Deutschland hat kein Hitzeproblem – sondern ein Hysterieproblem

Die Hitzewelle ist in den meisten Teilen Deutschlands jetzt erstmal abgehakt. Es war ein wahres Fest für alle Aktivisten. Bei allem Warnen, Drohen und Qungeln vergaßen sie doch glatt, dass Klima das durchschnittliche Wetter von 30 Jahren ist. Das war nun plötzlich ganz egal. Es war heiß, da wollte man sich mit diesem dummen Ballast nicht mehr abgeben: Die Hitze sei ein Vorbote der Hölle, in die alle Klimaalarm-Ungläubigen schnellstmöglich gelangen, wenn sie nicht die Forderungen der Klima-Gottheiten umgehend erfüllen. Sonst drohe der Weltuntergang. Zum Glück gab es in der Berichterstattung auch wenige Ausnahmen.

Zum eine wäre da Jörg Kachelmann am 3. August 2018 bei den t-online-Nachrichten:

Kachelmanns Donnerwetter: Kein Sommermärchen

Deutschland hat Angst vorm Klimawandel – und vor Ventilatoren. Während im Winter die nächste Klimakatastrophe droht, tut die Regierung nichts. Weil sie die vielen “Dummen” nicht verprellen will.    

Manchmal bestimmt Mesut Özil nicht nur die Medienagenda für ein paar Tage, sondern für einen Sommer. Natürlich nicht er alleine, sondern “Die Mannschaft”. Man kann das wunderbar vergleichen mit 2006. Damals war der Juli noch mal zwei Grad wärmer als der Juli 2018, also noch mal 50 Prozent weiter über dem Durchschnitt, aber das, was de facto viel schlimmer war als heute, war damals keine böse Hitzewelle, die alles kaputtmachte, sondern ein WM-Sommertraum oder meist das legendäre “Sommermärchen”.

Weiterlesen bei den t-online-Nachrichten:

Der zweite Lichtblick zum Thema stammt von Torsten Krauel, der am 8. August 2018 in der Welt schrieb:

Deutschland hat kein Hitzeproblem – sondern ein Hysterieproblem

Sahara-Sommer? Esst vegan, oder es kommt der Weltuntergang? Von wegen. Heiße Sommer hat es viele gegeben, regnerisch-kühle genauso. Deutschland hat kein Hitzeproblem, das zeigt ein Blick in die Vergangenheit.

Deutscher Saharasommer 2018! Glühende Landschaften! Wer so etwa schreibt, war nie in der Sahara. 36 Grad bei nur 55 oder 60 Prozent Luftfeuchtigkeit? Das wäre in etlichen Weltregionen ein angenehm trockener Erholungstag. Um die 40 Grad bei 95 Prozent Luftfeuchte sind in weiten Teilen Chinas die Regel.

Weiterlesen in der Welt

Danke Herr Kachelmann, Danke Herr Krauel. Sie sprechen das aus, was viele nur insgeheim denken. Es ist wichtig, dass man in dieser politisierten Materie mitdenkt und sein Meinung kundtut, ansonsten glaubt die Alarmfraktion, die Nation prächtig geleimt zu haben.

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Nachtrag 13. August 2018:

Zwischenzeitlich ist eine weitere realistische Stimme zur Hitzewelle dazugekommen. Axel Bojanowski schrieb auf Spiegel Online am 11. August 2018:

Klimastreit im Dürresommer: Überhitzt

Waldbrände, Dürre, Hitze – ist die Klimakatastrophe bereits angekommen? Zeit für eine kühle Inspektion.

Forscher sehen es als Ehre, von der Akademie der Wissenschaften der USA eingeladen zu werden, einen Aufsatz im hauseigenen Magazin “PNAS” zu verfassen. In einer sogenannten Perspective dürfen sie den Forschungsstand ihres Gebietes darstellen, ganz aus ihrer eigenen Perspektive. Diese Woche sorgte solch ein Aufsatz für Schlagzeilen. Der Beitrag war von “PNAS” ungewöhnlich schnell publiziert worden, schon 17 Tage nach Eingang in der Redaktion, normalerweise vergehen Monate bis zur Veröffentlichung. Eine Heißzeit stehe womöglich bevor, aus der es kein Zurück mehr gebe, zitierten Medien weltweit aus dem Essay, auch SPIEGEL ONLINE. Neue Erkenntnisse brachten die Autoren zwar nicht, es handelte sich um bekannte Spekulationen über sogenannte Kipppunkte des Klimas. Das heiße Zeitalter drohe zwar erst in Jahrtausenden. Gleichwohl könnte bereits eine Erwärmung in den kommenden Jahrzehnten den Weg in die Heißzeit unwiderruflich bahnen, argumentieren die Autoren.

Weiterlesen auf Spiegel Online

 

 

Gutachtersystem unterhöhlt: Hans-Joachim Schellnhuber wählt die Prüfer einfach selber aus

Man muss schon fast Mitleid mit den Klimalarm-Multiplikatoren haben. Da schickt Ihnen der Himmel diese schöne Hitzewelle und sofort bauen sie darauf die abenteuerlichsten Dinge. Mit hochverzweifelten Phasen beklagt man sich “Es passiert nichts, nichts, nichts“. Es wird geheult und gedroht, die Hitzewelle würde ab nun zum Normalzustand, wenn man nicht ganz schnell alle Forderungen erfüllt. Ist verbale Hitzefolter eigentlich erlaubt? Das PIK fährt Überstunden und kramt aus der Klamottenkiste die verstaubten Kipppunkte heraus, die aber auch beim gefühlt 18. Versuch niemanden so richtig überzeugen. Wieder droht man, der Planet hätte möglicherweise bereits eine kritische Grenze überschritten.

Vieles deutet daraufhin, dass die PIK-Kommunikationsabteilung hier sauber vorgeplant hat. Die sechzehnköpfige Autorenschar wird vom neuen (Rockström, fast vorne) und alten PIK-Chef (Schellnhuber, ganz hinten) eingerahmt. So macht es auch Donald Trump, der bei Fernsehansprachen für die TV-Kameras das Volk um sich herum aufbaut. Sieht einfach besser aus. Erschienen ist das Paper in Schellhubers Lieblingszeitschrift, PNAS.

