Grüner Wikipedia-Aktivist enttarnt: Andreas Lieb ist Andol

Breaking News in der Weltwoche am 17. Juli 2019:

Andreas Lieb: Knuttis grüner Schatten

Ein einziger Autor verfasst auf Wikipedia praktisch im Alleingang die Einträge zu «Klimaleugner», «Energiewende» und «Reto Knutti» . Widerspruch duldet der Vollzeit-Wikipedianer nicht. Hinter dem anonymen Vielschreiber versteckt sich der Aktivist Andreas Lieb. Wer bezahlt ihn?

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Glaubt man Wikipedia, kann jeder Zweifel an der Klimadoktrin des Weltklimarates nur bösartig motiviert sein. Die Ursachen sind finanzieller oder psychopathologischer Natur. Denn es steht geschrieben im Buch der Bücher: «Mitte der 1990er Jahre gab es damit keinen vernünftigen Grund mehr für eine echte wissenschaftliche Debatte über die Aussage, dass der Mensch das Klima verändert hatte.» Was schon damals Tausende von Wissenschaftlern festhielten, sei «abgesichert». Es verbietet sich folglich auch jede Diskussion um den Klimaleugner an sich, denn jede Kritik und jede Widerrede wäre ein Akt des Leugnens. Der perfekte Zirkelschluss.

Die Diskussion erübrigt sich auch deshalb, weil der Wikipedia-Artikel über die Leugner-Lehre praktisch von einem einzigen Autor verfasst wurde. Eine Auswertung der Webseite zeigt: Zu 88,1 Prozent* war hier ein gewisser Andol am Werk, es folgen weit abgeschlagen Skra31 (3,3 %) und FranzR (1,1 %). Alle anderen «Mitautoren» wirkten im Promillebereich, sie korrigierten vielleicht einen Rechtschreibfehler oder ein Komma. Mit anderen Worten: Ein einziger Anonymus definiert auf der Enzyklopädie, die im Online-Bereich faktisch eine Monopolstellung hat, im Alleingang, was ein Klimaleugner sein soll.

Nun gibt sich Andol zwar wissenschaftlich, er verweist auf Publikationen und Autoren. Denn «Leugnismus» oder «Denialismus», so erfahren wir im Wikipedia-Beitrag zu «Science Denial», ist eine Wissenschaft. Nur: Andol hat auch 95,7 Prozent der Bearbeitungen von «Science Denial» zu verantworten. Und genauso verhält es sich auch mit den zumeist angelsächsischen Autoren und Publikationen, auf die er sonst noch verweist: Seine Quellen hat Andol zu einem guten Teil selber auf Wikipedia eingebracht.

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Andol kümmert sich nicht nur um Klimaleugner. Er hat auch 90,8 Prozent der Wikipedia-Einträge zum Stichwort «Energiewende» und 73 Prozent der Texte zu «Einspeisevergütung» verfasst. Ein kritisches Wort zu den Nachteilen der alternativen Energieträger sucht man vergeblich. Und hier wird es nun definitiv gespenstisch.

Wie ist es möglich, dass eine anonyme Einzelmaske bei einem derart folgenschweren Unterfangen das vielleicht wichtigste Medium im deutschen Sprachraum praktisch solo kontrolliert? Zur Erinnerung: Wikipedia generiert bis zu einer Million Klicks pro Stunde und figuriert auf Rang fünf der meistbesuchten Websites in der Schweiz (Deutschland Rang sieben).

Wer ist dieser Anonymus? Das herauszufinden ist etwas schwieriger, aber nicht unmöglich. Andol hat beim Hochladen von Grafiken Spuren hinterlassen, und diese führen zu einem gewissen Andreas Lieb aus Grossostheim im schönen Freistaat Bayern. Lieb kandidierte in Grossostheim erfolglos auf der Liste der jungen Grünen für den Gemeinderat und trat im letzten Dezember als Redner bei einer lokalen Klimademo auf. Er zeichnete gelegentlich Online-Kommentare auf Zeitungsportalen mit seinem Alter Ego Andol.

Die Angaben zum Werdegang von Andol gemäss seiner Autorenseite auf Wikipedia – er hat Geschichte studiert und Artikel über die Eisenbahn geschrieben – und dessen Leidenschaft für Klimaleugner, Greta, Energiewende und Professor Knutti passen wiederum perfekt zum Twitter-Account des grünen Lokalpolitikers Andreas Lieb aus Unterfranken.

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Seit Andol 2011 auf Wikipedia aktiv wurde, hat er mehr als 180 eigene Artikel verfasst und über 20 000 Bearbeitungen an bestehenden Einträgen vorgenommen. Die statistische Erfassung seiner Interventionen zeigt, dass er die ganze Woche gleichermassen aktiv ist. Nach 13 Uhr loggt er sich ein, Tag für Tag. Mit der sturen Regelmässigkeit einer Schwarzwälder Kuckucksuhr legt er um 17 Uhr eine Pause ein, dann wird weiter gerackert bis Mitternacht und manchmal auch darüber hinaus.

Es ist das Muster einer Vollzeitstelle, acht Stunden pro Tag, sieben Tage die Woche. Arbeitet Andol etwa um Gottes Lohn? Wir hätten es gerne von ihm persönlich erfahren. Doch alle Versuche, Andreas Lieb mit unseren Recherchen zu konfrontieren – via Telefon, via Mail, über lokale Politikerkollegen –, sind gescheitert. Lieb alias Andol stellt sich taubstumm.

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Ganzen Artikel in der Weltwoche lesen (es lohnt sich). Siehe auch unseren Beitrag aus dem März 2018 “Wer ist Andol? Wikipedia hat ein nicht unerhebliches Aktivistenproblem

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Passend zum Thema erschien im März 2019 dieser Bericht in der Huffington Post:

Facebook, Axios and NBC paid this Guy to Whitewash Wikipedia Pages

And it almost always works.

Executives at the news company Axios were outwardly unperturbed when Jonathan Swan, one of the Politico-for-kids site’s star reporters, attractedwidespreadcondemnation last November for gloating about getting President Donald Trump to consider ending birthright citizenship.

“Our profile is going to get bigger and bigger and bigger, and we’re going to have more cool successes,” Axios editor-in-chief Nicholas Johnston told staff later. Executive editor Mike Allen acknowledged that Axios had, perhaps, erred ever so slightly, but seemed otherwise unconcerned with the criticism. “You can’t buy the amount of public exposure we got this past week for our journalism,” he wrote.

That may be true. What you can buy, however, are the services of a verbose, relentless Wikipedia editor willing to do whatever it takes to make sure that that public exposure is as flattering as possible. So, Axios did. Axios may not have expressed its worries about its reputational problem publicly or even to its own staff, but the company did hire Ed Sussman, a former head of digital for Fast Company and Inc.com who’s now a paid Wikipedia editor at WhiteHatWiki.com, to do damage control.

Weiterlesen in der Huffington Post. Siehe auch Beitrag auf Breitbart zum selben Thema.

 

Wann kommt das Red Team?

Ist es vernünftig, in wichtigen Fragen nur einer Beratergruppe zu vertrauen? Natürlich nicht. Firmen haben schon längst erkannt, dass es sich oft lohnt, eine zweite Gruppe zu befragen, welche die Ergebnisse der ersten Gruppe unabhängig und gezielt prüft. Die zweite Gruppe wird auch als “Red Team” bezeichnet. Wikipedia weiß:

Als Red Team oder als Rotes Team wird eine unabhängige Gruppe bezeichnet, welche eine Organisation zur Verbesserung der Effektivität bringen soll, indem sie als Gegner auftritt. Ziel ist es dabei immer, Sicherheitslücken aufzuspüren, bevor ein externer Dritter diese ausnutzen kann. Es ist besonders effektiv in Organisationen mit starren Strukturen und eingefahrenen Verfahrensweisen. Die Geheimdienste der Vereinigte Staaten, sowohl militärisch als auch zivil, haben rote Teams, die sich in die Position feindlicher Staaten versetzen und entsprechende Szenarien durchspielen und Berichte schreiben. Auch private Unternehmen, welche mit Regierungsorganisationen der USA zusammenarbeiten oder Rüstungsunternehmen sind, wie IBM und Leidos, sowie Regierungsbehörden wie das CIA nutzen bereits seit langer Zeit Red Teams. In den Streitkräften der Vereinigten Staaten werden sie verstärkt eingesetzt, seit der Prüfungsausschuss des Verteidigungsministeriums sie empfohlen hat.

