°C-Ziel, in dem die gesamte Erwärmung als anthropogen interpretiert wird. Natürlich passt das nicht zusammen, denn der globale Temperaturverlauf ähnelt dem in der Schweiz schon sehr (siehe Fig. 3.12 auf Seite 37 im CH2018-Bericht).

Bei der Frage, was denn die natürlichen Klimatreiber des natürlichen Klimaanteils sein könnten, tricksen die Autoren. Zunächst erklären sie die Sonne und Vulkane als klimatisch nahezu unwirksam. Insbesondere bei der Sonne ist dies wohl voreilig, da keiner der aktuell in der Erforschung befindlichen Verstärkerprozesse berücksichtigt werden. Sicher ein Fehler. Aber irgendetwas muss ja die verbleibenden bis zu 49% der Erwärmung in der Schweiz verursacht haben. Die Autoren stufen den Beitrag einfach als “unforced” ein, interne Klimaschwankungen. Ob sie damit Rauschen oder eine längerfristige interne Zyklik meinen, bleibt unklar.

Unterm Strich haben wir ein gemischtes Ergebnis. Die Berichtsautoren sind ziemlich genau bei der Beschreibung des Klimawandels der letzten 150 Jahre, räumen unumwunden ein, dass sich etliche Parameter noch voll und ganz im Bereich der natürlichen Schwankungsbreite befinden. Zudem wird den natürlichen Prozessen viel Raum gegeben, bis zur Hälfte der Erwärmung in der Schweiz könnte in den letzten 100 Jahren natürlichen Ursprungs sein. Bei der Erklärung der natürlichen Komponente bleiben die Autoren jedoch vage: interne Klimaschwankungen bzw Rauschen. Das lässt sich in den Klimamodellen natürlich eher schlecht einbauen, insofern sind alle Prognosen entsprechend ungenau. Das schreiben die Autoren auch auf Seite 47 des Berichts:

Although society can in principle influence global emissions, model uncertainty and in particular internal unforced variability will remain substantial, calling for adaptation measures that are robust under a wide range of outcomes

 

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Siehe auch unsere Analyse eines Schweizer Klimaberichts von 2016: “Brennpunkt Klima Schweiz: Pleiten, Pech und Pannen