Genau, da war doch mal was: Mysteriöse Häufung von Schellnhubers Veröffentlichungen in Zeitschrift der National Academy of Science: Wussten Sie, dass Mitglieder ihre PNAS-Gutachter selber auswählen dürfen?. Unser Blogartikel zu diesem schier unglaublichen PNAS-Begutachtungsverfahren ist nun 4 Jahre alt (von 2014). Da wird sich doch sicherlich mittlerweile etwas getan haben, denn eine Auswahl der Gutachter durch die Autoren öffnet fragwürdigen Gutachterseilschaften Tür und Tor. Schauen wir also auf die aktuelle (August 2018) PNAS-Webseite und prüfen, ob das “Contributed Papers”-Verfahren immer noch zur Verfügung steht. Zur Erinnerung: Hans-Joachim Schellnhuber ist laut Onlinedatenbank immer noch PNAS-Mitglied und könnte daher ohne Probleme seine Lieblingsgutachter aus der befreundeten Alarmecke benennen.

Und in der Tat scheint es die Seilschaften-Option noch zu geben, wie das PNAS-Author-Center auch heute noch (Zugriff 9.8.2018) erklärt (Abb. 1):

Abb. 1: Erläuterungen der PNAS-Einreichungsoptionen. Quelle: PNAS-Webseite, Zugriff 9.8.2018.

 

Der Sprengstoff liegt genau hier:

Members select their own reviewers.

Kann man nun herausfinden, welchen Einreichungsweg das aktuelle PIK-Paper (Steffen et al. 2018) bei PNAS genommen hat? Ja kann man, denn auf dem pdf des Papers steht es am unteren Ende der Seite: In diesem Fall war es zum Glück eine ‘Direct Submission’. Das Journal hat die Reviewer für dieses Paper wohl selber ausgesucht. Trotzdem wollen wir es genau wissen. In wievielen Fällen hat Schellnhuber nun wirklich den PNAS-Joker ausgespielt und seine wissenschaftlichen Schiedsrichter selber benannt? Die Wahrheit ist erschreckend. Seit 2009 zählen wir gleich 16 Papers, die als Rechtsüberholer an den Konkurrenten vorbeigezogen sind. Eigentlich ein wissenschaftlicher Supergau. In manchen Jahren hat Schellnhuber das Kontingent von 4 “Contributed Papers” voll ausgeschöpft. Mehr geht nicht. Hier eine Übersicht der “Contributed Papers” von Schellnhuber seit 2009:

Fan et al. 2017: Network analysis reveals strongly localized impacts of El Niño
Autoren: Jingfang Fan, Jun Meng, Yosef Ashkenazy, Shlomo Havlin, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Dirk Helbing und Yochanan Kushnir
Kushnir ist beim PIK kein Unbekannter. Er trug zum IPCC AR5-Bericht zu Kapitel 12 bei. Seine ebenfalls zutragenden Kollegen: Die PIKler und ehemaligen PIKler Stefan Rahmstorf, Kirsten Zickfeld und Malte Meinshausen. pdf hier.

Ludescher et al. 2017: Statistical significance of seasonal warming/cooling trends
Autoren: Josef Ludescher, Armin Bunde, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Valerie Livina und Igor M. Sokolov
Sokolov arbeitet an der Berliner Humboldt Uni, einen Steinwurf von Potsdam entfernt. Ob man sich wohl kennt?

Schleussner et al. 2016: Armed-conflict risks enhanced by climate-related disasters in ethnically fractionalized countries
Autoren: Carl-Friedrich Schleussner, Jonathan F. Donges, Reik V. Donner, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Yoshito Hirata und Jürgen Scheffran
Jürgen Scheffran ist laut Wikipedia ein alter PIKler: “Von 2001 bis 2004 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), tätig in den Arbeitsbereichen Global Change and Social Systems sowie Integrated Systems Analysis.” Schellnhuber war Mitgründer des PIK 1992, muss also zwischendurch auch Scheffrans Chef gewesen sein.

Levermann et al. 2016: Abrupt monsoon transitions as seen in paleorecords can be explained by moisture-advection feedback
Autoren: Anders Levermann, Vladimir Petoukhov, Jacob Schewe, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt
Hier gibt es keinen Hinweis darauf, dass es sich um eine “Direct Submission” handelt. Vermutlich ist es daher ein “Contributed Paper”.

Petoukhov et al. 2016: Role of quasiresonant planetary wave dynamics in recent boreal spring-to-autumn extreme events
Autoren: Vladimir Petoukhov, Stefan Petri, Stefan Rahmstorf, Dim Coumou, Kai Kornhuber, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Rasmus E. Benestad and David Karoly
Benestadt ist Hardcore-Aktivist und Mitautor des Aktivisten-Blogs Real Climate. Karoly ist IPCC-Autor und entschiedener Gegner des Hockeystick-Jägers und Aufklärers Steve McIntyre.

Yu et al. 2016: System crash as dynamics of complex networks
Autoren: Yi Yu, Gaoxi Xiao, Jie Zhou, Yubo Wang, Zhen Wang, Jürgen Kurths, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Ying-Cheng Lai and Matjaz Perc
Perc hat eine ganze Reihe von gemeinsamen Papers mit Zhen Wang, einem Co-Autor des von ihm begutachteten Schellnhuber-Papers. Es drängt sich der Verdacht auf, dass sich hier gut miteinander bekannte Kollegen mit einem Freundschaftsgutachten ausgeholfen haben.

Li et al. 2014: Chaos–order transition in foraging behavior of ants
Autoren: Lixiang Li, Haipeng Peng, Jürgen Kurths, Yixian Yang, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt

Rogelj et al. 2014: Disentangling the effects of CO2 and short-lived climate forcer mitigation
Autoren: Joeri Rogelj, Michiel Schaeffer, Malte Meinshausen, Drew T. Shindell, William Hare, Zbigniew Klimont, Guus J. M. Velders, Markus Amann, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt.
Etliche der Co-Autoren stammen aus dem Greenpeace-Umfeld. Trotzdem heißt es im Paper offiziell: “The authors declare no conflict of interest.” Wie geht das?

