Before the Flood – Eine Filmrezension

Am 9. September 2016 feierte die Klimadoku “Before the Flood” im Rahmen des Toronto International Film Festivals seine Premiere. Wikipedia erläutert:

Im Film äußern sich prominente Führer und Politiker, mit denen sich der Schauspieler Leonardo DiCaprio trifft, zu den Folgen des Klimawandels. Hierzu gehören der Generalsekretär der Vereinten Nationen Ban Ki-moon, der ehemalige US-Präsident Bill Clinton, sein derzeitiger Amtskollege Barack Obama und sein Außenminister John Kerry, aber auch Papst Franziskus.

Zunächst konnte man sich den Film kostenlos auf Youtube anschauen. Mittlerweile ist er dort jedoch verschwunden und muss käuflich erworben werden, z.B. bei Amazon. Aber lohnt sich der Kauf? Etliche Rezensenten ließen den Streifen glatt durchfallen, nachzulesen z.B. auf WUWT, Motls Blogspot und The Daily Signal. Sehenswert auch dieser interessante Filmvergleich zwischen “Before the Flood” und “The Great Global Warming Swindle”:

 

Vorabgeschickt sei, dass der Film in satter Spielfilmlänge vorliegt, sich über anderthalb Stunden streckt. Also Poppcorn und das Lieblingsgetränk bereitstellen. Der Film beginnt mit unvermeidlichen biblischen Gleichnissen, Paradies, Hölle, Verderbnis. Dann tritt Vielflieger Leonardo diCapio auf, er wird zum UN-Friedensbotschafter gemacht, Schwerpunkt Klimawandel. Er sagt höflich vor der UN-Vollversammlung, dass er alles über das Themen lernen wolle. Wirklich? Will er wirklch wissen, dass die Klimamamodelle den Hindcast der letzten 1000 Jahre nicht hinbekommen, also die Vergangenheit nicht reproduzieren können? Will er darüber lernen, dass sich der IPCC in seinem letzten Bericht nicht einmal mehr auf einen besten Schätzwert zur CO2-Klimasensitivität festlegen konnte, da die Experten sich einfach nicht zu einigen vermochten? Nein, das will diCaprio sicher nicht. Er ist Aktivist und will so schnell wie möglich die Gesellschaft umbauen, das hat Priorität vor dem vollständigen Klimaverständnis. Eine wissenschaftliche Ausbildung würde da nur stören.

DiCaprio outet sich als Klimapessimist und fragt laut, ob er wohl der richtige für diesen UN-Botschafterjob ist. Die Frage ist berechtigt. Sollte man einen Menshen zum Verkehrsminister machen, der nur noch Autounfälle, Flugzeugabstürze und entgleiste Züge im Kopf hat und dabei den großen Nutzen der Transportmittel glatt übersieht? DiCaprio hat sich ein inneres Zerrbild der Natur aufgebaut, hat Angst vor ihr, anstatt sich entspannt in ihr zu bewegen. Die Natur ist etwas Schönes, Gutes. Durch Klimaalarm à la diCaprio wird eine ganze Generation zu Naturhassern gemacht. Wind, Wasser, Hitze, Kälte – alles ist negativ belegt, ist vom Mensch verschuldet. Das passiert, wenn ein Junge wie diCaprio in downtown Los Angeles aufwächst und sein einziger Kontakt mit der Naur im Naturkundemuseum stattfindet.

Es folgt eine Schimpkanonade über fossile Brennstoffe. Als die dann vorüber ist, setzt sich diCaprio in einen mit Kerosin angetriebenen Hubschrauber und fliegt erstmal eine Runde über die kanadischen Ölsande. Dabei meckert er über die für den Tagebau gerodeten Flächen. Interessanterweise verliert er kein Wort darüber, dass in den letzten Jahren viel größere Gebiete der tropischen Regenwälder entwaldet wurden, um dort Palmöl, also Biosprit anzubauen.

Nächste Szene: diCaprio outet sich als Al-Gore-Jünger. Der habe ihn zum Klimaalarmist gemacht. Und in dessen Fußstapefn will er jetzt treten. Sprachs und setzte sich in den nächsten Kerosin-betriebenen Helikopter, um einen Spazierflug über Eisberge und Gletscher zu machen. Die Menschen haben Schuld am Schmelzen dieser schönen, lebensfreundlichen Eismassen. Ihr teuflischer Lebensstil ist ihr Verderben. Wieso müssen sie eigentlich immer mit dem Flugzeug in Urlaub fliegen, wenn man auch eine mehrwöchige Fahrradtour im heimischen Regen machen könnte?

DiCaprio lässt sich dann in Pfützen auf der kanadischen Baffininsel filmen. Unerwähnt lässt er, dass es vor 1000 Jahren während der Mittelalterlichen Wärmeperiode dort schon einmal so warm wie heute war. Ein Aktivistenfreund behauptet munter, dass das schmelzende Meereis der Arktis zu mehr Überschwemmungen und Dürren führen. Das steht nicht einmal im IPCC-Bericht, der sehr viel vorsichtiger argumentiert. Der Aktivist spielt mit der Unwissenheit der Bevölkerung. Weshalb meldet sich kein seriöser Wissenschaftler zu Wort und rückt das schräge Bild zurecht? Wer will sich mit diCaprio, dem UN-Botschafter, anlegen?

Auftritt des Wissenschaftlers Jason Box, der vor der Kamera in Grönland sagen darf, dass die Wirklichkeit viel schlimmer als in den Klimamodellen wäre. Jason Box? Über den hatten wir bereits 2013 hier im Blog berichtet:

Der US-amerikanische Klimawissenschafler Jason Box wurde 2011 im Rahmen einer Demo gegen die Alaska-Ölpipeline festgenommen, die er aufgrund der befürchteten Klimakatastrophe ablehnt. Kollegen hatten Box zuvor gewarnt, dass er für seine Forschungsprojekte nun wohl nicht mehr die notwendige wissenschaftliche Unabhängigkeit besitzt, die für ergebnissoffene Grundlagenforschung unabdinglich ist. Auch Fördergelder könnten nun in Gefahr sein. Vielleicht wollte Box aber auch nur seinem möglichen Vorbild James Hansen nachtun, der ebenfalls als Demonstrationsteilnehmer in der Vergangenheit festegenommen wurde.

Siehe Meldung vom Yale Forum on climate change & the media.

Vermutlich haben Sie den Erzählstil des Films anhand dieser Beispiele aus den ersten 18 Minuten des Streifens verstanden. Die restlichen knapp 80 Minuten des Films wird es vermutlich so weitergehen. Schade um die kostbare Zeit, die der Rezensent lieber mit wissenschaftlichen Fragen verbringen möchte. “Before the Flood” ist ein lupenreiner Klimaaktivistenstreifen, der fernab der wissenschaftlichen Basis auf der Emotionsschiene beeindrucken möchte. Der naturwissenschaftlich nicht bewanderte Protagonist ist ein Hollywoodschauspieler, der genau das Gegenteil von dem tut, was er hier in pseudreligiöser Art und Weise predigt: Mit dem Privatjet düst er um die Welt und genießt seine Rolle, die er selber irgendwo zwischen Mutter Theresa und Mahatma Gandhi vermutet. Ein unausgewogener Propagandafilm, der insbesondere im Schulunterricht nichts zu suchen hat.