Der Physiker Steven Koonin wirbt für die Einrichtung eines Red Teams in den USA, um die Ergebnisse des IPCC auf den Prüfstand zu stellen. In einem ausgezeichneten Vortrag aus dem April 2019 erläuterte er die wichtigsten Punkte der Klimadebatte:

 

 

(übrigens: sie können sich Untertitel in englisch oder deutsch anzeigen lassen, wenn Sie mit der Maus auf den unteren Rand des Youtubeschirms fahren. Dort gibt es ein Rechtecksymbol – links neben dem Rad).

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Kürzlich war Hitzewelle in Deutschland. Dann kühlte es sich schnell wieder ab. Auch in unseren Nachbarländern war es übrigens heiß, zum Beispiel in den Niederlanden. Und auch dort gibt es vernünftig denkende Menschen, die sich mit der Thematik auseinandersetzen. Aus den Niederlanden kontaktierte uns das Klimaatblog, das sich bereits 2015 mit dem Thema beschäftigt hat:

Vor ein paar Jahren hatten wir darüber auf meinem Blog einige Daten zusammen geschrieben. Mit Daten aus den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Deutschland. Link. Wir wollten sehen, ob die maximale Temperaturen und Hitzewellen in der Zeit zunehmen, und benutzte wo immer möglich längere Zeitreihen, am liebsten ab 1900. Unsere Schlussfolgerungen:

–es gibt einen Nord-Süd Gradienten, mit zunehmender Anzahl heisser Tagen (keine Neuigkeit)

–bei den maximale Temperaturen der hier in Betracht gezogen Stationen gibt es keinen deutlichen Trend

–die Anzahl der warmen Tagen nimmt zu, mit unterschiedlichem Tempo in den vier Ländern

–es ist erforderlich, die Definition von Hitzewellen zu standardisieren

Ein Leser schrieb uns kürzlich, ob es auch andere klimarealistische Blogs in Europa gäbe, man höre so wenig davon. Naja, das hängt u.a. damit zusammen, dass sie in ihren Landessprachen schreiben. Am einfachsten ist noch das Blog der GWPF zu lesen, da es in englisch ist. Weitere Blogs:

Frankreich: Pensée Unique

Niederlande: De staat van het klimaat

Norwegen: klimarealistene.com

Schweden: The Climate Scam

 

Die Sonne im Juni 2019 und die Muster der Erwärmung

Von Frank Bosse und Fritz Vahrenholt

Die Sonne ist im tiefen Minimum des 11-jährigen Zyklus. Die festgestellte SSN (für SunSpotNumber) betrug ganze 1,2. An nur 4 Tagen des Monats zeigten die Beobachtungen überhaupt etwas, alle Flecken waren auf der Nordhemisphäre der Sonne. Der Vergleich mit dem Mittelwert, gebildet aus der jeweils monatlichen SSN der vorangegangenen Zyklen, wird nun im 127. Monat des Zyklus immer weniger valide: Nur 12 der 23 systematisch beobachteten waren so lang, um einen Wert beizusteuern. Der Mittelwert liegt so bei 18,8. Für den aktuellen Zyklus  macht das ganze 6% der mittleren Aktivität im Zyklusmonat.

Abb.1: Die Fleckenaktivität des gegenwärtigen SC (für Solar Cycle) 24 seit seinem Beginn im Dezember 2008 (rot) im Vergleich zum Mittelwert aller bisherigen SC ( blau) und dem über weite Strecken recht ähnlichen SC5 (schwarz), der um 1805 herum beobachte wurde.

 

Der Vergleich der Zyklen untereinander:

Abb.2: Die Aktivität der einzelnen Zyklen im Vergleich. Die Zahlen im Diagramm entstehen, indem die Abweichungen vom Mittelwert (blau in Abb.1) bis zum aktuellen Zyklusmonat aufsummiert werden.

 

Deutlich ist das Dalton-Minimum zu erkennen, die Zyklen 5,6 und 7 markieren es. Seitdem sahen wir übernormale Aktivität für SC 8-11 (das war 1830-1878), dann wieder eine unternormal aktive längere Phase für SC12-16 (1878-1933), woran eine recht lang anhaltende positive Anomalie bis 2008 anschloss. Dass der Folgezyklus SC25 übernormal aktiv werden könnte stellt sich schon allein aus Abb.2 als unwahrscheinlich dar. Auch die solaren polaren Felder weisen auf einen unternormal aktiven kommenden Zyklus hin.

Wie lange könnte das Minimum noch andauern? Wir hatten vor Monaten eine Schätzung abgegeben: August 2020 +-4 Monate.  Schaut man auf die polaren Felder, so wird klar, dass das Mittel zwischen Nord-u. Südhemisphäre sich noch nicht abwärts bewegt, die Feldstärke verharrt seit Oktober 2017. Erst wenn es da deutlich nach unten geht kann der neue Zyklus beginnen. Es spricht also wenig für ein baldiges Ende des Minimums.

Es gibt auch immer wieder Stimmen, die sich zur Stärke von SC25 äußern. Eine aktuelle Schätzung der NASA geht von einem deutlich schwächeren als der aktuelle aus: nur 30-50% so aktiv. Geschätzter Start auch da in 2020, das Maximum wird um 2025 erwartet. Es gibt bisher wohl keine Vorhersage, die starke Aktivität antizipiert. Nach allem was „Konsens“ ist, werden wir bis mindestens 2030 weiter eine recht ruhige Sonne sehen. Wohl kein „Grand Minimum“ wie es das  Maunder Minimum 1645-1715 markierte, aber ein „Dalton-Typ“ ist nicht unwahrscheinlich. Wir werden sehen, was dies für Auswirkungen auf die Erde haben wird.

 

Die Klimasensitivität und „Erwärmungsmuster“

Im März 2018 hatten wir über eine Arbeit berichtet, die mit den besten zur Verfügung stehenden Daten die Empfindlichkeit unseres Klimasystems herleitete. Lewis/Curry (2018) kommen zum Ergebnis: 1,3 °C für eine Verdopplung des CO2- Gehaltes der Atmosphäre während des Anstieges (Transient Climate Response), langfristiges Gleichgewicht (ECS) bei 1,7°C (vgl. Tab. 3 der Arbeit). Die Zahlen reagieren kaum empfindlich auf die Wahl von (größeren) Zeitfenstern, sie schwanken nur sehr wenig, ob man 1870…2016 auswertet oder 1930…2016. Es gab eine ganze Reihe von Vorläuferarbeiten auch anderer Autoren, die ebenfalls etwa diese recht geringen Werte fanden. Auch Arbeiten, die historische Zeiträume (letztes glaziales Maximum bis vorindustriell) unter die Lupe nahmen, widersprechen diesen niedrigen Zahlen nicht.

Dann sollten doch eigentlich die Messen gelesen sein, und viel dramatischere Sensitivitäts- Abschätzungen vor allem aus GCM-Modellbetrachtungen (für General Circulation Models)- 1,86 °C für TCR und 3 °C für ECS- sind nicht zutreffend? „So einfach ist das nicht!“ sagen einige Aktivisten, denn die geringe Empfindlichkeit des irdischen Klimas würde ja nicht zu hektischen  Aktionen zur Treibhausgasreduzierung führen. Wie also die GCM mit ihren besorgniserregenden Projektionen vor der Empirie retten? Ein Schlüsselargument bisher geht so: Modelle sagen eine andere räumliche Verteilung der Erwärmung der Ozeane voraus als das, was wir beobachten:

 

Abb.3: Die Erwärmungsmuster, die Modelle herleiten (oben) und die beobachteten Muster. Von besonderer Bedeutung ist, dass die CMIP5-Modelle als Ergebnis des (vor allem menschgemachten) Antriebes (daher das Model-Mean) eine recht gleichmäßige Erwärmung des tropischen Pazifiks angeben, die Beobachtungen jedoch eine bedeutend stärkere Erwärmung des westlichen tropischen Pazifiks gegenüber dem östlichen feststellen.  Die Abbildungen wurden mit dem KNMI Climate Explorer generiert.