Coumou et al. 2014: Quasi-resonant circulation regimes and hemispheric synchronization of extreme weather in boreal summer
Autoren: Dim Coumou, Vladimir Petoukhov, Stefan Rahmstorf, Stefan Petri, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt

Dangerman & Schellnhuber 2013Energy systems transformation
Autoren: A. T. C. Jérôme Dangerman und Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt

Ludescher et al. 2013: Improved El Niño forecasting by cooperativity detection
Autoren: Josef Ludescher, Avi Gozolchiani, Mikhail I. Bogachev, Armin Bunde, Shlomo Havlin, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt

Petoukhov et al. 2013: Quasiresonant amplification of planetary waves and recent Northern Hemisphere weather extremes
Autoren: Vladimir Petoukhov, Stefan Rahmstorf, Stefan Petri, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt

Donges et al. 2011: Nonlinear detection of paleoclimate-variability transitions possibly related to human evolution
Autoren: Jonathan F. Donges, Reik V. Donner, Martin H. Trauth, Norbert Marwan, Hans-Joachim Schellnhuber, and Jürgen Kurths
Gutachter: Unbekannt

Schellnhuber 2011: Geoengineering: The good, the MAD, and the sensible
Autor: Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt

Wu et al. 2010: Evidence for a bimodal distribution in human communication
Autoren: Ye Wu, Changsong Zhou, Jinghua Xiao, Jürgen Kurths, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt

Hofmann & Schellnhuber 2009: Oceanic acidification affects marine carbon pump and triggers extended marine oxygen holes
Autoren: Matthias Hofmann and Hans-Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt

 

Wer wohl die unbekannten Gutachter waren? Selbst nach unserem Blogbericht über das Problem 2014 sah Schellnhuber offenbar keine Veranlassung dazu, seine fragwürdige PNAS-Einreichungsserie zu beenden. Vor kurzem gab es einen Aufschrei in der deutschen Presse über das Unwesen von ‘Predatory Journals’. Drängen sich die auffälligen PNAS-Serienveröffentlichungen eines des bekanntesten deutschen Klimawissenschaftlers nicht ebenfalls als Thema geradezu auf?

 

Gletscher-JoJo in Nord- und Südamerika

Die Gletscher des Mt. Baker im US-Bundesstaat Washington schrumpfen derzeit. Das haben sie aber auch schon 1915-1950 getan. Davor und danach sind die Gletscher gewachsen. Die aktuelle Schmelzphase begann dann um 1980 und dauert noch an. Das lustige Gletscher-Jojo hat der US-Gletscherforscher Don Easterbrook eindrucksvoll auf WUWT beschrieben. Besonders interesant: Um 1950 waren die Gletscher sogar noch kürzer als heute:

Abb. 1: Positionen der Coleman and Roosevelt Gletscherfronten in 2014 (blau) und 1952 (grün). Quelle: Easterbrook 2015, WUWT.

 

Die University of Fairbanks fand heraus, dass auch ganz andere Faktoren als die Temperatur eine Rolle spielen, speziell bei im Meer mündenden Gletschern. Dort können Gletscherrückzüge auch durch sich verschiebende Sedimente verursacht werden. Andere Forscher der Alaska-Gletscher zeigen sich klimahistorisch eher kurzsichtig, da sie ihre Vergleiche in der Kleinen Eiszeit beginnen, anstatt bis zur letzten natürlichen Warmphase vor 1000 Jahren zurückzugehen. Interessant ist zudem dass die Gletscher Alaskas offenbar mehr als die Hälfte ihrer Masse bereits vor 1950 verloren hatten, als der menschliche Einfluss auf das Klima noch sehr gering war. Ähnlich sieht es wohl im Yosemite-Park aus, wie Thomas Richard beschrieb.

Stansell et al. 2015 beschrieben oszillierende Gletscher in den peruanischen Anden:

Late Glacial and Holocene glacier fluctuations at Nevado Huaguruncho in the Eastern Cordillera of the Peruvian Andes
Discerning the timing and pattern of late Quaternary glacier variability in the tropical Andes is important for our understanding of global climate change. Terrestrial cosmogenic nuclide (TCN) ages (48) on moraines and radiocarbon-dated clastic sediment records from a moraine-dammed lake at Nevado Huaguruncho, Peru, document the waxing and waning of alpine glaciers in the Eastern Cordillera during the past ∼15 k.y. The integrated moraine and lake records indicate that ice advanced at 14.1 ± 0.4 ka, during the first half of the Antarctic Cold Reversal, and began retreating by 13.7 ± 0.4 ka. Ice retreated and paraglacial sedimentation declined until ca. 12 ka, when proxy indicators of glacigenic sediment increased sharply, heralding an ice advance that culminated in multiple moraine positions from 11.6 ± 0.2 ka to 10.3 ± 0.2 ka. Proxy indicators of glacigenic sediment input suggest oscillating ice extents from ca. 10 to 4 ka, and somewhat more extensive ice cover from 4 to 2 ka, followed by ice retreat. The lack of TCN ages from these intervals suggests that glaciers were less extensive than during the late Holocene. A final Holocene advance occurred during the Little Ice Age (LIA, ca. 0.4 to 0.2 ka) under colder and wetter conditions as documented in regional proxy archives. The pattern of glacier variability at Huaguruncho during the Late Glacial and Holocene is similar to the pattern of tropical Atlantic sea-surface temperatures, and provides evidence that prior to the LIA, ice extent in the eastern tropical Andes was decoupled from temperatures in the high-latitude North Atlantic.

 

Georg Forster über Winterschnee und Sommerhitze: Natur im ständigen Wechsel

“Wer über diesen Kreislauf der Begebenheiten unmuthig werden kann, der klage über Winterschnee und Sommerhitze, oder über den Wechsel der Nacht mit dem Tage; er klage über alles in der ganzen Natur, was dem Wechsel unterworfen ist, und – vergesse, daß nur durch diesen unaufhörlichen Wechsel alles besteht. Die relative Moralität gewinnt freylich nicht immer durch die Entwicklung der Fähigkeiten; dieselbe Sonne, die das Wachs erweicht und schmelzt, härtet hingegen den Thon. Wenn aber jemand darum lieber die Sonne ganz entbehren möchte, so dürften wir aus mehr als einem Grunde vermuthen, daß er vielleicht für jede andre Welt, nur nicht für diese wirkliche, geschaffen sey. Daher eilt das Zeitalter auf seiner Bahn weiter, ohne auf die Wehklage eines Hypochondristen zu hören, der von solchen Hirngespinsten ausgeht, und das Menschengeschlecht nach Idealen mißt.”

Georg Forster (1754-1794)
Aus: Über James Cook und andere Essays – Kapitel 1

 

Westkanadische Gletscher waren vor wenigen Jahrtausenden kürzer als heute

Im westlichen Kanada gaben die schmelzenden Gletscher jetzt Baumstümpfe, Humusboden, Pflanzenreste, Karibu-Exkremente und menschliche Artefakte frei, die ein Alter von einigen tausend Jahren haben. Dies zeigt, dass die Gletscher während des Mittelholozäns zur Zeit des holozänen Klimaoptimums dort bereits einmal kürzer waren als heute. Abstract von Koch et al. 2014:

Alpine glaciers and permanent ice and snow patches in western Canada approach their smallest sizes since the mid-Holocene, consistent with global trends
Most alpine glaciers in the Northern Hemisphere reached their maximum extents of the Holocene between ad 1600 and 1850. Since the late 1800s, however, glaciers have thinned and retreated, mainly because of atmospheric warming. Glacier retreat in western Canada and other regions is exposing subfossil tree stumps, soils and plant detritus that, until recently, were beneath tens to hundreds of metres of ice. In addition, human artefacts and caribou dung are emerging from permanent snow patches many thousands of years after they were entombed. Dating of these materials indicates that many of these glaciers and snow patches are smaller today than at any time in the past several thousand years. This evidence, in turn, suggests that glacier recession in the 20th century is unprecedented during the past several millennia and that glaciers in western Canada have reached minimum extents only 150–300 years after they achieved their maximum Holocene extents.

Wie ein Jojo expandierten und schrumpften die Gletscher während der letzten 10.000 Jahre, wie eine Studie aus Britsh Columbia von Mood & Smith 2015a zeigt:

Latest Pleistocene and Holocene behaviour of Franklin Glacier, Mt. Waddington area, British Columbia Coast Mountains, Canada
Franklin Glacier is an 18-km-long valley glacier that originates in a broad icefield below the west face of Mt. Waddington in the central British Columbia Coast Mountains, Canada. Radiocarbon-dated wood samples from the proximal faces of lateral moraines flanking Franklin Glacier show that the glacier expanded at least nine times since 13,000 cal. yr BP. A probable Younger Dryas advance of Franklin Glacier at 12,910–12,690 cal. yr BP followed the late glacial retreat and down wasting of the Cordilleran Ice Sheet from ca. 16,000 to 12,900 cal. yr BP. During the succeeding early Holocene warm period, Franklin Glacier appears to have retreated significantly, leaving no record of glacial expansion until the mid-Holocene when it repeatedly advanced at 6360–6280, 5470–5280 and 4770–4580 cal. yr BP. Down wasting of the glacier surface after ca. 4770–4580 cal. yr BP was followed by intervals of expansion at 4260–4080, 3210–3020 and 2620–2380 cal. yr BP. Following ice expansion at ca. 2620–2380 cal. yr BP into trees over 224 years in age, there is no record of the glacier activity until 1570–1480 cal. yr BP when Franklin Glacier thickened and advanced into young subalpine fir trees. During the ‘Little Ice Age’, advances at 800–680, 610–560 and 570–510 cal. yr BP preceded a mid-19th to early 20th century advance that saw Franklin Glacier attain its maximum Holocene extent. The dendroglaciological record at Franklin Glacier is among the most comprehensive recovered from the British Columbia Coast Mountains and showcases the complexity of mid- to late Holocene glacier expansion in the region.

Passend dazu ein weiterer Artikel von Mood & Smith 2015b:

Holocene glacier activity in the British Columbia Coast Mountains, Canada
The Coast Mountains flank the Pacific Ocean in western British Columbia, Canada. Subdivided into the southern Pacific Ranges, central Kitimat Ranges and northern Boundary Ranges, the majority of large glaciers and icefields are located in the Boundary and Pacific ranges. Prior descriptions of the Holocene glacial history of this region indicate the Holocene was characterized by repeated episodes of ice expansion and retreat. Recent site-specific investigations augment our understanding of the regional character and duration of these events. In this paper, previously reported and new radiocarbon evidence is integrated to provide an updated regional assessment. The earliest evidence of glacier expansion in the Coast Mountains comes from the Boundary Ranges at 8.9 and 7.8 ka and in the Pacific Ranges at 8.5–8.2 ka, with the latter advance corresponding to an interval of rapid, global climate deterioration. Although generally warm and dry climates from 7.3 to 5.3 ka likely limited the size of glaciers in the region, there is radiocarbon evidence for advances over the interval from 7.3 to 6.0 and at 5.4–5.3 ka in the Pacific Ranges. Following these advances, glaciers in the Pacific Ranges expanded down valley at 4.8–4.6, 4.4–4.0, 3.5–2.6, 1.4–1.2, and 0.8–0.4 ka, while glaciers in Boundary Ranges were advancing at 4.1–4.0, 3.7–3.4, 3.1–2.8, 2.3, 1.7–1.1, and 0.8–0.4 ka. After 0.4 ka, it appears that most glaciers in the Coast Mountains continued to expand to attain their maximum Holocene extents by the early 18th to late 19th centuries. This enhanced record of Holocene glacier activity highlights the temporal synchrony in the Coast Mountains. Individual expansion events in the mid-to late Holocene broadly correspond to intervals of regional glacier activity reported in the Canadian Rocky Mountains, in Alaska, and on high-elevation volcanic peaks in Washington State.

Auch Kanada hat Probleme mit Klimaleugnern. Ein ganz besonders großer Leugner ist der Hubbard Glacier im Yukon, der sich trotz Klimawandels weiter ausdehnt. Hat er das Memo vielleicht nicht erhalten? CBC News von 2015:

Hubbard Glacier defies climate change, continues advancing
A Yukon glacier is slowly advancing towards an Alaskan river, setting the stage for an awesome collision of natural forces. If the glacier that originates near Mount Logan in the Yukon continues advancing at its current rate, it could block access to a fiord in Alaska and “strongly impact” the nearby ecosystem. New research from the University of Kansas suggests the Hubbard Glacier could permanently dam the entrance to Russell Fiord, on the Gulf of Alaska, within 25 years.

Weiterlesen in den CBC News. Siehe auch Beitrag auf WUWT.