 

Es könnte also durchaus sein, so Aktivisten, dass die Abweichung eine „Laune der Natur“ wäre, eine interne Variabilität, und nach Beendigung dieser eher zufälligen Episode die Erwärmung „modellkonform“ viel stärker wird im globalen Maßstab. Es ist die Rede von „Trajektorien“ die möglich waren und sein werden, und die Beobachtungen deshalb stark negativ abweichen, weil sie nur eine zufällige der möglichen Realisierungen der Erwärmungsmuster seien. Kurz zusammengefasst: “Was wir bisher beobachten ist nicht die wirkliche Realität, es wird bestimmt viel schlimmer, glaubt den Klimamodellen!“

Hier nun leisten zwei aktuelle Arbeiten Aufklärung. Um es vorweg zu nehmen: Die Beobachtungen der Erwärmungsrate sind korrekt, die abweichenden Muster der Klimamodelle  entstehen durch ihre  Unzulänglichkeiten und die Muster werden sich auch nicht ändern. In Dong et al (2019)  weisen die Autoren nach, dass wenn sich die konvektiven Regionen mit vielen Wolken des westlichen Pazifiks stärker erwärmen als die mit kaum Konvektion des Ostpazifiks, die globale  Gesamterwärmung deutlich weniger ausgeprägt ist. Werfen wir einen Blick auf die Bewölkung im tropischen Pazifik:

Abb.4: Die Konvektion ( „CAPE Index“) über dem tropischen Pazifik. Deutlich ist das Gefälle West-Ost zu sehen.  Quelle.

 

Die Konvektion im westlichen tropischen Pazifik führt dazu, dass es eine verstärkte Abstrahlung von Wärme in den Weltraum gibt, die dortige Erwärmung also viel effektiver abgebaut werden kann, als dies bei einer stärkeren Erwärmung des östlichen Pazifiks mit geringerer Konvektion, möglich wäre, vgl. Abb.4. Die Arbeit führt aus:

„For the west Pacific patch, warming is communicated to the upper troposphere, which warms the whole troposphere across all latitudes, causing a large increase in outgoing radiation at the TOA. Furthermore, the patch of warming locally decreases tropospheric stability, measured here as estimated inversion strength (EIS), but increases EIS remotely over tropical marine low clouds regions, yielding an increase in global low cloud cover (LCC) which enhances the global SW reflection….The results first highlight the radiative response to surface warming in tropical ascent regions as the dominant control of global TOA radiation change both in the past and in the future. …This surface warming pattern yields a strong global outgoing radiative response at TOA that can efficiently damp the surface heating, therefore producing a very negative global feedback.”

Es ist also ein klarer physikalischer Mechanismus, der dazu führt, dass die beobachtete stärkere Erwärmung des tropischen Westpazifiks zu geringeren globalen Sensitivitäten (=stärkeres negatives globales Feedback) führt. Die zweite Arbeit, Seager et al (2019) beschäftigt sich mit dem gleichen Phänomen und kommt zu dem Ergebnis, dass das beobachtete Muster nicht zufällig ist, sondern ein unmittelbares Ergebnis des Antriebes („Forcing“). Sie stellt fest:

“The main features of observed tropical Pacific climate change over past decades are consistent with a response to rising CO2, according to fundamental atmosphere and ocean physics….However, the strength of the tropical Pacific influence on global climate implies that past and future trends will diverge from those simulated by coupled climate models that, due to their cold tongue bias (ein Streifen kühleren Wassers in Äquatornähe des Ostpazifiks, d.A.), misrepresent the response of the tropical Pacific to rising CO2.”

Klimamodelle haben so große Defizite in der Abbildung des Geschehens im tropischen Pazifik, dass sie dadurch die Antwort auf den Antrieb global falsch ermitteln (vgl. Abb.3) und die Empfindlichkeit auf den Antrieb systematisch (so Seager et al) überschätzen (so Dong et al). Ob wir davon etwas in den Medien lesen werden? Eine mögliche Überschrift wäre: “Klimamodelle rechnen die Zukunft zu heiß!“ Wir sind diesbezüglich skeptisch.

Wir sind gespannt, ob die Ergebnisse der beiden bedeutenden Arbeiten überhaupt Eingang in den kommenden Sachstandsbericht des IPCC finden werden. Dann nämlich müsste man hunderte Seiten kritisch überarbeiten, die sich mit Modellprojektionen beschäftigen. Ein Grund mehr für uns, der Empirie zu vertrauen und nicht der „Playstation Klimatologie“. Aber was soll dann aus der „Panik“ werden, die uns „Fridays for Future“ verordnen wollen? Alles nur heiße Luft? Die Politik läuft heiß, weil die Modelle zu heiß laufen. Welche Wissenschaftler haben den Mut und sehen ihre Verantwortung, FFF und die Politik aufzuklären?

 

Milliardengrab Klima-Hype

Titel der Ausgabe 08-2019 von Tichys Einblick ist “Milliardengrab Klima-Hype”. Darin enthalten ist auch ein Artikel von Fritz Vahrenholt und Roland Tichy:

Klimawende: 7600 Milliarden fürs Klima

Angela Merkel hat eine weitere Verschärfung des Klimaziels ausgerufen – Deutschland soll CO2-neutral werden. Die Kosten dafür betragen bis 2035 das Doppelte der Wirtschaftsleistung eines ganzen Jahres. Welcher Haushalt kann 1000 Euro im Monat extra aufbringen?

Für Angela Merkel sind es nur wenige Worte: „Wir wollen bis 2050 klimaneutral sein.“ In der andächtigen Stimmung auf dem Evangelischen Kirchentag in Dortmund, wo die Bundeskanzlerin sie sagte, folgte darauf Beifall der Gläubigen. Kein Wunder: Schließlich hatte der frühere investigative Journalist Hans Leyendecker als Präsident des Kirchentages ex cathedra verkündet: „Wer nicht anerkennen will, dass der Klimawandel menschengemacht ist, hat beim Kirchentag nichts zu suchen.“ Es geht also nicht mehr um wissenschaftliche Prüfung, sondern um ein neues Glaubensdogma – wer will da noch Zweifel wagen, wenn er nicht Galileo Galilei heißt? Die Kanzlerin konnte sich in der Einigkeit wärmen, die Religion dem Herz bietet. Wer will da schon nachrechnen, was es für die deutschen Haushalte finanziell bedeutet, wenn den Worten Taten folgen.

Die Kanzlerin will nun in der Klimapolitik „kein Pillepalle“ mehr, wie sie schon einige Tage zuvor den Bundestagsabgeordneten der Union verkündet hatte. Die Fridays-for-Future-Demonstrationen fordern die Reduktion auf null schon bis 2035, das Kommunikationsdesaster durch Youtuber Rezos „Die Zerstörung der CDU“-Video und die Wahl- und Umfrageerfolge der Grünen haben ganz offensichtlich bei der Kanzlerin Wirkung gezeigt. Man erinnert sich an 2011 und die Hauruck-Entscheidung zum vorzeitigen Atomausstieg. Wenn Merkel den Eindruck gewinnt, dass die Deutschen gerne die Welt retten wollen, dann entscheidet sie manchmal eben ganz schnell, koste es, was es wolle. Nur Stimmen und Stimmung zählen. Ökonomische oder sonstige Rationalitäten spielen dann keine Rolle mehr – wie später dann auch bei der Grenzöffnung. Und jetzt die Klimawende wegen demonstrierender Schüler und singender Protestanten.