Kurzlebiges Treibhausgas: Tausende natürliche Methanquellen vor US-Küsten entdeckt

Nach einem Hiatus steigen die Methankonzentrationen in der Atmosphäre wieder an. Noch immer ist der Methankreislauf der Atmosphäre und Ozeane unverstanden. Erst kürzlich entdeckten Forscher tausende natürliche Methanquellen am Meeresboden des tropischen Pazifik, vor Oregon und vor Washington State. Die Wissenschaftler rätseln noch über die Quelle des Methans. Sind sie direkt von tiefen Methanquellen gespeist? Oder handelt es sich um Ausgasungsprodukte von Methanhydraten? Weitere Forschungsarbeiten sind notwendig, um hier Klarheit zu erlangen. Bis dahin sollte man sich in Geduld üben und keine voreiligen Schlüsse ziehen. Ähnliche Quellen wurden übrigens auch an der US-Ostküste entdeckt, die wohl z.T. schon seit 1000 Jahren aktiv sind. Spiegel Online berichtete über das Phänomen.

Was passiert mit dem Methan? Ein gewichtger Teil wird wohl direkt nach dem Austritt von Mikroben aufgenommen und zu Kalkstein ausgefällt, sogenantem authigenem Kalkstein. Dies meldete die Oregon State University:

Scientists discover carbonate rocks are unrecognized methane sink

Since the first undersea methane seep was discovered 30 years ago, scientists have meticulously analyzed and measured how microbes in the seafloor sediments consume the greenhouse gas methane as part of understanding how the Earth works. The sediment-based microbes form an important methane “sink,” preventing much of the chemical from reaching the atmosphere and contributing to greenhouse gas accumulation. As a byproduct of this process, the microbes create a type of rock known as authigenic carbonate, which while interesting to scientists was not thought to be involved in the processing of methane.

That is no longer the case. A team of scientists has discovered that these authigenic carbonate rocks also contain vast amounts of active microbes that take up methane. The results of their study, which was funded by the National Science Foundation, were reported today in the journal Nature Communications. “No one had really examined these rocks as living habitats before,” noted Andrew Thurber, an Oregon State University marine ecologist and co-author on the paper. “It was just assumed that they were inactive. In previous studies, we had seen remnants of microbes in the rocks – DNA and lipids – but we thought they were relics of past activity. We didn’t know they were active. “This goes to show how the global methane process is still rather poorly understood,” Thurber added.

Lead author Jeffrey Marlow of the California Institute of Technology and his colleagues studied samples from authigenic compounds off the coasts of the Pacific Northwest (Hydrate Ridge), northern California (Eel River Basin) and central America (the Costa Rica margin). The rocks range in size and distribution from small pebbles to carbonate “pavement” stretching dozens of square miles.

“Methane-derived carbonates represent a large volume within many seep systems and finding active methane-consuming archaea and bacteria in the interior of these carbonate rocks extends the known habitat for methane-consuming microorganisms beyond the relatively thin layer of sediment that may overlay a carbonate mound,” said Marlow, a geobiology graduate student in the lab of Victoria Orphan of Caltech. These assemblages are also found in the Gulf of Mexico as well as off Chile, New Zealand, Africa, Europe – “and pretty much every ocean basin in the world,” noted Thurber, an assistant professor (senior research) in Oregon State’s College of Earth, Ocean, and Atmospheric Sciences.

The study is important, scientists say, because the rock-based microbes potentially may consume a huge amount of methane. The microbes were less active than those found in the sediment, but were more abundant – and the areas they inhabit are extensive, making their importance potential enormous. Studies have found that approximately 3-6 percent of the methane in the atmosphere is from marine sources – and this number is so low due to microbes in the ocean sediments consuming some 60-90 percent of the methane that would otherwise escape.

Now those ratios will have to be re-examined to determine how much of the methane sink can be attributed to microbes in rocks versus those in sediments. The distinction is important, the researchers say, because it is an unrecognized sink for a potentially very important greenhouse gas. “We found that these carbonate rocks located in areas of active methane seeps are themselves more active,” Thurber said. “Rocks located in comparatively inactive regions had little microbial activity. However, they can quickly activate when methane becomes available.

“In some ways, these rocks are like armies waiting in the wings to be called upon when needed to absorb methane.” The ocean contains vast amounts of methane, which has long been a concern to scientists. Marine reservoirs of methane are estimated to total more than 455 gigatons and may be as much as 10,000 gigatons carbon in methane. A gigaton is approximate 1.1 billion tons. By contrast, all of the planet’s gas and oil deposits are thought to total about 200-300 gigatons of carbon.

 

Klimaretter: Mikroben neutralisieren antarktisches Methan bevor es in die Atmosphäre gelangt

Die schlechte Nachricht: Im Eis eingeschlossene antarktische Seen produzieren große Mengen des Treibhausgases Methan. Die gute Nachricht: 99% dieser Methanausgasungen werden von Mikroben in den Seen “aufgegessen”, wie eine Untersuchung der University of Florida im Juli 2017 ergab:

Methane-eating microbes may reduce release of gases as Antarctic ice sheets melt

Lurking in a lake half a mile beneath Antarctica’s icy surface, methane-eating microbes may mitigate the release of this greenhouse gas into the atmosphere as ice sheets retreat.

A new study published today in Nature Geoscience traces methane’s previously unknown path below the ice in a spot that was once thought to be inhospitable to life. Study researchers sampled the water and sediment in Antarctica’s subglacial Whillans Lake by drilling 800 meters through ice for the first time ever. Next they measured methane amounts and used genomic analyses to find that 99 percent of methane released into the lake is gobbled up by microbes.

These tiny microorganisms may have a big impact on a warming world by preventing methane from seeping into the atmosphere when ice sheets melt, said Brent Christner, a University of Florida microbiologist and co-author on the study. “This is an environment that most people look at and don’t think it could ever really directly impact us,” Christner said. “But this is a process that could have climatic implications.”

Since sunlight cannot reach Antarctica’s subglacial lakes to provide energy for life, some microbes convert methane into carbon dioxide as a way to make energy. Ultimately, methane traps more heat in the atmosphere than carbon dioxide, and study findings suggest microbes may play a critical role in reducing the quantity of methane released into the atmosphere as ice sheets melt, according to Christner, a professor of microbiology and cell science in UF’s Institute of Food and Agricultural Sciences.

“There’s been a lot of concern about the amount of methane that’s beneath these ice sheets because we don’t know exactly what’s going to happen to it,” Christner said. The study found that Lake Whillans contains large amounts of methane. Melting Antarctic ice sheets may release the trapped gases stored in these underground lake reservoirs, Christner said. Researchers have estimated that over 10^14 cubic meters of methane, enough gas to fill more than a billion hot air balloons, is stored beneath Antarctic ice, ready to be released under the right conditions.