Weiterlesen in Ausgabe 08-2019 von Tichys Einblick “Milliardengrab Klima-Hype”

 

 

Und hier noch ein Auszug aus einem weiteren Artikel der Ausgabe 08-2019. Autor ist Fritz Vahrenholt:

KLIMA-FAKTEN
Die Realität untergräbt das Modell
Was macht man als Schreckensprophet, wenn die Realität nicht so will wie die Prognosen? Richtig, man verringert die Zielwerte; dann ist die Bedrohungslage wiederhergestellt. Und ansonsten ignoriert man die Fakten und spricht im Konjunktiv. Ja, es könnte alles ganz schlimm werden

Seit mehr als 20 Jahren sollen uns die Klimamodelle des Weltklimarats IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) Angst einflößen. Zwei Grad Erwärmung gegenüber der ausklingenden Kleinen Eiszeit Ende des 18. Jahrhunderts dürfen nicht überschritten werden, hieß es. Die Katastrophe drohe, denn es würden noch in diesem Jahrhundert drei, vier oder gar fünf Grad Erwärmung erreicht, weil die CO2-Konzentration von vorindustriellen 0,028 Prozent auf 0,056 Prozent im Jahr 2100 anstiege, wenn nicht eingegriffen würde.

So weit das Modell. Allerdings hat die Realität nicht mitgespielt. Die tatsächliche Erwärmung fiel geringer aus als die Modellprognosen. Pro Jahrzehnt sind bei Satellitenmessungen nur 0,13 Grad Celsius an globaler Erwärmung festzustellen. Wenn sich der Trend fortsetzt, würde man ohne drastische CO2-Vermeidungsmaßnahmen im Jahr 2100 bei etwa zwei Grad landen. Irgendetwas war offensichtlich falsch an der Annahme, die Klimaentwicklung der vergangenen 150 Jahre werde allein vom Menschen bestimmt. Das sprach sich herum, und so verwundert es nicht, dass 2017 die Hälfte der amerikanischen Meteorologen den Beitrag von CO2 zur Erwärmung der Welt nur noch mit weniger als 60 Prozent angab.

Weiterlesen in Ausgabe 08-2019 von Tichys Einblick “Milliardengrab Klima-Hype”

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Florian Josef Hoffmann am 5. Juli 2019 in The European:

Noch unberechenbarer als das Wetter ist das Klima

Die Leser-Reaktionen auf meinen letzten Beitrag „CO2 ist kein Gift – Elektroautos verstärken das Klimaproblem“ waren überaus positiv, wohl weil ich das CO2 so bodennah beschrieben habe, das heißt, vorwiegend aus eigenem Erleben. Persönliches Erleben wird schwieriger, wenn es um Vorgänge geht, die in der Atmosphäre bis hinauf in 10 oder 20 Kilometer Höhe oder noch höher stattfinden, wenn es also ums Wetter geht. Ich versuch’s trotzdem.

In guter Erinnerung ist uns noch der waghalsige Stratosphären-Sprung des Österreichers Felix Baumgartner im Jahr 2012 – aus immerhin 39 km Höhe. Baumgartner könnte aus eigenem Erleben erzählen, wie ihn der Heliumballon nach oben getragen hat, welche Temperaturen und Drücke er gemessen hat, welchen Winden er ausgeliefert war und ab wann er im Fall bei einer Geschwindigkeit jenseits der Schallmauer den Luftwiderstand gespürt hat – anfangs angesichts der dünnen Atmosphäre wohl kaum, sonst wäre er nicht so schnell geworden und auch weiter unten nur beschränkt. Immerhin war er luftdicht eingepackt. Kein normaler Passagier will es Baumgartner nachmachen. Unsereins bleibt beim Flug nach New York in 11 Kilometer Höhe bei 62 Grad Außentemperatur schön warm in seinem Flugzeug sitzen und wartet, bis wir mit festem Boden unter den Füßen wieder unbeschädigt aussteigen kann. Unser atmosphärisches Erleben während des Fluges beschränkt sich auf einen Geringen Druckabfall, auf den Blick in die Sonne und oft auch auf die geschlossene Wolkendecke unter uns. Das war’s dann auch.

Jemand, der etwas mehr erzählen kann, ist der Schweizer Abenteurer Bertrand Piccard, der Sohn des berühmten Tiefsee-Weltrekordlers Jaques Piccard. Piccard junior hat sich nicht den Tiefen des Ozeans, sondern den Höhen der Erdatmosphäre verschrieben. Er hat vor zwanzig Jahren zusammen mit seinem Co-Piloten in einem Heißluft/Gas-Ballon als erster Mensch ohne Zwischenlandung die Erde umrundet, und das in nur 20 Tagen. Ich hatte vor einigen Jahren das Glück, bei einem Vortrag zugegen zu sein, in welchem Piccard jun. Details seines großen Abenteuers beschrieb.

Weiterlesen in The European

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Man soll ja keine Witze über Nachnamen machen, dafür können deren Halter nämlich nichts. Aber bei Volker Quaschning ist es etwas anderes. Sein leicht veränderter Name ist für ihn schon seit längerem Programm. Zu heiß, zu kalt, zu feucht, zu trocken – alles sieht der Photovoltaik-Ingenieur und Hobbyklimatologe als Bestätigung für die Klimakrise. Nun ist einem erfahrenen Meteorologen die Hutschnur geplatzt. In einer Twitter-Serie schreibt Jörg Kachelmann über einen kürzlichen Quaschning-Tweet (hier im Original):

The nutty Professor at its best. Vor ein paar Wochen: Dürre, weil Monsun zu spät kam: Klimawandel. Jetzt Monsun da: Klimawandel. Genauso macht man die Wissenschaft lächerlich, indem man jährlich wiederkehrende normale Dinge alle dem Klimawandel unterschiebt, um sein peinliches…

geldgieriges Süppchen zu kochen. Es gibt so viele eindeutige Zeichen für den Klimawandel. Dadurch, dass nun neuerdings alles Klimawandel ist, schadet man dem richtigen und wichtigen Anliegen, ihn zu bekämpfen, am meisten – wenn es nicht um das Anliegen, sondern Förderkohle geht.

Dass es den meist potsdämlich-berlinesken Doomsday-Heulbojen nur um die eigene Förderkohle (und manchen Fernsehmeteorologen um die schön schauerlichen Klimavorträge bei der Kreissparkasse) und nicht um die Welt geht sieht man auch daran, dass die tägliche Ausrufung des….

…Weltuntergangs kontraproduktiv ist, um Menschen zu richtigen und wichtigen Massnahmen gegen Klimawandel mitzunehmen. “Wenn die Katastrophe ja angeblich schon da ist, warum denn noch was tun? Ist eh zu spät.” Nein, wir können noch was tun, aber der Weg für nicht über die…

…peinliche Habgier von Professoren, denen die Dürre in ihrem eigenen Drittmittelfluss (muss die Hitze sein ;-) viel grössere Sorgen macht als der Klimawandel und sturzbetroffene junge Menschen als Lautsprecher benutzen, statt ihnen zu sagen, was man weiss – und was (noch) nicht

 

Fabrikation von Wahrheiten

Die Weltwoche setzt sich seit geraumer Zeit für mehr Realismus in der Klimadiskussion ein. Angesichts der klimastreikenden Schüler hat die Weltwoche nun ein Sonderheft zum Klimawandel herausgebracht. Man kann nur hoffen, dass die Schüler darin ein wenig lesen, falls Einpeitscherin Greta es ihnen gestattet. Die Artikel sind kostenlos aufrufbar. Hier die Links zu den einzelnen Beiträgen:

Intern: Klimawandel für die Schule

Wenn das Klima zur Glaubensfrage wird

Es gibt wichtigere Sorgen

Gletschermanns Entdeckung

Die Rechnung, bitte

Menschengemachte Schwankungen

Alge des Jahres

«Reale Probleme werden ignoriert»

Verbesserte Umwelt

Wahre Kosten

Fabrikation von Wahrheiten

Fehlalarm um die Eisbären

Erdbeeren im Januar

Wie man mich zum Klimaleugner machte

Wieweit folgen Wissenschaftler dem Herdentrieb?