Given that methane has a greenhouse effect that is 30 times that of carbon dioxide, the researchers were motivated to understand its quantity, source and ultimate fate beneath the ice, according to the manuscript. However, Christner said it is important to note that while carbon dioxide does not increase warming as quickly as methane, it is still a driver of climate warming. Future studies will assess whether this process is pervasive across subglacial lakes in Antarctica. Christner and his colleagues plan to drill into a different subglacial lake in 2018-2019. Other study authors include Alexander Michaud, John Dore, Mark Skidmore, and John Priscu from Montana State University, Amanda Achberger from Louisiana State University, and Andrew Mitchell from Aberystwyth University.

 

Fritz Vahrenholts Sonnenkolumne 7/18: Das arktische Klima

Hier schreibt Fritz Vahrenholt seine monatliche Kolumne. In allgemeinverständlicher Form berichtet er über neue Entwicklungen aus den Klimawissenschaften – und natürlich von unserer lieben Sonne. Ganz unten auf der Seite finden Sie ein Archiv aller seiner Rundbriefe.

5. August 2018
Die Sonne im Juni und das arktische Klima

Sehr geehrte Damen und Herren,

zunächst muss ich um Verständnis bitten, dass Sie den Juni-Bericht erst im August erhalten. Wie Sie sehen, haben wir den Provider gewechselt und verwenden ein neues Format des Newsletters. Das dauerte dann doch länger als geplant.
Die Sonne war (wie könnte es anders sein in diesen Jahren) auch im Juni nur unterdurchschnittlich aktiv. Die Einzelheiten sehen Sie in der Anlage oder hier.

Schwache Aktivität der Sonne und der heisse Sommer in Deutschland schliessen sich nicht aus. Denn die Aktivität der Sonne wirkt sich erst mit einem Zeitverzug von Jahren  bis Jahrzehnten auf unser Klima aus.
Die Hitzeperiode dieses Sommers wird zwar von vielen benutzt, um nun endlich den endgültigen Beweis für den vom Menschen erzeugten Klimawandel zu präsentieren – so etwa Mojib Latif, der erklärt, “der Sommer lasse sich nicht mehr mit „normaler Klimavariabilität” erklären”.

Nun, wie sehen denn die globalen Temperaturen im Juli aus, denn nur global kann sich ja der Einfluss des menschengemachten CO2 auf das Klima niederschlagen. Es liegen nun für Juli die satelliten- gestützten globalen Messungen der UAH (University of Alabama) vor. Danach gibt es im Juli gegenüber Juni einen leichten Anstieg der globalen Temperaturen im Vergleich zum 30- jährigen Mittelwert von etwa 0,1 °C. Aber dabei blieben die Temperaturen auf der Nordhemissphäre konstant. Nur die Südhalbkugel erwärmte sich etwas stärker.

Kein klimatischer Ausschlag auf der Nordhalbkugel, wohl aber ein einmalig schönes Sommerwetter in Deutschland, das wir 2003 und 2006 schon einmal geniessen konnten  ( der Juli des WM Sommermärchens 2006 war 2 Grad wärmer, wie uns der Meteorologe Kachelmann in Erinnerung ruft). Und so gibt es natürliche Erklärungen eines stabilen Hochdruckgebietes über Nord- und Mitteleuropa, das von Westen kommende Tiefdruckgebiete abblockt.

Flankiert wird dieses Hoch durch eine ausgeprägte Abkühlung im Nordatlantik um Grönland und im Süden vor Westafrika.
Und so wundert es nicht, dass das Meereis um Grönland alles andere macht, als zu verschwinden: Bis Anfang Juli waren noch  etwa 95 % des Mittelwertes an Eisausdehnung vorhanden, soviel wie seit 2010 nicht mehr.Dieses Bild des Rückgangs des sommerlichen Eisverlustes hat sich seit 2012 entwickelt (s. Anlage oder hier).

Das ist natürlich keine Katastrophenmeldung als eher ein Beleg, dass nicht das menschengemachte CO2 allein wirksam ist. Vieles spricht dafür, dass die atlantische Oszillation AMO sich hier auswirkt. Wir kommen zum Ergebnis, dass der CO2 -Effekt ( wieder einmal) nur etwa halb so groß ist, wie er vom mainstream der Klimawissenschaft angenommen wird und man selbst in 100 Jahren noch immer Sommereis im arktischen Meer wird beobachten können.

Das wäre doch eigentlich eine schöne Nachricht, die uns auch den warmen sonnigen Sommer geniessen lassen könnte. Aber wenn selbst Klimawissenschaftler mit der Behauptung, dieser Sommer sei ein Beweis für die Klimakatastrophe, die Öffentlichkeit beeinflussen, wie kann man dann Politikern verübeln, wenn Sie das sommerliche Wetter benutzen, um Forderungen nach einem Miilliardenfonds für Folgen des Klimawandels (Baerbock)  oder ein Zuwanderungsrecht für Klimaflüchtlinge (Göring-Eckardt) zu thematisieren.

Geniessen Sie die restlichen Sommertage.

Herzlichst
Ihr
Fritz Vahrenholt

 

Falschverdächtigung: Methan aus arktischem Eismeerboden nun doch kein Klimakiller

Erinnern Sie sich noch an die von interessierten Kreisen gepriesenen Horrorszenarien, dass Gashydrate im arktischen Meeresboden im Zuge der Klimaerwärmung kollabieren und enorme Mengen an Treibhausgasen freisetzen würden? Ziemlicher Quatsch, wie jetzt eine Studie des norwegischen Center for Arctic Gas Hydrate, Climate and Environment (CAGE) herausfand. Die Methanhydrate sind viel weniger anfällig gegen die Erwärmung als gedacht. Hier die Pressemitteilung des CAGE aus dem September 2018:

Methane hydrate is not a smoking gun in the Arctic Ocean

Methane hydrate under the ocean floor was assumed to be very sensitive to increasing ocean temperatures.  But a new study in Nature Communications shows that short term warming of the Arctic ocean barely affects it.

Clathrate (hydrate) gun hypothesis stirred quite the controversy when it was posed in 2003. It stated that methane hydrates – frozen water cages containing methane gas found below the ocean floor – can melt due to increasing ocean temperatures. According to the hypothesis this melt can happen in a time span of a human life, dissociating vast amounts of hydrate and releasing methane into the atmosphere. Consequently, this would lead to a runaway process, where the methane released would add to the global budget of greenhouse gases, and further accelerate the warming of the planet.

Limited impact at an Arctic site

This dramatic hypothesis inspired science fiction and scientists alike, spurring the latter to further investigate the sensitivity of hydrates.  A new study in Nature Communications has thus found that the hydrate gun hypothesis seems increasingly unlikely, at least for a specific site in the Arctic Ocean that is highly susceptible to warming. “Short term temperature warming has limited impact on the gas hydrate stability. We show that warming can significantly affect gas hydrates in the seabed only when ocean temperature is constantly rising for several centuries,” says the lead author of the study Dr. Wei-Li Hong of CAGE and currently Geological Survey of Norway.

Hydrate mounds seeping methane for thousands of years

Hong and colleagues reported on an increase of methane flux beneath large mounds of hydrates in an area called Storfjordrenna, in the Barents Sea close to Svalbard. These gas hydrate pingos are all profusely seeping methane. But according to Hong, even though the area is shallow, and potentially susceptible to temperature change, these seeps are not intensifying because of the momentary warming. “The increase of methane flux started several hundreds to thousands of years ago, which is well before any onset of warming in the Arctic Ocean that others have speculated,” says Hong. The study was based on measurements of pore water chemistry in the sediments from the area. Pore water is water trapped in pores in soil, and can be analysed to reveal environmental changes in a given area through time. Scientists also analysed authigenic carbonate, a type of rock created through a chemical process in areas of methane release, as well as measured bottom water temperatures. Data from these analyses was then used in a model experiment.

Natural state of the system

For the past century, bottom water in the area fluctuated seasonally from 1,8 to 4,6 degrees Celsius. Even though these fluctuations occurred quite often, they only affected gas hydrates that were shallower than 1,6 meters below the sea floor. The hydrates are fed by a methane flow from deeper reservoirs. As this area was glaciated during the last ice age, this gas compacted into a hydrate layer under the pressure and cold temperatures under the ice sheet.  Hydrates can be stable in the first 60 meters of sediments. “The results of our study indicate that the immense seeping found in this area is a result of natural state of the system. Understanding how methane interacts with other important geological, chemical and biological processes in the Earth system is essential and should be the emphasis of our scientific community,” Hong states.

Reference: Hong, Wei Li, et.al., Seepage from an arctic shallow marine gas hydrate reservoir is insensitive to momentary ocean warming. Nature Communications 8, Article number: 15745 (2017). doi:10.1038/ncomms15745

Und selbst wenn das Methan aus den Gashydraten freigesetzt werden würde, hat die Natur offenbar weitere Schutzmechanismen zur Verfügung, die verhindern, dass das Gas im großen Stil in die Atmosphäre gelangt. Die University of Rochester berichtete am 17. Januar 2018, dass man eine unerwartete Pufferwirkung im Ozean gefunden habe:

Ocean waters prevent release of ancient methane

Ocean sediments are a massive storehouse for the potent greenhouse gas methane. Trapped in ocean sediments near continents lie ancient reservoirs of methane called methane hydrates. These ice-like water and methane structures encapsulate so much methane that many researchers view them as both a potential energy resource and an agent for environmental change. In response to warming ocean waters, hydrates can degrade, releasing the methane gas. Scientists have warned that release of even part of the giant reservoir could significantly exacerbate ongoing climate change.

However, methane only acts as a greenhouse gas if and when it reaches the atmosphere—a scenario that would occur only if the liberated methane traveled from the point of release at the seafloor to the surface waters and the atmosphere. With that in mind, environmental scientist Katy Sparrow ’17 (PhD) set out to study the origin of methane in the Arctic Ocean.

“While a logical suspect for arctic methane emissions is degrading hydrates, there are several other potential methane sources. Our goal was to fingerprint the source of methane in the Arctic Ocean to determine if ancient methane was being liberated from the seafloor and if it survives to be emitted to the atmosphere,” says Sparrow, who conducted the study, published in Science Advances, as part of her doctoral research at the University of Rochester.

Sparrow, her advisor, John Kessler, an associate professor of earth and environmental sciences, and other collaborators conducted fieldwork just offshore of the North Slope of Alaska, near Prudhoe Bay. Sparrow calls the spot “ground zero” for oceanic methane emissions resulting from ocean warming. In some parts of the Arctic Ocean, the shallow regions near continents may be one of the settings where methane hydrates are breaking down now due to warming processes over the past 15,000 years. In addition to methane hydrates, carbon-rich permafrost that is tens of thousands of years old—and found throughout the Arctic on land and in seafloor sediments—can produce methane once this material thaws in response to warming. With the combination of the aggressive warming occurring in the Arctic and the shallow water depths, any released methane has a short journey from emission at the seafloor to release into the atmosphere.

The researchers used radiocarbon dating to fingerprint the origin of methane from their samples. By employing a technique they developed that involves collecting methane from roughly ten thousand gallons of seawater per sample, they made a surprising discovery: ancient-sourced methane is indeed being released into the ocean; but very little survives to be emitted to the atmosphere, even at surprisingly shallow depths.

“We do observe ancient methane being emitted from the seafloor to the overlying seawater, confirming past suspicions,” Kessler says. “But, we found that this ancient methane signal largely disappears and is replaced by a different methane source the closer you get to the surface waters.” The methane at the surface is instead from recently produced organic matter or from the atmosphere.

Although the researchers did not examine in this study what prevents methane released from the seafloor from reaching the atmosphere, they suspect it is biodegraded by microorganisms in the ocean before it hits the surface waters. Mihai Leonte, a PhD candidate in Kessler’s research group, observed this process—in which microbes aggressively biodegrade methane as methane emissions increase—in a paper published last year. “Our data suggest that even if increasing amounts of methane are released from degrading hydrates as climate change proceeds, catastrophic emission to the atmosphere is not an inherent outcome,” Sparrow says.

Sparrow and Kessler’s results on the role of ancient methane sources are consistent with the findings of their Rochester colleague Vasilii Petrenko, an associate professor of earth and environmental sciences, who also radiocarbon dated methane. However, while Sparrow and Kessler dated methane found in modern-day seawater, Petrenko radiocarbon dated methane from the ancient atmosphere that was preserved in the ice of Arctic glaciers.

“Petrenko and his co-authors studied a rapid warming event from the past that serves as a modern-day analog,” Sparrow says. “They found that the emissions of methane from ancient methane sources during this warming event were minimal relative to contemporary sources like wetlands.” Kessler adds, “Our results agree with this conclusion, showing that ancient methane emissions to the atmosphere in an area that is experiencing some of the greatest warming today, is actually quite small, especially when compared to more direct emissions from human activities.” This study was primarily funded by the National Science Foundation with additional contributions from the Department of Energy.