«Wahnsinn in der Methode»

Vernebelungstaktik beim Klimawandel

Sag mir, wo du stehst

Einer der Beiträge wurde von Fritz Vahrenholt verfasst:

Fabrikation von Wahrheiten

Die Frage ist nicht, ob CO2 einen Einfluss auf die Erdtemperatur hat, sondern in welchem Ausmass. Die Wissenschaft liefert die abschliessende Antwort nicht. Womöglich steckt in der Klimapolitik eine grössere Bedrohung für die westliche Zivilisation als im Klimawandel.

97 Prozent der Klimawissenschaftler unterstützen die Aussage des Weltklimarates – dies wird denjenigen entgegengehalten, die im Spektrum der Klimawissenschaft zu Ergebnissen kommen, die dem Mainstream widersprechen. Insbesondere in Diskussionen mit Politikern, Journalisten, aber auch Klimaaktivisten ist dieser Hinweis das probate Mittel, um jeden Zweifel abzublocken. Zweifel etwa, ob es nicht auch natürliche Ursachen für einen Teil der Erwärmung gegeben haben könnte; ob nicht das CO2 in seiner Klimawirkung überschätzt sei; ob die Klimamodelle wirklich ein zureichendes Bild der realen Klimaentwicklung abgäben.

Der immer wieder zitierte 97-Prozent-Konsens beruht auf einer Arbeit von John Cook, einem australischen Psychologen, aus dem Jahr 2013. Cook hat klimawissenschaftliche Artikel aus den Jahren 1991 bis 2011 untersucht. Er stellte fest, dass 97 Prozent der Veröffentlichungen einen Zusammenhang zwischen Erwärmung und anthropogenem Einfluss annehmen. Schaut man sich die Studie Cooks allerdings etwas genauer an, stellt man fest, dass gerade mal 1,6 Prozent diesen menschlichen Einfluss mit mehr als 50 Prozent beziffern, die restlichen 95,4 Prozent sehen einen Zusammenhang, ohne ihn zu quantifizieren.

Die weit überwiegende Zahl der Wissenschaftler – ich zähle mich zu ihnen – sieht den CO2-Ausstoss durch den Menschen als eine von mehreren Ursachen für die globale Erwärmung der letzten 150 Jahre. Darunter sind einige, die den CO2-Beitrag auf weniger als 50 Prozent einschätzen, einige sicher auch auf 60 oder gar 80 Prozent. Der Uno-Weltklimarat (IPCC) behauptet in seinem Bericht aus dem Jahr 2018, dass ausschliesslich menschliche Aktivitäten für den Anstieg von 0,9 Grad Celsius seit 1850 ursächlich sind. Und landauf, landab verbreiten Politik und Medien, die Wissenschaftler seien sich zu 97 Prozent einig. Abweichende Meinungen werden damit als absurd oder skurril gebrandmarkt.

Da ist es doch interessant, einen Blick auf den letzten Bericht der American Meteorological Society aus dem Jahr 2017 zu werfen. 42 Prozent der befragten Meteorologen erachteten die Natur als bedeutsamere oder mindestens gleichwertige Ursache für die Erwärmung. 49 Prozent sehen den Menschen als Urheber im Vordergrund, allerdings vermuten auch hier nur 15 Prozent den Menschen als alleinig ursächlich: gegenüber der Untersuchung des Zeitraumes 1991 bis 2011 eine deutliche Steigerung, aber eben nur um 15 Prozent.

Nun werden naturwissenschaftliche Erkenntnisse nicht per Mehrheitsentscheid proklamiert. Gerade wenn sich zu politisch gehypten Themen eine unselige Allianz aus Politik, Medien und Wissenschaft bildet, wird es immer gefährlich. Auf dem Höhepunkt der Waldsterbensdebatte in den neunziger Jahren waren die wenigen abweichenden Wissenschaftler sehr schnell isoliert. Sie wurden von den Medien nicht mehr zitiert und von Forschungsmitteln abgeschnitten. Die Realität gab ihnen später recht.

Viele Menschen goutieren Schwarzweiss-aussagen, welche die komplizierte Welt so einfach wie möglich erklären. Von 97 zu 100 Prozent Konsens betreffend menschenverursachtes Klima ist es nur noch ein ganz kleiner Schritt, der alles kolossal vereinfacht und die Schuldfrage auch noch gleich löst. Dabei wird in der Klimawissenschaft mit so extremen Unsicherheiten operiert wie sonst nirgendwo. Sämtliche Klimaberichte strotzen nur so vor Unsicherheiten. Erkenntnisse werden mit Konfidenzbereichen ausgewiesen: «sehr wahrscheinlich», «wahrscheinlich» und «unwahrscheinlich». Man stelle sich vor, Galileo oder Einstein hätten ihre gesetzmässigen Erkenntnisse mit derart ungefähren Formeln begründet.

Weiterlesen in der Weltwoche

 

Leseempfehlung zur Klimadebatte: Welt in Angst – von Michael Crichton

Der Klimaalarm erlebt gerade wieder eine Hochphase. Nachdem man jahrelang Schulbücher und Lehrer auf Linie getrimmt hat, fuhr man nun mit einer inszenierten Schülerprotestwelle reiche Ernte ein. Dabei war es vollkommen gleichgültig, dass die Schüler weder Schulabschluss noch einen tieferen wissenschaftlichen Einblick in die Materie hatten. Hauptsache es waren viele Schüler, die auch noch laut und medienwirksam riefen. Vielleicht war die fachliche Unbedarftheit sogar Voraussetzung, denn wer sich auch nur ein bisschen in der Materie auskennt, hätte den Aktivistenbraten bereits frühzeitig gerochen. Ok, Tor für Klimaalarm, müssen wir mit klarkommen.

Die Muster der Klimadebatte haben sich überraschenderweise in den letzten zwei Jahrzehnten kaum verändert. Das macht auch die Lektüre des Romans Welt in Angst von Michael Crichton überdeutlich. Wer diesen Schmöker noch nicht gelesen hat, dem sei er wärmstens (!) empfohlen. Crichton war ein vielfach mit Preisen ausgezeichneter US-amerikanischer Schriftsteller, Drehbuchautor und Regisseur. Sein gesunder Menschenverstand ließ ihn an der damals aufkeimenden Klimaapokalypse zweifeln, was er literarisch perfekt und wissenschaftlich überzeugend verarbeitete. Wikipedia zum Buch:

2004 kam sein umstrittener Roman Welt in Angst heraus. Darin geht es um Ökoterroristen, die ein künstliches Seebeben auslösen wollen, um die Welt in Angst vor dem Klimawandel zu halten. Der Roman kritisiert die nach Meinung des Autors ideologisierte Wissenschaft. Crichton hielt die Thesen vom weltweiten Klimawandel für falsch; wenn es überhaupt eine Erwärmung gebe, dann sei sie Teil eines natürlichen Zyklus, da sich die Erde seit der letzten Eiszeit erwärme.

Näheres zum Inhalt (von der Buchseite auf Wikipedia):

George Morton ist ein amerikanischer Millionär, der mit seinem Geld Umweltorganisationen unterstützt. Als er bei einem Autounfall verunglückt, möchten Umweltaktivisten überraschend schnell sein Erbe antreten. Georges Anwalt und guter Freund Peter Evans macht sich auf die Spur der verschwundenen Millionen. Begleitet vom geheimnisvollen Agenten John Kenner, stellt Peter fest, in welche dubiosen Projekte Georges Unterstützung geflossen ist und wird gezwungen, seinen eigenen Standpunkt komplett neu zu überdenken.

Den Rest der zitierten Wikipediaseiten brauchen Sie übrigens nicht zu lesen, da Aktivisten das Werk wie üblich in der Luft zerreißen. Hier ein kurzes Beispiel:

Zwar seien die vorgebrachten Argumente auf den ersten Blick plausibel, tatsächlich seien sie jedoch Scheinargumente, die einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht standhielten. Oft seien sie auch einfach nur falsch. Tatsächlich zeige die Lektüre deutlich, dass Crichton auf gängige Pseudoargumente von Klimaskeptikern reingefallen sei. Umweltschützer warfen ihm zudem Missverständnis von Fakten sowie Fehlinformationen und die Leugnung der anthropogenen Ursachen der Klimaerwärmung vor.

Gegenargumente gibt es wie üblich nicht. Genießen Sie daher das Buch. Ihnen wird vieles sehr bekannt vorkommen, obwohl das Buch bereits vor 15 Jahren erschien.

 

 

 

(übrigens: sie können sich Untertitel in englisch oder deutsch anzeigen lassen, wenn Sie mit der Maus auf den unteren Rand des Youtubeschirms fahren. Dort gibt es ein Rechtecksymbol – links neben dem Rad).

 

 

Michael Crichton verstarb am 4. November 2008 an Krebs.

 

Siehe auch Artikel von Bob Tisdale zum Buch.

 

Klimawandel in Deutschland – Die Fakten

www.klimawandel-in-deutschland.de

Der vergessene Protest: Als sich vor 20 Jahren eine Gruppe AWI-Forscher gegen den Klimaalarm verwehrte

Anfang Juli 2019 brachten wir an dieser Stelle die deutsche Übersetzung einer Petition von 90 italienischen Klimawissenschaftlern gegen den Klimaalarm. Michael Krüger erinnerte eine Woche später im ScienceSkepticalBlog an einen ähnlichen Appell vor 20 Jahren von führenden Klimaforschern am Alfred Wegener Institut in Bremerhaven:

Mit drei Sätzen lässt Prof. Ernst Augstein die Weltklimakonferenz, die am 1. Dezember 1997 im japanischen Kyoto eröffnet wird, als globale Farce erscheinen. „Es stimmt“, sagt er, „dass weltweit die Temperaturen steigen. Es stimmt auch, dass die Konzentration des Treibhausgases CO2 in der Atmosphäre zunimmt und dass der Mensch dazu beigetragen hat und weiter beiträgt. Es ist aber überhaupt nicht erwiesen, dass der gegenwärtige Temperaturanstieg etwas mit der aktuellen CO2-Zunahme zu tun hat.“ Seine Befürchtung: „Vielleicht drehen wir, was das Weltklima angeht, in Kyoto an den völlig falschen Knöpfen.“

Ernst Augstein ist nicht irgendjemand. Der Ozeanograph am Alfred-Wegener-Institut (AWI) für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven war zeitweise Vorsitzender des Klimabeirates der Bundesregierung.

Augstein bestreitet, dass man aus den Klimasimulationen der Großcomputer auf reale Abläufe in der Natur schließen darf. Es gebe selbst in der jüngeren Erdgeschichte Beispiele für schnelle und große Temperaturänderungen, bei denen das CO2 – der wichtigste Faktor in den Berechnungen – keine Rolle gespielt habe. Er verweist auf die „Kleine Eiszeit“: Zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert habe sich die Weltmitteltemperatur zunächst um knapp ein Grad verringert, um dann binnen 150 Jahren um den gleichen Wert rapide wieder anzusteigen. Erklären kann das bis heute keiner.

Augstein wird unterstützt von dem Geophysiker Heinz Miller (Ex Stellvertretender Direktor des AWI und Polarforscher mit über 30 Jahren Polarerfahrung), dem Klimamodellierer Dirk Olbers und dem Meeresphysiker Claus Böning. Alles Urgesteine der Klimaforschung.

Als Motiv dafür, warum so viele Fachleute anders handeln, kann Augstein sich vieles vorstellen: „Es geht um Millionen an Forschungsgeldern, es geht um Einfluß und um Eitelkeiten.“ Gegenüber dem Vorsitzenden der Weltklimaorganisation WMO in Genf, Prof. Hartmut Graßl, setzt er noch eines drauf: „Persönlich verstehen wir uns gut, sind praktisch Sandkastenfreunde. Aber Graßl ist ein Mann, der gern die Katastrophenorgel dreht, der notfalls auch versucht, Ziele, die er für richtig hält, mit zweifelhaften Argumenten durchzusetzen.“ Und so ist es noch heute.

Ganzen Beitrag im ScienceSkepticalBlog lesen

Einen längeren Bericht zum heute fast vergessenen AWI-Protest  gegen den Klimaalarm kann man in Bild der Wissenschaft in einem Artikel von 1998 nachlesen.

Den AWI-Forschern gebührt höchste Anerkennung. Damals haben Graßl, Hasselmann & Co. die Revolte offenbar schnell in den Griff bekommen. Kurzer Prozess wurde kurz darauf auch mit den Kollegen der BGR gemacht. Die Abteilung mit Klimadissidenten wurde kurzerhand geschlossen, den staatlichen Wissenschaftlern ein Maulkorb verpasst. Der Heidelberger Klimaforscher Augusto Mangini wurde öffentlich von Rahmstorf und Kollegen wegen Aussagen zur natürlichen Klimavariabilität geschmäht. Zu den Klimarealisten gehören und gehörten viele führende Geowissenschaftler, zum Beispiel der bekannte Meeresgeologe Kenneth Hsü. Die Berliner Mauer hatte knapp 30 Jahre Bestand, bevor sie wieder eingerissen wurde. Wie lange wird es wohl noch dauern, bis der Klimaalarm in sich zusammenbricht?

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Kommentar des Politikwissenschaftlers Alexander Straßner (Universität Regensburg) in der Welt vom 11. Juli 2019:

Protest der Klimaschützer: Ein Hilfeschrei der Jugend? Eher ein Vorbote extremistischen Denkens

Aktivisten wie Luisa Neubauer und Greta Thunberg glauben, von vornherein im Recht zu sein – weil sie für das Gemeinwohl kämpfen. Andersdenkende dämonisieren sie, Kompromisse lehnen sie ab. Jede Diskussion wird so unmöglich. Die Vertreter der Klimaschutzbewegung nehmen für sich in Anspruch, aus Gemeinwohlgründen zu handeln. Das mag gut klingen und vielleicht sogar altruistisch motiviert sein. Befeuert von Klimageografen, die mitunter eine kritische Distanz zu ihrem Forschungsfeld vermissen lassen, werden Wissenschaftler als Heilige betrachtet, solange sie die eigenen Standpunkte teilen.

Andere Forschungsergebnisse werden in der gleichsam religiösen Logik als Häresie betrachtet. An die Stelle der Argumentation tritt die Dämonisierung. Die Abwertung des Gegenübers etwa als „alter, weißer Mann“, den man nicht brauche, so die „Fridays for Future“-Aktivistin Luisa Neubauer, ist mehr als ein Hilfeschrei der Jugend. Es ist ein Vorbote von extremistischen Denkformen. Denn die Bezeichnung „alter, weißer Mann“ ist keine nach Geschlecht oder Zugehörigkeit zu einer Alterskohorte festgelegte Variable, sondern schlicht ein synonym für abweichende Meinungen.

Weiterlesen auf welt.de

 

Vahrenholt: Merkels „Klimaneutralität” kostet Deutschland 3.000 Milliarden Euro mehr

Tichys Einblick am 9. Juli 2019:

Zielerreichung unsicher, Kosten garantiert
Vahrenholt: Merkels „Klimaneutralität” kostet Deutschland 3.000 Milliarden Euro mehr

Kostenbelastung stiege auf bis zu 1.050 Euro monatlich pro Haushalt.