Bereits im August 2017 erschien in Nature eine Arbeit von Petrenko et al., in der den Methanhorrorszeanarien eine klare Absage erteilt wurde:

Minimal geological methane emissions during the Younger Dryas–Preboreal abrupt warming event
Methane (CH4) is a powerful greenhouse gas and plays a key part in global atmospheric chemistry. Natural geological emissions (fossil methane vented naturally from marine and terrestrial seeps and mud volcanoes) are thought to contribute around 52 teragrams of methane per year to the global methane source, about 10 per cent of the total, but both bottom-up methods (measuring emissions)1 and top-down approaches (measuring atmospheric mole fractions and isotopes)2 for constraining these geological emissions have been associated with large uncertainties. Here we use ice core measurements to quantify the absolute amount of radiocarbon-containing methane (14CH4) in the past atmosphere and show that geological methane emissions were no higher than 15.4 teragrams per year (95 per cent confidence), averaged over the abrupt warming event that occurred between the Younger Dryas and Preboreal intervals, approximately 11,600 years ago. Assuming that past geological methane emissions were no lower than today3,4, our results indicate that current estimates of today’s natural geological methane emissions (about 52 teragrams per year)1,2 are too high and, by extension, that current estimates of anthropogenic fossil methane emissions2 are too low. Our results also improve on and confirm earlier findings5,6,7 that the rapid increase of about 50 per cent in mole fraction of atmospheric methane at the Younger Dryas–Preboreal event was driven by contemporaneous methane from sources such as wetlands; our findings constrain the contribution from old carbon reservoirs (marine methane hydrates8, permafrost9 and methane trapped under ice10) to 19 per cent or less (95 per cent confidence). To the extent that the characteristics of the most recent deglaciation and the Younger Dryas–Preboreal warming are comparable to those of the current anthropogenic warming, our measurements suggest that large future atmospheric releases of methane from old carbon sources are unlikely to occur.

 

El Nino und der Ölpreis

Zur Wissenschaft gehört es, sich unvoreingenommen erst einmal Entwicklungen anzuschauen, bevor man dann in einem zweiten Schritt überlegt, ob es sich bei bestimmten Mustern um Zufälle oder eine bisher nicht vollständig verstandene Systematik handelt. Dabei darf der erste Schritte gerne spielerisch ausfallen, denn wer nicht ausprobiert, kann auch nichts finden. Die Welt der Klimawissenschaften mit ihrer großen Datenfülle und die Börsenwelt haben da sicher einiges gemeinsam. Robert Rethfeld gibt  den Börsenbrief “Der Wellenreiter” heraus. In der Frühausgabe vom 11. Juli 2018 hat er dabei eine interessante Einleitung gewählt, wobei er einfach mal die El-Nino Tätigkeit (ausgedrückt als ONI-Index) und den Rohölpreis zusammen aufgetragen hat:

Abbildung 1: Entwicklung von El Nino / La Nina und Rohölpreis seit 2005. Quelle: www.wellenreiter-invest.de.

 

Die blaue Kurve zeigt El Nino (nach unten) und La Nina (nach oben), die orangene Kurve stellt den Rohölpreis dar. Die Graphik deutet an, dass der Rohölpreis während El-Nino-Phasen zurückgeht. Der Wellenreiter schreibt:

Die Stärke des Wetterphänomens El Nino und der Ölpreis korrelieren positiv miteinander. Heizt sich der pazifische Ozean stärker auf als normal (El Nino), hat dies überwiegend einen warmen US-Winter zur Folge. Ein warmer US-Winter lässt die Nachfrage nach Erdöl sinken, der Preis fällt. El Nino und sein Gegenpart La Nina sind weitgehend vorhersehbare Phänomene. Die US-Wetterbehörde NOAA zeigt für das Jahr 2018 eine Entwicklung von La Nina zu El Nino (siehe Pfeil folgender Chart). Die Wassertemperatur des Pazifiks steigt und bringt den USA aller Voraussicht nach einen warmen Winter 2018/19. Die Erdölnachfrage müsste dadurch negativ beeinflusst werden, der Preis müsste fallen. Aktuell sehen wir eine Verzögerung. Der Ölpreis stieg in den vergangenen Monaten, obwohl der dargestellte Oceanic-Nino-Index (ONI) sich bereits seit Anfang 2018 in Richtung Süden bewegt. Wir nehmen an, dass der Ölpreis letztendlich dieser Bewegung folgen und fallen wird.

Die positive Korrelation ist in der Tat beachtlich, und auch die Erklärung macht natürlich irgendwie Sinn. Trotzdem bleibt es spekulativ, weil der Ölpreis letztendlich natürlich von einer Vielzahl von Faktoren abhängt. Die Prognose des El Nino ist übrigens etwas schwieriger als suggeriert. Ob jetzt wirklich ein neuer El Nino ins Haus steht? Die NOAA sieht momentan neutrale ENSO-Bedingungen, hält aber einen El Nino im kommenden Nordhemisphären-Winter mit 70% Wahrscheinlichkeit für möglich. Prognose vom 30. Juli 2018 als pdf hier. Oder anders ausgedrückt: Könnte sein, aber nicht ganz sicher. Warten wir es ab. Siehe auch den Artikel Strong El Niño helps reduce U.S. winter heating demand and fuel prices der US Energy Information Administration von 2016.

Der Wellenreiter greift zudem einen anderen Zusammenhang auf, nämlich die CO2-Änderungsrate und ENSO (El Nino – Southern Oscillation):

Abb. 2: CO2-Wachstumsrate und El Nino / La Nina. Quelle: www.wellenreiter-invest.de

 

Der Wellenreiter schreibt dazu:

Der El Nino/La Nina-Zyklus (ONI) läuft der Entwicklung der CO2-Wachstumsrate voraus. Dies ist auf dem obigen Chart gut zu erkennen (siehe auch die Pfeilmarkierungen). Die Wachstumsrate des CO2-Ausstoßes folgt dem El Nino/La Nina-Zyklus und damit der Temperaturentwicklung. Das bedeutet nicht, dass der Mensch keinen Einfluss auf die CO2-Entwicklung hat. Aber die Feinsteuerung erfolgt durch den El Nino/La Nina-Zyklus.