Die Erhöhung der Klimaschutzziele, die Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Evangelischen Kirchentag angekündigt hat, würde die deutsche Volkswirtschaft und jeden einzelnen Haushalt erheblich belasten. Wird das von Merkel formulierte Ziel wirklich umgesetzt, das CO2-Reduktionsziel von 90 auf 100 Prozent bis 2050 zu erhöhen, entstünden dadurch nach einer Berechnung des früheren Hamburger Umweltsenators Fritz Vahrenholt (SPD) Mehrkosten von rund 3.000 Milliarden Euro. Damit stiegen die Kosten für das Erreichen der „Klimaneutralität” bis zum Jahr 2050 von bislang geschätzten 4.600 Milliarden auf 7.600 Milliarden Euro. Das ist etwa doppelt so viel wie das Bruttoinlandsprodukt Deutschland im Jahr 2018. Das berichtet das Magazin Tichys Einblick in seiner neusten Ausgabe.

Weiterlesen auf Tichys Einblick

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Die folgende Pressemitteilung der Universität Tübingen vom 6. Juni 2019 hat nichts mit dem Klimawandel zu tun, steht aber exemplarisch für Probleme im etablierten Wissenschaftssystem:

Untersuchungskommission stellt wissenschaftliches Fehlverhalten durch Tübinger Hirnforscher fest

Gremium der Universität Tübingen kritisiert Wissenschaftler für Umgang mit Untersuchungsdaten und fordert Konsequenzen

Eine Untersuchungskommission der Universität Tübingen hat im Fall zweier Hirnforscher wissenschaftliches Fehlverhalten festgestellt. Die Kommission kam nach der Überprüfung einer im Fachmagazin PLOS Biology veröffentlichten Studie zu dem Ergebnis, dass Untersuchungsdaten in relevantem Umfang nicht ausgewertet beziehungsweise nicht berücksichtigt wurden. Die Kriterien für den Ausschluss dieser Daten seien von den Forschern nicht transparent gemacht worden. Darüber hinaus ließen sich die in der Studie publizierten Ergebnisse in vielen Fällen nicht auf das vorhandene Datenmaterial zurückführen. Das Rektorat der Universität kündigte Konsequenzen an.

Eine Forschergruppe unter der Leitung eines Seniorprofessors der Universität Tübingen hatte im Jahr 2014 Untersuchungen an insgesamt vier Patienten durchgeführt, die an fortgeschrittener Amyotropher Lateralsklerose (ALS) erkrankt waren. ALS ist eine neurodegenerative Erkrankung, die dazu führt, dass Betroffene schrittweise die Fähigkeit verlieren, ihre Muskulatur zu steuern. Im Endstadium sind Patienten vollständig gelähmt und nicht mehr in der Lage, sich ihrer Umgebung mitzuteilen. Man spricht dann von einem „Completely Locked-In Status“. Die Hirnforscher hatten in der Vergangenheit versucht, eine Technik zu entwickeln, um mit diesen vollständig gelähmten Patienten wieder kommunizieren zu können. Dazu wurde die Hirnaktivität mit Hilfe von Infrarotspektroskopie und Elektroenzephalographie (EEG) gemessen. Die Wissenschaftler nahmen an, dass aus diesen Messdaten Rückschlüsse auf die Gedanken der Patienten möglich sind. 

Wie die Kommission für Fehlverhalten in der Wissenschaft in ihrem Beschluss feststellt, stieß das Untersuchungsgremium auf eine Reihe von Verstößen gegen die gute wissenschaftliche Praxis: 

1-Selektive Datenauswahl bei der Datenerhebung
Die Wissenschaftler haben nach dem Ergebnis der Kommission einen Teil ihrer Datensätze bei der Auswertung nicht berücksichtigt, ohne klar definierte und nachprüfbare Kriterien für ihre Auswahl festzulegen. Vielmehr blieben Daten teils aufgrund von angeführten technischen Problemen bei der Erhebung, teils aufgrund persönlicher Entscheidungen des Seniorprofessors unberücksichtigt. Diese Praxis stellt nach Einschätzung der Kommission eine „Verfälschung von Daten durch Zurückweisen unerwünschter Ergebnisse ohne Offenlegung“ dar und steht zudem im Widerspruch zu Angaben, die beide Wissenschaftler in ihrem Fachartikel selbst gemacht haben.

2-Fehlende Offenlegung von Daten und Skripten
In ihrem Fachartikel haben die Wissenschaftler Internet-Links gesetzt, die den Leser zu verschiedenen Datensätzen führen sollen. Darunter fehlt nach dem Ergebnis der Kommission jedoch das Skript, mit welchem einem Computerprogramm Vorgaben zur Auswertung der Daten gemacht wurden. Nach Aufforderung der Kommission hat einer der beiden Hirnforscher dem Gremium zwar Daten zur Verfügung gestellt. Auch aus diesen Daten ließen sich die im Artikel gemachten Angaben jedoch nicht nachvollziehen. Bis zum Abschluss der Untersuchung haben die beiden Wissenschaftler keinen vollständigen Datenbestand nachgewiesen. So fehlen beispielsweise auch die im Artikel dargestellten EEG-Daten. Die Kommission erkennt darin eine „Verfälschung von Daten durch Unterdrücken von relevanten Belegen“. 

3-Fehlende Daten 
Die Wissenschaftler haben nach eigener Darstellung die von ihnen entwickelte Technik einer Gehirn-Computer-Schnittstelle (BCI) bei insgesamt vier Patienten eingesetzt. Die Zahl der Tage, an denen BCI bei den einzelnen Patienten eingesetzt wurde, variiert nach den Angaben im genannten Fachartikel zwischen 6 und 17 Tagen pro Patient. Nach den Ermittlungen der Kommission stimmt die Anzahl der Tage, zu denen Daten vorliegen, mit der Anzahl der Tage, für die im Artikel Auswertungen dargestellt werden, in keinem Fall überein. Beispielsweise wurden bei einem Patienten in PLOS Biology Ergebnisse für zwölf Tage aufgeführt. Der Kommission lagen jedoch nur Daten für acht Tage vor. Bei einem weiteren Patienten werden im Artikel Ergebnisse für 14 Tage aufgeführt, obwohl der Kommission nur Daten für zwölf Tage vorlagen. Die Kommission schloss daraus, dass im Artikel Ergebnisse dargestellt wurden, zu denen keine Daten vorliegen. 

4-Mögliche Datenverfälschung durch fehlerhafte Analyse
Die beim Einsatz am Patienten mittels BCI erzeugten Rohdaten sind von den Wissenschaftlern mithilfe elektronischer Datenverarbeitung analysiert worden. Wesentliche Software-Komponenten der eingesetzten EDV-Systeme wurden von den Wissenschaftlern gegenüber der Kommission nicht offengelegt, so dass eine Beurteilung der eingesetzten Methoden nicht möglich war. Ob die computergestützte Auswertung der Daten korrekt validiert wurde, ließ sich nicht mehr nachvollziehen. Die Kommission konnte allerdings ermitteln, dass ein ehemaliger Mitarbeiter des Seniorprofessors diesen bereits im November 2015 darauf hingewiesen hatte, dass sich aus den Daten in statistisch korrekter Auswertung keine signifikanten Ergebnisse belegen lassen. Diese Informationen legen nach Ansicht der Kommission nahe, dass eine Datenverfälschung stattfand.Universität kündigt Anlaufstelle für Patienten an

Die Kommission hat dem Rektorat der Universität in ihrem Beschluss eine Reihe von Konsequenzen vorgeschlagen. So forderte das Gremium, die beiden Wissenschaftler müssten die umstrittene Studie in PLOS Biology zurückziehen. Ergänzend müssten die Herausgeber der Zeitschrift ebenfalls aufgefordert werden, die Studie zurückzuziehen. Alle Organisationen, die die Studie finanziell gefördert hätten, sowie die Spitzenverbände der deutschen Krankenkassen seien ebenfalls über das Ergebnis zu informieren. Für alle Publikationen, an denen die beiden betroffenen Wissenschaftler seit 2014 mitgewirkt haben, schlägt das Gremium eine nachträgliche Überprüfung durch externe Gutachter vor. Darüber hinaus forderte die Kommission das Rektorat auf, den Status des Seniorprofessors der Universität Tübingen zu überprüfen. Nicht zuletzt wird in dem Beschluss angeregt, eine Anlaufstelle für die betroffenen Patienten und ihre Angehörigen zu schaffen. 

Der Rektor der Universität, Professor Bernd Engler, sagte, die Hochschulleitung werde über die Empfehlungen der Kommission beraten und sehr zeitnah die nun gebotenen Schritte einleiten. Wichtigste Aufgabe sei es, zügig ein Beratungsangebot  für die betroffenen Patientinnen und Patienten sowie ihre Angehörigen zu schaffen. Die Betroffenen könnten sich in dieser Angelegenheit an das Dekanat der Medizinischen Fakultät wenden. Engler dankte den Kommissionsmitgliedern und den Vertrauensleuten für ihre zielstrebige Arbeit. Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hätten sich akribisch und mit hohem Aufwand in eine komplizierte Materie eingearbeitet und ihre Untersuchungen sehr zeitnah abgeschlossen. „Kommission und Vertrauensleute haben unter Beweis gestellt, dass die Kontrolle der Wissenschaft durch unabhängige Forscherinnen und Forscher an der Universität Tübingen funktioniert“, sagte der Rektor.

Die Überprüfung der in PLOS Biology publizierten Studie war im Frühjahr 2018 durch einen wissenschaftlichen Mitarbeiter der Universität ausgelöst worden, der sich an die Vertrauensleute der Medizinischen Fakultät gewandt hatte. Die Vertrauensleute untersuchten die Vorwürfe rund ein halbes Jahr lang intensiv und übergaben ihren Bericht schließlich am 22. November 2018 an die universitäre Kommission für Fehlverhalten in der Wissenschaft. Die Kommission beschloss daraufhin Anfang 2019, ein förmliches Verfahren einzuleiten. 

Engler betonte, für eine internationale Forschungsuniversität sei die Einhaltung der Prinzipien guter wissenschaftlicher Praxis von fundamentaler Bedeutung: „Vor diesem Hintergrund unternehmen wir seit vielen Jahren erhebliche Anstrengungen, allen Forschenden und Studierenden die Prinzipien guter Wissenschaft nahezubringen.“ Die Universität werde den aktuellen Fall – unabhängig von den weiteren Schritten – zum Anlass nehmen, ihre Anstrengungen nochmals zu erhöhen: „Wir werden künftig innerhalb der Universität noch deutlicher kommunizieren, dass wir über ein klares Regelwerk und verlässliche Strukturen verfügen, auf die jede Wissenschaftlerin und jeder Wissenschaftler  zurückgreifen kann,  sobald ein begründeter Verdacht auf wissenschaftliches Fehlverhalten vorliegt.“ Hinweisgeber, die sich an Vertrauenspersonen wenden, hätten in solchen Fällen selbstverständlich ein Anrecht darauf, vor Repressalien geschützt zu werden. Jedes Mitglied der Universität habe hier Verantwortung gegenüber der Wissenschaft und ihrer Glaubwürdigkeit zu übernehmen.  

 

Unterschätzte Millenniumszyklik: Bond-Zyklen beeinflussen Regen im westlichen Mittelmeerraum

Pressemitteilung der Universität Leipzig vom 3. April 2019 (via idw):

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Geburtsstunde des europäischen Klimas entdeckt

Ein internationales Forscherteam unter Leitung der Universität Leipzig hat die Klimageschichte von Nordwestafrika und Europa untersucht. Hierbei fanden Prof. Dr. Christoph Zielhofer, Physischer Geograph an der Universität Leipzig, und seine Kollegen Hinweise für den Beginn des heutigen Klimas vor 5.000 Jahren. Eine besondere Rolle spielt hierbei die sogenannte Nordatlantische Oszillation.

Dieses weiträumige Phänomen im Bereich des Nordatlantiks steuert in Nordwestafrika und Europa das aktuelle Klima- und Wettergeschehen und beschreibt die Schwankung der Druckverhältnisse zwischen dem Islandtief im Norden und dem Azorenhoch im Süden. Einher gehen die Schwankungen der Nordatlantischen Oszillation mit großräumigen Veränderungen der Regenmengen, insbesondere im westlichen Mittelmeerraum und in Nordeuropa. Obwohl sich die Erde seit 11.700 Jahren in einer Warmzeit befindet, dem Holozän, scheint der Beginn der aktuellen Klimabedingungen in Europa deutlich später einzusetzen: Die Wissenschaftler identifizierten einen auffälligen Wechsel der hydroklimatischen Verhältnisse vor etwa 5.000 Jahren, der mit dem Einsetzen der aktuell klimabestimmenden Nordatlantischen Oszillation in Zusammenhang gebracht wird. Die Ergebnisse wurden kürzlich in dem Fachjournal „Climate of the Past“ publiziert.

Physische Geographen und Geowissenschaftler der Universitäten Leipzig, Manchester, Marrakech und der Universität von Island sind in das internationale, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Forschungsprojekt eingebunden. Mit der Untersuchung an Bohrkernen aus dem Sidi-Ali-See im Mittleren Atlas Marokkos konnten die Wissenschaftler verschiedene Winterregenphasen bis zum Beginn des Holozäns vor 11.700 Jahre zurückverfolgen. „Wir haben herausgefunden, dass sich die Winterregenanomalien im westlichen Mittelmeerraum zeitlich mit Kältephasen im Bereich des subpolaren Nordatlantiks verknüpfen lassen“, sagt Christoph Zielhofer, der bei seinen Forschungen eng mit Anne Köhler vom Institut für Geographie der Universität Leipzig zusammengearbeitet hat.

Bereits im Jahr 2001 publizierte der renommierte Geologe Gerard C. Bond eine Serie von neun subpolaren Eisbergvorstößen während des Holozäns, welche er anhand von Mineralpartikeln kontinentaler Herkunft aus marinen Bohrkernen des Nordatlantiks rekonstruierte. Diese sogenannten „Bond-Events“ repräsentieren neun großräumige Abkühlungsphasen über dem Nordatlantik.

Basierend auf Sauerstoffisotopengehalten, gemessen an den Schalen kleiner Muschelkrebse aus dem Bohrkern des Sidi-Ali-Sees, konnten Christoph Zielhofer und sein Team holozäne Regenanomalien für den westlichen Mittelmeerraum rekonstruieren. Diese Anomalien ließen sich mit den „Bond-Events“ aus dem subpolaren Nordatlantik zeitlich verknüpfen. „Unsere Daten deuten darauf hin, dass Phasen geringer winterlicher Regenmengen im westlichen Mittelmeerraum und ‚Bond-Events‘ im Verlauf des Frühholozäns gleichzeitig auftraten“, erläutert William J. Fletcher, Physischer Geograph von der Universität Manchester. Zudem gibt es klare Hinweise auf einen nachhaltigen hydroklimatischen Wechsel im atmosphärisch-ozeanischen Klimasystem des Nordatlantiks vor etwa 5.000 Jahren. In dieser Zeit wechselten die großräumigen Klimamechanismen: Im westlichen Mittelmeerraum gingen nun Phasen zunehmender Winterregen zeitlich einher mit einer vermehrten Bildung von Eisbergen im subpolaren Nordatlantik.

Wiederkehrende Phasen vermehrter Winterregen im westlichen Mittelmeerraum bei gleichzeitiger Abkühlung sind dem aktuellen Verhalten der Nordatlantischen Oszillation ähnlich, die heute das Wetter- und Klimageschehen in ganz Europa maßgeblich beeinflusst. Der auffällige Wechsel vor 5.000 Jahren kann damit als Geburtsstunde unseres heutigen Klimas in Europa verstanden werden. “Wir vermuten, dass der hydroklimatische Wechsel dem Überschreiten eines klimatischen Schwellenwertes gleichkommt, was möglicherweise als eine Reaktion auf orbital bedingte, langfristige Veränderungen der Sonneneinstrahlung zu verstehen ist“, sagt Steffen Mischke von der isländischen Universität in Reykjavik.

Originaltitel der Veröffentlichung in „Climate of the Past“: „Western Mediterranean hydro-climatic consequences of Holocene ice-rafted debris (Bond) events“, doi.org/10.5194/cp-15-463-2019